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Ausgabe:

1880

Spalte:

545-549

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Smend, Rudolf

Titel/Untertitel:

Der Prophet Ezechiel für die 2. Auflage erklärt 1880

Rezensent:

Kautzsch, Emil

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Theologische Literaturzeitung

Herausgegeben von Prof. Dr. E. Schür er in Giefsen.

Erfcheint - Preis

alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 23. 6. November 1880. 5. Jahrgang.

Smend, DerProphetEzechiel, erklärt(Kautzfch).
Bickell, Metrices biblicae regulae exemplis

illustratae (Sniend).
Bickell, Supplementum ad metrices biblicae
regulas (Derf.)

menta apud Syros servata quinque, praemitti- • Zittel, Die vier Evangelien überfetzt und er-'

tur Epiphanii de mensuris et ponderibus , klärt, 1. Thl. (Thönes).

über nunc primum integer et ipse syriacus, : Haffner, Das Gebet des Herrn aus der Zeit
Paulus de Lagarde edidit (Neftle). und für die Zeit ausgelegt (Lindenberg).

Schmidt, Neuteftamentliche Hyperkritik an ! ,.„„„, ... , , r. „ ... , „ „,

a»m ;«'/»„„ ä„„.tfr ,„,„„ .rdv.rUh^ ,1« , ko8el> Aus dem Vorhof ms Heil.gthum, 2. Bd.,

reguias (wen.,. dem jüng(len Angriff gegen die Echtheit des 1 .1, ,7;;,

Gietmann, De re metrica Hebraeorum (Derf.). ( Philipperbriefes auf ihre Methode hin unter- ~ - ' t^™«»»?»-

Neteler, Grundzüge der hebräifchen Metrik

der Pfalmen (Derf.).
Lagarde, Orientalia, 2. Heft (Neftle).
Lagarde, Symmicta, II (Neftle).
Veteris Testamenti ab Origene recensiti frag-

fucht (Schürer).
Thoma, Gefchichte der chriftlichen Sittenlehre
in der Zeit des Neuen Teftamentes (Schürerl.
Bach mann, Niclas Storch, der Anfänger der
Zwickauer Wiedertäufer (Kawerau).

Rüling, Grüfse an die Gemeinde, ein Jahrgang

Predigten, 2 Thle., 2. Aufl. (Wetzel).
Eörfter, Der Altkatholicismus, eine gefchicht-

liche Studie (Fay).
Riehm, Kirche und Theologie (Koehler).

Smend, Prof. Lic. Dr. Rud. Der Prophet Ezechiel für die Zeit, der geiftige Vater des Judenthums, der als folcher

2. Auflage erklärt. Mit 8 Holzfchn. und 1 lith.
Plan. [Rurzgefafstes exegetifches Handbuch zum
Alten Teftament. 8. Lfg.] Leipzig 1880, Hirzel. (XXX,
397 S. gr. 8.) M. 7. 50.
Seit der erften Auflage des Ezechielcommentars,
welchen F. Hitzig für das kurzgefafste exegetifche
Handbuch bearbeitete, waren 33 Jahre verfloffen, als
fich der Verf. der vorliegenden zweiten Auflage zu einer

eine der erften Stellen unter den Männern des A. T.
einnimmt'. Den Beweis für diefes Urtheil tritt der Verf.
gleich in dem erften Abfchnitt der .Vorbemerkungen'
an, der über ,Ezechiel's Stelle in der Prophetie' handelt.
Auch die Gegner der Reufs-GraPfchen Hypothefe werden
diefem und dem folgenden Abfchnitt (Ezechiel's
Eigenthümlichkeit und Wirkfamkeit) die Anerkennung
nicht vertagen, dafs hier in frifcher und klarer Form die
Confequenzen gezogen werden, die fich aus den oben-

Neubearbeitung des Buches entfchlofs. Man wird ihm genannten kritifchen Vorausfetzungen für die Conftruc-
daher ohne weiteres zuftimmen müffen, wenn er im Ein- 1 tion des gefchichtlichen Verlaufs ergeben. Wenn fich
gang des Vorworts erklärt: ,die zweite Auflage diefer ' Smend dabei vielfach an die Darftellung in Wellhaufen's

