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Ausgabe:

1882

Spalte:

457-459

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Theodosius, De situ terrae sanctae im ächten Text

Titel/Untertitel:

und der Brevarius de Hierosolyma, vervollständigt hrsg. von J. Gildemeister 1882

Rezensent:

Furrer, Konrad

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack und D. E. Schürer, Proff. zu Giefsen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 20. 7- October 1882. 7. Jahrgang.

Theodosius, de situ terrae sanctae, edid. Gilde- I Zahn, Cyprian von Antiochien und die deutfche
meider (Furrer). Fauftfage (Bonwetfch).

Vilmar, Collegium biblicum , Altes Teil. 2. ; Friedrich, Beiträge zur Gefchichte des Jefuiten-
Thi. (Holtzmann). Ordens (Möller).

Schäfer, Iiibel und Wiffenfchaft (Thunes).
Riehm, Religion und Wiffenfchaft (Thönes).
Harnack, Katechetik I. Bd. (Löber).
Menego'z, Le peche et la redemption d'apres j Brofch, Gefchichte des Kirchenftaates. 2. Bd. I Roedenbeck, Die Ehe in befondcrer Beziehung
Saint Paul (Wendt). (Benrath). "*

Kraus. Lehrbuch der Kirchengefchichte, 2. Anfl. Braun, Proteftantismus und Sekten (Katten-I auf Ehefcheidung und Ehefchbefsung Gefchie-
(A. Harnack). bufch). dener (Koehler).

Theodosius. De situ terrae sanctae im ächten Text,
und der Breviarius de Hierofolyma, vervollftändigt
hrsg. von Prof. Dr. J. Gildemeifter. Bonn 1882,
Marcus. (37 S. gr. 8.) M. 1. 60.

Titus Tobler ift der erfte gevvefen, der in feiner
Ausgabe der Schrift des Theodofius im Jahr 1869 Alter
und Werth diefer Schrift an's Licht geftellt hat. Auf
Grundlage eines reicheren handfehriftlichen Materials arbeitete
er eine neue Edition aus, die in dem 1. Bande
der Itincra Iiicrosolymitana der ,societe de l' Orient latin'

alteriger Codex exidtanies, da fchon Hieronymus in der
betreffenden Stelle exultastis überfetzt hat. Mit Molinier
möchte ich § 13 apparet ftatt ad par lefen. Auch § 71
und 72 fcheint mir derfelbe das Richtige getroffen zu
haben. Theodofius erzählt nämlich nach Erwähnung des
Einzugs Jefu in Jerufalem, dafs dort gelefen wurde: Marc
qnare conturbatuni est etc. Diefe Stelle aus Pfalm 113 (1141
wird nach Molinier jetzt noch während der Faftenzeit
bis zum h. Donnerstag in Nachmittagsgottesdienften der
katholifchen Kirche recitirt. Bei Anlafs diefer Pfalm-
ftelle aber bringt Theodofius die Legende in Erinnerung,

(1879) erfchien und der Aug. Molinier eine eigene Bear- dafs, als Jefus zur Taufe an den Jordan hinunterftieg,
beitung und neue handfehriftliche Zeugen beifügte. Nun
war allerdings Tobler zu wenig philologifcher Fachmann,
um bei dem bedauerlichen Zuftande des handfehriftlichen
Apparates den älteften Text mit annähernder Sicherheit
feftzuftellen Einige gar auffallende Willkürlichkeiten
in der Textbehandlung find auf Rechnung der Krankheit
des ehrwürdigen greifen Gelehrten zu fetzen und wären
von ihm in den Jahren feiner Kraft vermieden worden,
fo z. B. die ganz unmotivirte Verlegung der Veronica-
legende von Caefarea Philippi nach Capernaum.

Molinier's Arbeit ift beffer, doch hat er verkannt, dafs
der codex Pithocanus nicht den fchlechtcften, fondern den
beften Text enthält. Daher begrüfsen wir es mit dankbarer
Freude, dafs ein fo bewährter Philologe wie
Gildemeifter fich der Mühe einer neuen Edition unterzogen
hat.

