Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1882 Nr. 14

Spalte:

317-318

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Weizsäcker, Carl (Übers.)

Titel/Untertitel:

Das Neue Testament. 2., neu bearb. Aufl 1882

Rezensent:

Schürer, Emil

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

317 Theologifche Literaturzeitung. 1882. Nr. 14. 318

Sylbe = na ,Sohn' wäre), fondern Birtutha, von np =
~|R2, Brunnen, alfo: ,der Brunnen am Maulbeerbaum'.
In cod. de Roffi ift der Name an unferer Stelle nicht
punktirt, wohl aber an einer früheren, Orla I, 4, und
zwar richtig rUWin*); an derfelben Stelle hat der gedruckte
Text des jerufalemifchen Talmud {cd. Bomberg)
und eine Hamburger Mifchna-Handfchrift «nitlTa. — 111,8
fchreibt auch Strack wie herkömmlich tjpj na Ton.
Man fragt fich dabei vergeblich, wie in die hebräifche I
Sprache der Mifchna, die für ,Sohn' ftets p gebraucht,
auf einmal das aramäifche na hereinkommen foll. Es
fteht aber auch gar nicht da; denn 'na ift Abkürzung
für iana und diefes wieder contrahirt aus ian p. Ebenfo
ift auch IV, 2ob ftatt rrrm na W zu lefen rrrW -ana,
und fo in allen analogen Fällen. Ueberall hat cod. de
Roffi entweder na mit einem Funkt über n als Zeichen
der Abkürzung oder zuweilen auch ausgefchrieben ">ana.
— III, iOb, c:p~n p Ren, fo Strack mit dem herkömmlichen
Text, unter Vergleichung von DlSpTlrt = 'Yqmi-
v6$. Aber CÖP"I>1 kann wegen des Kaph und Jod in
der mittleren Sylbe fchlechterdings nicht mit CSpTlH
identifch fein. Der Name lautet vielmehr WS"* (d. h. |
' ^-/u'/irod), wie cod. de Roffi faft conftant fchreibt. — :
Endlich bemerke ich noch, dafs der Name p'"T£ IV, 5b
richtiger p*f*J zu punktiren fein wird. So hat cod. de
Roffi faft conftant, foweit der Name überhaupt punktirt
ift (nur dafs der Schreiber Kamez und Pathach oft ver-
wechfelt); und bekanntlich geben auch die LXX in den
Büchern Ezechiel, Efra und Nchemia den Namen in der
Form Saödovu (fo nach richtiger Lesart Ezech. 40, 46.
43, 19. 44, 15. 48, 11. Esra 7, 2. Nehem. 3, 4. 3, 29.
10, 21. 11, 11. 13, 13). Dafs dies fchon im Zeitalter
Chrifti die übliche Ausfprache war, beweift ja auch der
Name der —udöoty.alot.

Giefsen. E. Schürer.

Das neue Testament, überfetzt von Carl Weizfäcker,
D. Th. 2. neu bearb. Aufl. Freiburg iß. 1882, Mohr.
(XII, 466 S.) M. 5. —

Die erfte Auflage diefer Ueberfetzung des Neuen
Teftamentes hat Ref. im erften Jahrgang der Theol.
Lit.-Ztg. (1876, Sp. 414) befprochen. Dafs inzwifchen
eine neue Auflage nöthig wurde, ift ein erfreulicher Beweis
dafür, dafs der eigenthümliche Werth diefer Arbeit
in weiteren Kreifen verftanden und gewürdigt worden
ift. Sie macht zum erften Male denVerfuch, bei Ueber- |
fetzung des N. T.'s fich ftreng und confequent an die
heutige deutfehe Literaturfprache zu halten mit abficht-
Lieber Vermeidung alles deffen, was uns zwar von Lu- |
ther her bekannt, aber fonft in unferer modernen Sprache
nicht mehr geläufig ift. Wie fehr dadurch das Verftänd-
nifs erleichtert und gefördert wird, liegt auf der Hand.
Denn gar oft bedarf es nur der Ueberfetzung in unfere
Ausdrucksweife, um uns einen Gedanken deutlich zu
machen. Jedenfalls wird durch eine folche in der Form
fehr freie, in der Sache aber um fo getreuere Wiedergabe
des Textes das Verftändnifs desfelben in ganz anderer
Weife gefördert, als durch die ebenfo gefchmack-
lofe wie unverftändliche Interlinearverfion in Holften's
Commentaren.

