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Ausgabe:

1880 Nr. 25

Spalte:

606-608

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Nirschl, Jos.

Titel/Untertitel:

Die Theologie des heiligen Ignatius, des Apostelschülers und Bischofs von Antiochien aus seinen Briefen dargestellt 1880

Rezensent:

Harnack, Adolf

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Theologifche Literaturzeitung. 1880. Nr. 25.

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1880, Sitzungsberichte d. k. fächf. Gef. d. Wiff. Nr. 5 relativ felbftändigften hat der Verf. die Sohn-Gottes-
S. 13) und über die copirten Subfcriptionen von Inte- Vorstellungen des Buches dargeftellt und unterfucht

reffe find, von der Chronologie und von der Heimath
der Schreiber. Der letztere Abfchnitt führte
den Verf. zu Unterfuchungen über den Gebrauch der
griechifchen Sprache im Abendlande. Hier fehlen ab-
fchliefsende Unterfuchungen freilich noch. Die lehrreichen
Auffchlüffe, die Caspari (Tauffymbole Bd. III)
gegeben hat, hat der Verf. verwerthet neben den Arbeiten
von Hody, Börner, Giefebrecht und Voigt.
S. auch die weiteren Studien Gar dt hau fen's über die
gricchifche Minuskel in Unteritalien, a. a. O. S. 6—12
und vgl. hierzu die Ausführungen Förfter's über grie-
chifche Nationalfchriftarten in Fleckeifen's Jahrbb. 1880.

Das Ergebnifs, dafs nach/Hermas der präexiftente Sohn
Gottes, der h. Geift und der oberfte der heben Hauptengel
identifch find, und dafs der hiftorifche Chriftus
der Menfch Jefus ift, auf welchen fich (bei der Taufe)
der h. Geift niedergelaffen hat, um in ihm zu wohnen,
wie er nachmals in jedem Chriftgläubigen, wenn auch
in verfchiedener Weife und mit andersartigem Erfolge
wohnt — diefes Ergebnifs wird hoffentlich nicht mehr
umgeftofsen werden. Mit Recht hat der Verfaffer ge-
urtheilt, dafs diefe Chriftologie mit keiner der drei ver-
fchiedenen NTlichen, die er unterfcheidet, völlig über-
einftimmt, wenn he auch mit der älteften, in den Synop-

S. 65. Der Verf. hat diefem Buche ein Schlufscapitel ' tikern enthaltenen, am ftärkften fich berührt. Der Verf.

unter dem Titel ,Angewandte Paläographie' beigegeben,
in welchem er die wichtigeren gedruckten Kataloge
griechifcher Handfchriften aufzählt (S. 430—439), fodann
dem Anfänger detaillirte Anwcifungen zur Befchreibung

hat fich daher diefes Mal nach anderen Parallelen um-
gefehen und folche in den Clementinen, bei Cerinth
und den Ebioniten des Epiphanius gefunden. Die Clementinen
wären beffer aufser Spiel geblieben; dagegen

einerHandfchrift, Collation, Abfchreiben, Durchzeichnung, j find die chriftologifchen Vorftellungen bei Cerinth und

fchliefslich zur künftlerifchen Reproduction derfelben giebt. den ,Ebioniten' wirklich beinahe identifch ; doch erfcheint

Der Anhang bringt chronologifche Tabellen und ein der Satz des Verfaffers: quautau moment de la Separation

fehr ausführliches Regifter. Die beigegebenen Tafeln j entre le vrai Fils de Dien et son fils adoptif, Hermas den

enthalten in photographifchem Druck die Buchftaben-
formen und Ligaturen von 72, meiftens datirten Handfchriften
und ein tachygraphifch.es Syllabar; alles vom
Verf. felbft gezeichnet. Leider aber fehlen faefimilirte
zufammenhängende Texte. Jene Tabellen, ein fo reiches
Material in dcnfclben aufgefpeichert ift, vermögen, fo-
weit Ref. zu urthcilen vermag, diefe nicht zu erfetzen.

parle pas, mais on pent croire, dl apres la vi andere dont
il s'exprivie, que, comme certains heretiques, Cerinthe entre
autres, il admettait quelle s'etait effectuee avant le supplice
et la vwrt de Jesus — als fehr gewagt und nicht wahr-
fcheinlich. Aus der nahen Berührung der ,ebionitifchen'
Chriftologie mit der des Hermas folgt aber nicht, dafs
es zweckmäfsig ift, die Lehrweife des Hermas ,ebionitifch'

Zudem find fie in der Reproduction zu klein und nicht j zu nennen. Dies wäre nur dann unmifsverftändlich, wenn
deutlich genug ausgefallen. I man fich entfehlöffe, alle urchriftlichen Vorftellungen,

Giefsen. Ad. Harnack. 1 fow.eituff rnic,ht im Fe"" df römifch-griechifchen Po-

, pularphilolophie umgefchmolzen find, als ,ebionitifche'

