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Ausgabe:

1881

Spalte:

261-263

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Smith, William

Titel/Untertitel:

A Dictionary of Christian Biography, Litterature, Sects and Doctrines during the first eight centuries being a continuation of ‘The dictionary of the Bible’. Vol. I and II 1881

Rezensent:

Harnack, Adolf

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Theologifche Literaturzeitung. 1881. Nr. II.

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an, dafs hier ein Adjectivum ausgefallen fein mufs.
Heifst es nun bei 0, von welcher Ueberfetzung der
Herausg. felbft gelegentlich die Brauchbarkeit zur Ergänzung
von Lücken des griechifchen Textes anerkennt,
(f. befonders p. 205, 9): quam dispensative scripserunt,
quasi teneruvi et nmntium sensum habentibus, fo ift es
vollends klar, dafs vor /uovor. ein auah)v oder ein finnverwandtes
Adjectivum fehlt. Dagegen überfetzt Neumann
feinen griechifchen Text: Julian erwähne auch ,den
Brief, den die heiligen Apoftel an die aus den Heiden
Berufenen gefchrieben haben, deren Geift faft karg war
und eben erft aufblühte' (S 41). Das ift im Deutfchen
feltfam, aus dem Griechifchen grammatifch gar nicht herauszufordern
und enthält ein arges Mifsverftändnifs des
oixnroftiy.ibe, deffen Gebrauch in dem den Kirchenvätern
geläufigen Sinn des Begriffs oiy.nvofiia hier durch den
ganzen'Zufammenhang der Stelle des Cyrill^ vollkommen
ficher ift. p. 225, 4 f- fagt Julian: fi di 'dllog iativ 0
iioroysrt)g vibg, exeoog de 6 ftbg löyog, .... eoi/.ev ob de
6 'Iwc'c) vrjg ai'TÖ xokiiäv exi. Neumann's Ueberfetzung
der ausgezeichneten Worte S. 43 ift wiederum grammatifch
unmöglich und macht die Stelle völlig unverbindlich
. Julian will fagen, dafs wenn die Unterfcheidung des
Sohns und des Logos gelten folle, dann ,wie es fcheine
nicht einmal Johannes fich diefes Wagnifs erlaube', nämlich
dann er ebenfo wenig wie Paulus und die Synoptiker
(f. p. 223, 4 f.) Jefus für Gott erkläre. Auch heifsen
die Worte p. 237, 11 f.: ,Und dafs es keine Kaufleute
mehr gäbe, wenn man im Staate Alles zugleich verkaufen
wollte, braucht nicht erft getagt zu werden', und
nicht was mit völliger Mifsdeutung des (puveqöv eort xal
ituomofievov S. 51 der Ueberfetzung daraus geworden ift.
Die Beifpiele liefsen fich vermehren.

Bafel. Franz Overbeck.

A Dictionary of Christian Biography, Litterature. Sects and
Doctrines being a continuation of ,The dictionary of
the Bible', edited by William Smith and Henry
Wace. Volume I. A—D. Volume II. E—Her. London
1877, 1880, John Murray. (XII, 914 u. XII, 928
pp. Lex.-8.) 3 L. 3 s. 2 d.

Zu den refpectabelften Leiftungen der englifchen
Kirchenhiftoriker aus neuefter Zeit gehören die beiden
grofsen Werke, das Dictionary of Christian Antiquitics
(con/prising the History, Institutions and Antiquitics of the
Christian Church, from the tinie of the Apostles to the Age
of Charlemagne. Edited by W. Smith and Cheetham.
2 Vo/s. 2100 zweifpaltige Seiten) und das vorftehende
Dictionary, welches ebenfalls bis zur Zeit Karls des
Grofsen reicht und in zwei Bänden, welche an Umfang
durch fehr compreffen Druck ungefähr 31., Bänden der
HerzogTchen Rcalencyklopädie gleichkommen, bisher
bis zu dem Artikel ,Hermoerates' geführt ift. Da das
Werk beftimmt ift, lediglich eine Encyklopädie für die
Literatur- und Lehrgefchichte der 7—8 erften Jahrhunderte
zu fein, fo läfst fich ermeffen, wie viel ausfuhrlicher
dasfelbe gearbeitet ift als das deutfehe Sammelwerk
. Es ift gewifs ein fehr richtiger Gedanke, an Stelle
der ,theologifchen' Rcalencyklopädieen, die von Adam
bis zum 19. nachchriftlichen Jahrhundert fo ziemlich Alles
behandeln wollen , was in den Kreis der theologifchen
Disciplinen einfehlägt, Speciallexika zu fetzen, die fich
auf eine Disciplin, refp. auf eine gefchichtliche Hauptperiode
befchränken. Das vorftehende ift, foweit Ref.
nach einem halbjährlichen Gebrauche desfelben zu ur-
theilen vermag, eine ganz vorzügliche Leiftung,
der wir in Deutfchland nichts an die Seite zu fetzen
haben. Ungefähr 130 Gelehrte haben fich an ihr betheiligt
; wir finden unter ihnen faft alle die Männer,
deren Namen als Kirchenhiftoriker auch diesfeits des
Canals einen guten Klang haben (Lightfoot, jetzt Bi-

