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Ausgabe:

1880 Nr. 22

Spalte:

534-538

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Gams, P. Pius Bonif.

Titel/Untertitel:

Die Kirchengeschichte von Spanien. 3 Bde. in 5 Abthlgn 1880

Rezensent:

Möller, Wilhelm

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Theologifche Literaturzeitung. 1880. Nr. 22.

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aber bis jetzt, wie es fcheint aus gewöhnlicher Kiferfucht,
der Oeffentlichkeit vorenthalten wird. Pitra fchrieb darüber
unter dem 15. April 1878 an Swete (S. XV, Anm.6):
Le MS. de Theodore de Mopsueste, qui vous preoccupe,
est fort hin de moi et tres peu accessible dans une biblio-
theque privee, qii a mon grand regret je ne suis pas en-
core autliorise a vous faire connaitre (!!). Swete mufs fich
nun damit trollen, dafs diefe unzugängliche Handfchrift
von ihrem Entdecker fclblt betrachtet werde als inferior
in importance to tlie Amiens volume.

Bei diefem Stande der Dinge war Swete für die
Herausgabe der Commentare Theodor's in erfter Linie
auf die beiden ihm zugänglichen Handfchriften ange-
wiefen, die offenbar mit grofser Sorgfalt verglichen wurden
. Aufserdem Händen für die Conftituirung des Textes
hauptfächlich noch zwei Quellen zu Gebote: 1) Die grie-
chifchen Fragmente in der von Cramer edirten Catene.
Diefe giebt Swete nicht nach der Ausgabe Cramer's,
f ondern nach eigener Vergleichung der Handfchrift felbft,
der einzigen, welche jene Catene enthält, cod. Coislinianus
204 Isaec. XI, zu Paris). Sodann 2) der Auszug aus der
alten lateinifchen Uebcrfctzung, welcher von Rabanus
Maurus refp. deffen Gehülfen angefertigt wurde und
unter deffen Werken längft gedruckt ift. Hier fehlen
jedoch die Commentare zum Galater- und Flpheferbrief,
da diefe bei Rabanus aus Ambrofiafter excerpirt find
(Swete S. XLVIII sq.). Schon die Bencdictincr haben
in ihrer Ausg. des Ambrofius die Uebereinflimmung
zwifchen Rabanus und dem im cod. Corbeiensis erhaltenen
Text bemerkt. Sie ift fo grofs, dafs Pitra in feiner
Ausgabe des letzteren nur den Text des Galater-, Ephe-
fer- und Philemonbriefes in extenso gab, für die übrigen
aber nur eine Collation des Corbeiensis mit Rabanus.
Daraus hat dann Jacobi den Text diefer Commentare
mühfam hergeftellt (Philipper, Coloffer, I u. II Thcffa-
lonicher und I Tim. C. 1, in fechs Hallenfer Programmen:
1855, 1856, 1858, 1860, 1866, 1872). Swete vergleicht
den Text des Kabanus durchgängig nach der editio prin-
ceps, Cöln 1626 (S. XXXII Anm.).

Auf Grund diefer Quellen ift der Text bei Swete
mit mufterhafter Akribie hergeftellt. Aber auch fonft
hat der Herausgeber mit unermüdlichem Fleifse und ein-
gehendfter Sachkenntnifs fein Werk mit allen denjenigen
Zugaben ausgerüftet, welche bei einer folchen Text-Ausgabe
nur irgend erwartet werden können. An der Hand
der lateinifchen Uebcrfctzung konnte mit gröfserer
Sicherheit beftimmt werden, welche griechifchen Fragmente
dem Theodor angehören und welche nicht. Einige
bisher ihm zugewiefene find nun ausgefchieden, eine noch
gröfsere Zahl bisher anonymer ihm dagegen zugewiefen
Swete S. XVII). Sämmtlichc griechifche Fragmente
werden unter dem lateinifchen Texte an den betreffenden
Stellen mitgetheilt. Durch reichhaltige fprachliche
und fachliche Anmerkungen ift für Aufhellung des oft
fchwierigen lateinifchen Wortlautes Sorge getragen.
Die ausführlichen Prolegomcna handeln nicht nur über
die Befchaffenheit der Handfchriften und ihres Textes
(S. XVI sqq.), fondern auch über den Charakter der lateinifchen
Uebcrfctzung, über ihren Urfprung und Gebrauch
im Abendlande (S. XXXV Sqq.), über die Eigen-
thümlichkeit und den exegetifchen Werth des Commen-
tares felbft (S. LIX sqq.), über fein Verhältnifs zu anderen
alten Commentaren über die paulinifchen Briefe
(S. LXXI sqq.), endlich über das theologifche Syftem
Theodor's, foweit es in diefem Commentare zu Tage
tritt (S. LXXIX sqq.). Von den drei Haupthandfchriften,
dem Corbeiensis, Harlcianus und Coislinianus, find vortreffliche
photographifchc Facfimile's beigegeben, wie überhaupt
das ganze Werk von der University Press zu Cambridge
mit bekannter Eleganz ausgeftattet ift.

