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Ausgabe:

1881 Nr. 4

Spalte:

89-90

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Herbst, Wilh.

Titel/Untertitel:

Encyklopädie der neueren Geschichte. 1. und 2. Lfg 1881

Rezensent:

Bertheau, Carl

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Theologifche Literaturzeitung. 1881. Nr. 4.

90

gcfchicht 1 iche Forfchung zu pflegen. Dogmatifche
und exegetifche Abhandlungen finden leicht in jeder
anderen Zeitfchrift ein Unterkommen. Durch eine Pflege
der heimifchen Kirchengefchichte dagegen würden
fich die Studien ein grofses Verdienft erwerben und
zugleich einen bleibenden Werth fichern.

Indem wir vorläufig auf ein eingehenderes Urtheil
verzichten, begnügen wir uns, hier nur noch die Titel
der Abhandlungen, welche der nun abgefchloffene erfte
Jahrgang enthält, aufzuzählen. Es find folgende zehn:
1) Hermann, Mittheilungen über Profeffor Dr. Lan-
derer's dogmatifche Vorlefungen, erfter und zweiter Artikel
(S. 1—29, 212—252). — 2) Demmler, Chriftus und
der Effenismus, erfter und zweiter Artikel (S. 29—53,
122—149). — 3) Löckle, Zur paulinifchen Lehre von
der Aufcrftehung (S. 53—74)- — 4) Jäger, Zur Lehre
von der ftellvertretcnden Genugthuung (S. 74—88). —
5) Knapp, Ueber fichtbare und unfichtbare Kirche
(S. 89—121). — 6) Röfch, Panthera, eine gefchichtliche
Studie (S. 150—163). — 7) Lang, Mit und wider S.
Göbel über Luc. 15, 1—10 (S. 164—171). — 8) Boffert,
Beiträge zur Gefchichte der Reformation in Franken
(S. 173—212, 253—280). ■— 9) Laichinger, Die dogmatifche
Beweiskraft der Stelle Rom. 5, 12—21 (S. 281
—320). — 10) Jäger, Bemerkungen über die Begriffe
von Schuld und Sühne (S. 321—332).

Giefsen. E. Schürer.

Encyklopädie der neueren Geschichte. In Verbindung mit
namhaften deutfehen und aufserdeutfehen Hiftorikern
hrsg. von Rect. a. D. Prof. Dr. Wilh. Herbft. (In
2 Bdn. zu je 10 Lfgn.) 1. und 2. Lfg. Gotha 1880,
F. A. Perthes. (1. Bd. VIII u. S. 1—144. gr. 8.) Subfcr.-
Pr. ä M. 1. —

Diefes auf einen Umfang von 20 Lieferungen von
je 5 Bogen veranlagte Werk, deffen Vorrede vom März
1880 datirt ift, und von welchem bis jetzt (Januar 1881;,
foviel uns bekannt, nur zwei Lieferungen vorliegen, auch
in diefem Blatte anzuzeigen, hat felbftvcrftändlich mehr
den Zweck, die Theologen auf dasfelbe hinzuweifen, als
eine Beurthcilung desfelben zu geben, — wozu auch das
bisher Erfchienene keine genügende Grundlage geben
würde. Das Werk hat, fo heifst es am Anfange des Vorwortes
, feinen Urfprung in dem Wunfche, weiten Bildungskreifen
unferes Volkes, und nicht nur den wiffen-
fchaftlich, fondern auch den mehr praktifch gerichteten,
ein zuverläffiges Hülfsmittel zu rafcher und ficherer
Orientirung über alle Theile der neueren Gefchichte in
die Hand zu geben. Die Bekanntfchaft mit diefer Gefchichte
fclbft im grofsen und ganzen wird vorausgefetzt;
die Encyklopädie will in einzelnen, alphabetifch geordneten
Artikeln über Perfonen und Sachen in fachlich
wiffenfehaftlicher Weife orientiren mit Ausfchlufs aller
fubjectiven Zuthaten, Reflexionen und kritifchen Excurfe;
fie fucht dabei thunlichfte Vollftändigkeit zu erreichen.
Aufsereuropäifche Länder, infofern fie noch nicht in die
Gcfammt-Cultur oder Gefchichte eingreifen oder nur als
unfelbftändigc Colonien daftehen, bleiben ausgcfchloffen.
Die Culturgefchichte als folche, alfo auch die Literatur-,
Kunft- und Kirchengefchichte, wird nur infoweit herangezogen
werden, als fie unmittelbar mit der Staaten-
gefchichte zufammenhängt.