Die Aufgabe, die der Verf. fich geftellt hatte, war
fchon in der erften Auflage in vortrefflicher Weife ge- j
löft. Er hat fich aber dabei nicht beruhigt, fondern die 1
Gelegenheit diefer neuen Auflage benützt, um das Ganze
von Neuem durchzuarbeiten und es dem ihm vor-
fchwebenden Ideale noch näher zu bringen. Es ift wohl |
keine Seite ohne kleinere oder gröfsere Verbefferungen
geblieben, fei es in Betreff des Ausdruckes oder der
Fällung des Sinnes. Denn bei der Selbftändigkeit der !
Exegefe, durch welche die ganze Arbeit fich auszeichnet, j
und die ihr gerade einen befonderen Werth verleiht, ift j
es nicht zu verwundern, dafs er auch in diefer Hinficht !

da und dort zu Aenderungen fich veranlafst fah.
Ueber die mehr äufserlichen Aenderungen giebt die Vorrede
Auskunft. Während die erfte Auflage fleh faft
durchgängig an die letzte Recenfion des Tif chendorf-
fchen Textes gehalten hatte, hat der Verf. jetzt in Bezug
auf Textkritik mehr ,dem eigenen Urtheil Raum gegeben
', unter Benützung der werthvollen Ausgabe von
Weftcott und Hort. Die Zahlen der Capitel und Verfe,
die fchon in der erften Auflage nur am Rande gegeben
waren, find jetzt ganz weggeblieben; es wird nur in der
Columnenüberfchrift angegeben, welchen Abfchnitt nach
der herkömmlichen Verszählung die betreffende Seite
umfafst. Dies hat freilich den Uebelftand, dafs einzelne
Stellen nach Capiteln und Verfen weder rafch aufge-
fchlagen noch citirt werden können. Aber man mufs
zugeben, dafs die Weglalfung in der Confequenz des
Frincips liegt, den urfprünglichen Text möglichft getreu
wieder zu geben; denn felbft die Angabe der Verszahlen
am Rande erweckt oft falfche Vorftellungen von
Sinnabfchnitten, die gar nicht vorhanden find. Um die
wirklichen Sinnabfchnitte hervortreten zu laffen, ift eine
dreifach abgeftufte Abtheilung des Textes vorgenommen:
die Hauptabfchnitte find durch Theilungsftriche von einander
getrennt; kleinere Abfchnitte find durch neuen
Anfang der Zeile, noch kleinere durch einen Zwifchen-
raum inmitten der Zeile kenntlich gemacht. Zur weiteren
Erleichterung der Ueberflcht find gewiffe Stichworte,
,in welchen das Thema eines einzelnen Abfchnittes enthalten
ift', durch fetten Druck ausgezeichnet. Mit anderer
Schrift find die altteftamentlichen Citatc gegeben,
und wieder mit anderer ,alles dasjenige, was man
aufser den altteftamentlichen Anführungen fonft mit Anführungszeichen
verlieht'. Dies Alles wird man nur als
zweckmäfsig bezeichnen können. Eine dankenswerthe
Beigabe ift endlich das alphabetifche Regifter, welches
die im N. T. vorkommenden Namen vollftändig giebt,
aufserdem ,die Sachen in befchränkter Auswahl, doch
als Wegweifer zur Vergleichung der Schriften und
Ueberflcht über die wichtigften Stücke der Lehre und
Redeweife'.

Giefsen. E. Schür er.

Schegg, Geiftl.-R. Prof. Dr. Feter, Das Totlesjahr des
Königs Herodes und das Todesjahr Jesu Christi. Eine
Strcitfchrift gegen Florian Riefs, Pr. d. G. J. München
1882, Stahl. (IV, 64 S. gr. 8.) M. 1. 20.

Der gelehrte Jefuit Florian Riefs hat in einer im
J. 1880 erfchienenen Schrift: ,Das Geburtsjahr Chrifti'.
den Nachweis verfucht, dafs Chriftus am 25. December
752 a. U. c. geboren fei (f. auch Theol. Litztg. 1881,
Sp. 468). Die ziemlich unverhüllt ausgefprochene Tendenz
war dabei, die Richtigkeit der dionyflanifchen Aera
zu beweifen. Zu diefem Zweck mufste er auch den Tod
des Herodes auf das Frühjahr 753 a. U. herabrücken,
während man es feit Sanclemente als ziemlich ausgemacht
anfah, dafs Merodes fchon 750 a. U. geftorben
fei. — Gegen diefe Aufftellungen richtet fleh nun die
vorliegende Streitfchrift von Schegg, die wieder die
herkömmliche Anficht über das Todesjahr des Herodes
(750 a. U.) vertritt. Sie befchränkt fleh aber faft ganz
auf eine negative Kritik der Ausführungen von Riefs,
indem fle bei allen Hauptpunkten zeigt, wie künftlich
und gewaltfam fleh Riefs das Material zurechtlegen
mufste, um zu dem gewünfehten Refultate zu kommen.
Es ift in diefer Hinficht viel Gutes gefagt; und der
Fleifs, mit welchem der Verf. feinem Gegner Schritt für
Schritt folgt, um die Unmöglichkeit feiner Combinationen
nachzuwerfen, verdient alle Anerkennung. Was man
aber vermifst, ift eine pofitive Begründung der eigenen
Anfchauung. Die befte Kritik beftünde doch darin, dafs
die richtige Chronologie möglichft umfaffend aus den