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Ausgabe:

1881 Nr. 14

Spalte:

333-334

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Glock, Wilhelm

Titel/Untertitel:

Die christliche Ehe und ihre modernen Gegner 1881

Rezensent:

Köhler, Karl

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Seite 1

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Theologifche Literaturzeitung. 1881. Nr. 14.

334

Mücke. Lic, Vom ewigen Leben. Zur Verantwortung des
chriftlichen Unfterbliclikeits- u. Auferftehungsglaubens
wider deffen neuere Gegner. Für Zweifelnde, Suchende,
u. Trauernde. Brandenburg 1880, Wiefike. (XI, 2Ö8 S.
gr. 8.) M. 3. 75

Nach dem Titel erwartete Ref. eine Reihe wiffen-
fchaftlicher, wenn auch populär-wiffenfchaftlicher Auf-
fätze zu finden und war ein wenig enttäufcht, als fich eine
Sammlung von Predigten vorfand, die zu verfchiedenen
Zeiten über die hier vorliegenden Fragen gehalten und

theorie ihre Richtigkeit hat, mag dahingeftellt bleiben;
in dem Rahmen der vorliegenden Arbeit war für den
Verbuch ihrer Begründung kein Raum. Abgefehen davon
find die Nachweife über den Charakter der Ehe bei
den Römern, Griechen und Israeliten wohl gelungen,
desgleichen die Darftellung des biblifchen Ehebegriffs
(wobei nur fraglich erfcheint, ob man berechtigt in, fo ohne
Weiteres, wie auch der Verf. thut, aus 1 Cor. 7 die Anerkennung
der böslichen Verladung als Scheidungsgrund
zu folgern). Was den gegnerifchen Angriffen erwiedert
wird, ift treffend, überall auf die entfcheidenden Punkte

lu. I gerichtet; man ficht, dafs der Verf. aus eingehender cige-
dann nach fyftematifchcr Reihenfolge ihrer 1 Berne _ . Kenntnifs der bekämpften Syfteme redet. Das rela-
fammengeftellt waren. Nicht als ob nicht m»c*»fJ^JJ | tive fittliche Recht des Peffimismus - nicht freilich feine
gute Predigt und mancher fehl fchone Gedanke ™™ 1 phantaftifche Begründung bei Hartmann — hätte indcffen
wäre, aber eine Predigtfammlung mit ihren unumgang | Alierkennung verdient. Mit Recht wendet

fich der Verf. mehrfach, fowohl den Peffimiften als den
Optimiften gegenüber, gegen die beliebte Verwechfelung
der chriftlichen Sittlichkeit mit katholifcher Askefe und

liehen Wiederholungen, zumal in einer recht breiten
Sprache, wird kaum Suchende und Zweifelnde an fich
ziehen, für welche das Buch beftimmt ift, gefchweige fie
überzeugen. Für Trauernde ift mehr zu finden, wenig-

ftens in den letzten fpeeififeh chriftlichen Predigten, Weltflucht. Man mochte wunfehen, dafs der Punkt, wo
während die erften die aljgemeineren Unfterbliclikeits- das kathohfche-asketifche Sitthchkeitsprincip in das
beweife behandeln, von welchen doch des alten Matthias j Chnftcnthum herein kam, fowie deffen aufserchriftliche
Claudius' Wort gilt, dafs aus vielen endlichen Halmen Herkunft und fein Verhaltnifs zu dem neuteftamentlichen
keine unendliche Garbe wird. Wollte Verf. einen Beweis ; Sitthchkeitsideal genauer nachgewiefen worden wäre, als
für das ewige Leben in Predigten geben, er hätte beffer gefchehen ift. Die Haager Gefellfchaft zur Vertheidig-
Predmten über irgend welche Texte und Gegenftände i ung der chriftlichen Religion hat dem Verf. ihre grofse
des chriftlichen Glaubens zufammengeftellt, und wenn j filberne Medaille zuerkannt. Im Ganzen verdient die
keine einzige vom ewigen Leben befonders gehandelt kleine Schrift völlig diefe Auszeichnung und erweckt
hätte Denn die chriftliche Predigt ift an fich ein fort- erfreuliche Erwartungen für die weiteren wiffenfehaft-
laufendes Zeugnifs und, wenn fie in Geift und Kraft ge- liehen Leiftungen des Verf.'s.

fchieht, ein Beweis für das ewige Leben. — Verfe wie j Friedberg. K. Koehler.

S 267 ,doch des Körpers allzugrofse Leiden feffelten---_1_

zuletzt ans Lager ihn, die er trug als Chrift; die füllen Gesangbuch für die evangelisch-lutherische Kirche unverän-
Freuden heiterten ftets auf den frommen Sinn' feilten derter Augsburgischer Konfession im Königreich Polen.

auf den Kreis, für den fie wohl urfprünglich beftimmt , Warfchau (1880), Sennewald in Comm. (VIII, 620 S
waren, befchränkt bleiben. 8 } ?$ Kopeken,

Leipzig. Härtung.

