Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1880 Nr. 20

Spalte:

485-488

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ascoli, G. I.

Titel/Untertitel:

Iscrizioni inedite o mal note, greche, latine, ebraiche, di antichi sepolcri giudaici del Napolitano, edite e illustrate 1880

Rezensent:

Schürer, Emil

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

485

Theologifche Literaturzeitung. 1880. Nr. 20.

486

Verf.'s von evloyetv = et'%aQioieiv S. 273 Anm. 1 im
Widerfpruch fleht und zu einer unklaren Deutung S. 274
geführt hat. Nicht glücklich fcheint mir ferner die Erklärung
von 14, 34—36 (S. 458 ff.), wornach den Weibern
in der Gemcindeverfammlung nicht das Reden überhaupt
, fondern nur das Sich-hervordrängen mit Fragen
verboten gewefen fein foll. Bedauert habe ich ferner,
dafs der Verf. durch die treffliche Abhandlung von
Grimm über I Kor. 15, 20—28 (Zeitfchr. für wiffen-
fchaftl. Theol. 1873, S. 380 ff.) nicht von der Richtigkeit
der durch ihn gegebenen Deutung überzeugt worden ift.
Was H. z. B. über rö ttlog 15, 24 (S. 500) und über die
Vernichtung des Todes als des letzten Feindes 15, 26
(S. 507) fagt, ift fchwerlich befriedigend. In der Auslegung
von 15, 47 (S. 540) hat fich H. zwar theilweife,
aber doch nicht gründlich genug von der Meyer'fchen
Faffung emaneipirt, welche in ik~ ovgavov eine Ausfage
über den Urfprung der gegenwärtigen Befchaffenheit
des erhöhten Chriftus findet (f. dagegen die treffenden
Bemerkungen von Pfleiderer, Paulinismus, S. 132 f.).
Recht unpräcife und auch fachlich unrichtig, ift die Um-
fchreibung von 15, 56 (S. 557 f.). Hier wäre durch eine
einfache Verweifung auf Rom. 7, 7 ff. mehr Licht verbreitet
worden.

Doch nun genug der Finzelausftellungen; und zum
Schlufs nur noch den Wunfeh, dafs in einer etwaigen
neuen Auflage und in der zu hoffenden Auslegung des
zweiten Korintherbriefes durch Angabe der Capitelzahl
in der Ueberfchrift jeder Columne das Nachfchlagen
erleichtert werden möge.

Giefsen. E. Schürer.

Ascoli, G. I., Iscrizioni inedite 0 mal note, greche, latine,
ebraiche, di antichi sepolcri giudaici del Napolitano, editc
e illustrate. Turin und Rom 1880, Loefcher. (120 S.
gr. 8. und 8 photolithogr. Taf.)

Die obige Publication des berühmten italienifchen
Linguiften Ascoli ift ein Separatabdruck aus den Verhandlungen
des vierten internationalen Orientaliftencon-
greffes zu Florenz im J. 1878. — In einer allgemeinen
Ueberficht' (S. 7—19) hebt der Verf. zunächft hervor,
dafs bisher nur zwei, durch einen weiten Zeitraum von
einander getrennte Claffen europäifch-jüdifchcr Infchrif-
ten bekannt waren: 1) die griechifchen und lateinifchen,
nur hie und da mit Beifchrift einzelner hebräifcher Worte
verfehenen, namentlich aus den jüdifchen Katakomben
in Rom, ungefähr bis in's 4. Jahrh. nach Chr. gehend,
und 2) die mittelalterlichen hebräifchen, erft im 11. Jahrh.
nach Chr. beginnend. Zwifchen beiden klaffte eine
Lücke von etwa heben Jahrhunderten (S. 10). Nur wenige
vereinzelte Infchriften waren bekannt, um die Lücke
auszufüllen: Mommfen, Inscr. Regni Neap. n. 3492, Hübner
, Inscr. Hisp. Christ, n. 186. 187. 34 (Ascoli S. 12 f.).
Diefe Lücke exiftirte nun freilich für die, welche fich
mit jüdifchcr Fpigraphik befchäftigten, nur deshalb, weil
ihnen die Publicationen, durch welche fie bereits ausgefüllt
war, nicht bekannt waren. Schon vor hundert Jahren
hatte ein Abate Tata in einer Lcttera sul Monte
Volture a Sita Eccellenza il Signor Guglielmo Hamilton etc.
(Napoli 1778) neun, fämmtlich datirte, hebräifche Grab-
fchriften aus dem 9. Jahrhundert mitgctheilt, heben aus
Venofa (dem alten Venufia in Apulien, der Heimath des
Horaz) und zwei aus Lavello (2 St. nördlich von Vc-
nofaj, f. Ascoli S. 14. Sie waren aber den mit jüdifcher
Epigraphik fich befchäftigenden Gelehrten ebenfo entgangen
, wie noch in neuerer Zeit die Entdeckung einer
jüdifchen Katakombe in Venofa mit zahlreichen griechifchen
, lateinifchen und hebräifchen Infchriften. Ueber
diefe Katakombe und ihre Infchriften find bereits im J.
1853, gleich nach ihrer Entdeckung, zwei Denkfchriftcn
gefchrieben worden: eine von De Angelis und Smith,