Lieferung konnte kein mehr oder weniger veränderter
Abdruck des Commentars von Hitzig fein .... der
eigentliche Kern des ganzen Buchs war der Verfuch, die
hebräifche Vorlage der LXX zu reconflruiren, ... die
theologifche und überhaupt die hiftorifche Seite des
Gegenstandes war darüber in ihrem Rechte ftark verkürzt
, die Frage nach Ezechiel's Verhältnifs zum Pen-
tateuch überhaupt nicht ins Auge gefafst'. Der letztgenannte
Punkt war es vor allen anderen, der einem
Commentator des Ezechiel bei dem gegenwärtigen
Stande der Pentateuchkritik ganz neue Aufgaben ftellte.
Der Verfaffer hat fich denfelben nicht entzogen, vielmehr
treten Tie, wie natürlich, befonders in den Vorbe-

,Gefchichte IsraelV anlehnt, fo wahrt er doch in einem
Hauptpunkte cntfchieden feine Selbftändigkeit (vergl.
S. VIII des Vorworts): .Ezechiel meiftern heifst in der
That die Gefchichte meiftern, deren Gang gerade hier
fo verftändlich ift, wie nur irgendwo' — eine Bemerkung
, die der Verf. ausdrücklich gegen J. Wellhaufen
richtet, deffen Geringfehätzung des Ezechiel er nicht begreife
und nicht für ernft gemeint halten könne. Wenn
Smend damit fchliefst, dafs Ezechiel ,am Ende doch
nur dem verftändlich fein wird, dem die wahre Aufgabe
der biblifchen Theologie, das Werden der Offenbarung
zu verfolgen und aufzuzeigen, wirklich am Herzen liegt.
An ihr arbeiten heifst auf alle Fälle dem wahren Inter-

merkungen ftark in den Vordergrund. Smend ift ein 1 efl'e des Glaubens dienen' — fo kann Referent diefem
unbedingter Anhänger der Reufs-Graf'fchen Hypothefe , Schlufswort nur von ganzem Herzen beiftimmen. Erft
von der exilifchen, refp. nachexilifchen Fmtftehung des [ dann wird man aufhören, rein gefchichtliche Fragen zu
fogen. Prieftercodex; er findet fomit in den zahllofen 1 Glaubensfragen umzuftempeln, wenn man von rechts
Fallen, wo fich Ezechiel mit dem Prieftercodex berührt, j und links darüber einig geworden ift, dafs in der alt-
die Priorität auf Seiten des Propheten. Diefe Stellung teftamentl. Gefchichte eine Offenbarung niedergelegt

Smend's zur kritifchen Frage ift um fo bemerkens
werther, als er nach feinem eignen Geftändnifs (S. VI
des Vorworts) mit der zuverfichtlichen Erwartung an
feine Arbeit ging, fiebere Spuren von einer Benutzung
des Prieftercodex durch Ezechiel aufzeigen zu können;
aber nirgends habe er das Gefuchte gefunden. Erfchien
fomit vielmehr der Prieftercodex von Ezechiel abhängig,
fo konnte von dem landläufigen Urtheil über die
fecundäre Bedeutung des letzteren keine Rede mehr
fein. Hitzig hatte geurtheilt: .Ezechiel's ganze Prophetie
fällt in eine Nacht, da er nicht wirken konnte.
Alfo baut er fich vielmehr feine Innenwelt aus, zieht
fich zurück in die Literatur; und da er in der Theo-
kratie felbft nicht ferner weilen durfte, fo lebt er nun
ein dämmerndes Stillleben im Gefetze und in der Erinnerung
'. Ganz anders lautet es bei Smend (Vorwort,

ift, — aber freilich auch darüber, dafs diefe Offenbarung
eine Gefchichte gehabt hat.

In einem Punkte kann fich Ref. des Eindrucks nicht
erwehren, dafs der Verf. über ein gewiffes Schwanken
nicht hinausgekommen ift oder doch den Schein eines
folchen nicht vermieden hat — nämlich in Bezug auf
die Frage, in welchem Sinne und Grade Ezechiel den
Namen eines Propheten verdiene. Bereits im Vorwort
(S. VI) urtheilt der Verf.: ,Als Prophet kann Ezechiel
ebenfowenig für originell gelten als die nachexilifchen
Propheten, aber im Grunde ift er überhaupt kein Prophet
mehr, fondern Seelforger und Gefetzgeber. Die
Gefetzgebung c. 40—48 ift die Krone und der Schlufs-
ftein feines Buches'. Wenn hier Ezechiel ,im Grunde
überhaupt kein Prophet mehr ift', fo wird dagegen S. VIII
des Vorworts bemerkt: ,Man thut Ezechiel grofses Un-

S. VIII): ,Ezechiel ift vielmehr der Anfänger einer neuen j recht, wenn man ihn allein als Propheten betrachtet'
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