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Ausgabe:

1880 Nr. 24

Spalte:

582-584

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Itinera Hierosolymitana et Descriptiones Terrae Sanctae bellis sacris anteriora et Latina lingua exarata sumptibus Societatis illustrandis Orientis Latini monumentis ediderunt Titus Tobler et August Molinier 1880

Rezensent:

Schürer, Emil

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581 Theologifche Literaturzeitung. 1880. Nr. 24. 582

Bezüglich der Differenzen, in denen ich mich mit
dem Verf. befinde, übergehe ich die mancherlei Fragezeichen
, die ich hier und da in der Einleitung notirt
habe, und möchte ffatt deffen die gut ausgewählten und
forgfältig mitgetheiltcn Literaturangaben rühmend hervorheben
, welche diefer Einleitung beigegeben find. In
der Schrift- und Lautlehre hat mich vor allem die Auf-
faffung des tibcrienfifchen Vocalfyftems frappirt, genauer
die Nichtanerkennung eines quantitativen Unterfchiedes
zwifchen natur- und tonlangem a, e und o. Mag man
auch den Ausdruck quantitativ' beanffanden und z. B.
mit dem Verf. (S. 41) fagen, dafs der durch i bezeichnete
Vocal nicht länger fei, als der mit — bezeichnete
(nämlich für die Ausfprache), fo wird man doch keinesfalls
fagen dürfen, dafs langes o (von Stade ftets durch

betonte Segol vermag ich ebenfowenig mit St. (vergl.
auch § 81a und 84, I) als eine ,Abfchwächung' des ä
zu betrachten, wie § 93 das ö als eine Verkürzung von
m. — ^ 80, r dürfte die Lesart W$»«J mit Kimchi (WWB)
und Bär vorzuziehen fein. — § 88, 1, Anm.: die Punc-
tation des Präfixes der 1. Sing. Imßerf. Nißh. mit i findet
fich überall vor dem Cohortativ. — § 98 wird njq (der
oben erwähnten Theorie über die *"y zu Liebe) auf
ntä-ut zurückgeführt; infolge des Tones habe Zer-
dehnung des Diphthonges ftattgefunden. Sollte nicht
diefe offenbar fchr künftliche Erklärung gegen die ganze
Theorie von den bedenklich machen? War das Waw
von Haus aus nichts als Vocal, fo verfiel es nach allen
fonftigen Analogien der Contraction zu b; dafs es fich
aber felbft in nqia blofs nach Analogie von IV«| gehalten

b bezeichnet) immer ein und derfelbe Vocal fei. Das- [ haben follte, will mir nicht einleuchten. — § ioia am
felbe gilt von a und tl, wie von c und e. Ich gebe zu, Ende: f, fleht auch bei n als zweitem Confona'nten (cnb,

dafs fich die Maforeten diefer Unterfchicde möglicher
Weife nicht bewufst gewefen find (obfehon bekanntlich
die Scrißtio ßlcna eines blofs tongedehnten, nicht natur-
oder contractionslangen 0 oder e weit feltcner ift, als umgekehrt
die Scrißtio defectiva von b oder e): für die
wiffenfehaftliche Grammatik ift meines Erachtens die
Geltendmachung des thatfächlich vorhandenen Unter-
fehieds nicht zu entbehren und ich kann daher in der
S. 69 u. 70 erfolgten Zufammenwerfung nur einen Rück-
fchritt erblicken. In dem Grundgefetze, dafs der blofs
tongedehnte Vocal (tl, e, ff) bei Verluft des Tones oder
Vortones verflüchtigt werden mufs, während fich a, e, b
unter allen Umffändcn erhält, ift ein fehr einfacher
Mafsftab für die Unterfcheidung beider Arten von langen

orn). — ^ 123a vermiffen wir (wie auch im Regiftcr) eine
Erwähnung des m; Joel 4, 3. — Jy. 127c: für den Imper.
ng findet fich dreimal npb, im Femin. einmal 'npb. —
§ 136, 7, Anm. 2: 'nn- auch Jef. 56, 8. Pf. 147, 2; dagegen
Jer. 49, 36 fordert Kimchi 'rn:. — § 191c: die
Raffung des yp; in irrrir als Stat. cofistr. anftatt als 3.
Perf. ift nach Köhler's Darlegung (Einleitung zu Sa-
charja) unhaltbar. — § 362b zu npy G'rp fcheint mir
doch das einfachfte, dafs die Mafora nicht ein Qeri per-
pctimm ■»«fljj beabfichtigte, fondern einfach die Ausfprache
wiedergab', die bei der Zufammenfprechung von o^ti
Ti)y zu einer Zahl mit Naturnothwendigkeit entftand',
nämlich seltenem, — § 374, 3, 2): für cop fordert Kimchi
wenigftens Hiob 16, 4 ausdrücklich cro. § 628t ift nach

Vocalen gegeben; durch den Wegfall diefer Unterfchei- j dem Verf. des Ii des Suffixes in Formen wie inbp? ,über-
dung wird das Verftändnifs der Verflüchtigungs-Gefetze i gangen'; dann wäre aber 'rb<:' zu erwarten und wir
ganz unnöthig erfchwert. Dazu kommt indefs noch et- j halten daher an der Annahme einer Rückwärts-Affimila-
was anderes. Dje von dem Verf. befolgte Theorie hat tion feft. — fj 63 m vermiffen wir die Form crvNEN
ihn in manchen Punkten der Formenlehre zu Confe- j Deut. 32, 26. —■ S. 350 vorletzte Z. wird für das unmög-
quenzen geführt, welche fchwerlich Nachfolge finden liehe 'j'unsr mit der Mantuabibel Chateph Segol zu
werden. So foll nach S. 70 (5b; das von n'p- aus ,'lefen fein.

