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Ausgabe:

1880 Nr. 26

Spalte:

641-642

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ahlfeld, D. Fr.

Titel/Untertitel:

Confirmationsreden aus den Jahren 1868 bis 1879, gehalten zu St. Nicolai in Leipzig. 1. Sammlung, 4. Aufl., und 2. Sammlung 1880

Rezensent:

Wächtler, August

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Theologifche Literaturzeitung. 1880. Nr. 26.

642

Brockhaus, weil. Part. Prof. Lic. Dr. Clem. Frdr., Ausgewählte
Predigten. Leipzig 1880, Brockhaus. (X,
245 S. gr. 8.) M. 3. 50; geb. M. 4. 50.

erfte Communion confirmirter Kinder, welche fämmtlich
in den Jahren 1868 bis 1879 zu St. Nicolai in Leipzig
gehalten wurden. Die erfte Sammlung erfcheint bereits
n vierter Auflage, und ebenfowenig bedarf die zweite

Die Auswahl von 17 Predigten aus dem Nachlaffe ; einer Empfehlung. Ahlfeld's längft anerkannte Gabe der
des am 10. November 1877 geftorbenen Profeffors Cl. { populären Predigt im beften Sinne des Wortes kommt
Fr. Brockhaus bringt zum gröfstcn Theilc Predigten aus j m diefen Reden auf's fchönfte zur Geltung. Die reiche
den letzten Jahren der Amtswirkfamkeit desfelben als Erfahrung eines langen und gefegneten Amtslebens
Paftor an der St. Johanniskirche in Leipzig. Es find fpricht fleh auf jeder Seite wohlthuend aus, und bei dem
fchöne Zeugnifse treuer Amtsführung eines reichbegabten ; Mangel an guten Confirmationsreden bilden diefe Samm-
Predigers, welche durch vorfichtige, nur an der P"orm voll- j lungen eine werthvolle Bereicherung der homiletifchen
zogene Aenderungcn druckfähig gemacht find, während Literatur. Faft auf jedes Jahr kommen zwei Confir-
der Inhalt ohne die geringfte Abweichung wiedergegeben | mationsreden, welche meift in derfelben Woche gehalten
ift. Die Predigten find an eine grofse Gemeinde ge- uruj; obgleich die Zahl der Confirmanden nicht eine
richtet und nehmen auf die verfchiedenften Verhältnifse allzugrofse zu fein fcheint, denn in einer Rede wird geBezug
; ihr Charakter ift vorwiegend ein apologetifcher, fac»t, dafs es 43 Kinder find, welche confirmirt werden
wenn auch nicht in dem engern Sinne, dafs die Ein- f0Uen, nach einer andern find's fogar nur 36. In Folge
würfe ,derer, die draufsen find', in der Predigt angeführt i der häufigeren Confirmation hat der Verf. eine weitere
und widerlegt würden, fo doch in dem weitern Sinne, j Auswahl von Texten treffen müffen, als man fonft bei
dafs die Bedenken und Zweifel, welche in dem Gemüthe derartigen Reden zu finden pflegt; aber ob er die Texte
der Hörer unferer Tage fich regen, erkannt und oft tref- j mjt Rückficht auf die Paffionszeit, in welcher die Feier
fend bezeichnet und forgfältig berückfichtigt werden. | ftattfindet, oder direct für die Feier felbft ausgewählt

Mit ernfter Wärme deckt der Prediger die Schäden un-
feres gegenwärtigen chriftlichen Lebens auf und weifs
lockend und ftrafend auf das Heilmittel des Evangeliums
hinzuweifen und die Vorzüge des wahren Chriftenthums
lebendig zu fchildern. Wenn in dem Vorworte des
anonymen Herausgebers von dem verewigten Prediger
gefagt wird: ,befonders dient hervorgehoben zu werden,
dafs er mit ficherem Takte den heute noch weitverbreiteten
Fehler vermieden hat, die Lehre von Gott und
unferm Heile als Gegenftand der Frömmigkeit zu be-

hat, er verfteht es meifterhaft, diefelben in einfacher und
anfprechender Weife auszulegen und eindringlich anzuwenden
; einmal hat er auch beide Gefichtspunkte für
die Textwahl miteinander verbunden, in der letzten Rede
der 2. Sammlung ftellt er das erfte und das letzte Wort
Jefu vor feinem Sterben, nach Lukas, zufammen, und
führt aus, dafs Jefus im Leben bleiben will in dem, das
feines Vaters ift und im Sterben bei feinem Vater felbft.
Die Ausführung geht in vorzüglicher Weife ein auf die
concreten Lebensverhältnifse, und weifs diefelben fowohl

handeln', fo wird dies Urtheil durch die vorliegenden für die Kinder als auch für deren Eltern in das helle
Predigten allerdings beftätigt, aber die demselben vorher- | Licht des göttlichen Wortes zu ftellen. Beifpiele aus

