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Ausgabe:

1881

Spalte:

97-99

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Scholz, Ant.

Titel/Untertitel:

Commentar zum Buche des Propheten Jeremias 1881

Rezensent:

Guthe, Hermann

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Hamack und D. E. Schürer, Proff. zu Giefsen.

Ericheint Prels
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. HinrichsTche Buchhandlung. jahrlich 16 Mark.

jvjo. 5_ 26. Februar 1881. 6. Jahrgang.

Scholz, Commentar zum Buche des Propheten

Jeremias (Guthe).
Haas, Der ungefälfchte Luther (Lemme).
Her mens, Luther's Reformationsfchriften v.

J. 1520 (Lemme).
Nippold, Handbuch der neueften Kirchenge-

fchichte Bd. I (Weizfäcker).
Laurin, Der Cülibat der Geldlichen (Koehler).

Gefangbuch f. Kirche, Schule u. Haus. Entwurf
für Hannover [Schlufs] (SchwabeJ.

Hofacker, Ein güldenes Jubiläum (Sachfse).

Ohly, Wachet, dehet im Glauben; Confirma-
tionsreden (Sachfse).

Dickmann, Padoralbibliothek. Sammlung von
Cafualreden (Sachfse).

Fifeher, Freuet euch mit Zittern! Cafualreden
(Sachfse).

Maurer, Der Brief an die Philipper für die
Gemeinde ausgelegt (Sachfse).

Dieffenbach, Bibel-Andachten (Sachfse). *
Theologifche Arbeiten aus dem rheiuifchen
Prediger-Verein (Schürer).

Scholz, Prof. Dr. Ant, Commentar zum Buche des Pro- fchreiben will, fo war eine Notiz darüber geboten. Zu

pheten Jeremias. Würzburg 1880, Woerl. (XXXV,
609 S. gr. 8.) M. 10. —
Der Verf., Profeffor an der Univerfität Würzburg,
hat an den bisherigen Commentaren zu Jeremias auszu-

dem wiffen wir, dafs Correcturen der LXX-Ueberfetzung
mehrfach, auch nach dem MT, ftattgefunden haben.
Wo bleibt alfo die Sicherheit, aus irgend einer heutigen
LXX-Ausgabe die Geftalt eines ganzen hebr. Buches
im 2. Jahrh. vor Chr. zu gewinnen? Ich fehe nicht, dafs

fetzen, dafs keiner auf ficheren Grundfätzen bezüglich Seh. fich über feine Stellung zu dem gegenwärtigen
der Textkritik beruhe, was doch bei dem dermaligen I Stande der LXX-Frage, den wir hauptfachlich de La-
Stande der Auslegungswiffenfchaft die erfte an eine folche j garde's Arbeiten verdanken (vgl. auch Bleek, Einl. ins
Arbeit zu Bellende Anforderung fei. Diefer zu genügen a. T.4, p. 589—598), in feinem früheren oder feinem

1 jetzigen Buche irgendwo geäufsert habe. Er hat that-
fächlich die Frage über das Verhältnifs des heutigen
griechifchen Textes des A. T. zur echten LXX ignorirt.

Das Plus des MT gegenüber dem gr. Text, in der
abfehnittweife der Erklärung vorausgefchickten Ueber-
fetzung durch Klammern kenntlich gemacht, führt Scholz
auf Einfchaltungen zurück, meift mit Recht, wie 8, 10°
—12. 11, 7. 8. 17, 1—4. 27, 7. 30, 10. 11. 33, 14—26.
Nur hinfichtlich C. 27, 12—14 kann ich nicht beiftimmen;

ift nun bei Jerem. befonders* fchwierig, da bekanntlich
die LXX in diefem Buche fehr vom maforethifchen Text
abweichen. Das Verhältnifs diefer beiden Texte zu
einander hat der Verf. fchon 1875 (Der maforethifche
Text und die LXX-Ueberfetzung des Buches Jeremias.
Regensburg, Manz, f. ThLZ I, C. 105 ff.) erörtert. Die
Ergebnifse fafst er p. XXXI ff. des vorliegenden Buches
zufammen. Der Uebcrfetzer, deffen nach unferen Begriffen
mangelhafte Kenntnifs der hebräifchen Sprache

