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Ausgabe:

1881

Spalte:

134-137

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Lecky, W.E.H.

Titel/Untertitel:

Entstehungsgeschichte und Charakteristik des Methodismus 1881

Rezensent:

Ritschl, Albrecht

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Nr. 1359 einen Brief des Herzogs Auguft an ihn mitge-
theilt erhalten, nicht nur, dafs wir von zwei bis jetzt
noch nicht wieder aufgefundenen Briefen Melanchthon's
an Cardinal Otto v. Augsburg Nachricht erhalten; fondern
v. Druffel giebt uns auch [in feinen Anmerkungen
wieder eine ganze Reihe fchätzbarer Erläuterungen refp.
Correcturen zum Corp. Ref., die bei den vielen Defi-
derien, zu denen Brettfchneider's Ausgabe der Briefe
Melanchthon's Anlafs giebt, mit beftem Danke zu regi-
ftriren find, z. B. S. 32, 34, 780, 833. Von anderen
Theologen der Reformationszeit ift Nie. v. Amsdorf zu
nennen, von welchem 3 intereffante Briefe (Nr. 897, 932,
und 990) hier zum Abdruck gelangt find. Aufserdem
fei ein Schreiben Joh. Aurifabcr's und ein anderes,
welches den unglücklichen Sohn des Juftus Jonas zum
Verfaffer hat, hier erwähnt. Auch die zahlreichen Briefe
Johann Friedrich's des Aelteren fowohl aus der Gefangen-
fchaft, wie aus den Tagen feiner Erledigung, werden
für den Theologen von Werth fein. Ift diefer Fürft auch
in der politifchen Gcfchichte feiner mäfsigen Herrfchertalente
wegen als der ,befchränkte' Kurfürft nur gering
geachtet, fo verdient er doch als Märtyrer unter den
evangel. Dürften um der Lauterkeit feines Glaubens und
um des unerfchütterlichen Gottvertrauens willen, das er
in fchwerer Zeit bewiefen hat, einen Ehrenplatz in der
Gefchichte der Reformation. Und auch die hier mitge-
theilten Briefe trüben das Bild nicht, das wir bisher von
ihm befafsen. So wohlthuend feine Schreiben uns berühren
, fo widerwärtig ift der Eindruck, den mancher
andere Brief von fürftlicher Hand in diefem Bande auf
uns macht. So vor Allem ein Schreiben des jungen
Markgrafen Friedrich v. Brandenburg, der (S. 130) in
befter Form feinen evangelifchen Glauben abfehwört,
um die päpftliche Betätigung als Erzbifchof v. Magdeburg
zu erlangen. — Zur Entftehungsgefchichte des
Augsburger Interims, die in den letzten Jahren von ver-
fchiedenen Seiten in erneute Unterfuchung gezogen ift,
erhalten wir auf S. 541 eine intereffante, wenn auch
keineswegs unbedingt glaubwürdige Notiz. Da läfst
nämlich der Kaifer in Verhandlungen mit Markgraf
Johann v. Küftrin diefem erklären, es fei ja nicht feine
[des Kai fers] Schuld gewefen, dafs das Interim aufgerichtet
worden, fondern ,dercr fchuld, die es irer K. M.
als mitheupter des reichs und unfer felbeft religion [der
evangelifchen] verwandt, übergeben und vor den einigen
weck und mittel zu der fpaltigen religion dienlich erzeiget
'.— Von Bedeutung für die territorialiftifchen
Anfchauungen und Rechtsgrundfätze der evang. Fürften
ift Nr. 1648, ein Schreiben, in welchem Moritz und die
mit ihm verbündeten Fürften alsbald in dem in Befitz
genommenen Gebiete [Memmingenj nicht nur dem evang.
Gottesdicnfte Freiheit und ungehindertes Beliehen
fchaffen, fondern auch zugleich den kathol. Cultus
verbieten und das fchleunige ,Abfchaffen' aller
kathol. Kirchen- und Schuldiener verordnen. Der Abdruck
diefer Verfügung ift um fo wichtiger, als bisher
nur das Stück derfelben, welches die Wiedereinfetzung
der verjagten evang. Prädicanten gebietet, bekannt geworden
war; daher hatte v. Ranke gerade an diefem
(ihm nur unvollftändig bekannten) Schriftftücke gemeint
nachweifen zu können, dafs es ,altproteftantifche Ten
denz' gewefen fei, nur das Beliehen des eigenen, aber nicht
zugleich die Vertilgung des fremden Gottesdienftes zu
fordern. Man vergl. betreffs diefes kirchenrechtlich
wichtigen Punktes auch die Erklärung, welche die
evang. Kurfürflen 1548 in Augsburg abgaben, in der
fie es als unerträglich bezeichneten, dafs in einer Stadt
oder unter einem Fürften zweierlei Ceremonie und Lehre
fein füllten (Briefe und Acten III S. 84). v. Druffel hat
wohl Recht, wenn er hier davor warnt, moderne Anfchauungen
ins 16. Jahrh. zurückzuverfetzen.