und eine andere von D'Aloe. Erftere giebt die Ab-
fchrift von 46 Infchriften, letztere die von 34. Diefe 34
find fämmtlich, bis auf eine, mit den von De Angelis
und Smith gebotenen identifch, fo dafs alfo im Ganzen
47 Infchriften aus der Katakombe von Venofa bekannt
find (Ascoli S. 41). Beide Denkfchriften liegen hand-
fchriftlich im Archiv des Mufeums von Neapel und waren
dort bis auf den heutigen Tag fo ziemlich vergraben.
Auch eine Notiz von Hirfchfeld über die jüdifche
Katakombe von Venofa im Bullettino delF Instituto di
corrispondenza archeologica 1867 'Ascoli S. 14) war den
nächftbetheiligten Kreifen entgangen. Erft durch die
Schrift von Ascoli wird dies Alles nun an's Licht gezogen
. Die Katakomben-Infchriften von Venofa um-
faffen drei Kategorien: 1) griechifche oder lateinifche
ohne hebräifche Beifchrift, 2) folche mit hebräifcher
Beifchrift, 3) einige ausfchliefslich hebräifche. Sie illu-
ftriren alfo in trefflicher Weife den allmählichen Ueber-
gang vom Gebrauch der griechifchen und lateinifchen
Sprache zu dem der hebräifchen. Und da fie im Ganzen
jünger zu fein fcheinen als die römifchen Katakomben-
Infchriften, fo wird durch fie die Lücke, welche zwifchen
diefen und den datirten hebräifchen Grabfchriften aus
dem 9. Jahrh. noch beftand, nahezu ausgefüllt oder doch
erheblich vermindert.

Auf die .allgemeine Ueberficht' läfst Ascoli zunächft
(S. 20—38) einige Excurfe folgen: 1) über die auf den
bisher publicirten griechifchen und lateinifchen Infchriften
vorkommenden hebräifchen oder aramäifchen Eigennamen
, 2) über die auf denfelben Infchriften vorkommenden
hebräifchen Beifchriften, 3) über das Alter einiger
Grabfchriften in Prag und Worms, 4) über hebräifche
Grabfchriften in Paläftina, Aden und der Krimm (der Verf.
bemerkt zwar S. 32, dafs durch die venufinifchen Infchriften
des 9. Jahrh. die Gründe gegen die Echtheit
der Firkowitfch'fchen Infchriften, refp. Daten, abge-
fchwächt werden, ift aber doch vorfichtig genug, fich
nicht für deren Echtheit auszufprechen), endlich 5) über
die hiftorifchen Zcugnifse in Betreff der Gefchichte der
Juden in Unteritalien vom 4. bis 10. Jahrhundert.

Ein dritter Abfchnitt (S. 39—50) handelt über die
I Katakombe von Venofa, und in einem vierten (S. 51—87)
werden nun 41 jüdifche Infchriften mitgetheilt, und zwar
zunächft 21 Infchriften aus der Katakombe von Venofa
nach den Abfchriften von De Angelis und Smith und
1 von D'Aloe. Sehr zu bedauern ift, dafs der Verf. nicht
die fämmtlichen 47 Infchriften, welche diefe geben, mitgetheilt
hat. Er hat nämlich nur diejenigen aufgenommen
, welche eine hebräifche Beifchrift haben (f. S. 47).
Etwa die Hälfte der Katakomben-Infchriften
von Venofa harrt alfo noch der Veröffentlichung
. — Auf die venufinifchen Infchriften folgen zunächft
(Nr. 22—24) drei bisher unedirte hebräifche Grabfchriften
aus Brindifi, von welchen befonders die dritte
(Nr. 24) deshalb von grofsem Intereffe ift, weil fie ebenfo
wie die gleich zu erwähnenden Infchriften von Venofa
j und Lavello datirt ift, und zwar vom J. 764 nach der
| Zerftörung des Tempels (= 832 n. Chr.). — Hierauf
| folgen (Nr. 25—33) die neun fchon von Tata heraus-
I gegebenen datirten hebräifchen Grabfchriften aus dem
I 9. Jahrhundert, fieben aus Venofa und zwei aus Lavello.
— Daran fchliefsen fich endlich (Nr. 34—41) noch einige
vom Verf. gefammelte hebräifche Infchriften aus Unteritalien
, theils fchon edirte, theils noch unedirte. — Für
die von Tata edirten Grabfchriften war der Verf. faft
nur auf deffen Copicn angewiefen. Nur für zwei derfel-
ben (Nr. 25 u. 26) ftanden ihm neuere Copien zu Gebote.
Von fieben anderen Infchriften (Nr. 22—24 u. 38 -41)
lagen ihm Abdrücke vor.

Ein fünfter und letzter Abfchnitt (S. 88—117) bringt
I endlich fehr werthvolle Erörterungen: 1) über die auf
1 den Infchriften angewandten Aeren, 2) über die Schrift
derfelben, 3) über die Compofition der Grabfchriften.