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Ausgabe:

1880 Nr. 16

Spalte:

391-392

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

The Imitation of Christ: being the autograph manuscript of Thomas a Kempis, de Imitatione Christi

Titel/Untertitel:

reproduced in facsimile from the original preserved in the royal library at Brussels. With an introduction by Charles

Rezensent:

Bertheau, Carl

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Theologifche Literaturzeitung. 1880. No. 16.

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nicht im Stande gewefen, da die Erwartung, in den Bafeler
Bibliotheken reichen Stoff für die Kenntnifs des
inneren Lebens und des individuellen perfönlichen Charakters
feines Helden zu finden, fich nicht erfüllte; was
er aber bieten konnte, hat er fo gefchickt zufammen-
geftellt, dafs wir doch in einem des Lebens und der
charakteriftifchen Farbentöne nicht entbehrenden Bilde
erkennen die fromme und mildthätige Gefinnung, die
häuslichen Verhältnifse, die Genügfamkeit und den eifer-
nen Fleifs, den ausgebreiteten Briefwechfel und die
ftaunenswerthe, in Veröffentlichungen durch den Druck
fich documentirende literarifche Thätigkeit des hervor-
ragendften Gelehrten, welcher den Lehrftuhl für die
hebräifche, die heilige Sprache inne hatte.

Zu Seite 34. 35 iff zu bemerken, dafs B.'s erfte
lexikalifche Arbeit doch die im J. 160O zu Bafel (aber
in Duodez) erfchienene Epitome Radicum Hebraicarum,
bei Conr. Waldkirch, 502 S., gewefen ift (f. Eb. Neftle
im Lit. Centr.-Bl. 1880, Nr. 19, Sp. 673). S. 43 1. Martini
ft. Marti us.

Berlin. Hermann L. Strack.

The Imitation of Christ: being the autograph manuscript
of Thomas a Kempis, de Imitatione Chrifti, repro-
duced in facsimile from the original preserved in the
royal library at Brüssels. With an introduction by
Charles Ruelens. London 1879, Stock. (16 Seiten
Titel u. Vorrede, 114 Blätter in phothographifchem
Druck, einige leere Blätter, in geprefstem Lederband
, 16.)

Wie der Titel fchon angiebt, enthält diefes äufser-
lich fehr niedliche Buch eine photographifche Nachbildung
derjenigen Handfchrift der imitatio, welche von Thomas
a Kempis eigenhändig gefchrieben ward. Der Codex
, dem fie entnommen ift, enthält aufser den vier
Tractaten, welche unter dem Gefammttitel der imitatio
zufammengefafst werden, noch einige andere ähnliche
kleine Schriften des Thomas; das Manufcript fchliefst
mit den Worten: finitus et completus anno MCCCCXLI. I
per manus fratris thome Kempis in monte sancte Agnetis
prope Zwollis. Die vier Bücher der imitatio flehen am
Anfang des Codex, fo dafs diefe Schlufsworte, in welchen
fich Thomas felbft als Schreiber bezeichnet, in der vorliegenden
Vervielfältigung der imitatio fich nicht befinden.
Nach den Mittheilungen des Herausgebers und ebenfo
nach den Unterfuchungen von Carl Hirfche, (vgl. deffen
Prolegomena zu einer neuen Ausgabe der Imitatio
Christi nach dem Autograph des Thomas, 1. Bd., Berlin
1873), kann es nicht zweifelhaft fein, dafs der ganze
Codex abgefehen von zwei Blättern fpäterer Ergänzung
(in unferer Ausgabe das 95. und 96. der bedruckten) 1
von einer und derfelben Hand gefchrieben ift, fo dafs
fich alfo die erwähnte Notiz am Schluffe auf diefen [
ganzen Codex bezieht. Inwiefern diefe Angabe, in welcher
Thomas fich zwar nur als Schreiber diefes Codex,
alfo nicht als Verfaffer diefer Schriften nennt, doch mit
als ein Beweis dafür gelten kann, dafs Thomas der Verfaffer
der imitatio fei, haben Malou und Hirfche nach- i
gewiefen und wird auch von dem Herausgeber des vorliegenden
Druckes in der Vorrede kurz angegeben. Darf
die Frage nach dem Verf. der imitatio nach Hirfche's
gründlichen Unterfuchungen, — der Schlufs feiner Prolegomena
wird demnächft erfcheinen, — als endgültig zu
Thomas' Gunften entfchieden betrachtet werden, fo bekommt
natürlich unter allen Handfchriften diefe von
ihm felbft herrührende die gröfste Wichtigkeit. Aus ihr
haben fchon die Jefuiten Henri Sommal (geft. 1619) und
Heribert Rosweyde (geft. 1629),- welche auch Thomas
für den Verfaffer der imitatio hielten, ihr Ausgaben, die
zuerft 1599 und 1617 erfchienen, veranftaltet; aber fie I
find dabei nicht genau verfahren. Die Handfchrift war

