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Ausgabe:

1882 Nr. 17

Spalte:

394-395

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Davidson, Samuel

Titel/Untertitel:

An Introduction to the Study of the New Testament critical, exegetical, and theological. 2nd edition, revised and improved. 2 voll 1882

Rezensent:

Schürer, Emil

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Theologifche Literaturzeitung. 1882. Nr. 17.

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Schriftfteller ficher Jofephus felbft (fo XII, 5, 2 u. XIII, wochen des Daniel gefchricben hat. Wenn Hieronymus
12, 6). Dies mufs uns doch gegen Deftinon's Voraus- eine folche gekannt hätte, hätte er fie in feinem Artikel
fetzung fehr bedenklich machen. Sodann ift auch die An- ■ über Jofephus (De vir/s illustribus c. 13) nicht unerwähnt
nähme keineswegs richtig, dafs mit diefen Formeln über- laffen können. — Die auf S. 14 erwähnte Stadt heifst
all von der fyrifchen zur jüdifchen Gefchichte überge- nicht Dios, fondern Dion. — Vom Brief des Arifteas
leitet wird. Sie treten häufig auch mitten im Zufammen- erwähnt Deftinon S. 20 und 78 nur den Abdruck in
hang der fyrifchen Gefchichte ein, und haben an fich Haverkamp's Jofephus. Er ift bekanntlich in neuerer
nur den Zweck, die Kürze der gegebenen Erzählung zu Zeit auch von Moriz Schmidt herausgegeben worden
rechtfertigen durch Verweifung auf eine anderweitig be- (Merx' Archiv für wiffcnfchaftliche Erforfchung des
reits vorliegende Darftcllung. Endlich aber, wenn auch 1 Alten Teftamentes Bd. I S. 241—312).
alle Vorausfetzungen und Schlufsfolgerungen Deftinon's j G;er,.en E c h„

richtig wären, fo würde ich meinerfeits eher geneigt fein,

alles das. was Deftinon feinem Anonymus zufchreibt, _ „ . _ ■ • „ • ,

vielmehr dem Nikolaus Damafcenus zuzuweifen, von Davidson, Samuel, D. D., An Introduction to the Study of
dem ja doch auch eine Benützung der jüdifchen Quellen
angenommen werden kann.

Für Buch XIV—XVII nimmt Deftinon das grofsc
Werk des Nikolaus Damafcenus als Hauptquclle
an. ,Neben diefer Hauptquelle, aber in ganz untergeordnetem
Mafse, find benutzt worden Strabons Hifto- I Samuel Davidfon ift ein Veteran auf dem Gebiete

the New Testament critical, exegetical, and thcological.
2d edition, revised and improved. 2 voll. London
1882, Longmans, Green and Co. (XX, 584 u. VI,
513 S. gr. 8.)

rien, und eine einheimifche, auf der Tradition beruhende
Ouelle. Aufserdem hat Jofephus noch an einigen Stellen
den Bericht des Nikolaus durch eigenes Räfonne-
ment unterbrochen' (S. 120). Infofern es fich hier um
Nikolaus Damafcenus als Hauptquelle handelt, ift Defti-

der Neuteftamentlichen Einleitungswiffenfchaft. Schon
in den Jahren 1848—1851 erfchien feine Introduction to
the New Testament in 3 Bänden, die noch auf wefent-
lich confervativem Standpunkte ftcht. Von anderem,
ftark an Baur fich anlehnenden Standpunkte aus ge-

non's Thefe ohne Zweifel richtig, namentlich für Buch ; fchrieben ift fein fpäteres Werk, die Introduction to tk

XVI—XVII, wo Jofephus augenfcheinlich den Nikolaus : Study of the New Testament, 2 Bde., London 1868'. Eben

oft feitenlang abgefchrieben hat, ohne fich auch nur die [ diefes Werk liegt nun in neuer, umgearbeiteter Auflage

Mühe zu nehmen, deffen Darfteilung, die von einem dem vor. Es enthält genau das, was man die fpecielle

Herodes günftigen Standpunkte aus gefchrieben ift, ent- ; Einleitung in das N. T. zu nennen pflegt: die Unter

fprechend feiner eigenen ungünftigen Beurtheilung des
Königs zu ändern. — Den näheren Ausführungen Deftinon
's kann ich jedoch auch hier nur theilweife beiftim-
men. Unglücklich fcheint mir vor allem die auf S. 101
ausgefprochene Anficht über die Dispofition von Niko-

fuchung der Entftehungsvcrhältnifse der einzelnen Schriften
, ohne die Kanons- und Textgefchichte. Davidfon
hat feine Studien theilweife in Deutfchland gemacht und
ift mit der deutfchen Literatur wohl vertraut. Er fchätzt
fie hoch, faft zu hoch, bis zur Ungerechtigkeit gegen