fchof von Durham, Hort,Salmon,Ffoulkes, Swain-
fon, Weftcott, Sinker, Birks U.A.). Von deutfchen
Gelehrten hat, wie es fcheint, nur Prof. Lipfius Beiträge
geliefert; die ausführlichen Artikel ,Henochbuch', ,Epi-
phanius', ,Apokryphe Evangelien' flammen aus feiner
i Feder; von franzölifchen Forfchern ift uns nur Preffenfe
begegnet. Es ift felbftverftändlich, dafs bei einem fo
vielfach zufammengefetzten Werke Gleichmäfsigkeit in
allen Theilen nach Seiten des Umfangs und der Zuver-
läffigkeit der Artikel nicht zu erreichen war. Die Beiträge
im zweiten Bande find verhältnifsmäfsig ausführlicher
als die im erften; auch hat die Herftellung des
erften foviel Zeit in Anfpruch genommen, dafs manche
Artikel durch neuere Entdeckungen und Forfchungen
überholt find. Aber der Wahrheit gemäfs darf gefagt
werden, dafs vielleicht niemals eine theologifche Encyklopädie
mit foviel Umficht, foviel Gelehrfamkeit, foviel
1 praktifchem Gefchick und Tact zu Stande gekommen ift
, wie die vorftehende. Ift etwas an der Gefammtarbeit zu
bedauern, fo ift es dies, dafs auf die pünktliche Mittheilung
der einfchlagenden Literatur bei fehr vielen Artikeln
nicht genügend geachtet ift.

Zunächft ift es ftaunenswerth, in welchem Umfange
hier der kirchenhiftorifche Stoff herbeigezogen ift. Ref.
j hat gegen 100 Proben in Bezug auf die entlegenften
! Namen in der Gefchichte angefleht und ift von der En-
! cyklopädie niemals im Stiche gelaffen worden. Enthielte
fie nichts weiter als die Namen mit ganz kurzen Hinweifen
auf die Fundorte, fo wäre fie fchon defshalb ein
j ganz unfehätzbares Hülfsmittel namentlich für die Gefchichte
des 4.-8. Jahrhunderts, für welche Jeder, der
I eine entlegenere Detailfrage aufgreift, bisher noch fo
j ziemlich auf die eigene Gelehrfamkeit angewiefen ift. Im
folgenden ein paar Beifpiele: die Encyklopädie unter-
fcheidet 25 verfchiedenc Cajus', n Alexander', 12 Can-
didianus', 17 Candidus', 7 Carterius', 11 Caffianus', 41
! Colman', 7 Conon', über 20 Conftantinus', 8 Cosmas',
Ii Cyprianus', 19 Cyriakus', 13 Cyrillus', 19 Daniel', 5
Diodorus', 23 Dionyfius', 8 Donatianus', 27 Donatus', 13
Dorotheus', 7 fclcdicius', 43 Lhias', 42 Elpidius', 16 Emilia-
nus', 54Epiphanius',7Equitius, 6 Eucharius', 11 Eucherius',
iöEudoxius', 51 Eugenius', 20 Eulalius', 24 Eulogius', 10Eu-
| nomius', i37(!)Eufebius', 8o(!) Gregorius', 236(1) Felix u. f.w.
Der Kenner wird fofort wiffen, welch' eine Summe von
Gelehrfamkeit hier fleckt, und wieviel zeitraubende Arbeit
Anderen nun erfpart ift.

Die wichtigeren Artikel find faft durchgehends be-
I rufenen Forfchern anvertraut worden und find zum Theil
ausführliche Monographieen geworden. So umfafst der
Art. .Eufebius von Cäfarea' (Lightfoot) 46 zweifpaltige
Seiten, kommt alfo einer Brofchüre von c. 8—9 Bogen
in Octav gleich. Er enthält jedenfalls das Vollftändigfte
und Befte, was bisher über Eufebius gefchrieben ift
j Ganz vortrefflich find die Art. ,Coptic Church', ,Creed'
: .Cyrillus', .Gregorius Nazianzenus', .Gregorius Ny'ffenus''
; .Gregorius Turonenfis' u. A. Auch folche Themata wie
,HebreW Learing among the Fathers' (Elliott) find in be-
fonderen Artikeln aufgenommen und forgfam ausgeführt
Die römifchen Kaifer in ihrer Beziehung zur Kirche find
! von ITumptre, Wordsworth und Mafon bearbeitet:
| diefe Artikel find durchweg fehr ausführlich und lehr-
l reich. Eine befondere Aufmerkfamkeit haben die Her-
. ausgeber der älteflen englifchen und irofehottifchen Kir-
chengefchichte gefchenkt. Die Zahl der Arbeiten aus
diefem Gebiete (meittens von Canon Stubbs und Canon
Raine) ift eine überrafchend grofse. Auch für den po-
litifchen Hiftoriker ift das Werk, indem es die allgemeine
Gefchichte und die Literatur berückfichtigt, von
Werth. Ref. kann nur wünfehen, dafs es fich in Deutfchland
bei den Fachgenoffen einbürgere: fie werden es
bald für ebenfo unentbehrlich halten, wie der Ref., und
mit ihm den englifchen Gelehrten, die uns diefe Gabe
J geboten haben, aufrichtig Dank wiffen. Den Heraus-