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Ausgabe:

1881 Nr. 11

Spalte:

258-261

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Julian [Kaiser], Bücher gegen die Christen 1881

Rezensent:

Overbeck, Franz

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Theologifche Literaturzeitung. 1881. Nr. II.

258

zufammenhängend mit iv xovt<<> vUa) eine Nachahmung
der Helenafage fein.

Zu den von Lipfius benutzten Quellen möchte ich
noch auf ein kurzes altflavifches Fragment (bei Tichon-
rawow, Denkmäler der apokryphen ruffifchen Literatur,
1863, II, S. 11 —17, ruff.) hinweifen, welches wefentlich
mit Lipfius' Wiener Codex übereinkommt, wie denn auch
ihm wegen feiner Beftimmung zum Amulet die gleichen
Zauberfprüche folgen (Ananias, einige Male durch Lukas
erfetzt, erfcheint als Schnellfchreibcr). — Nicht recht
überzeugend ift mir der Nachweis L.'s gewefen, dafs die
D. A. Eufeb noch nicht vorgelegen hat. Beachtenswerthe
Differenzen in Bezug auf den Briefwechfcl Chrifti und
Abgar's find allerdings vorhanden. Doch .hält auch L.
im Briefe Abgar's die Worte Jefu, dem guten Arzte' für
urfprünglicher als Jefu dem guten Heilande'. Die Zu-
fätze diefes Briefs in der D. A. find ganz unwefentlich.
Dagegen fehlt freilich bei Eufeb in der Antwort Jefu der
wichtige Zufatz: Deine Stadt foll gefegnet fein und kein
Feind foll fie bewältigen auf ewig. Aber Eufeb kann
diefen Zufatz, der in fo offenem Widerfpruch ftand mit
der Thatfache, dafs das unter Abgar V noch felbftändige
Edeffa (K. G. I, 13, 2. 4) nun den Römern unterworfen

Petronike noch nichts gewufst, laffen fich nur Gründe
von geringerer oder gröfserer Wahrfcheinlichkeit beibringen
.

Dorpat. Bonwetfch.

1. Juliani imperatoris Librorum contra Christianos quae
supersunt. Collegit, recensuit, prolegomenis instruxit
Car. Joa. Neu mann. Insunt Cyrilli Alexandrini frag-
menta syriaca ab Eber. Nestle edita. |Scriptorum
graecorum qui christianam impugnaverunt religionem
quae supersunt fasc. III.] Lipsiae 1880, Teubner. (VII,
246 S. gr. 8.) M. 6. —

2. Julians, Kaifer, Bücher gegen die Christen. Nach ihrer
Wiederherftellung überfetzt von Karl Johs. Neumann.
Leipzig 1880, Teubner. (III, 53 S, gr. 8.) M. 1. —

Eine Sammlung der Reffe der heidnifchen Streit-
fchriften gegen die alte Kirche gehört feit fehr Langem
zu den dringenden Defideraten des Kirchenhifforikers.
Kann alfo dem, der fich endlich diefer Aufgabe annimmt,
dankbare Beglückwünfchung für feine Erwählung der-
war leicht weggelaffen haben. Die ältern Schriftffeller, ' felben nicht entgehen, fo wäre es um fo verftimmender,

bei 'denen Prokop den Satz vermifst, find vermuthlich j wenn diefe Beglückwünfchung nicht auch der Löfung der
Eufeb und folche, die ihm gefolgt. Die Worte im Tefta- Aufgabe gelten könnte. Man darf nach diefer erften
mentEphräm's an Edeffa: Benedicta civitas —, quae ex vivo Probe des Neumann'fchen Unternehmens davon Gutes
FüH ort henedietionem per eins diseipulum aeeepit werden und im Ganzen in der That die Sammlung, die zu wün-

fchen war, erwarten.

Verftändigerweife hat der Herausg. feine grofse
Arbeit mit einem Stück begonnen, welches verhältnifs-
mäfsig die geringffen Schwierigkeiten bot. Bei Julian's

fich nicht mit L. S. 18 aus einer Reflexion über den übrigen
Inhalt des Briefs, fondern nur aus dem Schlufsfatz
erklären laffen. Begegnet derfelbe doch bald hernach
felbft im Abendland in einem Brief des Comes Darius

