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Ausgabe:

1882

Spalte:

409-412

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Vernes, Maurice

Titel/Untertitel:

Mélanges de critique religieuse 1882

Rezensent:

Baudissin, Wolf Wilhelm

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack und D. E. Schürer, Proff. zu Giefsen.

Ericheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 18.



9. September 1882.

7. Jahrgang.

Vernes, Melanges de critique religieuse (Graf
Baudiffin).

Deane, ZCXPIA ZAAS2M12N with an intro-

duction etc. (Schürer).
Spiels, Das Jerufalem des Jofephus (Schürer).
Seydel, Das Evangelium von Jefu in feinen

Verhältnifsen zu Buddha-Sage und Budda-

Lehre (Oldenberg).
Gräfe, Ueber Veranlaffung und Zweck des

Römerbriefes (Schürer).
Loofs, Antiquae BritonumScotorumque ecclesiae
(Lechler).

Lindner, Gefchichte des deutfchen Reiches vom

Ende des 14. Jahrhunderts. 2. Bd. 2. Hälfte.

(Tfchackert).
Bickell, Synodi Brixinenses saeculi XV.

(Tfchackert).
Wiefe, Gefundheit der Seele (Thönes).
Hofmann, Predigten Uber das Vaterunfer (Meier).
Ritter, De Monadenleer van Leibniz (Heinze).

Vernes. Maurice, Melanges de critique religieuse. Paris
1881, Fischbacher. (XV, 348 S. 8.)

Sehr verfchiedenen Gebieten angehörende Themata
werden in diefer Sammlung befprochen. Nicht einmal
orehören alle direct der Religionswiffenfchaft an. Es find
hier Auffätze zufammengeftellt, welche zumeift fchon
vorher in verfchiedenen Zeitfchriften erfchienen waren.
Sie knüpfen faft alle an Schriften anderer Autoren an,
die Ergebnifse derfelben refümirend und beurtheilend
nach Art jener Revüen, welche, mehr in Frankreich als
bei uns Sitte, ihr fehr Gutes haben können, die Reful-

(S. 124— 132), eine Kritik von J. Raska's Chronologie
der Bibel; .Bemerkungen über die Anfänge der ifraeli-
tifchen Gefchichte' (S. 133 —160); ,Der hebräifche Prophetismus
' (S. 161 —180); .Kritik des Juddisme von Ha-
vet' (S. 181-217); ,Das Buch des Propheten Joel und
feine fpäte Entftehung' (S. 218—228), im (gegenfätz-
lichen) Anfchlufs an Karle's Commentar; ,Die angeblichen
meffianifchen VVeisfagungen der Königsbücher' (S. 229—
238), anknüpfend an des Bifchofs von Chälons, Mgr.
Meignan, Proplieties messianiqucs; ,Die Venus. ,d' Ille von
Merimee und eine abeffinifche Legende' (S. 239 — 246),
eine Vergleichung zweier Sagen, kaum mehr ein reli-

tate der dem grofsen gebildeten Publicum feiten zu- ; gionswiffenfchaftlicher Gegenltand. Daran fchliefsen fich
gänglichen fachwiffenfchaftlichen Arbeiten in weiteren j zwei Artikel über Religionsphilofophie, der eine E. v.
Kreifen verbreitend. Es gefchieht dies in der vorlieg- ; Hartmann's .Selbftzerfetzung des Chriftenthums' (S. 249—
enden Veröffentlichung nicht ohne Gefchick. In den : 265), der andere Matthew Arnold's Literature and Dogma
meiften Fällen wird mit richtigem Takte das Unfichere (S. 266—298) gewidmet.

in den Ergebnifsen Anderer aus dem Haltbaren ausge- j Den Schlufs bilden Bemerkungen über ,die Religions-
fchieden. Freilich huldigt der Verf. in der altteflament- [ wiffenfchaft {Critique religieuse, im öffentlichen Unterlichen
Literärkritik einem bedenklichen Skepticismus. richte' (S. 301—326) mit Hinzufügung eines Auffatzes
Die deutfehe Kritik geht ihm viel zu behutfam zu j von Littre ,über die nothwendige Stelle der Religions-
Werke. Er ift namentlich geneigt, eine weitgehende ] wiffenfchaft {Grit, relig.) im höheren Unterricht' (S. 329_