laus' Werk. Jofephus giebt nämlich die Gefchichte des , die Leiftungen im eigenen Lande. Denn das fumma-
Herodes im Bell. Jud. in etwas anderer Anordnung als rifche Verwerfungsurtheil über alle neueren englifchen
in der Archäologie, dort mehr nach einer fachlichen ; Commentare zum Neuen Teftamente (p. VI: imperfect,
Dispofition, hier mehr in chronologifchcr Ordnung. De- j however, as are all English commentarics of recent origiii)
llinon ift nun ,nicht zweifelhaft, dafs die Form, in wel- j ift angefichts der werthvollen Commentare Lightfoot's

eher die Erzählung im Bell. Jud. erfcheint, die urfprüng-
liche ift'. Da möchte ich nur wiffen, woher dann Jofephus
die Mittel gehabt haben foll, die in der Archäologie
befolgte chronologifche Ordnung herzuftellen, wenn

doch nicht gerechtfertigt. Bei feiner Vorliebe für die
deutfehe Literatur find es denn auch faft nur die Arbeiten
deutfeher Theologen, die er erwähnt und mit
welchen er fich auseinanderfetzt. Wenn nicht das Ge-

in feiner einzigen Hauptquelle eine Sachordnung befolgt i wand der fremden Sprache wäre, fo könnte man oft
war? — Ueber die von Jofephus aufser Nikolaus Dam. be- meinen, ein in Deutfchland gefchriebenes Werk vor fich
nützten Quellen wird fich wohl nie etwas Sicheres er- ■ zu haben. Allerdings hat der Verf. die neuere deutfehe
mittein laffen. Die Benützung Strabo's in Buch XIV Literatur nicht mehr vollftändig verfolgt. Von Zeitwird
man lieh vielleicht etwas ftärker vorzuftellen haben, ] fchriften ift die Hilgenfeld'fche Zeitfchr. f. wiffenfchaftl.
als Deftinon zugiebt. In Buch XV ift jedenfalls neben , Theologie häufig benützt. Was aber fonft an Beiträgen
Nikolaus noch eine andere Quelle benützt, wie die Ab- j zur neuteftamentlichen Einleitung in deutfchen Zeitfchriften
weichungen vonder parallelen, auf Njkolaus beruhenden | in neuerer Zeit erfchienen ift, ift faft vollftändig ignorirt.

Auch fonft ift die neuere Literatur doch nur fehr un-

Darftellung im Bell. Jud. beweifen. Da hier einmal aus
drücklich die .Denkwürdigkeiten des Herodes' citirt werden
(XV, 6, 3: xavxa de vmAtpofl&i iv xolg vno-
fivi'tfictot xov ßaati.iiog 'Hqiödov neqiei%exd), fo fcheint es
das nächftliegende, an eine Benützung diefer zu denken,
wie Bloch und ich felbft früher gethan haben (Theol.
Lit.-Ztg. 1879, Sp. 570 f.). Deftinon beftreitet dies und
glaubt, dafs das betreffende Citat von Jofephus wörtlich
aus Nikolaus herübergenommen ift; und ich geftehe,
dafs mir felbft meine Anficht zweifelhaft geworden ift;
denn das yqüyoiiev t)[(elg ift augenfcheinlich von Einem
gefchrieben, der die Autorität der eigenen Denkwürdigkeiten
des Herodes befonders hoch ftellte, was doch
von Jofephus kaum anzunehmen ift. Immerhin bedürfte
die Frage nach der von Jofephus neben Nikolaus benützten
Ouelle noch einer genaueren Unterfuchung als
fie bei Deftinon gegeben ift.

Im Einzelnen bemerke ich noch folgendes. Aus der
bei Deftinon S. 24 Anm. 3 citirten Stelle des Hieronymus
(comment. in Jes. c. 36) darf ficher nicht gefchloffen
werden, dafs Jofephus eine Schrift über die 70 Jahr-

vollftändig benützt, wenn auch im Ganzen deren Be-
rückfichtigung bis in die neuefte Zeit fortgeht. Sowohl
diefe Berückfichtigung der neueren Literatur als auch
manche Modificationen des eigenen Urtheils haben in
der vorliegenden neuen Auflage vielfache Aenderungen
im Einzelnen gegenüber der früheren Auflage veranlafst.
Der Standpunkt des Verfaffers im Allgemeinen ift aber
derfelbe geblieben, wie in der Auflage von 1868; es ift
im Wefentlichen derjenige der Baur'fchen Schule. Dies
gilt jedoch nur von der Gefammtanfchauung über die
Entwickelungsgefchichte des Urchriftenthums und über
die Entftehung der neuteftamentlichen Schriften. Im
Einzelnen weicht der Verf. nicht feiten von Baur ab zu
Gunften einer confervativeren Auftaffung. Unter den
deutfchen Theologen fleht ihm alfo etwa Hilgenfeld am
nächften. Da das Werk in Deutfchland nicht fehr verbreitet
ift, gebe ich eine fummarifche Ueberficht feiner
Refultate nach der neueren Auflage, ohne deren Abweichungen
von den früheren zu berückfichtigen.

Für echt paulinifch hält Davidfon aufser den vier