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Ausgabe:

1881

Spalte:

177-179

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Nöldeke, Theodor

Titel/Untertitel:

Ueber den Gottesnamen El 1881

Rezensent:

Baudissin, Wolf Wilhelm

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack und D. E. Schürer, Proff. zu Giefsen.

Erfcheinf Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 8. 9- April 1881. 6. Jahrgang.

Nöldeke, Ueber den Gottesnamen El (Baudiffinl. des, 2. chrifllichen Jahrhunderts (H. L.

Tregelles, TheGreek New Testament (Gregory). Strack).

Simons. Hat der dritte Evangelift den kanonifchen > Frantz, Das katholifche Direclorium des Corpus
Matthäus benutzt? tHoltzmann). Evangelicorum (Koehler).

Zittel.JOie vier Evangelien überf. und erklärt.

2. Th. (Iloltzmann).
Naumann, die neutetlamentliche Lehre vom

Lohn (Holtzmann).
Joel, Blicke in die Religionsgefchichte zu Anfang

Scientific Transcendentalism (Lemme).
E. von Hartmann, Die Krifis des Chriften-
thums in der modernen Theologie (Härtung).
Mühlhäuf»er, Die Zukunft der Menfchheit
(Holtzmann).

Mönckeberg, Das Ende des Kulturkampfes
(Koehler).

M. von Nathufius, Timotheus. Ein Rathgeber
für junge Theologen (Koehler).

De nz 1 er, Feftgrüfse an die chritlliche Gemeinde
(Lindenberg).

Schreib- und Hülfskalender auf das Jahr 1S81,
herausgegeben von Schneider (K. Strack).

Nöldeke, Th., Ueber den Gottesnamen El (btt). Auszug
aus dem Monatsbericht der Königl. Akademie der
Wiffenfchaften zu Herlin. 14. Octob. 1880. (S. 760—
776. gr. 8.)

Da diefe Abhandlung nicht einer theologifchen Zeit-
fchrift angehört, glaubt Ref. den Fachgenoffen einen
Dienft zu lebten, wenn er auf den Inhalt derfelben auf-
merkfam macht. Unfere bisherige Kunde vom Vorkommen
des Gottesnamens El wird durch diefelbe vielfach
bereichert und der bis jetzt herrfchenden Deutung des
Gottesnamens eine neue gegenübergeftellt. Der Bemerkung
bedarf es bei einer Arbeit Nöldeke's nicht, dafs die
Akribie derfelben kaum eine Ausftellung geblattet und
man nur da von dem Verf. wird differiren können, wo
es fich um einen Beweis überhaupt nicht handeln kann,
fondern nur um eine mehr oder weniger wahrfcheinliche
Meinung — fo hier etwa hinfichtlich der Etymologicen.

Der ältefte Beleg für die Ausfprachc des Gottesnamens
bx ift eine griechifch-ägyptifchc Weihinfchrift aus
dem zweiten vorchriftlichen Jahrhundert, deren zum Theil
femitifche Perfonennamen auf Edomiter, vielleicht auch
auf Nabatäer oder andere arabifche Nachbarn Aegyptens
hinweifen. Mehrere diefer Eigennamen find zufam-
mengefetzt mit dem deutlich als Gottesname zu erkennenden
«i, (was damals nur ausgefprochen werden
konnte 41), am Anfange eines Namens verkürzt in tl

nur wenige Eigennamen mit bx nachweifen. Das Vorkommen
diefes Gottesnamens im Phönicifchen und He-
bräifchen ift allbekannt. Während aus den griechifchen
Transfcriptionen die phönieifche Ausfprache nicht deutlich
hervorgeht, ift die überlieferte Ausfprache im He-
bräifchen (b«) durch die vorherrfchende Schreibung tjk,
el nach griechifcher und lateinifcher Tradition als ge-
fichert und althergebracht anzufeilen. Das 4 fcheint u r
fprüngliche Länge zu fein. Darnach liegt die hergebrachte
Ableitung vom Stamme bix am nächften. Grundbedeutung
desfelben ift nach dem Verf. nicht ,ftark fein',
fondern ,voranfein' und bx bedeutet nicht, wie meiftens
erklärt wird, ,der Starke', fondern ,Führer, Herr'. Dafür
fpricht am deutlichften ob^s ,Vorhalle', auch der vom
Verf. mit aller Referve geltend gemachte muthmafsliche
Zufammenhang mit bxi (b'N.jn) ,anfangen'. Es könnte
etwa noch geltend gemacht werden der Gottesname El-
Schaddaj. Wenn deffen zweiter Theil den Mächtigen bezeichnet
, fo ergäbe fich doch wohl, dafs, als man die
beiden Namen zufammenftellte, für btt an die identifche
Bedeutung ,ftark' nicht oder doch nicht mehr gedacht
wurde. Der Verf. will ftatt -tS lefen ^vjj oder i'Tjj (Plur.),
alfo El-Schedi etwa = ,der Herr, mein Gebieter'; ich
bin von der Nothwendigkeit diefer Vocaländerung nicht
überzeugt und fehe nicht ein, warum V323 (natürlich nicht
ixavog = 1^ -f- 12 nach rabbinifcher Deutung) nicht Ad-
jectivbildung fein kann von n«; vgl. den, fo viel mir

