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Ausgabe:

1881 Nr. 12

Spalte:

289-291

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Lambros, Spyridion

Titel/Untertitel:

Die Bibliotheken der Klöster des Athos 1881

Rezensent:

Gebhardt, Oscar

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Theologifche Literaturzeitung. 1881. Nr. 12.

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um pikante Würze ihrer Literatur bei noch gröfserer
Verherrlichung ihrer Heiligen ausreichender Grund wäre.
— Auch abgefehen von der vom Herausgeber verfolgten
Tendenz ift namentlich die Legende von der Reue der
Pelagia fehr interefiant. Da fie durchaus den Schein wirklicher
Gefchichte wahrt, fo gewährt fie ein concretes Bild
der kirchlichen Verhältnifse und Ordnungen im 5. Jahrhundert
, unfere Kenntnifs derfelben beftätigend und bereichernd
. Das Gepräge griechifcher Frömmigkeit lafst
fie überall fcharf hervortreten.

Dorpat. Bonwetfch.
Lambros. Prof. Dr. Spyridion, Die Bibliotheken der Klöster
des Athos. Nach dem Rechenfchaftsberichte an die
griechifchen Kammern deutfeh von Prof. Dr. Aug.
Koltz. Bonn 1881, Nolle. (32 S. gr. 8.) Bf. I. —
Der Werth diefes Schriftchens beruht nicht fowohl
in einer Bereicherung unferer Kenntnifs der in den viel
geplünderten Bibliotheken der Athosklöftcr noch erhaltenen
Handfchriftenfchätze, als vielmehr dann, dafs es
uns von einem Unternehmen Kunde giebt, welches
aller Anerkennung und wo möglich thatkräftiger Unter-
ftützung in hohem Grade würdig ift.

Man weifs, wie oft, namentlich feit den dreifsiger
Jahren diefes Jahrhunderts, die Klöfter des Hagion Oros
das Ziel wiffenfehaftlicher Expeditionen gewefen find-

fcher Romane (Paris 1880J bekannte Prof. Lambros in
Athen erworben. Unterflützt durch drei für diefen Zweck
herangezogene, in jahrelangen Uebungen paläographifch
gefchulte Studenten der Univerfität Athen, hat er vom
Juni v. J. ab drei Monate unausgefetzter Arbeit auf die
Katalogifirung der Handfchriften | von 20 Bibliotheken
des Athos verwandt. Ueber das dabei befolgte Verfahren
giebt eine kleine, die Quelle der vorliegenden Pu-
blication bildende Schrift Auskunft, welche den Titel
führt: "Ey.fTioig —711 oiöiovog Tl. y/a^rgnv, /igog iT/v Bov-
h)v toiv EkXrrvmv, iitot zijc tlg to ayiov ogoc itnnoroXrjg ccv-
tov y.cezct rd irtgog %ov, 1880. Aih'ivrfiiv 1880. In 18 Klö-
ftern fowie in den Bibliotheken des Directoriums zu
Karyä und der Kapelle der h. Anna wurden zufammen
5759 Handfchriften in der Weife behandelt, dafs zunächft
der oft aus entlegenen Aufbewahrungsorten zufammen-
gebrachte Vorrath gefichtet und — Pergament- und Pa-
pierhandfehriften gefondert — theils nach dem Format,
theils nach dem Inhalt gruppirt wurde, um fodann jede
Handfchrift mit einer Etiquette zu verfeh.cn, welche die
dem Katalog entfprechende Nummer trägt. Erft nach
diefer mühfamen, aber unumgänglichen Vorarbeit konnte
die Hauptaufgabe, die Befchreibung der einzelnen Handfchriften
, in Angriff genommen werden. Unter den
Grundfätzen, welche hierbei leitend waren, verdient, im
Hinblick auf die fehwierigen und nicht feiten hemmenden
Verhältnifse, namentlich mit Dank anerkannt zu wer-

es genüge nur an Namen wie Curzon, Zachariä, Fall- | den, dafs man fich bei den zahlreichen Sammelbanden
meräyer, Porfiry Uspensky, Sewaftianow, Pifchon, Miller, nicht mit allgemeinen Angaben begnügte, fondern Stück
Langlois zu erinnern. Man weifs aber auch, dafs trotz ] für Stück, ja ,felbft die einfachfien Notizen, die zur Aus-
alledem ein ficheres Ergebnifs über den Umfang und j füllung unbefchriebener Seiten eingetragen worden waren'
Werth des ,hagioreitifchen' Handfchriftenbeftandes bis- (S. 19), befonders verzeichnete. Neben dem Inhalt wurden
her nicht gewonnen worden ift. Zwar dafs Inedita aus überall auch das Material, die Zeit*), das Format und die

der claffifchen Literatur von dorther nicht zu erhoffen
find, kann namentlich nach den gründlichen Forfchungen
Miller's als ficher gelten, und auch auf Theologica erften
Ranges wird man fich keine Rechnung machen dürfen.
Das berechtigt aber noch keineswegs, fchon jetzt die
Hände in den Schofs zu legen und es dem Zufall zu
überlaffen, ob nicht doch am Ende noch aus einem ver

Blätterzahl berückfichtigt und bei den, übrigens nicht zahlreichen
, Palimpfeften, der (meift liturgifche) Inhalt der
alten Schrift angegeben.

