Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1881

Spalte:

441-444

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Stade, Bernhard

Titel/Untertitel:

Zeitschrift für die alttestamentliche Wissenschaft. 1. Jahrg. 1881. 2 Hefte 1881

Rezensent:

Giesebrecht, Friedrich

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

Theologische Literaturzeitung.

Herauso-ep-eben von D. Ad. Harnack und D. E. SchÜrer, Proff. zu Giefsen.

Erfcheint * Preis

alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 19. 10. September 1881. 6. Jahrgang.

Zeitfchrift für die altteftamentliche Wiffenfchaft,

hrsg. von B. Stade (Giefebrecht).
Simchowitz, Der Pofitivismus im Mofaismus

(Giefebrecht).
Wefterburg, Der Urfprung der Sage, dafs Seneca

Chrift gewefen fei (A. Harnack).
Klufsmann, Curarum Tertullianearum part. I.

et II (A. Harnack).

Haufchild, Die rationale Pfychologie und Er-
kenntnifstheorie Tertullian's (A. Harnack).

Der ungefälfchte Luther hergeftellt von K. Haas
(Lemme).

Pfleiderer, Grundrifs der chriftlichenGlaubensund
Sittenlehre (Kattenbufch).

Baumann, Das Selbftcommuniciren des evan-
gelifchen Geifllichen (Härtung).

Beck, Homiletifche Lectionen (Wächtler).

Leonhardi, Altarreden (Wächtler).

Werner, Biblifche Bilder in erbaulichen Betrachtungen
(Wächtler).

Weber, Die Sprache der Steine (Wächtler).

Zeitfchrift für praktifche Theologie, hrsg. von
Baffermann und Ehlers (Kraufs).

Kurzgefafste Mittheilungen.

Zeitschrift für die alttestamentliche Wissenschaft. Hrsg. von
Prof. Dr. Bernh. Stade. Mit Unterftützung der
Deutfchen Morgenländifchen Gefellfchaft. 1. Jahrg.
1881. 2 Hefte. Giefsen, Ricker. (1. Hft. 176 S. gr. 8.)

M. 10. — '

Den gröfsten Theil diefes Heftes nimmt die leider
noch nicht vollftändig vorliegende Abhandlung des Herausgebers
über Sach. 9—14 ein. Der Verf. unternimmt
es hier, die Thefe Vatke's, Gramberg's, Geiger's, Well-
haufen's von der nachfacharianifchen Abfaffung diefer
Capitel ausführlich zu begründen. Diefelben ftammen

nach Stade von einem Verf. her und find mit Unrecht 1 wünfehtes Licht.

die doch beim echten Sacharja und Maleachi noch immer
eine bedeutende Rolle fpielt, die vielfach gefuchte Dunkelheit
, alles das find Kennzeichen einer der Apokalyp-
tik fich nähernden Prophetie. In diefer Verworrenheit
des Zukunftsbildes bei oder vielmehr wegen weitgehender
Detailmalerei rächt fich das Beftreben der Späteren,
aus den entgeifligten Zukunftshoffnungen der alten Propheten
eine Lehre von den letzten Dingen herzuftellen.
— Hoffentlich erhält übrigens noch diefe oder jene
dunkle Stelle der in Rede ftehenden Capitel durch den zu
erwartenden zweiten Theil der Abhandlung, der die zeit-
gefchichtlichen Beziehungen unterfuchen wird, ein er-