Ueberarbeitung der prophetifchen Schriften anzunehmen, —345).

fo dafs nur ein fehr kleiner Reft der einzelnen Bücher j Hier kann ich mich einiger Bemerkungen nicht ent-
als echt beftehen bleiben foll. Die Gefichtspunkte, nach ; halten, da der Verf. mit feinen praktifchen .Forderungen,
welchen er auf diefem Gebiete das Urfprüngliche von namentlich in Frankreich und in der Schweiz, leider
dem Ueberarbeiteten ausfondert, find theilweife höchft nicht allein fleht. Es find in Kürze folgende drei Forwillkürlich
. Doch hat er Sachkenntnifs genug, um die derungen-. ,1. Die Ergebnifse der religionsgefchichtlichen
kritifchen Extravaganzen Havet's auf altteftamentlichem j Kritik müffen einen breiten Raum einnehmen im höhe-
Gebiete zu mifsbilligen, welche fich nur aus Mangel an ! ren Unterricht. [Dagegen ift gewifs nichts einzuwenden,
Vertrautheit mit dem Stoffe erklären laffen. In diefen i fofern — und fo fcheint es gemeint — unter enseigntf
Fragen folgt der Verf. zumeift der Führerfchaft von j ment superieur zu verftehen ift haut enseiguement untver-
Reufs , der ihm aber in der Beurtheilung der propheti- sitaire.] 2. Die Hauptfacta der Religionsgefchichte fju-
fchen Schriften zu confervativ erfcheint. denthum und Chriftenthum eingefchloffen) müffen eine

Da eigentlich originale Leiftungen hier nicht vor- Stelle finden in dem gefchichtlichen Theile des enscigne-
liegen, fo darf ich mich darauf befchränken, die Gegen- ] ment secondaire public [d. h. des Unterrichts auf den
ftände der Auffätze mitzutheilen. Mit Bezug auf Max j lycees de l'lttat und den Colleges communaux S. 236]
Müller's neuefte religionsgefchichtliche Schrift wird zu- i 3. Kurze Mittheilungen über Religionsgefchichte (na-
nächlt von der ,Entwickelung der Religion' gehandelt ; mentlich Gefchichte der Juden) find aufzunehmen in das
(S. 3—19); dann im Anfchlufs an das Bibelwerk von Programm der niederen Schulen (S. XIV f.).
Reufs über ,die Principien der Bibelkritik' (S. 20—38). Man verfchone doch, meinen wir im Gegentheil,

Es folgen eine Reihe altteltamentlicher Studien: ,Ur- die Schule mit allgemeiner Religionsgefchichte und uber-
fprung und Compofition des Pentateuchs nach den ; laffe diefes vielfach noch fo unfichere Gebiet den Uni-
neueften Unterfuchungen'(S. 41 —58); ,Kntifche Analyfe verfitaten, wo es ohne Zweifel am Platz ift. Es kann
der verfchiedenen Beftandtheile der Gcnefis' (S. 59—79), nicht frommen, dafs man fchon hie und da (fo in der
,Die biblifchen Anfchauungen von den Anfangen der Schweiz) wirklich die allgemeine Religionsgefchichte
Menfchheit' (S. 80-101); ,Der Schöpfungsbericht und in den Lehrplan der Schulen aufgenommen hat. Was
fein Verhältnifs zu den Naturwiffenfchaften'(S. 102— Iii), der Verfaffer erftrebt, ift klar genug. Er will dem
eine Kritik der Biblifchen Schöpfungsgefchichte von Unterricht feinen chriftlichen Charakter, den Urkunden
Reufch; .Bemerkungen über die Chronologie der ifrae- des Chriftenthums ihre einzigartige Bedeutung genommen
litifchen Gefchichte' (S. 112—123); ,Die biblifche Chro- 1 wiffen. Die heilige Gefchichte foll fchon in der Ele-
nologie und ihr Verhältnifs zu anderen Chronologieen' , mentarfchule läique et profane (S. 318) werden. Wie fich

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