Theodofius, ein Priefter, wahrfcheinlich aus Nordafrika
, verfafste feine Schrift im Anfang des 6. Jahrhunderts
noch vor der Regierung Juftinian's. Er war alfo
ein Zeitgenoffe des Mönchsvaters Sabas. Aus der Menge
von Manulcripten zu fchliefsen, mufs feine Schrift über
Paläftina im Mittelalter vielen Anklang gefunden haben,
was aber nicht hinderte, dafs fein Text der willkürlichften
Behandlung unterworfen wurde. Schon die beiden älteften
aus dem 8. Jahrhundert flammenden Handfchriften
weichen vielfach von einander ab; daher ift es unmöglich
, den echten Text mit voller Sicherheit feftzuftellen,
zumal Theodofius einer viel zu barbarifchen und abrupten
Schreib weife fich befliffen hat, als dafs diefe zu
einem Kriterium für die Echtheit dienlich wäre. Was
aber unter folch mifslichen Umftänden gethan werden

Hügel vor ihm her gingen und heute noch gleichfam
tanzen gefehen werden. Haben wir damit den Zufam-
menhang richtig erfafst, dann ift ^ 72 ubi und est holest
zu ftreichen. Auch ein barbarifcher Afrikaner kann
doch kaum einen folchen Satz ,ubi circitm yordanem est
hoc est monticelli sunt nmlti' gefchrieben haben. Mit
Gildemeifter lefe ich 5 77 iuxta montem Sina Infra ci-
vitas. ibi s. Moyses cum Amalcc pugnavit; denn Infra ift
nur eine Verfchreibung für das bekannte Pliara im heutigen
Wadi Feiran auf der Sinaihalbinfel.

Wenn Theodofius, wie allgemein angenommen wird,
Paläftina felbft durchwandert hat, dann verdienen feine
Diftanzangaben Vertrauen und tollten darum in den
Handfchriften die Zahlen vorgezogen werden, die der
Wirklichkeit am meiften fich nähern. So find es z. B.
III milia von Capernaum nach Bethfaida, nicht VI. Wenn
Theodofius fagt, dafs die Entfernung von Tiberias bis
Magdala zwei Meilen betrage, und ebenfoviel die Diftanz
von Magdala bis zu den heben Quellen und von da bis
Capernaum, von dort bis Bethfaida 3 Meilen, fo trifft
das ziemlich genau zu, wenn wir feine Meile der leuca
(1500 passus) gleichfetzen dürfen, nach welcher auf den
römifchen Meilenfteinen in Gallien die Diftanzen angegeben
waren. In andern Stellen trifft die Berechnung
nach gewöhnlichen römifchen Meilen beffer zu.

Die Unficherheit des Textes, die oft haarfträubende
Verfchreibung der Eigennamen benehmen der Schrift
viel von dem Werthe, den he fonft kraft ihres hohen
Alters beanfpruchen könnte. Immerhin bietet fic auch
fo noch des Intereffanten genug. Zur Zeit des Theodofius
erfreute fich das byzantinifch kirchliche Leben in

konnte für Herftellung des urfprünglichen Textes, das Paläftina eines mächtigen Auffchwunges, verfichert er
ift von Gildemeifter geleiftet worden, gegen deffen Werk doch, dafs es allein am Oelberg 24 Kirchen gegeben
Molinier in der Revue critique 1882, S. 328 fg. fich fehr j habe, waren doch alle irgendwie durch Legende oder

unnöthig ereifert hat.

Dafs der Codex Pithoeanus den urfprünglicheren Text
giebt, möchte ich zwar nicht daraus fchliefsen, dafs er
$ 72 in einem Citat aus Pfalm 113 (114) mit Auguftin
den Ausdruck gestistis zeigt, während ein anderer gleich-

Gefchichte ehrwürdigen Stätten mit Heiligthümern geziert
, die Gebirgswüfte von Mönchen und Einfiedlern
belebt. Neben den althebräifchen Ortsnamen waren
viele griechifche im Gebrauch, wie Ancon, Hermippos
Diospolis (Lydda), Diocaesarea (Sepphoris) etc. Die

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