--zu bezeichnen. Uebrigens verräth der Verfaffer ein ge-

Le Pasteur d'Hermas. Analyse aecompagnee d'une notice, ' fchärftes Auge für das ,Alterthümliche' im Hermas. Dies

d'extraits et de notes par M. C. Paris 1880, Sandoz j rewe^ VOr allem' da_fsrer /en ä ^llegresse

v Tz- uu 1 c q n uei hiermas einen befonderen Excurs gewidmet hat.

cz iMSCÜDaclier. (134 b. gr. 8.) , Andererfeits zeigt er fich fehr eifrig in dem Nachweife,

Diefe Schrift will, wie der Titel befagt, nicht als dafs in dem Buch des Hirten die katholifchen Dogmen
eine erfchöpfende Monographie gelten, fondern als eine von derTrinität, den 7 Sacramenten, dem Fegefeuer u. f. w.
ausführliche Analyfe des Inhaltes der Apokalypfe des ! nicht enthalten, ja durch dasfelbe ausgefchloffen find.
Hermas. Sie zerfällt nach einer kurzen Einleitung in Solche Ausführungen mögen franzöfifche Lefer nicht
vier Capitel. Das erfte enthält eine gedrängte Ueber- befremden; 'bei uns gelten fie als Gefchmacklofigkeiten.
ficht über den Inhalt des Buches; in dem zweiten find j Das Buch ift, foweit Ref. bekannt, neben Renan's Ausunter
12 Rubriken (1. Gott, 2. der Sohn Gottes, 3. 1 Führungen die erde franzöfifche Arbeit, die nach den
der Adoptivfohn Gottes, 4. der h. Geift, 5. die Engel, tendenziöfen Bemerkungen des Grafen Champagny in
6. die ideale Kirche u. f. w.) die einfchlagenden Stellen der Hauptfache das Richtige über den Hirten bringt,
in franzöfifcher Uebcrfetzung zufammengeftellt und mit 1 Darin mag ihr Verdienft liegen; aber fie ift zu fragmen-
Notcn (namentlich NTlichen Parallelftellen) begleitet, j tarifch, in ihrer Haltung zu unfelbftändig, in den
Das dritte Capitel bringt wichtige Abfchnitte des Buches j hiflorifchen Partieen zu dürftig, um als eine Bereicherung
(über Gott, den Sohn Gottes, die wahren und falfchen > unfererKenntnifs des nachapoftolifchenZeitalters zugelten.
Propheten, die Bufsc, die Armen und Reichen, die j Ueber Einzelheiten, z. B. über die Frage zu debattiren,
Apoftel in der Unterwelt) in vollftändiger Ueberfetzung. 1 ob der Engel der Bufse nach Hermas zu den 7 Haupt-
Das vierte endlich bietet in Form von Excurfen Unter- engein gehört, ift hier nicht der Raum.

Giefsen. Ad. Harnack.

Eichungen über fieben wichtige Lehrpunktc (Trinität,
Gottheit des Sohnes Gottes, h. Geift, Epifkopat u. f. w.).
Der Verf. hat feiner Arbeit nicht nur den Text von
Gebhardt's und meiner Ausgabe des Hirten zu Grunde Nirschl, Prof. Dr. Jof., Die Theologie des heiligen Ignatius,
gelegt, fondern er hat auch ganz wefentlich nur mit dem des Apoftelfchülers und Bifchofs von Antiochien,
Matcriale gearbe.tet welches wir gefammelt haben. , aug f . ßrf f „ Mainz l8g Kirch-

Monographien über Hermas, fo vor allem die von Zahn, j . ,_,ITT a äo AT

Rheinen ihm nicht bekanntgeworden zu fein; auch hat j he,m- (V1II> 128 S- gr- 8-) M- 2- ~
er fich mit Ausnahme einiger Rückblicke auf das N. T., Der Verf. hat bereits i. J. 1870 eine Schrift ,die

die Clemensbriefe und den Barnabasbrief der Aufgabe '. Briefe des Ignatius und fein Martyrium überf.' heraus-
faft völlig entfchlagcn, die aus der Apokalypfe des "Her- gegeben, die Zahn in feiner Monographie berückfichtigt,
mas gewonnenen Erkenntnifse mit anderen zu ver- das Theol. Lit.-Blatt (1871, S. 117 f.) gekennzeichnet hat.
gleichen und hiftorifch einzuordnen. Jene felbft aber ; Er ift feitdem in die Profeffur Herg en röt her's in Würzfind
, freilich lückenhaft gegenüber dem mannigfachen . bürg eingerückt und hat fich nun aus ,wiffenlchaftlichem
und reichen Inhalte des Buches, faft durchgehends die und religiös fittlichem Intereffe' veranlafst gefehen, eine
richtigen oder, um mich befcheidene/- auszudrücken, fie zufammenfaffende fyftematifche Darfteilung der Theolo-
flimmcn mit denRefultaten völlig zufammen, welche wir in gie des Ignatius zu fchreiben. Die kritifche Frage gilt
11 nfercr Ausgabe vorgelegt haben. Am ausführlichsten und | dem Verf. durch Zahn's Beweisführung für erledigt;