ä infolge Epenthefe eines in der folgenden Silbe flehen- Von Druckfehlern notiren wir zum Schlufis: S. 40,

den t (alfo doch aus aiY) entftanden fein. Somit ftände Z. 4 v. u. lies o-sün; S. 50 letzte Z. lies 1636; S. 56, Z.
cpn auf gleicher Stufe mit a-apn? Wie ift es aber dann , 3 1. p-nnm; S. 63, Z. 13 v. u. 1. ejnrt; S. 70, Z. 13 v. u.
in aller Welt denkbar, dafs nach Verluft des Vortons j 1. Kibbüz; S. 72, Z. 8 1. -ESNn und ':edn^ S. 73, Z, 19
.(in den zweiten und erften Perfonen) fofort die Ver- j 1. -b; S. 79, Z. 19 1. ons; S) 81, Z. 8 v. u. 1. Di-Tp:; S.
flüchtigung eintritt? Was hier den Verf. bewogen hat, 87, Z. 7 lies: fo verdumpft er; S. 91, Z. 2 1. Nie*:; S.
die alte einfache Theorie aufzugeben, die in O'pn eine | 104, Z. 11 v. u. 1. nene; S. 105, Z. 3 v. u. 1. "pbn; S.
Dehnung aus läkhn (verdünnt aus htüptm) erblickt, ift mir j 124, Z. 20 1. (h); S. 137, Z. 18 a. E. 1. demnach; S. 214,
fchwer begreiflich, auch trotz der weiteren Ausführung ! Z. 15 v. u. 1. Mjyrjftj S. 232, Z. 8 1. ,an zweiter Stelle';
in $ 108. S. 264 ift unter' 472» zweimal erwähnt, dafs fich für

Im Einzelnen merke ich an zu S. 67 ($ 71): neben j Icäftilna kein Beifpiel finde; S. 301, Z. 8 v. u. 1. bbp_n;
dem Suffix iini durfte als zweites Beifpiel eines betonten S. 352, Z. 20 a. E. 1. ijtar.

kurzen Vocals auch npanp (vergl. S. 203, Z. 1) zu nen- Es liegt in der Natur der Sache, dafs in der Anzeige

nen fein. Uebrigens ift mir bei äfli immer fraglich, ob einer Grammatik von folchem Umfang die Abweichung

hier nicht eine virtuelle Schärfung der Liquida anzu
nehmen ift, wie fie bisweilen (vergl. S. 68 oben) auch
orthographifch ausgedrückt wird. — Ibid. Z. 5 v. u. war
neben Ybrqbi uh'nft (ohne Dagefch des n) noch n'Tpb
Jer. 47, 4 zü nennen. — ^ 72, 2a ift cna hinfichtlich
des Tones ganz anderer Art, als m:b u. f."w. — 5 73»
ic fcheint mir die Erklärung des zweiten ff von nb;. aus
Contraction eines a -f i oder i (aus galaid) mehr als
kühn ftatt der Annahme einer einfachen Abwerfung des
ja und Dehnung des nun auslautenden ä; ibid. 2c foll
"lafmjs aus laädbni contrahirt (ftatt fynkopirt) fein; ibid.
2: a fleht für i (e) auch unter Einflufs eines Zifchlautes
(Jef. 3, i6;; ibid. $ 74, 3b wird behauptet, i fei ,oft' aus
i gedehnt; uns ift aufser dem i des Hißltil kein Beifpiel
gegenwärtig; «5 74, 5c ift aab mit Vorton-ßere ein
anderer Fall, als mit betontem «; ibid. Nr. 7a dürften
"Maro, Tl^p, OS"].) und noe, die als Beifpiele der ,Ab-
fchwächung' eines ä zu i angeführt werden, doch ziemlich
heterogene Fälle fein. Bezüglich des betonten Segol
diefer Art ift die Annahme einer Steigerung (halben
Dehnung) ficher zutreffender; das aus ä entftandene un-

des Referenten von dem Verf. ftärker hervortritt, als die
Uebereinftimmung mit ihm. Darum laffen wir nun auch
die letztere noch zu ihrem Rechte kommen, indem wir
dem Verf. aufrichtig für die vielfache Anregung und Belehrung
danken, die uns feine bedeutende Arbeit geboten
hat. Damit verbinden wir den dringenden Wunfeh, dafs
es ihm recht bald vergönnt fein möge, fein Werk durch
die Hinzufügung der Syntax zu krönen.

Tübingen. E. Kautzfch.

Itinera Hierosolymitana et Descriptiones Terrae Sanctae bellis
sacris anteriora et Latina lingua exarata sumptibus
Societatis illustrandis Orientis Latini monumentis
ediderunt Titus Tob ler et Auguft Mo linier: I.
Genevae 1879, typis I.-G. Pick. [Leipzig, Harraffo-
witzj. (LV, 418 S. gr. 8.) M. 24. —

Seit einigen Jahren hat fich in Paris eine Socicte ßonr
la publication de textes relatifs a ßhistoire et a la geo-
graßliie de ßOrient Latin gebildet, welche fich die