Der vorliegende 1. Bd. enthält aufser den Prole-
gomenis die Commentare zum Galater-, Ephefer-,
Philipper- und Colofferbricf. Der 2. Bd., welcher

die Commentare zu den übrigen fechs Briefen, einen
Appendix und Indices enthalten wird, ift für das nächfte
Jahr in Ausficht geftellt.

Giefsen. E. Schürer.

Garns, P. Pius Bonif., Die Kirchengeschichte von Spanien.

3 Bde. in 5 Abthlgn. Regensburg 1862—79, Manz.
(XII, 422; VIII, 492; VIII, 480; IV, 482 u. VIII,
572 S. gr. 8.) M. 38. 80.

In fiebenzehnjähriger Arbeit hat nun der fteifsige
Gelehrte obiges Werk zum Abfchlufs geführt, dem wir
zwar wiffenfehaftlich keinen hohen Rang anzuweifen vermögen
, das aber doch auf lange hinaus mit allen feinen
Mängeln ein nützliches Hülfsmittel bleiben wird. Unter

j diefen Mängeln nenne ich zunächft die mit dem kirchlichen
Standpunkte des Verf.'s zufammenhängende Befangenheit
, den Mangel einer gefunden hiftorifchen Kritik
und die Neigung, an deren Stelle zur Stützung gewiffer

I Lieblingsmeinungen das Gebäude künftlicher Hypothcfen

| zü fetzen. Am meiden tritt diefer Mangel begreiflicher
Weife in der Behandlung Ber ältern und älteften Zeit
hervor. Wir wollen mit dem Verf. nicht darüber rechten,

I dafs er die fpanifche Reife des Paulus für erweislich und
durch feine Arbeit erwiefen hält. Recht naiv ift es aber,
wenn er felbft den Weg, welchen Paulus in Spanien genommen
, vermuthungsweife feftzuftellen fucht und fich
auch noch im Nachwort zum letzten Bande (S. 472) darauf
etwas zu gute thut. Die ganze Darftellung des Verf.'s
S. 55—75 ift indirect felbft der befte Beweis, dafs trotz

I aller Mühe eine wirkliche hiftorifche Spur einer Wirk-

I famkeit des Paulus in Spanien nicht aufzutreiben war.
Für Garns dienen fich freilich die Annahme von der
fpanifchen Reife und Wirkfamkeit des Paulus und die
Legende von den 7 nach Spanien gefandten Apoftel-
fchülern (I, 76—227) gegenfeitig als Stützen; aber eine
ift fo morfch als die andere. Der Verf. geht bei Erörterung
der localen Ucberlieferungen in eine Menge
geographifcher Unterfuchungen ein, welche durchaus nicht
ohne Werth find; ebenfo ift es berechtigt, dafs er con-

j fequent die Ausfagen der fpanifchen Liturgie heranzieht.

I Wie er aber damit, dafs diefe von den 7 Apoftelfchülern
weifs und von ihrer kirchlichen Verehrung, fchon den
Beweis für die Gefchichtlichkeit diefer Miffion erbracht
fehen kann, ift fchwer einzuteilen. Ohne Zweifel flecken
in der Ucberlieferung von den Sieben und von den

| Orten, wo fie ,ruhen', wirkliche locale Erinnerungen über
Miffionen und Kirchengründungen, welche von der

I Legende combinirt und an die apoftol. Zeit angeknüpft

! find. Allenfalls könnte man einen urfprünglichen Zu-
fammenhang der Sieben annehmen, wenn Garns mit feinen

! Nachweifungen Recht behalten follte, dafs alle 7 in Be-

j tracht kommenden Orte dem füdöftlichen Spanien zu-
zuweifen feien, was hinfichtlich einiger allerdings contro-
vers ift. Mit der Vorausfetzung, dafs gerade im Süd-

j often Spaniens das Chriftenthum am früheften feiten Fufs

j*gefafst, hängen die weitläufigen Erörterungen von Garns
über Cyprian's ep. 67 zufammen (S. 250 ff). — Auch in
der Befprechung der Acten einer Anzahl von Märtyrern,
welche theils vor, theils in die diocletianifche Verfolgung
gefetzt werden, ift doch die nöthige Vorficht und Kritik
zu vermiffen. Garns will fich betr. die diocletianifche

1 Verfolgung befchränken auf diejenigen Märtyrer, welche
in der altfpanifchen Liturgie einen Platz haben, ,oder
wenigftens' (als wäre dies nicht das ungleich ficherere)

j ,bei Prudentius erwähnt werden'. Er thäte vielmehr wohl,
der fpanifchen Liturgie überall da zu mifstrauen, wo fie
von Prudentius Verlalfen wird. So kann, um nur Einzelnes
herauszuheben, die Bemühung des Verf.'s (1, 306 ff.)
den Eindruck nicht befeitigen, dafs die dem Prudentius
unbekannte Eulalia von Barcelona nur eine fagenhafte
Doppelgängerin der Eulalia von Emerita ift. Die von