gehende Behauptung, welche in neuerer Zeit mehrfach
laut geworden ift, können wir nicht zugeben; wir glauben,
dafs die heutige Predigt fchon längft keinen Grund mehr
zu diefem Vorwurfe bietet; auch in den am meiften lehrhaften
Predigten unferer Zeit wird .kaum jemals die Lehre
als Gegenftand der Frömmigkeit behandelt. B.'s Predigten
haben mehr einen paränetifchen als didaktifchen
Charakter, auch der erzählende und lehrhafte Text wird
fofort zu directer Mahnung verwendet. Bei der Mannigfaltigkeit
der Beziehungen, mit welchen der Prediger das
Wort ZU verknüpfen verfteht, greift feine lebhafte Phan-
tafie zu vielen, nicht feiten ganz neuen Bildern, z. B.
heifst es in einer Predigt: ,Dcr furchtbare Wurm, der
mit unvorfichtig genoffener Speifc in den menfehlichen
Leib übergeht, und fich in ihm vertaufend-, ja ver»
millionenfacht, ift anfangs kaum erkennbar. Ebenfo ift
es mit folchen Regungen, die den Tempel Gottes im
Herzen verderben. Wie fchwach erfcheinen fiel u. f. w.'
Dies treffende Gleichnifs ift uns befonders deshalb aufgefallen
, weil u. W. durch die in demfelben bezeichnete
Krankheit das frühe Ende des Verf.'s befchleunigt worden
ift. In Bezug auf die Form verdienen die Predigten
hohes Lob; namentlich das Exordium, welches bei keiner
Predigt fehlt, kann als muftergültig bezeichnet werden,
der Inhalt desfelben ift überall, auch in der feftlofen
Zeit, dem Tage refp. dem Texte durchaus angemeffen
und dient in der That dazu, die Hörer auf den Text
vorzubereiten; auf die Ausführung der Predigten ift bis
zum Schlufs die gröfste Sorgfalt verwendet.

Halle a'S. _ A. Wächtler.

Ahlfeld, Palt. D. Fr., Confirmationsreden aus den Jahren
1868 bis 1879, gehalten zu St. Nicolai in Leipzig,
r. Sammlung, 4. Aufl., und 2. Sammlung. Leipzig
1880, Hinrichs. (III, 119 u- in> 128 Sj ä M. 1. 50;
in 1 Bd. geb. M. 3. 80.

Die beiden Hefte bringen je 8 Confirmationsreden,
und das erfte aufserdem noch eine Beichtrede für die

allen Gebieten, namentlich aus der Gefchichte des chriftlichen
Lebens, an denen A. einen unerfchöpflichen
Vorrath befitzt, dienen dazu, die Lehren und Ermahnungen
anfehaulich und eindringlich zu machen, und werden
nicht feiten in origineller Weife verwendet, z. B. giebt
ihm die Gefchichte von dem frommen Mütterlein in
Brentano's Liede: Draus vor Schleswig an der Pforte etc.
Veranlaffung zu der Frage: ,Kann Gott Mauern um
Häufer bauen, kann er dann keine Mauern um Kinder
bauen?' und weift dann nach, was die Arbeit des Geiftes
Gottes, des Dienftes am Wort, der Gemeinde und die
eigene Heiligungsarbcit ausrichten könne, um fefte Mauern
um die Kinder zu bauen. Wir können nur wünfehen,
dafs diefe Confirmationsreden die weitefte Verbreitung
finden; bei ihrer ganzen Art eignen fleh diefelben vortrefflich
zu Andachtsbüchern für junge Chriften, und in
jedem evang. Haufe werden fie bei der Confirmation
eines der Familienglieder zu gemeinfamer Erbauung
fruchtbare Anregung geben können.

Halle aS. A. Wächtler.

Kuntze. Aug., Der Lehrer am Sarge. 38 Leichenreden
für Todesfälle im Kinder-, Jünglings-, Mannes- und
Greifenaltcr, geeignet zur Erbauung und Tröftung der
betroffenen Familien, fowie zur Förderung chriftlichen
Sinnes überhaupt. Roftock 1880, Werther. (VII,
146 S. gr. 8) M. r. 20; geb. M. 2. —

Das Buch ift zunächft für Lehrer beftimmt, welche
Trauerreden halten müffen, und bringt die 38 Reden
über biblifche Texte in zweckmäfsiger Anordung für
Todesfälle im Kindes-, Jünglings-, Mannes- und Greifen-
alter. Der Inhalt zeugt von gläubigem Sinn und chrift-
licher Erfahrung, auch die Form ift, abgefehen von
einigen umftändlichen Wendungen und von den häufigen
Citaten, zu loben. Wenn auch die Lefer der theol. L.-Z.
von dem Schriftchen fchwerlich für fleh felbft werden