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Ausgabe:

1882

Spalte:

505-507

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Zimmer, Friedr.

Titel/Untertitel:

Galaterbrief und Apostelgeschichte. Ein exegetischer Beitrag zur Geschichte des Urchristentums 1882

Rezensent:

Schürer, Emil

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Hamack und D. E. Schürer, Proff. zu Giefsen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. j. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 22. 4- November 1882. 7. Jahrgang.

Zimmer, Galaterbrief und Apoftelgefchichte
(Schürer).

Lactantii liber de mortibus persecutorum edid.

Duebner (Brieger).
Ebrard, Bonifatius der Zerftörer des columba-

nifchen Kirchenthum's (Zoepffel).

Janffen, An meine Kritiker (Kolde). [Schlufs
folgt.]

Feiice, de, Lambert Daneau (Schott).
Bacmeifler, Der Beffimismus und die Sittenlehre
(Härtung).

Sommer, Der Peffimismus und die Sittenlehre
(Härtung).

C1 a a f f e n, Leffings Leben und ausgewählte Werke
im Lichte der chriftlichen Wahrheit (Lindenberg
).

Zimmer, Privatdoc. Lic. Dr. Friedr., Galaterbrief und
Apostelgeschichte. Ein exegetifcher Beitrag zur Ge

renzen zwifchen Apoftelgefchichte und Galaterbrief hinweg
: fo wenig find ihm die Schwierigkeiten, die für den

fchichte des Urchriftentums. Hildburghaufen 1882, apologetifchen Standpunkt hier vorliegen, auch nur zum
il '. q „ q « ,t Bewufstfein gekommen. Eine Haupt-Differenz in den

Gadow & Sohn. (VU, 208 b. 8.) m. 3- — { beiden fraglichen Berichten über das Apoftelconcil ift

,Die Refultate diefer Unterfuchung find für die ohne Zweifel die, dafs nach der Apoftelgefchichte die
Apologetik günftiger als die Aufftellungen der ausge- Häupter des Apoftelkreifes, Petrus und Jakobus, von
fprochenften Apologeten'. Mit diefen Worten hat der vornherein als Vertreter des gefetzesfreien paulinifchen
Verfaffer in der Vorrede feine Arbeit felbft charakteri- Standpunktes auftreten. Sie ftehen von Anfang an auf
firt. Wenn er dann hinzugefügt: .Mein Streben war das einer Seite mit Paulus und vertheidigen die gemeinfame
nicht, auch meine Erwartung von vornherein kaum; ich Sache gegenüber den Judaiften, ohne dafs Paulus irgend
habe unbefangen und unbekümmert um das fchliefsliche ; welche Verhandlungen mit ihnen (den atvlotg) erft nö-
Ergebnis .... die Unterfuchung aufgenommen', fo find , thig hat. Nach dem Galaterbrief dagegen fteht die
wir ihm hinfichtlich der fubjectiven Wahrheit diefer Ver- Sache doch deutlich fo, dafs Paulus gerade mit den
ficherung natürlich Glauben fchuldig. Aber es giebt ociLotg über die brennende Frage verhandelt, dafs
eben auch unbewufst wirkende Motive, die oft viel ftär- I er ihre Anerkennung für fein Werk erft gewinnt durch
ker find, als das redlichfte Streben, fich nicht von vor- ; die Vorftellungen und Mittheilungen, die er ihnen macht,
gefafsten Meinungen beeinfluffen zu laffen. Dafs nun ; Mögen fie auch fchon vorher nicht auf Seite der Geg-
der Verf. von folchen Motiven, und zwar in apologeti- j ner Pauli geftanden haben, fo haben fie doch ebenfo
fcher Richtung, beeinflufst worden ift, kann für den un- j wenig bereits auf Seite Pauli geftanden. Erft infolge

betheiligten Beobachter nicht zweifelhaft fein. Es ift ein
rein apologetifches Intereffe, von welchem er, wenn er
es auch felbft nicht weifs, bei feiner Arbeit geleitet

feiner Mittheilungen fehen fie, dafs er betraut ift mit
dem Evangelium der Vorhaut (V. 7: idöi'ieg ort itefil-
mevfiai /.iL), und erkennen fie die ihm gegebene

