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Ausgabe:

1882 Nr. 13

Spalte:

302-303

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Fisher, George P.

Titel/Untertitel:

Discussions in history and theology 1882

Rezensent:

Lemme, Ludwig

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Theologifche Literaturzeitung. 1882. Nr. 13.

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des Schreibers mehr verfchleiern, als deutlich erkennen Bengel'fche Schule freilich folgert aus demfelben nur,

laffen. Das ift freilich der Fall bei allen vorwiegend dafs man, wie die erften Chriften, fich der Wiederkunft

liturgifch ausgeprägten chriftlichen Charakteren. Man Chrifti nahe geftellt glauben und dafs man die Wunder,

vergleiche I. S. 157 den Ausfpruch des Pfarrers Dann welche Chriftus und die Apoftel vollbracht, für die nor-

in Stuttgart: ,Da fiel mir neulich aufs Herz, dafs hinter
dem Ich, auch bei allem Bekenntnifs der Sünde, viel
Hochmuth fteckt. Du, ja Du, ift denn das etwas Be-
fonderes, dafs du es fo finden;? es ift ja doch ganz natürlich
, dafs du dich als armer Sünder fühlft'. — Eine
ganz andere Perfönlichkeit wird Kapff, feitdem er
1843 aus dem Pfarramt in Kornthal in den Dienft
der Württembergifchen Landeskirche zunachft als De-
can in Münfingen übergeht. In diefem und in den

male Ausftattung der Kirche achten foll, die durch deren
littlichen Verfall verloren gegangen wären. Demgemäfs
hat B., als ihm in Möttlingen eine Austreibung des Teufels
gelang, darauf eine allgemeine Bewegung feiner Gemeinde
zur Bufse eintrat, und er an fich die Erfahrung
machte, dafs durch fein Gebet Kranke geheilt wurden,
den Schlufs gezogen, dafs die Gaben der erften Kirche,
die in ihm wieder wirkfam wurden, eine Vorbereitung
zur fchliefslichen Erneuerung der Kirche durch eine wie-

folgenden Aemtern, zuletzt als Stiftsprediger in Stutt- j derholte Ausgiefsung des hl. Geiftes und zur Wieder

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gart fchliefst er fich für alle Intereffen des öffentlichen
Lebens in Kirche und Staat auf, und bewährt fich als
einen Mann voll Umficht und Befonnenheit, namentlich
während der Epoche von 1848—1850, in welcher er
auch als Abgeordneter an verfchiedenen Württembergifchen
Landtagen theilnahm. Den Mittheilongen über
diefe öffentlichen und die begleitenden fchriftftcllerifchen
Leiftungen folgt man mit Intereffe und Hochachtung;
insbefondere mache ich auf die Rede aufmerkfam, mit
welcher Kapff 1852 den Dr. üehler als Ephorus des
theologifchen Seminars in Tübingen eingeführt hat. Es
verfchlägt auch nichts, dafs bei der Portdauer der rein
individuell geftalteten Frömmigkeit des Mannes die Ordnung
alles öffentlichen Lebens nach chriftlichem Mafse
von ihm nur in der Weife abgeleitet wird: ,Laffet uns
ihn lieben, denn er hat uns zuerft geliebet, und lieben
wir ihn, fo müffen und können wir fein Gebot halten,
dafs wir uns unter einander lieben' (II. S. 94). Es ge

kunft Chrifti feien. Es ift aufser Zweifel, dafs feine Dein
uth und Aufrichtigkeit in jener grofsen Epoche feines
Lebens ungetrübt geblieben find; allein diefe Syftemati-
firung feiner aufserordentlichen Erfahrungen ift keines-
weges fo felbftverftändlich, wie feine Anhänger mit ihm
angenommen haben. Hat doch fchon einer derfelben
die bezeichnete Ausficht auf Ausgiefsung des hl. Geiftes
mit den Prämiffen der Gefchichtsbetrachtung von H.
Thierfch als das dem deutfchen Geilte angemeffene Ana-
logon des Irvingianismus proclamirt. Vgl. meine Anzeige
von: Schnabel, die Kirche und der Paraklet in
dieler Lit.-Ztg. 1880. Sp. 367. Nach meinem Verftänd-
nifs ift folche efchatologifche Syftematifirung der Ge-
fchichte eine theologifche Verirrung, welche mit der Syftematifirung
der Gefchichte nach Hegel'fchen Anfprü-
chen, die auf demfelben Boden florirt, nächft verwandt,
und nicht überzeugender ift als diefe. Dafs aber B. in
diefer Richtung Anregungen gegeben hat, welche eine

hören wohl noch einige andere Gedanken dazu, um die eigenthümliche Spielart des Pietismus darftellen, trübt

