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Ausgabe:

1880 Nr. 22

Spalte:

531-532

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Guillemard, William Henry

Titel/Untertitel:

Hebraisms in the Greek Testament 1880

Rezensent:

Schürer, Emil

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Theologifche Literaturzeitung. 1880. Nr. 22.

532

tare (ich findenden Vorftellungen über fiastra,, TBS*, den
Baaldienft (vgl. S. 74: die kanaanitifche Afchera, die
babylonifch-affyrifche Aftarte) bedürfen mehrfach der
Berichtigung.

Verwundert hat den Ref. die ausgedehnte und oft
etwas erregte Polemik gegen Wünfche's Commentar.
Sie kann faft auf die Meinung bringen , als betrachte
ihn der Verf. als eine befonders wichtige Leiftung, etwa
gar als die für eine Schule charakteriftifche Arbeit.
Und doch ift auch Wünfche, deffen Commentar vom
Verf. getroft bis auf einzelne Stellen übergangen werden
durfte, wenigftens 10, 7 im Rechte. SK^bn beginnt dort
das zweite Versglied. Die vom Verf. ve'rtheidigte Con-
ftruction der Accente ift ein fyntaktifches Monftrum.
Uebrigens erweckt die Neigung des Verf.'s, von ihm verworfene
Meinungen durch 1! oder !!1 oder auch ?! auszuzeichnen
, vielleicht bei manchem Lefer die Meinung,
es hielten die Gründe der Energie der Verwerfung nicht
das Gleichgewicht. Es ift folche Art der Polemik jedenfalls
unvortheilhaft.

Zum Schluffe ein Paar Kleinigkeiten. Warum "i^U*^
räuchern, D^tS Fürften? Weshalb Jefajah und Je-
remjah ?

Giefsen. Bernhard Stade.

Guillemard,William Henry, D. D., Hebraisms in the Greek

Testament. Exhibited and illustrated by Notes and
Extracts from the Sacred Text. With Specimens
of (1) the influence of the Septuagint on its character
and construction; (2) the deviations in it from pure
greek style. Cambridge 1879, Deighton, Bell & Co.
(VI, XIII, 63, 120 S. gr. 8.)

Im Jahrg. 1877 Nr. 18 der Theol. Liztg. hat Ref.
bereits eine unter ähnlichem Titel erfchienene frühere
Publication desfelben Verf.'s befprochen: The Greek
Testament, Hebraistic Edition. Sie enthielt den griechi-
fchen Text des Evangeliums Matthäi mit kurzen Anmerkungen
. Theils in diefen Anmerkungen, theils durch
Zeichen (Afterisken und Klammern) im Text waren
die vorkommenden Hebraismen und die vom claffifchen
Sprachgebrauch abweichenden Ausdrücke und Wendungen
hervorgehoben. Die nun vorliegende neue Publication
ift eine Fortfetzung der früheren. Doch ift der
urfprüngliche Plan infofern verlaffen, als jetzt nicht mehr
der ganze Text abgedruckt wird, fondern nur in aller
Kürze diejenigen Worte und Wendungen notirt werden,
welche 1) als Hebraismen zu betrachten find, oder 2)
als nicht-claffifches Sprachgut, oder 3) als directe Entlehnungen
aus den Septuaginta. Diele kurzen Notizen,
welche eben nur auf die betreffenden Worte hinweifen
ohne jede Erläuterung, bilden den Text des Buches.
Dazu werden dann in Form von Anmerkungen unter
dem Text zahlreiche Erläuterungen gegeben. Diefe
Materialien erftrecken fich über das ganze Neue Tefta-
ment von Marcus bis zur Apokalypfe. Vorangebunden
ift wieder die frühere Arbeit über Matthäus.

lieber Zweck und Werth diefer Arbeit hat Ref. (ich
fchon in feiner früheren Anzeige geäufsert. Sic foll in
erfter Linie den Studirenden dienen, um ihnen etwa bei
curforifcher Leetüre des Neuen Teftamentes in aller
Kürze Winke zu geben über den vom claffifchen völlig
abweichenden Sprachcharakter des Neuen Teftamentes.
Für diefen Zweck ift fie auch ganz geeignet, obwohl
man allerdings fragen darf, ob es nicht praktifcher ift,
den Studirenden fchon bei der erften Leetüre Hülfs-
mittel in die Hand zu geben, die fie auch nach andern
Seiten hin orientiren. Für den Fachmann hat diefe
Materialienfammlung theils infofern Werth, als fie eine
knappe Ueberficht über den Thatbeftand giebt, theils
auch infofern als fie bei einzelnen Punkten richtigere
Wege der Erklärung einfehlägt. Doch gilt dies eben