Einer befonderen Empfehlung bedürfen die verdienft-
lichen Forfchungen und Publicationen v. Druffel's nicht

mehr; es genügt, ihm für jede neue Gabe, die feine um-
| faffenden archivalifchen Studien zu Tage fördern, unferen
aufrichtigen Dank zu bezeugen. Bei der Sorgfalt, mit
welcher die Herausgabe der Actenftückc innerlich und
äufserlich geleitet worden ift, bleiben dem Recenfenten
höchftens geringfügige Kleinigkeiten als corrigenda übrig.
So fei erwähnt, dafs hinfichtlich der Datirung von Nr. 864
wohl ein kleines Verfehen vorliegt; denn wenn, wie v.
Druffel bemerkt, das Schriftftück fpäteftens Mitte Januar
1552 verfafst ift, fo kann es nicht zugleich den Aufenthalt
der fächf. Theologen in Nürnberg zur Vorausfetzung
haben, da Melanchthon und Peucer dort erft am 22. Jan.
anlangten. Auf S. 513 verbeffert V. Druffel in fehr glücklicher
Conjectur ein falfches Datum in der von Oefele
I herausgegebenen Widmann'fchen Regensburger Chronik,
ertheilt aber zugleich diefem Herausgeber die feltfame
Belehrung, dafs Invocavit nicht der 1. Faftenfonntag
fei, ,da Afchermittwoch erft dem Sonnt. Invoc. folgt'.
Jeder Kalender kann diefe Behauptung rectificiren. Auf
S. 172 ift das Citat Corp. Ref. 5004 in 5064 zu verbeffern;
ift vielleicht auch auf S. 516 Mattes Pfarrer ftatt Pfennen
zu lefen? Von Druckfehlern fei ferner notirt: S. 61 Z. 8
v. o. estoil ft. estoit; auf S. 638 wie auf S. 643 giebt der
Herausgeber Anmerkungen, bei denen man im Texte
vergeblich die Angabe der Stelle fucht, auf welche fich
die') der Anmerkung beziehen foll.

Klemzig. Kawerau.

Pascal, The provincial letters. Edited by John de
Soyres. Cambridge 1880, Deighton, Bell & Co.
(XII, 426 S. gr. 8.)

Diefe neue Ausgabe der berühmten Briefe ift von
Soyres, dem Verf. einer trefflichen Monographie über
den Montanismus, mit grofser Akribie und Umficht ver-
anltaltet. Eine gründliche gefchichtliche und literar-
hiftorifche Einleitung eröffnet diefelbe, in welcher der
I Herausgeber über die Lage der römifchen Kirche im
17. Jahrh., über die Gefchichte der Free-zvill-Controversy,
über die Moralcontroverfen und Pascal's Konversion', fo-
wie über die Bedeutung feiner Briefe handelt. Die
deutfehen Monographien über P. find dem Verf. fämmt-
i lieh, foviel Ref. zu fehen vermag, bekannt. S. 63—70
befpricht er den Text und feine verfchiedenen Editionen,
i Er felbft hat den Text der 4. Ausgabe v. J. 1659, der
letzten, die zur Zeit Pascal's erfchienen ift, zu Grunde
j gelegt. Die dankenswerthefte Zugabe aber ift aufser
I drei kleinen Excurfen ein fehr ausführliches Verzeichnifs
[ der Perfonen, welche an den Pascal'fchen Streitigkeiten
| direct Antheil genommen haben (S. 410—422). Eine
kurze Biographie und Angaben ihrer Werke find hinzugefügt
. — Die Ausgabe, welche vorzüglich ausgeftattet
ift, kann beftens empfohlen werden.

Giefsen. Adolf Harnack.

Lecky, W. E. H., Entstehungsgeschichte und Charakteristik
des Methodismus. Aus dem Englifchen von Ferd.
Löwe. [Aus: .Gefchichte von England im 18. Jahrh.']
Leipzig 1880, C. F. Winter. (IV, 132 S. gr. 8.) M. 2. —

Diefe Schrift ift der befondere Abdruck eines Ca-
pitels von Lecky's Gefchichte von England im achtzehnten
Jahrhundert (Band II. Cap. 9) in der vom Verf.
autorifirten Ueberfetzung. Die gefchichtliche Bedeutung
des Gegenftandes, die gerechte, ja fall liebevolle Beur-
theilung desfelben durch den Verf. und die fehr lesbare
Ueberfetzung, dies alles darf die Aufmerkfamkeit deut-
fcher Theologen auf diefe Schrift hinlenken. Die beiden
Männer John Wesley und John Whitefield find innerhalb
des Proteftantismus Erfcheinungen von ebenfo grofser
Originalität wie Erfolg. Vor ihnen erfcheint höchftens