Aufgabe des öffentlichen und gemeinfamen chriftlichen
Lebens vollftändig zu beftimmen. Allein darauf kommt
es weniger an, als auf die Thatfache, dafs hier mit der
pietiftifchen PYömmigkeit die volle Anerkennung der in
der Reformation gegründeten Aufgabe verbunden ift,

den Eindruck feiner lauteren und wohlthätigen Perfönlichkeit
und die Theilnahme an feinem fernem Wirken
in Bad Boll keineswegs. Kr hat in der Beurtheilung und
Ausübung feiner Heilthätigkeit fein Mafs gefunden, und
in feiner Seelforge eine gefunde, wie in feinem littlichen

das öffentliche Leben des Volkes chriftlich zu ordnen, : Urtheil eine milde und freifinnige Haltung gewonnen,
einer Aufgabe, welche der Pietismus urfprünglich gerade | deren Darfteilung man mit PVeude und Zultimmung be-
von fich abgelehnt hat. Die Wirkfamkeit von K. er- | gleitet. Auch er ift ein lebendiger Beweis dafür, dafs
weckt demgemäfs die Ausficht, dafs der Pietismus über j die Engherzigkeit des Pietismus überwunden werden

feinen rein religiöfen Individualismus hinauswachfen und
auch in diefer Beziehung fich auf die Grundfätze der
Reformation befinnen wird. Das Lebensbild von K. ift
ein Lichtbild ohne Schatten. Daraus mache ich dem Sohn,
der es entworfen hat, keinen Vorwurf. Aber ich kann
nicht verfchweigen, dafs das beigegebene Bild des Verdorbenen
einen Zug von Herbigkeit in dem Gefichte
zeigt, der vielleicht auch im Leben nach gewiffen Seiten
lieh geltend gemacht haben wird. Ein anderer Bericht

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kann. Ein befonderes Motiv dazu bildet bei B. dir
Glaube an die Wiederbringung, auf welchen er feine
efchatologifche Erwartung fchliefslich hinausgeführt hat.
Wie dem nun auch fein mag, man lernt B. aus der Biographie
als liebevollen und liebenswürdigen Haan kennen
, und der Eindruck feines Porträts beftätigt es.

Göttingen. A. Ritfchl.

Fisher, Prof. George P., DD., LL. D., Discussions in history

erftatter in der Theol. Lit-Ztg ll&J&&.**^ and theology. New York'1880, Scri7n7r7sons" (X,
folchen directen Pundruck von Cafualredcn Js.. s emptan- ^ ._. Cloth

gen, welche der Sohn herausgegeben hat. ■ ' '>

Das Buch über Blumhardt ift von einem unbeding- j Die Zufammenftellung von Essays und Reviews,
ten Verehrer lebhaft und frifch, vielleicht etwas zu aus- welche gröfstentheils fchon in amerikanifchen Zeitfchriften
führlich gefchrieben, enthält aber leider eine Menge von veröffentlicht find, ift eine fehr bunte, und es wäre wohl
Redewendungen, welche im Dialekt zuläffig, in der manches aus der Sammlung ohne Schaden beffer fort-
Schriftfprache für einen Pfarrer unzuläffig find. B. tragt geblieben. Pur deutfehe Lefer des Buchs find vielleicht
von Anfang an den Stempel einer andern Spielart des , am interelfanteften die Auffätze über die Entwickel-
Pietismus als K. Er hat fich in die der Bengel fchen ung der neueren amerikanifchen Philofophie und Theo-
Schule eigenthümliche Auffaffung der Bibel hineingelebt, . logie vdle 1 n'lofiophie' Jonathan Edwards" S. 227 fr.,
in das Rechnen mit maffiven Begriffen', wie der Verf. ; .Chanmng als Philofoph und Theolog' S. 253 ff., ,das
fagt. Er verftand alles eigentlich fo wie es dafteht'. Syftem N. W. laylors in Beziehung zur früheren Theo-
Nimmt man dazu die efchatologifche Tendenz, in wel- logie Neu-Eng ands' S. 285 ff.), und ich möchte daher
eher B nachher feine eigenthümlichen Erfahrungen be- diejenigen welche fich für diefe Anfänge einer felb-
urtheilte fo fällt jener .biblifche Realismus' unter die ; Händigen Geiftesbewegung intereffiren, befonders auf die
allgemeine Regel, dafs in allen Beziehungen das von kundiger Hand gegebenen Skizzen aufmerkfam

allgemeine Regel, dafs in allen Bezienungen uas von S» nana gegebenen Pizzen auimerklam
Mufter des ursprünglichen Chriftenthums den Anfpruch machen Dem Bereich der Apologetik, wie fie in Engauf
mafsgebende Geltung für alle Zeiten hat Diefer I land und Amerika beliebt ift, gehören die vor einem
Grundfatz will den Grundfatz der Reformation, dafs die grosseren Zuhorerkreis gehaltenen Vortrage über den
Heilslehre fchriftgemäfs fein foll, überbieten. Aus ihm , Rationalismus R 439 ff-), che Rnyernünftigkeit des
lotet fich auch alles wiedertäuferifche Wefen ab. Die I Atheismus' (S. 468 ff.) und den ,Apoftel Paulus' (S. 487ff.)