von der fynagogalen Tradition abhängig war, hat Wort j das avzoi in LXX C. 34, 11 fordert doch nothwendig
für Wort des ihm vorliegenden hebr. Textes wieder- 1 die Beziehung, welche in MT 27, 14 geboten wird. An
gegeben. ,Er hat kein Wort, gefchweige einen Satz [ diefer Stelle wird es befonders deutlich, dafs eine aus-
weggelaffen'. Die LXX haben alfo nicht das hebr. Ori- nahmslo fe Anwendung des von Scholz befolgten
ginal verkürzt oder verftümmelt (Graf), fondern haben j Grundfatzes nicht richtig ift. Selbft wenn man mit ihm
uns in ihrer Ueberfetzung eine befondere Recenfion oder | annimmt, dafs die LXX treu überfetzt haben, fo bleibt
Ausgabe des hebr. Jeremia-Buches erhalten. Die zahl- J doch immer die Möglichkeit, dafs das ihnen vorliegende
reichen Zufätze des maforethifchen Textes, ebenfo die
nicht feltenen, meift aber kleinen der LXX find Gloffen
der verfchiedenften Art. Mithin ift jedes Wort und jeder
Satz, den ein Text mehr hat, für unecht zu halten, bis
kritifche Gründe ihn rechtfertigen. Die Arbeit des Inter-
polircns hat aber bald nach Abfaffung des Buches begonnen
, fchon ehe die Gefchichte der Texte fich trennte
(unter Ptolemäus Lagi, Jofephus Arch. 12, I). Es finden
fich daher in beiden Texten noch eine ganze Anzahl
unechter Stellen (etwa 40, f. p. XXXIII).

Der Verf. ift alfo der Meinung, dafs der LXX-Text
des Jeremias, ins Hebräifche zurücküberfetzt, nach Aus-
fcheidung des Plus der LXX gegenüber dem MT, uns
treu die Geftalt diefes prophetifchen Buches zeige, die
dasfelbe vor der felbftändigen Entwickelung beider Re-
cenfionen gehabt habe. Zu diefem glatten Refultat gelangt
der Verf. nur deshalb, weil er fo verfährt, als ob
wir einen ficheren Text der urfprünglichen LXX-Ueberfetzung
hätten. Diefes Bedenken kennt der Verf. fo

hebr. Original einige Lücken hatte, die im MT fich nicht
finden. Diefer Fall liegt meines Erachtens vor in 27,
12—14. Auch dafs die unbequemen Verfe 29, 16—20
ausgelaffen wurden, ift leichter begreiflich, als dafs fie
zugefetzt wurden. Einige Zufätze, welche fich zum Theil
in beiden Texten finden, hat Scholz richtig beftimmt;
ich erwähne 18, 13—17. 38, 2811-39, 14. 48, 38b ff.,
aufserdem nach dem Vorgange von Hitzig, Graf und
Nägelsbach 15, 11 —14. 18, 13—17. 21, II —14. In anderen
Fällen wird man weniger geneigt fein zuzuftimmen
und das Urtheil für etwas willkürlich halten. Im ganzen
ift es jedoch gerade diefe Seite des neuen Commentars,
welche der Beachtung der Fachgcnoffen werth ift. Je
nachdem man diefe Einfchaltungen anerkennt oder zurückweift
, wird das Urtheil über den Stil des Jeremias ver-
fehieden lauten. Man ift gewohnt, ihn für breit und
verfchwommen zu halten; Sch. fcheint mir an vielen
Punkten richtig erkannt zu haben, dafs nicht Jeremias
felbft, fondern feine fleifsigen Lefer und Verehrer in

wenig, dafs er weder im Commentar noch in feinem alter Zeit daran fchuld find.

früheren Buche von 1875, foviel ich fehe, fich veranlafst Mit Recht hält Sch. feft, dafs der LXX-Ueberfetzung

gefehen hat zu bemerken, welche Ausgabe der LXX er
benutzt hat. Ich vermuthe, da Prof. Scholz Katholik
ift, die editio romana von 1587. Vielleicht ift das ihm
als einem Katholiken felbftverftändlich. Da er aber für
katholifche Theologen allein nicht fchreibt, auch nicht

eine vom MT abweichende Recenfion des Jeremia-Buches
zu Grunde gelegen hat. Aber er hat fich nicht von dem
Fehler frei gehalten, die LXX-Recenfion einfeitig zu bevorzugen
. Dies zeigt fich namentlich in der Beantwortung
der Frage, wo die Weiffagungen gegen die Gojim

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