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Ausgabe:

1880

Spalte:

577-582

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Stade, Bernhard

Titel/Untertitel:

Lehrbuch der hebräischen Grammatik. 1. Thl. Schriftlehre. Lautlehre. Formenlehre 1880

Rezensent:

Kautzsch, Emil

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von Prof. Dr. E. Schür er in Giefsen.
Erfclieint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. <J. C. Hinrichs'fche Luchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 24. 20. November 1880. 5. Jahrgang.

Stade, Lehrbuch der hebräifchen Grammatik,

I. Thl. (Kautzfeh).
Itinera Hierosolymitana et Descriptiones Terrae

Sanctae bellis sacris anteriora etc., edd. Tob-

ler et Molinier. I. (Schürer).
Neubaur, Beiträge zu einer Gefchichte der

rdmifchen Chriftengemeinde in den beiden

erften Jahrhunderten (Ilarnack).

Vincenzi, De processione Spiritus Sancti ex
patre filioque adversus Graecos (Ilarnack).

Plitt, Gabriel Biel als Prediger gefchildert
(Kattenbufch).

Wendt, Ueber das fittlich Erlaubte (Kattenbufch
).

Hettinger, Lehrbuch der Fundamental-Thco-
logie oder Apologetik, 2 Thle. (P. Wetzel).

Bärthold, Zur theologifchen Bedeutung Sören

Kierkegaards (Lindenberg).
Schmidt (P. W.), Was trennt die beiden

Richtungen in der evangelifchen Kirche?

Ein Beitrag zur Schätzung der kirchlichen

Gegenfätze (Koehler).

Stade, Prof. D. Bernh., Lehrbuch der hebräischen Grammatik.

I. Thl. Schriftlehre. Lautlehre. Formenlehre. Mit 2
(lith.) Schrifttafeln. Leipzig 1879, F. C. W. Vogel.
(XVIII, 425 S. gr. 8.) M. 9. —

,Seit Juftus Olshaufen fein feftgefchloffencs Syftem
dem Ewald'fchen entgegengefetzt hat, hat ftch allmählich
die Ueberzeugung Bahn gebrochen, dafs auch hier Thefe
und Antithefe auf ihre Synthefe hinweifen. Aber während
die von jenen beiden Meiftern der femit. Sprach-
wiffenfehaft gegebenen Anregungen auf dem Gebiete der

hinaus, dafs die hebräifchen Formen einfach auf die alt-
arabifchen zurückgeführt und aus ihnen begriffen werden.
Dafs auch Stade diefen Verfuch .Olshaufen's in den
meiften Fällen für gelungen anfleht, geht fchon daraus
hervor, dafs er fein Buch Olshaufen als ,dem Grammatiker
der Hebräifchen Sprache' gewidmet hat; in zahlreichen
Abfchnitten war eben nichts anderes möglich,
als die von Olshaufen gewonnenen ficheren Ergebnifse

— wenn auch in felbftändiger Aneignung und Sichtung

— zu reproduciren. Andererfeits aber nimmt Stade in
der Hauptfrage, der Beurtheilung des Arabifchen, eine

aramäifchen Sprachen durch Th. Nöldeke in glücklicher j Stellung ein, die zwifchen Ewald und Olshaufen die
Weife in einer folchen weitergeführt worden find, ift | Mitte hält. ,Es ift unrichtig, die arab. Sprache für die
dies auf dem Gebiete der hebr. Grammatik, wo der j in allen Stücken alterthümlichfte und urfprünglichfte der
Streit zunächft entbrannte, noch nicht gefchehn. Mein : femitifchen Sprachen zu halten. Sie hat neben alten
Buch foll es hier verfuchen'. Mit diefen Worten cha- ' Formen eine Fülle neuer' (S. 3 der Einleitung). Die
rakterifirt der Verf. felbll (im Vorwort) die Aufgabe, | Synthefe. welche der Verf. zwifchen Ewald und Ols-
die er fich geftellt hat. Wir haben es darnach nicht I häufen herzuftellen ftrebt, beruht foinit auf dem Nach-
mit einem der zahllofen Verfuche zu thun, den von an- weis, in welchen Fällen die ftarre Confequenz des Ols-

dern entlehnten Stoff für die Zwecke des Elementarunterrichts
in neue Formen zu giefsen, fondern mit einer
erneuten Durcharbeitung des Sprachftoffs, die den An-
fpruch erhebt, wie feiner Zeit Ewald's und fodann 01s-

haufen'fchen Syftems zu mildern und ein Zurückgehen
der hebr. Sprachformen auf eine Grundlage zu behaupten
ift, zu welcher fich auch die arabifchen Formen nur als
(bisweilen fecundäre) Weiterbildungen verhalten.

