Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1880 Nr. 15

Spalte:

347-349

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Löhr, Zur Frage über die Echtheit von Jesaias 40 - 66. Ein realkritischer Beitrag. 2. u. 3. Hft 1880

Rezensent:

Guthe, Hermann

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

347

Theologifche Literaturzeitung. 1880. Nr. 15.

34»

punktirte Abfchnitte aus den Evangelien und der Apoftel-
gefchichte.

Dies der überaus reiche und mit grofser pädagog-
ifcher Einficht geordnete Inhalt des Büchleins. Wir
hegen die fehle Ueberzeugung, dafs dasfelbe fich jedem
Lehrer, auch dem weniger fähigen und kundigen, als
vorzüglicher Leitfaden des Unterrichts bewähren, dafs
es dem Schüler Intereffe und Freudigkeit einflöfsen wird,
und dafs es geeignet ift, ein ficheres und abgerundetes
Wiffen zu vermitteln, welches als Grundlage jeder Erweiterung
des hebräifchen Sprachftudiums auf der Uni-
verfität dienen kann. Es ift deshalb dringend zu wün-
fchen, dafs das Schulbuch — bisher nach dem amtlichen
Ausweis des Centraiblattes nur in 19 Schulen
Freufsens eingeführt — die weitefte Verbreitung finde
und vor allem ältere und veraltete, aber noch weit verbreitete
Bücher, wie Heiligftedt, Seifer, Vofen, ablöfe.

Die Ausheilungen und Defiderien, die wir anzumerken
fanden, betreffen nur Einzelheiten, wir übergehen
fie deshalb hier, um fie dem Bearbeiter behufs
Berückfichtigung bei der nächften Auflage zur Verfüg-

ders formulirt III, S. 11). Bei den übrigen Propheten
entdeckt der Verf. neben der 2 oder 4 die Zahl 3 oder
5 als Schema der Rede, hingegen ift in Jef. 40—66
die Gliederung nach der Zahl 4 vorherrschend. —
,Zweifellos gewifs' wird die Echtheit von Jef. 40—66
aber dadurch, dafs gemäfs der richtigen Einficht in
die Anlage der prophetifchen Reden des Jef. C. 38 f.
und C. 40-66, wie Gerichtsverkündigung und Heilsvcr-
kündigung, aufs enghe zufammengehören und das 5. Buch
der jef. Prophetieen bilden; da nun C. 38 f. von Jef.
herrühren, weil C. 36 f. echt find, fo folgt daraus auch
die Echtheit von C. 40—66 (III, S. 1 —13). Die dann
ebenfalls nothwendige Echtheit von C. 34 f. und C. 24—
27 erreicht der Verf. durch Leugnung des efchatologifch-
apokalyptifchen Charakters derfelben, indem er darauf
aufmerkfam macht, dafs die ,Propheten nicht fo, wie der
Realismus der Theologie, am Buchftaben überall hängen
bleiben, fondern, des Geiftes voll, das Wefen der Dinge
durchfehauen und fich überall frei bewegen' (III, S. 23).
Affur ift dem Jefaias das Weltreich überhaupt und daher
mit Babel identifch und umgekehrt. C. 34 f., fowie

ung zu ftellen. Die Weidmann'fche Buchhandlung, in j C. 24—27 find vor, C. 40—66 ,alsbald nach Äffurs Fall'
deren Verlag das Schulbuch mit der neuen Auflage über- j (foll heifsen: Sanherib's Niederlage) verfafst, die Anord-
gegangen ift, hat demfelben eine gute Ausftattung zu nung im Buche ift daher wefentlich chronologifch.
Theil werden laffen. Der Druck ift verhältnifsmäfsig Der Verf. verrichtet, wie man fleht, mit dem von

fehr correct zu nennen: an Druckfehlern finden wir
aufser den S. 142 verbefferten noch anzumerken: S. 1
Col. 2. Z. 10 v. u. lies -in»; S. 36 Z. 8 v. o. lies -]bnnn;
S. 38 Z. 2 lies n«iss S. 51 Z. 8 v. u. lies htV; S. 53 Z. 6
Col. 6 lies wn; Z. 9 Col. 4 lies aro; Z. ii Col. 8 lies
onAr; S. 87 Z. 4 v. u. lies Pinto.

Bonn. Carl Budde.

Lohr, Paftor, Zur Frage über die Echtheit von Jesaias 40

— 66. Ein realkritifcher Beitrag. 2. u. 3. Hft. Ber-
lin ,879 u. 80, Wiegandt & Grieben. (74 u. 5, S. j g^fL?^

ihm entdeckten Gefetz der jef. Rede Wunderdinge.
Allein diefe Entdeckung bildet er fich ein und wird
fchwerlich bei andern für diefelbe Glauben finden. In
der einzigen genau nach der Zahl 4 durchgeführten Ana-
lyfe der erften 12 Cap. werden fo erflaunlich ungleiche
Theile zu einander in Parallele geftellt, dafs der genau
nacharbeitende Lefer fehr bald das Vertrauen zu der
Führung des Verf.'s verliert. Was fich nicht in das erkorene
Schema einfügt, wird als .Anhang' oder als .Application
' der Weiffagung bezeichnet, aber ftets als an

I Schema aus dem Zweck der prophetifchen Rede begr
. 8.) M. 2. 25. j greiflich gemacht. Im 2. und 4. Buche findet der Verf.

