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Ausgabe:

1880

Spalte:

425-427

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Hagenbach’s Encyklopädie und Methodologie der theologischen Wissenschaften. 10. Aufl., durchgängig revidirt und hrsg. von E. Kautzsch 1880

Rezensent:

Lemme, Ludwig

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von Prof. Dr. E. Schür er in Giefsen.
Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 18. 28. Auguft 1880. 5. Jahrgang.

Ilagenbach's Encyklopädie und Methodologie

der theologifchen Wiflenfchaften, 10. Aufl.

hrsg. von Kautzfeh (Lemme).
Lenormant, Les origines de l'histoire d'apres

la bible et les traditions des peuples orientaux

(Baudiflin).

Steffann, Die Gleichnifse des Herrn, Fingerzeige
zu deren Deutung (Weifs).

Goebel, Die Parabeln Tefu, methodifch ausgelegt
, 3. Abth. (Weifs).

Meyer, Le Christ des Evangiles. Etüde reli-

gieuse (Holtzmann).
Friedländer, Gefchichtsbilder aus der Zeit
der Tanaiten und Amoräer (Herrn. Strack).

Monrad, Glaube und Vergebung, deutfeh von

proteflantifches Charakterbild aus dem Elfafs
(Holtzmann).
Naville, Chritlus, fieben Reden (Kraufs).

S tri c k 1 er, Actenfammlung zur Schweizerifchen ™u"* "u»,<Jla.V!,e u"c

Reformätionsgefchichte, 3. Bd. (Stähelin). ; Michelfen (Kraufs).

Müller, Paul Lindenau, der erfte evangelifche Thilo, Kurze pragmatifche Gefchichte der

Ilofprediger in Dresden (Kawerau). Plulofophie, 2. Aufl., 1. Tbl. Gefchichte der

Brofch, Gefchichte des Kirchenftaates, I. Bd. griechifchen Philofophie (Gottfchick).

Das 16. und 17. Jahrhundert (Benrath). Wächtler, Die bildende Kund als Auslegerin

Baum (Mathilde), Johann Wilhelm Baum, ein der heiligen Schrift (Tfchackert).

Hagenbach's Encyklopädie und Methodologie der theologischen
Wissenschatten. 10. Aufl., durchgängig revidirt
und hrsg. von Prof. E. Kautzfeh. Leipzig 1880,
Hirzel. (XII, 491 S. gr. 8.) M. 6. —

Trotz der einem ,echten Studentenbuch' in wiffen-
fchaftlicher Beziehung nothwendig anhaftenden Mängel,
die fleh der Verfaffer felbft vielleicht am allerwenigsten
verhehlt hat, zeichnet fleh Hagenbach's Encyklopädie
doch durch fo viele — ja hinlänglich bekannte und ge-
fchätzte — Vorzüge aus, dals fie vor der Hand immer
noch als unentbehrlich und auch durch die neueren wichtigen
Publicationen auf diefem Gebiet nicht nach allen
Seiten hin erfetzt angefehen werden mufs. Es ift deshalb
fehr dankenswerth, dafs der Herausgeber fleh ent-
fchloffen hat, das Buch des Verewigten für eine neue
Auflage fertig zu ftellen, um fo dankenswerther, da diefe
Aufgabe nicht geringe Selbftverleugnung und Mühwal-
tung forderte. Kautzfeh hat mit Verzicht auf eine Umarbeitung
fein Augenmerk wefentlich darauf gerichtet,
alle'thatfächlichen Angaben einer gründlichen Revifion
zu unterziehen, durch Verificirung der Namen und Titel,
der chronologifchen und literarifchen Notizen, und die
Literaturverzeichnifse bis auf die Gegenwart fortzuführen.

