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Ausgabe:

1881

Spalte:

49-52

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Soetbeer, Ad.

Titel/Untertitel:

Das Goldland Ofir. Eine wirthschaftsgeschichtliche Untersuchung 1881

Rezensent:

Schultz, Hermann

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Hamack und D. E. Schürer, Proff. zu Giefsen.
Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 3.

29. Januar 1881.

6. Jahrgang.

Soetbeer, Das Goldland Ohr (H. Schultz).
Gelbhaus, Rabbi Jehuda Hanaffi und die Re-

daction der Mifchna (Strack).
Revue des Etudes Juives (Schürer).
Pick, JüdifchesVolksleben zurZeitJefu (Schürer).
Kneucker, Die Anfänge des römifchen Chriften-

thums (Harnack).

Charteris, Canonicity (Harnack).
Kurtz, Kirchengefchichte (Harnack).
Wiedemann, Gefchichte der Reformation und

Gegenreformation (Möller).
Benrath, Die Summa der heiligen Schrift

(Möller).

Mohr mann, Jacobus Sackmann (Bertheau).

Hackenfchmidt, Die Kirche (Ritfehl).
Schulze, Vorfchläge zur Revifion der Liturgie
(Kraufs).

Allgemeine Chronik des Volksfchulwefens
(K. Strack).

Ciceronis de natura deorum libri III, ed. Mayor
(Schürer).

Soetbeer, Dr. Ad., Das Goldland Ofir. Eine wirthfehafts- | Wenn das nun der Zweck der Expedition war, fo

gefchichtliche Unterfuchung. (Separat-Abdruck aus
der Vierteljahrsfchrift für Volkswirthfchaft, Politik
und Kulturgefchichte, Jahrg. XVII, Bd. IV.) Berlin,
1880, Herbig. (68 S. gr. 8.)

Die Frage nach dem Goldlande Ofir und den
Fahrten, welche Salomo mit phönikifcher Hülfe nach
demfelben unternehmen liefs, ift von Alters her nicht
blofs von Theologen, fondern auch von Naturforfchern,
Geographen, Reifenden und Hiftorikern, wie Baer, Ritter,
Niebuhr, Laffen u. A. vielfach erörtert und aufs ver-
fchiedenartigfte beantwortet. Die uns vorliegende Abhandlung
des bekannten Nationalökonomen unternimmt
es, dem fchwierigen Gegenftande von neuen, wefentlich
durch die eigene Wiffenfchaft beftimmten Gefichtspunkten
aus nahe zu treten, — und bietet eine Lüfung, die jedenfalls
von weniger Schwierigkeiten gedrückt wird und in
befferer Uebereinftimmung mit der Gefammtheit der uns
über die Ofirfahrten erhaltenen Nachrichten fleht, als die
bisher zur Geltung gekommenen. Eine Nachricht über die
Ergebnifse Soetbeer's und die wefentlichen Gründe, auf
welche er diefelben ftützt, wird ohne Zweifel in weiteren
Kreifen erwünfeht fein.

Der König Salomo foll als Gewinn feiner in der
Frift von drei Jahren vollendeten Expedition nach Ofir
420 Kikkar Gold empfangen haben, d. h. nach der wahr-
fcheinlichen Rechnung 46 Millionen Mark, nach der
niedrigften mehr als 16 Millionen. An der Richtigkeit
diefer Zahl ift nicht zu zweifeln, da fie, wie die daneben-
ftehenden Zahlen des Königsbuches, den Stempel offi-
cieller Nachrichten trägt. Solche Summe kann weder
ein Gefchenk, noch der Gewinn des Handels gewefen
fein. Denn felbft phönikifche Kaufleute wären nicht im
Stande gewefen, Waaren zu liefern, welche annähernd
folche n Gewinn in drei Jahren erzielt hätten. Die Israeliten
aber hatten nur den Ertrag von Viehzucht und
Ackerbau zu bieten, — willkommene Taufchobjecte für
die phönikifchen Seeftädte, aber ungeeignet für fremde,
wilde Völker, und von viel zu geringem Werthe für folche
Summen. Mufste doch Salomo den Phöniken zwanzig
Ortfchaften verpfänden, um eine Summe Gold zu erwerben
, die nicht den dritten Theil der genannten ausbracht
. Da nun von Raub und Krieg Nichts berichtet
ift, fo bleibt nur übrig, anzunehmen, dafs Salomo's Expedition
die Ausbeutung von Goldlagern und Goldbergwerken
bezweckte. Dazu war er, als Oberherr der bergbaukundigen
Edomiter fehr wohl befähigt. Und eine
allerdings fehr vereinzelt erhaltene Notiz des Plupolemos
läfst den König David Goldbergwerke auf der Infel Urfe
(Ofir) durch von Ailanos eingefchiffte Bergleute {^itzal-
XevTai) bearbeiten.