an Auguftin (L. 19). So wird man auch noch ferner ! Streitfchrift war am empfindlichffen der fo gut wie voll-
darüber differenter Anficht fein, ob nicht die Bezeichnung ffändige Mangel an nennenswerthen Vorarbeiten für ihre
Hannan's bei Eufeb als xayyöqhiioo. ein Ueberfetzungs- Wiederherftellung. Denn ebenfowenig wie durch d'Ar-
fehler ift, zumal fie fich nur findet, wo Eufebius | gens wäre der Herausgeber durch Tal bot (Ot-«z'/vj c<?;«-
Quelle ift; ebenfo darüber, ob eine mündliche oder fchrift- pletcs de Fempereur Julien. Paris 1863. p. 321 ff.), auch
liehe Antwort Jefu das Urfprüngliche war. Anfang und I wenn er diefen Vorgänger gekannt hätte, gefördert wor-
Ende der D. A. feheinen Eufeb bekannt gewefen zu fein. : den. Doch von diefem Mangel abgefehen liegt bei Julian's
Dem Eingang hat er die Zeitbeftimmung des Briefwech- Streitfchrift manches einfacher als bei den meinen an-
fels entnommen; nur dafs hier in der D. A. eine fpätere [ deren, mit welchen es der Herausg. zu thun haben wird.
Correctur des Jahres 340 (Sei. Ae.) in 343 ftattgefunden. j Auf jeden Fall aber danken wir erft ihm eine recht voll-
Aber auch den Schlufs der D. A. wird Eufeb gekannt ftändige und bequeme Ueberficht über alles von Julian's
haben. Denn als officiell beglaubigte, ins edeffenifche Schrift Bekannte und einen anfehnlich verbefferten fehr
Archiv niedergelegte Urkunde bezeugt fich hier die D. A., lesbaren Text ihres, erften Buches. Doch machtder Herausg.
und bei der Unwahrfcheinlichkeit, dafs Eufeb zu den von der Conjectur fehr über Gebühr Gebrauch.*) In einer
öffentlichen Archiven Edeffa's gelangt, verdient die fprach- | ausführlichen Einleitung (S. 3— i'6o) hat es der Herausgeber,
lieh berechtigte (vgl. Zahn zu Ignat. ad Phil. 8, 2) An- nach einigen vorläufigen Bemerkungen über Julian's Schrift,
nähme, die uqytia, aus denen Eufeb gefchöpft (I, 13, 5), die Zeit ihrer Abfaffung und die Urfachen ihres Abfeien
öffentliche Urkunden und zwar eben unfere D. A., handengekommenfeins, vor Allem mit den chriftlichen
entfehiedene Berückflchtigung. Ergiebt fich hieraus noch ! Antworten darauf zu thun, da auf folchen unfere Kennt-
nicht nothwendig, dafs Eufeb die D. A. in allen ihren | nifs ausfchlicfslich beruht. Dabei hat der Herausg.
Theilen vorlag, fo ift es doch auch nicht fo augenfehein- 1 die Exiftenz einzelner diefer Antworten fowohl gegen
lieh, wie L. S. 26 vorausfetzt, dafs dort, wo Eufeb ab- unbegründete Vermuthungen zu beftreiten, als die ande-
bricht, auch feine fyrifche Vorlage zu Ende ging, folgt rer gegen Zweifel zu behaupten. Bei Ephräm (S. 13)

doch nun die Predigt des Addäus, deren Mittheilung für
Eufeb ohne Intereffe war. — Richtig ift auf den Zufam

ift eine Berückflchtigung der Bickell'fchen Ueberfetzunc
der Gedichte gegen Julian (Zeitfchrift für kath. Theol

menhang der D. A. mit den Acten des Martyriums des j H, 335 ff ) z" vermiffen, doch ift Ref.. felbft augenblick
Scharbil und Barfamja ed. Cureton aufmerkfam gemacht, lieh nicht in der Lage, die Erheblichkeit diefer Unter-
denn inhaltliche Angaben, wie die Weife der Beurkun- laffung zu fchätzen. Schlagend gelungen ift jedenfalls gegen
dung zeigen gegenfeitige Beziehungen. Aber laffen fleh j Fritzfche der Nachweis einer Gegenfchrift des Theodor
darum auch wirklich die Anzeichen für die Abfaffungs- 1 von Mopfueftia (S. 23). Dagegen beruht die S. 30 f.
zeit der Acten zugleich für die der D. A. verwerthen . verfluchte genauere Datirüng diefer Schrift auf wenig ein

(L. S. 43)? Schon die verfchiedene Zeitangabe zu Anfang
und am Schlufs der Acten fpricht dafür, dafs diefe
Acten bereits früher in anderer Geftalt vorhanden waren,
und fo kann fie der Verfaffer der D. A. benutzt, diefe
letztere aber wieder dem Umarbeiter der Acten vorgelegen
haben. Die gegenwärtigen Acten tragen fchon in

leuchtenden Argumenten, und überhaupt hält fich der
Herausg. dabei für feine Zwecke viel zu lange auf, zuletzt
mit Speculationen über Theodor's Stellung als An-
tiocheners zu den Sätzen des Julian (S. 31). Gerechtfertigter
ift die Ausführlichkeit, mit welcher Cyrill's Werk

der P'orm ihres Eingangs das Gepräge ziemlich fpäter j 1 Ref- empfiehlt, von einem ihm befreundeten Philologen aufmerk-

Abfaffung, die L. auch durch andere Grunde eweift
- AuchW dafs Eufeb von der Ueberfendung des |

Bildes an Abgar und der Krcuzesaufnndung durch die | ftreichen, p. 175,7 nur durch Interpunktion zu helfen.