Nach diefer, faft nur mit den Worten des Herausgebers
im Vorworte gegebenen Darftcllung der Abficht
desfelben bei diefem Werke werden wir den Plan, den
er auszuführen bcabfichtigt, als einen zeitgemäfsen und
vielverfprechenden begrüfsen; es ift auf ein höchft nützliches
Nachfchlagewcrk abgefehen, wie wir ein folches
noch nicht befitzen; die bekannten f. g. Converfations-
lexika umfaffen einerfeits noch eine grofse Menge anderer
Dinge und find deshalb auch bedeutend umfangreicher,

und genügen andererfeits, wie allgemein zugegeben wird,
gerade in ihren gefchichtlichen Artikeln keineswegs dem
Bedürfnifse.

Der Herausgeber hat zur Bearbeitung der einzelnen
Artikel eine grofse Anzahl der bekannteften Gefchicht-
fchreiber gewonnen; 27 werden fchon nach dem Vorworte
genannt; die Herbeiziehung noch weiterer fleht
in Ausficht. Für jeden Theil der Gefchichte find thun-
lichft folche gewonnen, die auf dem Gebiete der von
ihnen übernommenen Artikel fchon einen guten Namen
haben; unter den Theologen z. B. Benrath für die Gefchichte
der Päpfte, Wagenmann für die Gefchichte
der Reformation, Förfter in Halle für einzelne kirchen-
gefchichtliche Beiträge. Wir nennen von den übrigen
Mitarbeitern noch beifpielsweife Brecher (deutfehe und
preufs. Gefchichte des 16. Jahrh.), Hartmann (württ. Gcfch.),
Hertzberg (Balkanhalbinfel und Nordamerika), Hildebrand
(Schweden), Nafemann (preufs. Gefch. des 19. Jahrh.),
Schäfer (Dänemark), Speyer (Italien) u. f. f. Die unmittelbare
Mitarbeit des Herausgebers befchränkt fich
auf die Einleitung; diefe giebt auf 50 Seiten zunächft
eine Ueberficht über den allgemeinen Gang und Inhalt
der neuen Gefchichte und fodann eine kurze Befprechung
der Entwicklung der Einzelftaaten. In knapper und doch
fcharf charakterifirender Weife wird hier ein Bild des
ganzen gefchichtlichen Lebens feit der Reformation und
des Antheiles jedes einzelnen Culturftaates an demfelben
gezeichnet, um den Zufammenhang und Fortgang desfelben
aufzuweifen; wir erinnern uns nicht, eine in gleicher
Weife den Stoff beherrfchende und durchdringende Darfteilung
mit fo fcharfer Zeichnung gelefen zu haben.

Die einzelnen Artikel folgen dann auf gefpaltenen
Seiten in kleincrem Druck. Die meiften find anonym;
nur wo der Verfaffer feine Mitarbeit auf die Bearbeitung
einzelner Hauptartikel befchränkt, foll fein Name genannt
werden; fo unterzeichnet K. Hillebrand den Artikel
Algier.

Der Erfolg des Werkes wird wefentlich nun davon
abhängen, inwieweit es ihm gelingen wird, die gröfste
Zuverläfslichkeit bis in die einzelnen Angaben hinein zu
erreichen. Wer da weifs, wie häufig auch fonft recht
brauchbare Handbücher einen gerade dann, wenn man
fie brauchen will, irreführen, der wird mit uns wünfehen,
dafs an diefem Werke fich deutfeher Fleifs in thunlichfter
Genauigkeit bewähren möge. Ganz ohne Fehler ift es
fchon bisher nicht abgegangen; fo z. B. wird S. 72a
irrthümlich Agricola's Ausgabe der lutherfchen Auslegung
des Vaterunfers ins J. 1515 ftatt insj. 1518 verlegt (vgl.
Luthcr's Werke, Erlanger Ausg. Bd. 21, S. 156). Die
Befchreibung der complutenfifchen Polyglotte S. 89a als
,einer nach den älteften Handfchriften mit dem Zeitbegriff
(?) kritifch hergeftellten Ausgabe des Bibeltextes
mit vielen Commentaren, welche im 16. Jahrhundert eine
Zeit lang von grofsem Einflufs war', beruht auch wohl
auf einem Verfehen. Der Druck ift deutlich und gut;
auf S. IV und V weift das dreimalige Uber- wohl auf
die Schwierigkeit, die die Einführung der neuen Schreibweife
macht.

Auf den Inhalt weiter einzugehen verfparen wir uns,
bis die Fortfetzungen vorliegen.

Hamburg. Carl Bertheau.

Henne-Am Rhyn, Otto, Kulturgeschichte des Judentums

von den älteften Zeiten bis zur Gegenwart. Jena 1880,
Coftenoble. (XIV, 527 S. gr. 8.) M. 10. —

Zur Abfaffung einer Culturgefchichte des geflammten
Judenthums ift die Zeit eigentlich noch nicht gekommen,
da für manche Länder, in welchen die Juden zu grofscr
Bedeutung gelangten, wiffenfehaftlich ausreichende Monographien
über diefe Bedeutung noch nicht vorhanden
find; das grofse Intcrcffe aber, welches durch die gegen-