häufen s Lehrbuch als Ausgangspunkt für die weitere l Geben wir nun zuerft von dem Inhalte und der Aneigentlich
wiffcnfchaftliche Forfchung zu dienen. Solcher Ordnung des Buches Rcchenfchaft. Die Einleitung (S.
Anfpruch ift nichts geringes; aber wir können fchon j 1—22) handelt von der hebr. Sprache überhaupt, d. i

hier vorausfehicken: die Arbeit Stade's darf ihn mit
Fug und Recht erheben. Werden wir auch zu Manchem
ein Fragezeichen zu fetzen haben, fo bleibt doch gewifs,
dafs fich fortan dem Studium diefes Lehrbuchs niemand
entziehen kann - dem es als Exegeten oder als Lehrer
des Hebräifchen um eine tiefere Erkenntnifs diefer Sprache
zu thun ift.

Die Thefe, auf welche der Verf. in den oben an

vom Begriff und Namen derfelbcn, von ihrer Stellung
innerhalb des femit. Sprachftammes, wobei die ver-
fchiedenen Dialekte des letzteren fcharf und bündig
charakterifirt werden, ferner von den Dialekten des
Hebräifchen, den Eigcnthümlichkeiten der femit. Sprachen
, endlich von der Gefchichte der hebr. Sprache,
wobei der Verf. eine Unterfcheidung einzelner Perioden
derfelben für unmöglich erklärt. Den erften Haupttheil

geführten Worten hindeutet, ift von Ewald felbft (S. 20 bildet die Schriftlehre (S. 23—58) in den vier Abfchnitten
des .Ausführl. Lehrb.', 8. Ausg.) fo formulirt worden: Confonanten, Vocale wobei auch das babylonifche Sy-
,Vieles, was in den jüngeren Sprachen auseinander- ftem eingehend berückfichtigt ift), confonantifche Beifällt
, . . . fleht im Hebräifchen noch ungetrennt neben- zeichen, Ton- und Intcrpunctionszeichen. Der zweite
einander. Die Gefammtlehre Semitifcher Sprachen mufs Haupttheil (S. 59 — 106) enthält die Lautlehre, der dritte
daher immer vorzüglich vom Hebräifchen ausgehen, (S. 107 in der Ueberfchrift irrthümlich nochmals als
weil diefes uns die ältefte Gcftaltung des Semitifchcn im zweiter bezeichnet) die Lehre von der Wortbildung,
Zufammenhange zeigt und viele urfprüngliche Bildungen wobei die Lehre von der Wurzel, der Stammbildung,
enthält, welche fpäter entweder verloren oder vereinzelt
und verändert find.' Die Antithefe Olshaufen's (Lehrb.,
S. VIII des Vorworts) lautete: ,Das Arabifche konnte
nicht aus einer Sprache entftehen, die mit dem Hebräifchen
auf einer Stufe ftand, fondern umgekehrt das
Hebräifche mufste aus einer Sprache hervorgehn, welche
Zwillingsfchwefter des Arabifchen war'. Der Verfuch
Olshaufen's, auf Grund diefer Anfchauung die dem
jetzigen Hebräifch vorangehende Sprachftufe zu reproduciren
, kommt bekanntlich in der Hauptfache darauf

dem Nomen und dem Verbum unterfchieden wird. Der
letztgenannte Abfchnitt ift fo angeordnet, dafs zuerft
vom Perfect die einzelnen Perfonen durch alle Verbalklaffen
und Conjugationen hindurch abgehandelt werden,
und zwar in der Reihenfolge: 3. masc. Sing., 3. fem.
Sing., 3. Plnr., fodann dte zweite Perfon masc. und fem.
im Sing, und Plural, endlich die erfte Perfon sing, und
plur. In derfelben Reihenfolge werden hierauf die einzelnen
Perfonen des Imperfects und Imperativs befpro-
chen, woran fich noch eine Ueberficht über die Bildung

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