Aus den .Hauptgedanken der Jefaianifchen Prophe- bereits ,die 5', diefe ,5 ift in C. 40—66 zur 10 geworden;
tie' in C. 1 — 39 (II, S. 1—15) wird S. 15 — 24 der .Grund- denn die beiden Stücke diefes Theiles, C. 40—54 und
gedanke' derfelben gewonnen, ,das Heil kommt; denn C. 55—66, enthalten je 10 Reden' (III, S. 45). C. 40
das Gericht, das bevorfteht, ift nur der Weg zum Heil, , —66 zerfallen aber ,nicht blofs in 2, fondern andererfeits
ja der Anfang des Heils'. Hingegen wird der .Grundge- j auch zugleich (!) in jene 3 bekannten Stücke C. 40
danke der übrigen vorexilifchen und exilifchen Prophe- I —48, 49—57, 58—66. Die 3 ift neu bei Jef.' — man
ten' S. 24—39 darin erkannt, dafs fie ,das Gericht pre- j follte meinen, fie dürfe neben der den Jef. von anderen
digen'. So macht Joel die .Heilsverkündigung zum I Propheten unterfcheidenden 4 gar nicht vorkommen

blofsen Motiv für den Ruf zur Bufse'. .Micha's Grund
gedanke ift der gerade entgegehgefetzte des Jefaias.
Diefer verkündigt: Das Heil kommt, wenn auch erft
durchs Gericht! Micha: Wenn das Heil auch kommt,
fo kommt es doch erft durchs Gericht. Micha braucht
die Heilsverkündigung als Beweis für das Nahen des Ge

aber diefe Gliederung entwickelte fich wieder von felber
aus der Sache felbft'; denn .nachdem der Prophet erkannt
hatte, dafs aufser und neben dem Meffias noch ein anderer
Heilsmittler erfcheinen werde, fpaltete fich ihm nothwen-
dig die Negative des Heils in die Erlöfung von dem
äufsern Weltreich, und in die Erlöfung von dem innern

führliche Weife der Heilsverkündigung in Ezechiel
C. 25-48 erklärt fich daraus, dafs nach der Vollendung
des Gerichts nichts Anderes mehr möglich war, als Heils

richts'. Jeremias bewegt fich auf dem Gebiet der j Weltwefen, der Sünde'. Die pofitive Seite des Heils
Gerichtsverkündigung verhältnifsmäfsig felbftändig; ' dazu gezählt, ergiebt die Zahl 3! Vgl. III, S. 48. —
aber die Heilsverkündigung ift fo wenig fein Feld, dafs i Viel nützt dem Verf. für feinen Zweck noch das andere
wo der Geift Gottes ihn treibt, das Heil zu verkündigen, ' Mittel, nämlich zu unterfcheiden zwifchen dem Sinn,
er nur reproducirt, was er bei Jef. gelefen'. Die aus- ! ,den die menfehlichen Autoren etwa mit ihren Worten

1 verbanden', und dem, ,den der göttliche Autor ausgedrückt
hat' (II, S. 52 f., III, S. 29. 33). So lieft der
Verf. entweder feine eigenen Ideen, unter denen ich her-
verkündigung. Die dem Jefaias aTfo eigenthümliche vorhebe, dafs Jef. fich für eine typifche Incarnation des
Heilspredigt finden wir in C. 40—66 im höchften Mafse, i Meffias hielt' (III, S. 39), oder die eines von ihm ange-
fehr wahrfcheinlich find fie daher von Jef. verfafst. — nommenen theologifchen Syftems in die Reden des Jef.
Dasfelbe Refultat ergiebt eine Vergleichung der .Form j hinein. Geleitet hat ihn hauptfächlich Hengftenberg.
der Jefaianifchen Rede' in C. 1—39 mit der in C. 40—66 Was diefem nicht gelungen ift, das möchte er erreichen,
und bei den übrigen Propheten vorliegenden (II, S. 39 nämlich den Bann des Rationalismus, der noch immer
—74; vgl. III, S. 41—48). Die Rede des Jef. befteht aus , auf der Theologie liegt, zu brechen. Denn ,es ift den
lauter Syzygieen oder Doppelgliedern, fo dafs die i grofsen Gottesmännern, welche Gott Mitte unferes Jahr-
,Grundzahl, welche die Geftaltung der Rede normirt, hunderts gefandt hat, über Allen Hengftenberg, es ift
ftets die 4 ift'. Jedes Buch des Propheten (C. 1—6, 1 ihnen nicht gelungen, diefen Bann ganz zu brechen' (III,
C. 7—12, C. 13—27, C. 28-37, C- 38—66) wird in 4 S. 26). Die .hiftorifche Kritik' erhält ihre Lection nach
Stücke, jedes Stück oder jede Hälfte eines Stückes den Dogmen Hegel'fcherGefchichtsconftruction (II,S.66);
in 2 oder meiftens 4 Doppelglieder zerlegt (etv/as an- | die .altteftamentliche Erkenntnifsfchranke' wird gelegent-