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mufs fie fehr grofs gewefen fein. Nach den Erfahrungen
in Californien find wenigftens 3—40x10 Arbeiter nöthig,
um im Laufe von 2—3 Jahren ein folche Quantität von
Gold zu gewinnen. Dazu mufsten Soldaten kommen,
um die Arbeiter zu fichern, und die zum Unterhalte
einer folchen Menfchenmenge nöthigen Zurüftungen und
Hülfsquellen. Alfo eine Expedition von ungefähr 5000
Menfchen, wohl ausgerüftet, müffen wir annehmen, —
etwa wie die ägyptifchen Expeditionen, welche Sanch-
ka-ra und die Königin Hafchop in viel früheren Zeiten
nach Punt unternehmen liefsen.

Dann aber kann Ofir nicht ein fernes Land fein,
etwa die goldreiche Halbinfel Malacca, an welche fchon
Jofefus dachte. Denn um eine folche Expedition dahin
zu führen, fehlten der Zeit Salomo's die Mittel, wenn
auch einzelne Schiffe zu Handelszwccken dahin gedrungen
fein mögen. Auch fehlt die Zeit. Denn von den
drei Jahren der Expedition kann nur eine fehr kurze Frift
für die Fahrt abgerechnet werden. Diefelben Gründe
fprechen gegen die Bucht von Cambay (Abira); aufser-
dem aber war dort eine handeltreibende Culturbevölkerung,
alfo es gab keine herrenlofen Goldfelder. Und die goldreichen
Plätze von Oftafrika, auf welche der Ueberfetzer
der LXX mit feinem Sofira (Sofala) vielleicht hindeutet,
kommen, abgefehen davon, dafs die dort von Santos und
Mauch gefundenen Ruinen durch Nichts auf ein fo hohes
Alter hindeuten, fchon deshalb nicht in Frage, weil die
Goldfelder dort 40 geogr. Meilen von der Küfte entfernt
liegen, alfo einer folchen Seeexpedition im grofsen Stile
unzugänglich fein mufsten. Auch giebt es dort keine
Pfauen und kein Sandelholz.

Ofir kann nur in Arabien gefucht werden, wohin ja
auch die Nachrichten Gen. 10 allein weifen, die es zwi-
fchen Scheba und Chavila unter die Joqtanskinder ftellen.
An die Metallgruben Ofras am perfifchen Golfe ift nicht
zu denken, da von dort Caravanen und nicht Schiffe
den nächften Weg nach Salomo's Reiche boten. An die
Südküfte Arabiens ebenfalls nicht, da dort Goldablagerungen
an der Küfte nicht vorhanden find. Alle Nachrichten
weifen auf die arabifche Küfte des rothen Meeres, wo die
Grenzen von Hedshas und Jemen unter dem 19. Grade
n. Br. zufammentreffen. Dort wohnten neben den früh
cultivirten und handeltreibenden Sabaeern die uncivili-
firten Alilaeer, Kaffandrer und Debai. Dort zwifchen
dem 17. u. 19. Grade ift eine hohe Gebirgskette nicht weit
von Meere. Dort, von den jäh herabftürzenden Schnee-
und Rcgenwaffern durch viele Jahrtaufende zur Küfte
hinabgefpült, müffen die Goldfchätze von Ofir gelegen
haben.

Aber feit Niebuhr pflegt man zu fagen, Arabien befitze
kein eigenes Gold, und jedenfalls ift feit mehreren

SO