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Ausgabe:

1882 Nr. 20

Spalte:

461-465

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Menegoz, Eugène

Titel/Untertitel:

Le péché et la rédemption d‘après Saint Paul 1882

Rezensent:

Wendt, Hans Hinrich

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Theologifche Literaturzeitung. 1882. Nr. 20.

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Jeremia nach S. 195 die Königsbücher verfafst hat. J nem fleifchlichen Ich, hinfichtlich deffen er als Glied

Notiren wir es lieber, dafs auch ein fo gerichteter Theo
löge nicht umhin kann, Jof. 8, 3. 1 Sam. 6, 19. 2 Sam.
15, 7 und 2 Kön. 15, 1 Zahlenverfehen (S. 18. 108. 177.
290). Rieht. 10, 12 einen Schreibfehler (S. 71), 2 Sam.
21, 8 und 2 Chron. 28, 5 Namensverwechfelungen (S.
187. 293) und 2 Chron. 26, 7 falfche Angaben (S. 291)
zu conftatiren und die doppelte Erzählung von Saul's

zu jenem grofsen Menfchheitsorganismus gehöre,
gleich immer in einem gewiffen Mafse ein pneumati-
fches Ich habe, vermöge deffen er als Individuum frei
fei. — In dem folgenden Abfchnitte über die Strafe der
Sünde kommt der Verf. zu dem Ergebnifse, dafs nach
paulinifcher Anfchauung der Tod, welcher die Strafe
der Sünde fei, nicht in der Auflöfung des körperlichen

Verwerfung aus den Quellenverhältnifsen herzuleiten 1 irdifchen Lebens bei einer Eortexiftenz der Seele, aber
(S. 122). Den fpeciell theologifchen Standpunkt des I auch nicht in einer im Jenfeits zu erleidenden ewigen
Verfaffers charakterifirt es, dafs ,im Gebet Gott felbft [ Höllenqual beflehe, fondern in einer definitiven Ver-
zu fich emporfteigt' (S. 81), dafs die Hexe von Endor j nichtung des ganzen Menfchen bei dem irdifchen Tode,
die Realität der gefammten Hexerei darthut (S. 152 f.), I Das jüngfte Gericht habe für Paulus die Bedeutung, dafs
lafs alle Naturereignifse durch Vorgänge in der Men- | es den Tod darfteile, der das Menfchengefchlecht treffe, fo-

fern dasfelbe eben als eine einzige grofse Perfon gedacht
fei. — Aus dem Abfchnitte über die Sünde und
das Gefetz ift die Feftftellung der vier verfchiedenen
Bedeutungen bemerkenswerth, in welchen Paulus von
dem mofaifchen Gefetze rede, ohne freilich felbft diefe

fchenwelt motivirt find (S. 242) und dafs über die verfchiedenen
Sonnenwunder Dinge gefagt werden, die
überhaupt Niemand verliehen kann (S. 21 f. 300).

Strafsburg i. E. H. Holtzmann.

Menegoz, Eug., Le peche et la redemption d'apres Saint Bedeutungen fcharf aus einander zu halten- er verliehe
„ 1 t, • 00 • 11 1 , z c q I darunter 1) ein ewiges Sittengefetz, deffen Summe das

Paul. Paris 1882, Fischbacher. (306 S. gr. 8.) I LiL.besgebot fei; 2f die Etlichen Gefetzesvorfchriften

Der in diefem Werke gegebenen Darlegung eines
Haupttheils der paulinifchen Lehre find die überlieferten
paulinifchen Briefe zu Grunde gelegt, indem der Verf. nur
über die Authentie der Theffalonicherbriefe Bedenken
äufsert, jedenfalls bei ihnen einen noch unentwickelteren

ceremonialer Art, an deren Spitze das Befchneidungs-
gefetz flehe, 3) die theokratifch-nationale Ordnung Israels
, 4) die Sammlung der altteftamentlichen Schriften. —
In dem erften Capitel des zweiten Theiles ift intereffant,
wie der paulinifche Begriff der Erwählung erklärt wird.

