Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1881 Nr. 19

Spalte:

459-460

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bassermann, Heinrich

Titel/Untertitel:

Zeitschrift für praktische Theologie. 3. Jahrg. 1881. 4 Hefte 1881

Rezensent:

Krauss, Alfred

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

459

Theologifche Literaturzeitung. 1881. Nr. 19.

460

oder die ,Sabbathruhe des Himmels', nach Ebr. 4, 9, als
,Bilder' zu behandeln, wollen wir nicht weiter in Frage
ziehen, aber nicht einverftanden können wir uns damit
erklären, dafs die fechs Freiftädte Jofua 2 als ,Bild' verwendet
werden mit dem Thema: ,Chriftus als Freiftadt
für den Sünder'. Derartige typifch-allegorifche Deutungen
, für welche in der Schrift felbft ein directer Anhalt
fich nicht bietet, follte man in unferer Zeit nicht erneuern.
Das oben ausgefprochene Lob foll durch diefe Bedenken
nicht befchränkt werden, wir möchten vielmehr den
Wunfeh ausfprechen, dafs der Verf. die begonnene Arbeit
fortfetzen und noch andere biblifche Bilder, namentlich
auch an fich fchon bedeutfamere, in ähnlicher
Weife behandeln möge.

Halle aß. A. Wachtler.

Weber, Paft. Guft., Die Sprache der Steine. Ein Beitrag
zur Symbolik der kirchlichen Baukunft. Hannover

1880, Feefche. (32 S. 16.) geb. M. —. 80.

Auf dem Titel ift es fchon ausgefprochen, dafs der
Verf. von derjenigen Sprache der Steine reden will,
,welche die durch die Baukunft zu fchönen Gebilden geformten
Steine reden, als ein Dankopfer der Menfchen
Gott preifend und feine Ehre der Welt verkündend'; er
thut das, indem er die verfchiedenen Entwicklungsftufen
der kirchlichen Baukunft in grofsen Umriffen zeichnet,
den Lefer durch die Kirche der Tiefe in den Katakomben
, durch die altchriftliche Bafüika und dann durch die
romanifchen und gothifchen Kirchenbauwerke führt, das
einzelne wie das ganze in frommer und finniger Weife
deutend. Auf dem ganzen Gebiet der kirchlichen Baukunft
ift der Verf. wohl bewandert, aber am liebevollften
oefchäftigt er fich mit dem gothifchen Bauftil und an
den häufigen Beifpielen merkt man, dafs er im Magdeburger
Dom recht eigentlich zu Haufe ift. Es ift ein
feines Büchlein, dem wir weite Verbreitung wünfehen,
damit auch durch feinen Dienft das Verftändniis für
die Sprache der Steine, welche durch Unverftand in der
Behandlung des alten und durch Gefchmacklofigkeit in
Neuanlagen vielfach dem Seufzen der Creatur gleich
geworden ift, geweckt werde.

Halle a. S. A. Wächtler.

Zeitschrift für praktische Theologie, hrsg. v. Prof. Lic.
Baffermann und Conhft.-R. Dr. Ehlers. 3. Jahrg.

1881. 4 Hefte. Frankfurt a/M., Diefterweg. (ä llft.
ca. 96 S. gr. 8.) M. 6. —

Jeder praktifche Theologe und fpeciell auch die
Lehrer der praktifchen Theologie werden mit grofsem
Intereffe diefe Zeitfchrift begleiten. Sie bietet einen reichen
Inhalt. Im 1. Heft des Jahrgangs 1881 war ein
Auffatz von Dr. J. R.Hanne gegen textmäfsigesPredigen
gebracht worden. Nun fpricht in dem vorliegenden Heft
Prof. Dr. Weifs in Tübingen ,über Werth und Bedeutung
des Textes für die Predigt' und zwar in fo ruhiger,
den Gegenftand' völlig beherrfchender und klarer Weife,
dafs man der Redaction nur dankbar fein kann, durch
Hanne's Arbeit diefe Entgegnung veranlafst zu haben.
Riff in der Ruprechtsau bei Strafsburg und Ehlers in
Frankfurt beweifen durch eigenartige Predigten ihre ver-
fchiedene und doch zufammenftimmende rednerifche Begabung
. Dr. Schmidt in Eifenach fetzt feine Studien
über .Prediger aus der Reformationszeit' fort, indem er
Cafpar Aquila behandelt. Von Baffermann ift ein
trefflicher katechetifcher Entwurf über Joh. 1, 1—3 und j
14 vorhanden, an dem ich allerdings einige fprachliche 1
Nachläffigkeiten auszufetzen habe: S. 168: ,in dem für
uns denkbar zurückliegendften Anfang'. Wird ein [
Particip fo gefteigert: zurückliegend, zurückliegender, am
zurückliegendften? Diefe Grammatik wollen wir den po-
litifchen Rednern und Journalen überlaffen. Ferner S.