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wurde. Zwar findet fich S. 38 eine Anwandlung von Gnade (V. 9: VvAvTtg viv zeigt v xtL). Ueber diefe entKritik
, indem in den Berichten der Apoftelgefchichte ; fcheidenden Worte im Berichte Pauli ift aber Zimmer
über die Bekehrung Pauli die Notizen 9, 7 und 22, 9 als faft ftillfchweigcnd hinweggegangen; und fo hat er ge-
.fagenhafte Züge' bezeichnet werden. An allen übrigen j rade die Hauptfache, auf die es ankommt, nicht bePunkten
aber, welche bei der Vergleichung mit dem j merkt, und kann infolge deffen rundweg in Abrede
Galaterbrief in Betracht kommen, wird die Erzählung ftellen, dafs in diefer Hinficht irgendwelche Differenz
der Apoftelgefchichte als unbedingt hiftorifch und mit zwifchen dem Galaterbrief und der AG. beflehe. — Ein
dem Galaterbrief übereinftimmend vertheidigt. j anderer Punkt, wo Zimmer ebenfalls trotz aller pein-

Die Arbeit zerfällt in vier Abfchnitte. Zunächft wird j liehen Sorgfalt im Detail die Hauptfache nicht bemerkt,
S. 2—34 ,die Identität der beiderfeits berichteten Reifen 1 betrifft die Autoritätsftellung der Urapoftel einerfeits und
des Paulus nach Jerufalem, feftgeftellt, alfo namentlich des Paulus andererfeits. Es ift doch keine Frage, dafs
die Identität von Gal. 2 und AGefch. 15 bewiefen. Da nach der Auffaffung der AG. die Urapoftel und die
diefe fchon fehr oft bewiefen worden ift, fo ertheilt der Muttergemeinde die entfcheidende Inftanz find, welche
Verf. im Vorwort dem Lefer die Erlaubnifs, diefen Ab- kraft ihrer Autorität in dem ausgebrochenen Streit das
fchnitt zu überfchlagen, von welcher Erlaubnifs ich mei- mafsgebende Urtheil fällt (vgl. bef. das wiederholte
nerfeits Gebrauch gemacht habe. Ein zweiter Abfchnitt töo&v i)/ilv). Ebenfo deutlich ift aber, dafs Paulus im
(S. 34—87) behandelt die Ereignifse vor dem Apoftel- Galaterbrief für fich felbft ganz die gleiche Autorität be-
convent, ein dritter (S. 87—195) den Apoftelconvent, anfprucht, wie fie die Urapoftel haben. Er verhandelt
endlich ein vierter den Streit zwifchen Paulus und Petrus als ein Gleicher mit Gleichen; und er ift — fo fehr er
in Antiochien (S. 195—206). — Im Ganzen mufs der Ar- auch die Zuftimmung der Urapoftel wünfcht — doch

beit nachgerühmt werden, dafs fie das exegetifche De
tail mit grofser Gewiffenhaftigkeit behandelt — nur mit

weit davon entfernt, fie als über ihm flehende Autorität
anzuerkennen. Auch diefen Sachverhalt ftellt Zimmer

allzu grofser! Die einfachften und felbftverftändlichften : direct in Abrede. Aber feine Gegenbemerkungen gegen
Dinge werden mit einer Umftändlichkeit und Wichtig- j Zeller und Lipfius (S. 139 ff.) zeigen nur, wie wenig

keit behandelt, als ob es fich um grofse Streitfragen han
delte. Und bei all' diefem Mückenfeigen werden doch
einige Kameele ohne Schwierigkeit verfchluckt. So
peinlich genau es der Verfaffer nämlich mit kleinen,
z. Th. auch nur vermeintlichen exegetifchen Schwierigkeiten
nimmt, fo leicht geht er über die grofsen Diffe-

fcharf feine Auffaffung und Beobachtung gerade in folchen
Hauptpunkten ift; was er hier fagt, fchiefst voll-
ftändig neben dem Ziel vorbei. — Dasfelbe wird man
auch von den Bemerkungen fagen müffen, mittelft deren
der Verf. die gefchichtliche Möglichkeit des fog. Apo-
fteldecretes trotz der Verficherung Pauli ettcff 01 do/.oiv-

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