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Ausgabe:

1881

Spalte:

213-214

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schoeberlein, Ludwig

Titel/Untertitel:

Das Princip und System der Dogmatik 1881

Rezensent:

Krauss, Alfred

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Seite 1

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213

Theologifche Literaturzeitung. 1881. Nr. 9.

Bonn. Wilh. Bender.

Fehlen von Ausführungen, die man nach dem erften j näher Behenden Richtungen ausgeht, vielfach ignorirt.
Theile erwarten durfte. j Eine wiffenfchaftliche Debatte über die gegenwärtig das

theologifche Denken vorzüglich in Anfpruch nehmenden
Theorieen wird auch da, wo wir fie ungern vcrmiffen,
zum Oeftern vergeblich gefucht.

Mit der ganzen Anlage des Buches hängt es zufam-
men, dafs manche Wiederholungen vorkommen und

Schoeberlein, D. Ludw., Das Princip und System der
Dogmatik. Einleitung in die chriftliche Glaubenslehre.

Heidelberg 1881, C. Winter. (XII, 846 S. gr. 8.) ^'f.^^f,,11116! ff man,ln Sef olTenrfZu-
fo ' ' fammenhange behandelt fehen mochte, mit ihrem Anfang

M. 10. I jm erften, mit ihrem Ende im zweiten Theil erfcheinen,

Der Verf. fchreibt S. VII im Vorwort: ,Hiebei war j wenn nicht fogar das Umgekehrte der Fall ift. So bringt

es freilich, da das Buch nicht fowohl eine Dogmatik erft der zweite Haupttheil, der darfteilende Theil (S. 529

felbft geben, als vielmehr das Werden der Dogmatik, ; —830), die pfychologifche Begründung der im grund-

das Herauswachfen ihres Syftems aus ihrem Princip auf
zeigen will, nicht zu vermeiden, dafs gewiffe Grundgedanken
an beftimmten Stellen wiederkehren'. Wenn er
dabei die Hoffnung ausfpricht, durch das Streben nach
Gründlichkeit und Deutlichkeit werde die Bündigkeit
wohl nicht wefentlich gelitten haben, fo kann ich nur
unter gewiffen Vorbehalten zuftimmen. Dagegen möchte
es richtig fein, ,dafs', wie S. VIII fleht, jeder gebildete
wahrheitfuchende Laie dem Ganzen folgen und den Inhalt
erfaffen könne'. Das Buch ift in allen Partieen ausführlich
und gemeinverftändlich gefchrieben.

Schöberlein erkennt das Wort der h. Schrift, das
Wort der Kirche und das innere Wort als den dreifachen
(Juell an, aus welchem wir die Erkenntnifs des chriftlichen
Glaubens zu fchöpfen haben. Demgemäfs müffe die Begründung
des Princips und Syftems der Dogmatik aus
der h. Schrift, aus der Gefchichte der Kirche und aus
dem Zeugnifs unferes eigenen Geiftes erfolgen, ,fie wird
eine biblifche, eine gefchichtliche und eine wefentliche (!)
fein müffen' S. 34. — Nun folgt der grundlegende Theil
und zwar zuerft die biblifche Begründung. S. 40—125
enthalten eine vollfländige Inhaltsangabe fämmtlicher
neuteftamentlicher Schriften, die alle echt und authen-
tifch find. Von S. 125 bis S. 261 wird eine vollftändige
biblifche Theologie des neuen Teftamentes geboten. Was

legenden Theil entwickelten Anfchauung vom Wefen
der Religion. Die anthropologifche Trichotomie wird
im Wefentlichen feftgehalten. Das ganze Schema der
Dogmatik wird nicht blofs entwickelt, fondern auch vorläufig
durchgefprochen, fo dafs man fich fragt, was denn
eigentlich der ausgeführten Dogmatik noch übrig bleibt,
wenn fie nach einer folchen Einleitung noch die einzelnen
Dogmen zu entwickeln unternimmt. Freilich dies
mufs dem Verf. zugeltanden werden, dafs er ein bis
in'6 Kleinfte durchdachtes und Alles und Jedes umfaffen-
des Schema für feine fpeeififche Auffaffung gefunden
hat. Sowohl die Längen-Entwicklung als auch die Breiten
-Entfaltung des Reiches Gottes ift je in ein Schema
hineingezeichnet, wie wir folche aus den fcholaftifchen
Syftemen des 17. Jahrhunderts kennen. Vom formalen
Standpunkt aus urtheile ich über folche Zeichnungen gar
nicht geringfehätzig. Sie beweifen eine bis zur vollften
Deutlichkeit gediehene Ueberzeugung. Aber der mate-
riale Gewinn fleht in der Regel mit dem formalen Werth
nicht in Proportion. Je feiner diefe Zeichnungen (das
Wort ift buchftäblich zu nehmen) ausgeführt find, defto
unausweichlicher ift die Gefahr, fämmtlichen Dogmen
Gewalt anzuthun. Mit dem formalen Princip fleht und
fällt dann das Ganze. Nun unternimmt allerdings Niemand
folche Zeichnungen, als wer fich material wefent-