170: ,Durch es ift die Welt geworden'. Es als felbftän-
dig, nicht enklitifch gebrauchtes Pronomen ift undeutfeh.
Ich hebe diefe Kleinigkeiten hervor, weil im Uebrigen
der Entwurf auch formell zu loben ift. Sachlich hat
mich Nr. III desfelben (das Wort als Weltfchöpferl am
Wenigften angefprochen, und ich denke, ich ftehe hier
nicht vereinzelt. Der Bitte Herrn Baffermann's um ,fehr
nachfichtige Beurtheilung' kann ich nicht entfprechen.
Eine folche Bitte ift nur bei geringeren Leiftungen erlaubt
. Wer aber die Schwierigkeit von katechetifchen
Dispofitionen überhaupt, fofern fie fchriftlich fixirt werden
follen, und von folchen durch und durch dogmati-
fchen Dispofitionen im Befondern kennt, wird dem Ver-
faffer nur zu Dank verpflichtet fein können.

Strafsburg i/E. Alfred Kraufs.

Kurzgefasste Mittheilungen über eingelaufene Bücher.

Berliner, Dr. A., 013a« mrtb, Hebräische Grabschriften in

Italien. 1. Thl. 200 Infchriften aus Venedig, 16. u.
17. Jahrhundert. Herausgegeben und mit Noten verfehlen
. Frankfurt a/M. 1881, Kauffmann. (109 S. 8.)
M. 2. -

Der kundige und forgfältige Herausgeber diefer hebräifchen Grab-
fchriften hat diefelben nicht, wie man nach dem hebräifchen Titel meinen
könnte, von den Steinen felbft entnommen, fondern aus einer Handfchrift,
welche ihm von Herrn Moife Soave in Venedig überlaffen worden ift.
Die handfehriftliche Sammlung ift nach einer Vermuthung Soave's das
Werk eines Enkels von Leon da Modena. Namens Ifaak Levi. Deffen
Grofsvater, der jüdifche Dichter Leon da Modena (geb. 1571, gefl.
1648). ift eben der Verfaffer der meiften diefer Grabfchriften, ,wie fich
dies einige Male aus feinen eigenen Zeugnifsen an anderen Orten erweifen
läfst, in den meiften Fällen aber durch den prägnanten Styl, der ihm
eigen, zu erkennen ift' (Urtheil Berliner's im Vorwort S. 6).

Weber, Pfr. Dr. F. W., Kurzgefasste Einleitung in die heiligen
Schriften Alten nnd Neuen Testamentes. Zugleich

ein Hilfsmittel für kurforifche Schriftlektüre. Für
höhere Schulen und gebildete Schriftlefer bearbeitet.
6. Aufl., hrsg. von Lic. Füller. Nördlingen 1881,
Beck. (VII, 344 S. gr. 8.) M. 3. 60.

Das Erfcheinen diefer (Einleitung' in 6. Auflage darf auch als einer
der Heweife dafür gelten, dafs die Arbeit der Theologen für das gefchicht-
liche Verftändnifs der beiden Teftamente auf den öffentlichen kirchlichen
Unterricht ziemlich einflufslos ift.

Lesquoy, L. J., De regimine ecclesiastico juxta patrum
apostolicorum doctrinam. Dissert. theologica. Lovanii
1881, van Linthout fratres typogr. (XII, 206 p. gr. 8.)

Will Jemand fich darüber inftruiren, in welcher Weife von den ultra-
| montanen Literaten die älteften Quellen der Kirchengcfchichte mifshan-
delt werden, fo greife er zu diefem Buche. Hier wird ihm gezeigt, dafs
bereits Clemens, Hermas und Ignatius die modern-römifche Lehre vom
Papfte, vom primalus in genere, vom primalus jurisdiclionis, vom ma-
gisterium authenlicum bezeugt haben. Die Schrift ift ein Seitenftück zu
Nirfchl's Monographie über Ignatius (Theol. Lit.-Ztg. 1880 Nr. 25).

Gebhardt, Pfr. Herrn., Thüringische Kirchengeschichte,

feinen Landsleuten erzählt. 1. Bd. Von den früheften
Zeiten bis zum Beginn der Reformation. Gotha
1881, F. A. Perthes. (VI, 396 S. gr. 8.j M. 5. —

Diefes Buch ift dem Verf.. einem auch in der Wiffenfchaft gefchätz-
ten thüringifchen Geiftlichen, aus Vorträgen erwachfen, die er'feiner Gemeinde
gehalten hat. Der Stoff ift dann durch jahrelange liebevoll gepflegte
Studien reichlich vermehrt, gefichtet und zum Ganzen gerundet
worden. Der Verf. hat das Buch erfcheinen laffen, um allen denen, welche
fein Heimathland lieben, die Möglichkeit zu gewähren, auch ein reiches
Stück Gefchichte desfelben kennen zu lernen. Er weifs fchlicht und mit
Wärme zu erzählen, und den grofsen und bunten Stoff einheitlich zu ge-
ftalten. Der Verf. ,beanfprucht nicht, die Gefchichtswiffenfchaft mit Er-
gebnifsen gelehrter Forfchung zu bereichern', aber was er beabfichtigt hat
— auf dem Hintergrund der Thüringifchen Landesgefchichte die Kirchen-
gefchichte der Heimath für weitere Kreife in zuverläffiger Darftellung vorzuführen
— das hat er erreicht, und man kann nur wünfehen, dafs feinem
Werke der Erfolg nicht fehle.