Stand der paulinifchen Ideen findet, und andererfeits bei Derfelbe beziehe fich nicht auf die Verwirklichung des
den Paftoralbriefen fpätere Zufätze annimmt, welche fich Heilszieles, fondern auf die gefchichtliche Ausführung
aber nur auf die Disciplin und Kirchenordnung, nicht auf des Heilsplanes. Während die Verwirklichung des Heils-
die eigentliche Lehre beziehen. Die Darfteilung ift ausge- zieles nach dem Willen Gottes univerfal fei, fo habe
zeichnet durch Klarheit des Ausdrucks und gute Dis- ; Gott in feiner abfolut freien Gnade für die gefchicht-
pofitionen; man wird ferner wohlthucnd berührt durch I liehe Ausführung des Heilsplanes fpeciell das" Volk ls-
das merkliche Streben des Verf.'s, feine Aufgabe als 1 rael auserwählt; diefes Volk, und nicht etwa einzelne
eine rein gefchichtliche mit dogmatifcher Unbefangen- ; Individuen, fei Gegenftand der Prädeftination. Auch bei
heit zu löfen; hauptfächlich aber wird man angezogen der Ausfage des Paulus Rom. 9, 10 ff. handle es fich
durch die grofse Originalität, mit welcher dem fo viel ! nicht um das individuelle Heil Jacob's und die Verdam-
behandelten Thema hier neue Gefichtspunkte und Ergeb- , mung Efau's, fondern nur um die Auswählung des von
nifse abgewonnen find. Faft in jedem Abfchnitte weifs Jacob ftammenden Volkes zum Träger der befonderen
der Verf. auf einen neuen Löfungsverfuch für ein Pro- providentiellen Aufgabe bei der Ausführung des Heils-
blem der paulinifchen Lehre hinzuleiten, ohne dafs doch | planes. — In dem Abfchnitte über den Sohn Gottes
fein Verfahren zu einem gefuchten, künftlichen wird, i fucht der Verf. nachzuweifen, dafs nach paulinifcher
Man kann feinen Ausführungen nur mit anhaltendem In- ' Vorftellung Chriftus eine reale Präexiftenz gehabt habe;
tereffe folgen und wird durch fie mannigfach belehrt und | fein Ich, feine Perfönlichkeit fei in feinem Auferftehungs-
zum Nachdenken angeregt, auch wo man den darge- j zuftande ganz identifch gewefen mit feinem Ich im Prä-
botenen Ergebnifsen felbft nicht zuftimmen kann. exiftenzzuftande, wenn auch feine Rangftellung im Auf-

Ich hebe folgende Punkte hervor, welche mir als erftehungszuftande viel höher und herrlicher geworden
befonders charakteriftifch erfchienen find. In den beiden fei. Wirkliche Gottheit Chrifti und demgemäfs eine In-
erften Capiteln unterfcheidet der Verf. zwifchen einer carnation Gottes kenne Paulus nicht; nur als ein höheres
moralifchen und einer dogmatifchen Auffaffung der himmlifches Wefen, welches bei allem Vorrange vor den
Sünde bei Paulus. Bei der erfteren Auffaffung erfcheine übrigen Gefchöpfen und auch vor der ganzen himmlifchen
die Sünde als eine mit Bewufstfein und Freiheit voll- . Hierarchie doch felbft mit in die Kategorie der Gefchöpfe
zogene Uebertretung des göttlichen Gefetzes, bei der [ gehöre, fei Chriftus incarnirt worden. An der Stelle
anderen aber als ein Zuftand der Menfchheit, welcher Phil. 2, 6 ff. fei der präexiftente Zuftand Chrifti nur als
mit Adams Uebertretung feinen Anfang genommen und gottähnlich, nicht als eigentlich göttlich gedacht, was
fich von da ohne Mitwirkung der einzelnen Menfchen daraus hervorgehe, dafs der Auferftehungszuftand in Ver-
auf dem Wege der Zeugung fortgepflanzt habe. Sitz ] gleich mit ihm als ein noch höherer bezeichnet werde;
diefer Sünde fei die odq§, durch welchen Begriff Paulus ! und an der Stelle Rom. 9, 5, wo fich die Doxologie
gemäfs feiner moniftifchen Betrachtungsweife den Men- j wahrfcheinlich auf Chriftum beziehe, gelte der Titel y-coe
fchen hinfichtlich feines ganzen natürlich-irdifchen Seins von ihm doch nur in dem gleichen uneigentlichen Sinne,
als belebte geiftige Materie bezeichne. Der Widerfpruch in welchem 1 Cor. 8, 5 von vielen Göttern geredet
nun zwifchen den bezeichneten beiden Auffaffungen der werde. — In Betreff der paulinifchen Lehre von der
Sünde finde darin feine Löfung, dafs bei der moralifchen Sühne und Rechtfertigung entwickelt der Verf. in den
Auffaffung die Sünde der einzelnen menfehlichen Indivi- beiden letzten Capiteln folgende Gedanken. Diefelbe
duen, bei der dogmatifchen aber die Sünde der ganzen 1 beruhe auf dem für das antike Bewufstfein bei Heiden
Menfchheit in Betracht gezogen werde, und zwar der und Juden gültigen Axiome, dafs einerfeits bei begang-
Menfchheit nicht nur als einer Summe der vielen Indivi- 1 ener Schuld der vergeltenden Gerechtigkeit Genüge
duen, fondern gewiffermafsen als eines einzigen giganti- j gefchehen müffe, während andererfeits zum Zwecke der
fchen Menfchen, von welchem es gelte, dafs er ganz der '• Sühnung der Schuld durch die Strafe ein Unfchuldiger
Sünde unterworfen fei. Das einzelne menfehliche In- j für den Schuldigen eintreten könne. Wichtig fei hierbei
dividuum könne fleh dabei immer von der für die Menfch- ; jedoch, dafs bei einer folchen Stellvertretung nach anlieft
als Ganzes geltenden Regel ausnehmen, fofern näm- ; tiker Vorftellung nur die dem Schuldigen gebührende
lieh der Einzelne nie blofs aägS fei, fondern neben fei- Strafe, nicht aber zugleich der Zorn des Strafenden auf

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