inan etwa als Gefchichte der Dogmatik bezeichnen kann, j lieh im Befitz der Wahrheit glaubt. Damit ift aber auch
was aber hier in fehr beftimmter Gefchichtsconftruction ! fchon entfehieden, dafs eine kritifch einzelnen dogmaauftritt
, das bildet den Inhalt des Abfchnitts ,gefchicht- j tifchen Ueberlieferungen gegenüberftehende Theologie

liehe Begründung' S. 262—460. Der Standpunkt des
Verfaffers ift eine theofophifch gefärbte und darum nicht
immer fehr orthodoxe confcffioncll lutherifche Gläubigkeit
. Das Herz aber ift weiter als der Standpunkt und
bewahrt den Verf. vor fchroffen und lieblofen Urtheilen
und Ausdrücken. Ich kann unmöglich mit der Dar-
ftellung der Gefchichte reformirter Glaubenslehre mich
einverftanden erklären. Was gefagt wird, ift dürftig und
mitunter direct unrichtig. Aber Schöberlein hat eine fo
milde und verföhnliche Weife, man fühlt es ihm fo fehr

mit dem Ganzen nicht viel wird anzufangen wiffen. Geht
man von der Anficht aus, dafs einzelne Dogmen einer
reellen Neubearbeitung bedürfen, und zwar dogmenhifto
rifch wie fyftematifch, fo kann auf dem vom Verf ein-
gefchl agenen Wege nicht viel erhofft werden. Für eine
Neubelebung des dogmatifchen Studiums und der do^-
matifchen Wiffenfchaft kann diefes Verfahren fchwerlich
Grofses austragen. Dagegen wird Jeder, der in der theo-
logifchen Richtung mit dem Verf. fympathifirt, das Buch
als einen fehr nützlichen Leitfaden zur Präparation auf

ab, dafs er die Liebe nicht blofs theoretifch, fondern : feine homiletifchen und katechetifchen Arbeiten und felbft
auch praktifch als Mittelpunkt des Chriftenthums weifs, I auch auf feine dogmatifchen Studien benützen können,
dafs man nicht gegen ihn polcmifiren, fondern nur den , Greift es auch nicht in die theologifche Discuffion ein,
Diffenfus conftatiren kann. Das Recht der Myftik und ] fo wird es ficherlich manchem Pfarrer lieb und werth
Theofophie wird von ihm fehr ftark hervorgehoben. , werden.

Dafs ich auch nicht mit allen Beurthcilungen der dog- ! Strafsburg i/E. Alfred KranTa

matifchen Theologie der Gegenwart bei Schöberlein einig | cu jvrauis.

gehen kann, brauche ich wohl nicht befonders hervor- - .

zuhcben. Schleiermacher's Darstellung vom Kirchenregiment. Ab-

Mit der ,wefentlichen Begründung' fchliefst der ; druck aus Schleiermacher's fämmtlichen Werken, zur
grundlegende Theil. Der Religionsbegriff wird auf feine j Theologie 13. Bd. Mit einführendem Vorwort von
pfychologifche Schätzung hin unterfucht. Ich mufste^nur prof D H Weifs BerUn l8gl( Q Reimer. XXVIII,

wiederholen, was ich in meiner .Lehre von der Offenbarung
' fchon längft auseinandergefetzt habe , wenn ich
mich auf eine einläfsliche Kritik von Schöberlein's Anflehten
einlaffen wollte. Vielleicht hätte es dem Verf.
doch nicht gefchadet, wenn er fich an diefem Orte und
an manchen andern von ihm berührten Punkten mit meinem
eben genannten Buche hätte mögen bekannt machen.

208 S. gr. 8.) M. 3. 60.

Das hier Gebotene ift ein Separatabdruck aus Schleiermacher
's praktifcher Theologie (herausgegeben v. Fre-
richs 1850). Der Herausgeber, Prof. D. Weifs in Tübingen
, hat ihn durch ein Vorwort eingeleitet, in welchem
die Bedeutung der Schleiermacher'fchen Vorlefungen

Ueberhaupt ift eine höchft einfeitige Benutzung der mo- ! gegenüber den modernen Kirchenbauplänen gebührend
dernen Literatur unleugbar vorhanden. Was die Cirkel hervorgehoben wird. Er fpricht fich im Sinne Schleier-
des Verfaffers ftören könnte, ift, felbft wenn es von fonft macher's für eine in grofsem Styl freifinnige Kirchenlei-