realen Bedürfnifse und die enge Fühlung mit dem prak-
tifchen Leben für die Theologie zu erwärmen, — fonft
eine fchöne Ausftattung franzöflfeher Theologen — war
in diefer eigenthümlichen Art unter den Deutfchen vielleicht
nur Hagenbach eigen. Wenn ich trotzdem auf
eine Umarbeitung dringen möchte, in der die bekannten
eckigen Klammern am bellen ganz verfchwinden würden,
fo liegt der Grund darin, dafs ich das Buch den Studi-
renden gern erhalten wiffen möchte, dafs es aber durch
eine ängftliche Confervirung der Hagenbach'fchen Worte
in wahrfcheinlich nicht allzu langer Zeit dem ficheren
Untergange anheim geliefert würde. Vor diefem Ge-
fchick hat Kautzfeh die Gefenius'fche Grammatik durch
feine treffliche Umgeftaltung bewahrt: warum follte es
ihm nicht gelingen, in einer ähnlichen Umarbeitung der
Encyklopädie Hagenbach's ihre wefentlichen Vorzüge
zu wahren ? Der Herausgeber fleht die Bedeutung der
Hagenbach'fchen Encyklopädie, weil fie ,in der Hauptfache
die Ergebnifse einer hinter uns liegenden Periode
theologifcher Forfchung abfpiegele', darin, ,ein Hilfsmittel
für das Verftändnifs der nächft vergangenen Periode
der theologifchen Wiffenfchaft und damit zugleich
ihrer Gegenwart' zu fein. Soll fie aber vollkommen ihren
Zweck erfüllen, fo mufs fie, wozu fie auch urfprünglich

Wer nur einigermafsen fleh eine erfahrungsmäfsige Vor- gefchrieben war, den Lefer in die lebensvolle Gegen

ftellung von der Schwierigkeit diefer Aufgabe machen
kann, mufs der Genauigkeit und Sorgfalt, mit der fleh
Kautzfeh derfelben unterzogen hat, volle Anerkennung
zollen.

Dafs der Herausgeber bei diefer erften nach dem
Tode Hagenbach's erfcheinenden neuen Auflage von einer
Umarbeitung Abftand genommen hat, ift begreiflich;
defto dringender aber möchte ich den Wunfeh ausfpre-
chen, dafs die nächfte Auflage eine folche bringen möge.
Hagenbach felbft hat fchon die Nothwendigkeit derfelben
gefühlt und ausgefprochen. Allerdings kann man
es fleh erklären, wie fchwer fleh jemand entfchliefst, die
umgeftaltende Hand an dies Buch zu legen, das jeden
durch feine fchöne Verbindung tüchtiger Wiffenfchaft-
lichkeit mit dem Herzenston echter und lauterer Frömmigkeit
mit dem warmen Hauch chriftlicher Liebenswürdigkeit
— im bellen Sinne des Worts — anweht,
und das noch immer den Ton jugendlicher Begeifterung,
mit der es vor mehr denn fünfzig Jahren entworfen
wurde', anfehlägt. Diefe befondere Gabe, unterhaltend
zu belehren und belehrend zu unterhalten, diefe Fähigkeit
, im fpecififch Chriftlichen das allgemein Menfchliche
und wahrhaft Humane zu zeigen und das Chriftenthum
im Zufammenhang mit der allgemeinen Bildung aufzu-
faffen, diefe Gefchicklichkeit, durch Eingehen auf die

wart und ihre geiftige Bewegung verfetzen: nicht ein
hiftorifches Hilfsmittel für das Verftändnifs einer hinter
uns liegenden Periode der Theologie foll fie fein, fondern
ein Hilfsmittel für das Verftändnifs der organifchen
Fünheit der mannigfaltigen theologifchen Disciplinen, fo
wie diefe bei dem gegenwärtigen Stande der theologifchen
Forfchung gefafst werden mufs. Dafs bei diefer
Beftimmung des Zwecks manches, ja vieles geändert
werden mufs, unterliegt keinem Zweifel; aber denjenigen,
für deren Gebrauch das Buch beftimmt ift, kann es auch
offenbar ganz gleichgiltig fein, ob fie überall das authen-
tifche Wort Hagenbach's vor fleh haben oder nicht, wogegen
alles ankommt auf eine lichtvolle und zuverläffige
Einführung in die lebendige geiftige Bewegung der theologifchen
Wiffenfchaft und eine zugleich weitherzige und
flehere Fuhrung durch die widerftrebenden Meinungen
und Richtungen in Theologie und Kirche. Eine dem
entfprechende Umarbeitung mag nicht möglich fein ohne
tief einfehneidende Aenderungen, aber, wie mir fcheint,
liegt die Edition in den rechten Händen, um das Buch
ohne Widerfpruch mit dem Geilt feines Urhebers in einer
den Bedürfnifsen der Gegenwart entfprechenden Weife
neu zu geftalten. Eine Namhaftmachung meiner Defi-
derien hierfür wäre zwecklos, da ich kaum etwas zur
Sprache bringen könnte, was dem Herausgeber nicht

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