Glock. Stadtvic. V illi., Die christliche Ehe und ihre modernen
Gegner. Karlsruhe 1881, Reuther. (VIII, 115 S.

gr. 8.) Mk 1. 80.

Unter chriftlicher Ehe verlieht der Verf. nicht etwa
die kirchlich gefchloffene, fondern das Eheinftitut im
Sinne der fittlichen Weltanfchauung des Chriftenthums;
die Gegner, mit welchen er zu fchaffen hat, find nicht
die Anhänger der Civilehe, zu deren Gunften er fich vielmehr
beftimmt ausfpricht, fondern die von den entgegengefetzten
Ausgangspunkten des Peffimismus und üpti- j aber nach weiterer Üeberlegung und Prüfung auch ihrer

In den deutfehen lutherifchen Gemeinden im Königreich
Polen waren bisher mehrere Gefangbücher im Gebrauch
, unter welchen einige, wie das f. g. neue Breslauer
und das verbreitetfte, das Ludwig'fche, aus der Zeit
des Rationalismus flammten, andere ältere fich in diefer
Zeit hatten allerlei Veränderungen (Verflachungen und
Zufätze) gefallen laffen müffen. Der Wunfeh nach einem
befferen und zugleich einem gemeinfamen Gefangbuch
war in immer weiteren Kreifen rege geworden. .Anfangs
dachte man', fo lefen wir im St. Petersburger Evange-
lifchen Sonntagsblatt 1880, Nr. 52, S. 513, ,an die Einführung
eines der guten ausländifchen Gefangbücher,

mismus aus operirenden und daher (ich unter einander ! Mängel kam man doch zu dem Entfchluffe, einer Com-
felbft aufhebenden modernen Gegner der chriftlichen miffion aus fieben Paftorcn den Auftrag zu ertheilen,
Weltanfchauung und der chriftlichen Moral, auf der einen i ein neues Gefangbuch, das unfern Bedürfnifsen entSeite
Schopenhauer und Hartmann, auf der anderen fprechen würde, auszuarbeiten. Vier Jahre [1876 bis 1880]
Feuerbach, Straufs, dann die auf Darwin's Schultern dauerte diefe Arbeit; inzwifchen ftarb einer der Paftoren,
flehende matcrialiftifche Naturforfchung. Man weifs, dafs 1 und die fechs haben nun ihre Arbeit vollendet'. Das
für diefe alle die chriftliche Idee der Ehe ein beliebtes ; nun vorliegende Gefangbuch, welches mit einem Vor-
Angriffsobject bildet. Der Gang, den der Verf. ein- 1 wort der Gefangbuchscommiflion nun ,im Verlag der
fchlägt, ift der hiftorifch-genetifchc. Auf dem Wege all- Paftor-Witwen- und Waifenkaffe' erfchienen ift, follte
mählich auffteigenderEntwickelung, durch die drei Stufen nach einem Befchluffe des .Warfchauer Evangclifch-
als anfänglich blofs phyfifches, dann rechtliches, endlich Augsburgifchen Confiftoriums' fpäteftens zu Odern 1881
religiös-fittlichcs Verhältnifs, ift die Ehe zu der idealen j in allen Gemeinden eingeführt werden. Die Commiffion
Höhe gelangt, welche fie im Chriftenthum einnimmt, j fpneht fich im Vorworte über die Art ihrer Thätigkeit
Das Wefenthche des chriftlichen Ehebegriffs liegt in den fo aus: ,Der leitende Grundfatz dabei war, ein vor allen
drei Momenten des monogamifchen Charakters der Ehe j Dingen bekenntnifsmäfsiges Gefangbuch mit glaubens-
und der hierin gegebenen fittlichen Gleichftellung von ! treuen Liedern alter und neuer Zeit, kernhaften GeMann
und Weib, ihrer Unauflöslichkeit als der völligen ; beten und fonftigen nutzlichen Anhängen den Ge-
geiftig-kiblichen Lebensgemeinfchaft, abgefehen von der j meinden zu bieten. Der Text der Lieder ift mit Befei-
thatfächlichen Zerreifsung des Bandes durch menfehhehe | tigung der fprachlichen Härten womöglich unverändert
Schuld in den vom N. T. anerkannten Fällen des Ehe- j geblieben. Manche zu lange Lieder wurden verkürzt,
bruchs und der böslichen Verlaffung, endlich ihrer Heilig- : umganzgefungenwerdenzukönnen'.InähnlicherWeifever-
keit, d h. ihrer Eigenfchaft als einer göttlichen Ordnung. [ fahrt man ja auch wohl jetzt allgemein in Deutfchland bei
Wie weit jene culturgefchichtliche Entwickclungs- | der Herftellung neuer Gefangbücher, fo dafs diefe Grund-