dann verloren; Bähring in feinem Leben des Thomas
von Kempen, Berlin 1849, giebt zwar S. 192 noch an,
dafs fie in Antwerpen fei; aber da war fie lange nicht
mehr. Durch Malou's recherches .... sur le veritable
auteur du livre de l'imitation, 3. Aufl. 1858, (vgl. Hirfche,
Prolegomena I, S. 6), ift bekannt geworden, dafs fie
fich auf der königlichen Bibliothek in Brüffel befindet.
Aus ihr hat dann wieder Hirfche und zwar viel genauer
als feine Vorgänger die imitatio (Berlin 1874) edirt. Der
jetzt durch den Confervator der Manufcripte an der
Brüffeler Bibliothek, Herrn Ruelens, verahftaltete Fac-
fimile-Abdruck derfelben macht fie nun in der denkbar
genaueften Wiedergabe allen zugänglich. Hat es fchon
an fich ein grofses Intereffe, ein Werk von folcher Bedeutung
in der Handfchrift des Verfaffers lefen zu können,
fo ift das in diefem Falle um fo werthvoller, als die
ganz eigenthümliche Interpunktionsweife des Thomas,
auf die Hirfche in feiner Ausgabe zuerft Rückficht genommen
hat, und die für das Verftändnifs der imitatio,
nachdem ihre Bedeutung einmal entdeckt ift, nicht entbehrt
werden kann, der Originalhandfchrift noch einen
befondern Werth giebt. Die Schrift des Thomas ift
klein, beinah fenkrechte Buchftaben, mit den bekannten
zahlreichen Abkürzungen; der befchriebene Raum jeder
Seite ift etwa 5 cm. breit und 7—8 cm. hoch; 25 Zeilen
find meiftens auf der Seite. Das fefte holländifche Papier
der Ausgabe ift dem des Codex möglichft nachgebildet
; die Preffung des Lederbandes wurde, da der
Einband des Codex fehr verdorben ift, dem gleichzeitigen
Einband eines holländifchen Gebetbuches entnommen.

Hamburg. Carl Bertheau.

Wengierski, Senior Paft. Adalb. (Wojciech), Chronik der
evangelischen Gemeinde zu Krakau von ihren Anfängen
bis 1657, in polnifcher Sprache verfafst, deutfeh bearbeitet
und mit einem Nachtrage verfehen von Dr.
C. F. Wilh. Altmann. Breslau 1880, Max Schiefinger
. (XII, 152 S. gr. 8.) M. 3. —

Diefes dem Generalfuperintendenten Schultze zu
Elbei gewidmete Werk bietet eine vor mehr als zweihundert
Jahren von dem damaligen Paftor der evan-
gelifchen Gemeinde zu Krakau Wengierski in polnifcher
Sprache für fein Kirchenarchiv niedergefchriebene Chronik
der evangelifchen Gemeinde in Krakau zum erften
Male deutfehen Lefern dar, nachdem fchon i. J. 1817
das polnifche Original gedruckt worden ift. Der Herausgeber
nennt fein Werk eine ,deutfche Bearbeitung',
fpricht fich aber, foweit wir fehen, über das Verhältnifs
derfelben zum Original nirgends genauer aus; wir werden
annehmen dürfen, dafs im wefentlichen das deutfehe
Buch eine ,Ueberfetzung' der polnifchen Schrift des
Wengierski ift; wenigftens macht das Ganze fehr den
Eindruck einer im fiebzehnten Jahrhundert gefchriebenen
Chronik. Die letzten 12 Seiten enthalten eine kurze Ueber-
ficht der Schickfale der evangelifchen Gemeinde in
Krakau feit dem Jahre 1657, bis zu welchem die Aufzeichnungen
Wengierski's reichen; bei diefer Ueber-
ficht geht das erfte Jahrhundert freilich ganz leer aus
und auch aus dem letzten find die Notizen zuerft höchft
lückenhaft und werden erft für die neuefte Zeit ausführlicher
.

Ueber die Wengierski'fche Chronik fagt unfer Herausgeber
, fie fei ohne Frage ein ebenfo intereffanter
wie lehrreicher Beitrag zur Kirchen-, Reformations-, Cul-
tur- und Sittengefchichte; wir ftimmen diefem Urtheil
bei, wenn auch nicht alles hier Erzählte für den den
Verhältnifsen ferner Stehenden dasfelbe Intereffe hat.
Dabei hat die nach Chronikenart immer von einem aufs
andere abfpringende Erzählung mit Anführung von vielen
Einzelheiten, die denn doch oftmals, wie z. B. die
Mittheilungen von gegen Gemeindeglieder, gegen das