nur von einzelnen Punkten, während andererfeits auch
folche Fälle nicht fehlen, wo man ein ftarkes Fragezeichen
wird fetzen müffen. Das Hauptverdienft der
Arbeit fcheint dem Ref. immer dies zu bleiben, durch
eine einfache Statiftik den ungeheuren Einflufs des
Hebräifchen auf die Neuteftamentliche Sprachbildung
anfehaulich gemacht und dadurch gezeigt zu haben, dafs
von der Erklärung fprachlicher Erfcheinungen aus dem
Hebräifchen immer noch ein etwas herzhafterer Gebrauch
gemacht werden mufs, als es in neuerer Zeit unter dem
Einflufs der philologifchen Puriften im Durchfchnitt üblich
ift.

Giefsen. E. Schür er.

Theodori episcopi Mopsuesteni in epistolas B. Pauli commen-
tarii. The latin version with the greek fragments.
With an Introduction, Notes and Indices. By H. B.
Swete, B. D. In two volumes. Vol. I.: Introduction.
Galatians — Colossians. Cambridge 1880, University
Press. (LXXXVII, 312 S. gr. 8.) Sh. 12. —

Als Fritzfche im Jahre 1847 die Ueberrcfte der
Commentare Theodor's von.Mopfueftia zum N. T. fam-
melte (Theodori ep. Mopsv. in N. T. commenlarioruni
quae reperiri potuerunt. Tnrici 1847), war er faft nur auf
die in den griechifchen Catenen erhaltenen Fragmente
angewiefen. Inzwifchen ift durch Jacobi in Halle längft
nachgewiefen worden, dafs uns die Commentare Theodor
's zu den kleineren paulinifchen Briefen vollftändig
in einer alten lateinifchen Ueberfetzung erhalten find.
Die Handfchrift, welche diefelbe enthält, ift ein codex
CorbeienSis, jetzt zu Amiens, aus dem 9. oder 10. Jahrh.
(Swete S. XXIV). Sie bietet in zwei ftattlichen Foliobänden
einen vollftändigen lateinifchen Commentar zu
den fämmtlichen 13 paulinifchen Briefen unter dem
Namen des Ambrofius. Schon die Benedictincr, welche
die Werke des Ambrofius herausgaben (1686—90), haben
aber bemerkt, dafs nur die Commentare zum Römer-
und den beiden Korintherbriefen diejenigen des fog.
Ambrofiafter find, die übrigen zehn aber ein fonft unbekanntes
Werk. Im Jahre 1852 gab Pitra in feinem
Spicilegium Solesmense Bd. I. diefe Commentare theil»
weife heraus und verwandte viel Mühe auf den Nachweis
, dafs fie ein Werk des Hilarius von Poitiers feien.
Diefer Nachweis ift mifsglückt. Schon im Jahre 1854
hat vielmehr Jacobi in einem Auffatz in der ,Deutfchen
Zeitfchrift für chriftliche Wiffenfchaft und chriftliches
Leben' den ftringenten Beweis geführt, dafs wir hier nichts
anderes vor uns haben, als eine lateinifche Ueberfetzung
des Theodor von Mopfveftia. Die Sache ift — wie fchon
eine flüchtige Vergleichung der griechifchen Fragmente
Theodor's mit diefem lateinifchen Texte zeigt — fo evident
, dafs ein Zweifel überhaupt nicht möglich ift. Unabhängig
von Jacobi machte diefelbe Entdeckung auch
der englifche Gelehrte Hort {Journal of Classical and
Sacred Philology Vol. IV. {Cambridge 1859] P- 302—3°8).
Diefer letztere war nun aber fo glücklich, in neuerer
Zeit auch noch eine zweite Handfchrift diefer Commentare
zu entdecken. Es ift ein cod. Harlcianns im britishen
Mufeum zu London 'Harl. 3063), wahrfcheinlich
noch etwas älter als der Corbeiensis {saec. IX), aber weniger
forgfältig gefchrieben. Er ift am Anfang defect
und beginnt jetzt mit dem Commentar des Ambroliafter
zum 2.Korintherbrief, worauf dann die Commentare Theodor
's zu den kleineren Briefen folgen. Sein urfprüng-
licher Beftand fcheint alfo derfelbe gewefen zu fein wie
der des Corbeiensis. Ueberhaupt find beide Handfchriften
verwandt, doch ift weder die eine von der andern abhängig
, noch gehen fie direct auf eine gemeinfame Vorlage
zurück (Swete S. XXIX sqq.). — Durch den Cardinal
Pitra ift endlich in neuerer Zeit auch noch die
Exiftenz einer dritten Handfchrift bekannt geworden, die