Wir glauben es Herrn L. gern, dafs nach drei Monaten
angeftrengter Befchäftigung diefer Art die Kräfte
erfchöpft und namentlich die Augen fo angegriffen waren,
dafs auf die Bearbeitung der beiden noch ausftehenden

borgenen Winkel etwas Werthvolles zum Vorfchein j Bibliotheken für diesmal verzichtet werden mufste. Dafs

aber gerade die bedeutendften und reichften Sammlungen,
die der Klöfter Lavvra und Watopedion vorerft bei Seite
gelaffen wurden, kann man nur billigen, wenn man erwägt,
dafs eben hier die Bibliotheken fich in verhältnismäfsig
guter Ordnung und felbft im Bcfitz von Katalogen befinden
. Allerdings enthalten diefe beiden Bibliotheken
nicht viel weniger Handfchriften als jene 20 zufammen-
genommen, nämlich Watopedion über 4000 (nach Pifchon)
und Lawra etwa 1000, und es bleibt daher dringend zu
wünfehen, dafs Herr L. feinen Plan, auch diefe noch in
derfelben Weife zu verzeichnen wie die übrigen, bald
auszuführen Gelegenheit erhielte. Vorläufig aber handelt

kommt. Vielmehr mufs es als eine wiffenfehaftliche
Pflicht bezeichnet werden, nicht eher zu ruhen, als bis
die immer noch auf etwa io.coo Bände fich belaufende
Handfchriftenmaffe einmal vollftändig inventarifirt und
foweit zugänglich gemacht worden ift, dafs jeder, der
ein Intereffe daran hat, fich felbft ein Urtheil über Werth
oder Unwerth des Vorhandenen bilden kann.

Der Grund, weshalb trotz der zahlreichen Anläufe
doch etwas Abfchliefsendes über die Athosklöftcr bisher
nicht geleiftet worden ift, liegt wefentlich in dem ver-
wahrloften Zuüande der zum Theil feit Jahrhunderten
von keiner ordnenden Hand berührten Bibliotheken.

Man darf ficli in der That nicht wundern, dafs die mei- es fich noch darum, den Ertrag der bisherigen Arbeit
iten Reifenden auf eine fyftematifche Durchmufterung i allgemein zugänglich zu machen, und was über die Aus-
von vornherein verzichteten, wenn fie die Wahrnehmung fichten, die zum Druck des etwa 2500 gefchriebene Quartmachten
, dafs es — vorausgefetzt, das Mifstrauen der ; feiten umfaffenden Katalogs erforderliche Summe aufzu-
heiligen Väter widerfetzte fich dem nicht, — allem zu- bringen, bemerkt wird (S. 21), klingt leider nicht eben
vor darauf ankam, eine wüfte, von Staub und Moder j fehr zuverfichtlich. Indeffen, wenn erft die Kunde von
ftarrende Büchermaffe Band für Band hervorzuziehen, dem grofsen und wichtigen Unternehmen in weitere
um nur überhaupt die Handfchriften von den gedruckten Kreife gedrungen fein wird, dürfte hierfür hoffentlich
Büchern zu fcheiden. Dafs bei folcher Verwahrlofung, Rath werden. Hier fei nur noch erwähnt, dafs an der
abgefehen von wenigen rühmlichen Ausnahmen, von ----

Katalogen keine Rede fein kann, bedarf kaum der Er- E *) in betreff der Altersbeftimmung undatirter Hff. hätte Herr L.

wähnung; WO wirklich VerzeichnifsC oder ,Finderegifter' eine ganz neue Entdeckung gemacht, wenn nicht anzunehmen wäre, dafs

vorhanden find, genügen fie nur den allerbefcheidenften d!eff Verd[e'}{[ vielmehr dem Ueberfetzer der "Ex&t<sic gebührt, s. 19

AnA-.riir-hf.r. TT„e„, ru 1. tua-nrlsn m,,fc PK werden nämlich die Punkte, auf welche bei der Befchreibung der Hff.

Anfpruchen. Unter fo bewandten Umftanden mufs es die Aufmorkfamkeit gerichtet war, wie folgt aufgezählt: ,das Material

als ein hochlt verdienfthcb.es Unternehmen bezeichnet aUs welchem der gefertigte (?) Codex befteht, fowie die Zeit, in welcher

werden , dafs nun endlich ein entrgifcher Verfucll ge- , er gefchrieben wurde, ob diefe nun genau bezeichnet ift, oder nach der

macht worden ift, den angedeuteten Uebelftänden abzu- j For.m der Schrift, des Formates und der Anznhl der Blätter

helfen und ein vollftändiges Verzeichnifs fämmtlicher T^aL^^^uÄ UeM«™ ^J^I^t^t'T V^den* ****

rj ,r , .c. , A.i , i.9„ . . ra- r r - ' es dem deutfchen Bearbeiter vor allem darauf ankam, keine Zeit zu ver-

HandfchriftCIl der Athosklofter anzufertigen. Diefes Ver- j lieren (wofür wir ihm aufrichtig Dank wiffen), und dafs daher dieUeber-

ditnft hat fich der durch feine Ausgabe Vlllgärgriechl- tragung in nur wenigen Tagen ausgeführt wurde (S. 4).