an zwei verfchiedene Propheten vertheilt worden. Die
Differenz zwifchen den glänzenden Weiffagungen der
beiden erflen Capitel und den trüberen Erwartungen der
drei letzten fchreibt fich daher, dafs die Gefchichte felbft,
welche die grofsen Hoffnungen jener Capitel nicht bewahrheitete
, den Propheten nöthigte, eine Umarbeitung
und Berichtigung von Capitel 9 und 10 vorzunehmen.
Capitel 11 motivirt diefe Veränderung. Wegen des
Starrfinns Israels fieht fich Jahveh genöthigt, zuerft den
mit den Völkern zu Gunften Israels abgefchloffenen
Vertrag und fodann die meffianifchen Verheifsungen zurückzunehmen
, dafür aber dem Volk einen blutfaugen-
den Hirten anzudrohen. Israel mufs erft in die äufserfle
Noth hinabfteigen, ehe die meffianifche Zeit kommen
kann: Cap. II. 13, 7—9. 12, 1 ff. 14, 1 ff- — Aus 13,
2—6 erhellt, dafs der Verf. ein prophetifcher Epigone
ift, dem der Prophetenkanon bereits abgefchloffen vorlag
. Dies beftätigt fich durch feine Abhängigkeit von
früheren Propheten, befonders von Jerem., Ezech.,
Deutjes. — Alles in Allem genommen fcheint es mir,
dafs diefe Unterfuchung ein neues Licht auf den Gegen-
ftand wirft und die nachfacharianifche Abfaffung zu
einem hohen Grad von Wahrfcheinlichkeit erhoben hat.
Doch kann ich nicht verhehlen, dafs nach meiner Anficht
in der Beweisführung hier und da der Ton auf
minder wichtiges gelegt ift. So vermag ich in dem re-
gelmäfsigen Wechfel von lichteren und trüberen Zukunftserwartungen
noch keinen Beweis für die Einheitlichkeit
diefer Capitel zu erkennen. So fcheint mir 13,
2—6 nur vom falfchen Propheten, nicht aber vom Pro

Die textkritifchen Anmerkungen Hollenberg's zu
Jofua und Richter bringen einige beachtenswerthe Cor-
recturen des M. T. an der Hand der LXX, cf. befonders
die Bemerkung zu Jof. 9, 27. — Für die Herftellung
des hieronymianifchen Textes des Psalter, jtixta Hebraeos
ift eine von Baethgen in der Hamburger Stadtbibliothek
aufgefundene Handfchrift von Wichtigkeit, welche
nicht durch Correcturen nach der Vulgata oder nach
dem M. T. entftellt ift.

Die folgenden Auffätze ,Lea und Rahel' vom Herausgeber
, ,die Berichte über die Eroberung PaläftinaV
von Meyer mit einem Nachwort von Stade fuchen zu
zeigen, dafs wir weder über das Verweilen Israels im
Oftjordanland, noch über die ihm folgende Eroberung
Kanaans fichere hiftorifche Traditionen haben. Der
Bericht des Jahviftcn Rieht. 1—2, 5 giebt nur eine Be-
fchreibung des zwifchen Israel und Kanaan am Anfang
der Königszeit obwaltenden Verhältnifses. Die Erzählungen
des (2.) Elohiften über das oftjordanifche Amo-
riterreich des Sihon und die Eroberung des Weftjordan-
landes beruhen auf bewufster Gefchichtsconftruction
(Meyer). Nach Stade ift Israel durch friedliche Ueber-
einkunft mit den Kanaanitern in den Befitz weftjordan.
Landes gekommen, und hat dann diefelben im friedlichen
Verkehr allmählich überwunden. — Ref. bekennt
gern, diefen Arbeiten mannigfache Anregung zu verdanken
und glaubt, dafs die hiftorifche Kritik durch fie
eine wefentliche Bereicherung erfahren hat. Dennoch
mufs ich geftehen, in den wichtigften Punkten nicht
überzeugt worden zu fein. Erkennt auch Meyer an,

pheten im Allgemeinen zu fprechen, diefe Weiffagung | dafs Israel im Weftjordanland zuerft bei Jericho feften
wäre daher weder mit Joel 3 gleichwerthig (Wellh.), j Fufs gefafst hat (für die abweichende Meinung Stade's
noch enthielte fie eine polemifche Beziehung auf diefe ( läfst fich doch kein recht ftichhaltiger Beleg anführen),
Stelle (Stade). Viel deutlicher zeugt für einen Deutero- j und find Rüben und Gad bis in hiftorifche Zeit hinein
facharja der allgemeine Charakter von Sach. 9—14. j zwifchen Arnon und Jabbok fitzen geblieben, fo mufs
Dies kleinliche, z. Th. fpielende, z. Th. gräfsliche Aus- ! Israel vor dem Uebergang über den Jordan im moabi-
malen der Zukunft, ohne dafs eine zufammenfaffende I tifchen Lande gewohnt haben. In den Befitz eines fol-
Idee hervorträte, diefer Mangel an eigentlicher Predigt, j chen Gebietes kann es nur durch Gewalt gekommen
441 442