(EXnaXa%0£, vgl. njpjb«.). Eine lange Reihe von Namen | bekannt, allerdings nur bei Philo Byblius vorkommenden
mit rjX, daneben einige mit t). werden angeführt aus den j Kronosfohn ^'deböoe, etwa = vtS. — Nicht ganz deut-
griechifchen Infchriften des Piaurans und der Nachbar- '
gebiete, welche den erften chrifllichen Jahrhunderten angehören
und ebenfalls r = e noch ftreng unterfcheiden
von /, et = ?, nur feiten tj vertaufchen mit ui, t = ä.
Nicht fo ficher und jedenfalls nur vereinzelt läfst fich in
diefen Infchriften die Ausfprache il (-diog) conftatiren.
Wie nach den vorgelegten Namen die Araber am weiblichen
Rande der fyrifchen Wüfte den Gottesnamen bx
nicht feiten gebrauchten und 41 ausfprachen, fo kommt
cbenderfelbe wenigftens vereinzelt auch in Eigennamen

lieh ift die Bemerkung (S. 775): ,Auch die Redensart,
»es ift -*-p b«b« läfst fich wohl von bix »voranfein« ableiten
'. Ich fehe nicht recht ein, wie. Wahrfcheinlicher
ift mir, dafs auch hier btt die Bedeutung ,Gott' hat, und
da die Gottheit immer als mächtig gedacht wird, b'efagt
dann (was immer die Grundbedeutung von b« fein mag)
die RA., dafs in einem beftimmten Falle des Menfchen
Hand zu einem Gott wird, d. h. mit gottähnlicher Macht
ausgeruftet ift. — Den Zufammenhang von bx mit -Vrx
findet der Verf. ,bei der proteusartigen Natur der fchwa-

des eigentlichen Arabiens vor {il; die arabifche Schrift eben Wurzeln' recht wahrfcheinlich. Jedenfalls läfst fich
kann 4 nicht ausdrücken), eine fchon früher bekannte, nicht daranzweifeln, dafs beide urfprünglich Appellativa

hier durch Sichtung und Vermehrung der Belege nur noch

waren und bs< erft fpäter (fo deutlich bei Babyloniern

ficherer feftgeltelltc Thatfache. Schwerlich können alle j und Phöniciern) Pligenname eines beftimmten Gottes ge-
diefe Namen von den Himjariten abgeleitet werden, worden ift. Aus dem Verhältnifse des in den Götter
welche bekanntlich den Gottesnamen b« gebrauchten, liften höchften Gottes von Babel Hu zu dem in der reli-
Da aber fchon zu Muhammed's Zeit il als arabifcher giöfen Praxis als höchfter Gott geltenden Bil läfst fich
Gottesnamc nicht mehr bekannt war, mufs der Gebrauch (worauf C. P. Tide aufmerkfam gemacht hat) deutlich
desfelben bei den Arabern frühzeitig abgekommen fein, j die Künftlichkeit der Hypoftafirung des Hu erfehen.
Die Ausfprache des Namens bei den Himjariten ift nicht
zu ermitteln. Auch die affyrifche Ausfprache Uli, il hält
der Verf. nicht für gefichert. Als aramäifch laffen fich

Durch die vorliegende Abhandlung gewinnt die Ver-
muthung an Wahrfchcinlichkeit, dafs bx die ältefte ap-
pcllativifche Gottesbezeichnung des Semitismus über-

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