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Ausgabe:

1880

Spalte:

345-347

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hollenberg, Wilh.

Titel/Untertitel:

Hebräisches Schulbuch. Bearbeitet von Joh. Hollenberg. 4. Aufl 1880

Rezensent:

Budde, Karl

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Theologische Literaturzeitung,

Herausgegeben von Prof. Dr. E. Schür er in Giefsen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'iche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 15. 17. Juli 1880. 5. Jahrgang.

Hollenberg, Hebräifches Schulbuch, 4. Aufl.
(Budde).

Lohr, Zur Frage über die Echtheit von Jefaias

40—66, 2. u. 3. Hft. (Guthe).
Bredenkamp, Vaticinium quod de Immanuele

edidit Jesaias (Guthe).
Schult ze, Archäologifche Studien über alt-

chriftliche Monumente (Overbeck).
Duchesne, Btude sur le Liber pontificalis

(Harnack).

Wolfsgruber, Giovanni Gerfen, fein Leben
und fein Werk De imitatione Christi (Möller).

Tollin, Servet und die oberländifchen Reformatoren
, i.Bd.: Servet und Butzer (Möller).

Reufch, Der Procefs Galilei's und die Jefuiten
(Möller).

Iken, Joachim Neander, fein Leben und feine

Lieder (Ritfehl).
Schnabel, Die Kirche und der Paraklet, eine

bililifche und kirchengefchichtliche Unter-

fuchung (Ritfehl).

Lange, Chriftliches Handbuch zu Haus-Andachten
auf jeden Tag des Jahres (P. Wetzel).

Krekeler, Erklärung des heiligen Vaterunfers
(Derf.).

Wiener und Leonhardi, Am heiligen Herde,

Hausandachten (Derf).
Müller, Religiöfe Volksfchriften, I. und 2.

Bdchn. [Das Gebet des Herrn. Das Gleichnifs

vom verlorenen Sohn.] (Härtung).
Akten des zweiten internationalen Congrefses

für Sonntagsfeier, gehalten in Bern etc.

(Härtung).

Wiefe, Renaiflance und Wiedergeburt (Härtung).

Hollenberg, Gymn.- Dir. Lic. Dr. Wilh., Hebräisches
Schulbuch. Bearbeitet von Gymn.-Oberlchr. Joh. Hollenberg
. 4. Aufl. Berlin 1880, Weidmann. (VIII,
141 S. gr. 8.) M. 2. 40.

Ein in weiten Kreifen anerkannter und fchmerzlich
empfundener Uebelftand ift die ftiefmütterliche Behandlung
des hebräifchen Unterrichts auf unferen Gymnafien.
Der untergeordnete Rang eines blofs facultativen Lehr-
gegenftandes, die kärgliche Bemeffung der darauf verwendeten
Zeit — mtift ein nur dreijähriger Curfus von
wöchentlich zwei möglichlt ungünftig gelegenen Stunden
— diefe Umftände erklären es ausreichend, weshalb
fo viele Abiturienten mit höchft mangelhaften Kennt-
nifsen in der hebräifchen Sprache die Univerfttät beziehen
. So fleht fleh der Docent genöthigt, in feinen Vorträgen
einen Theil feiner Zeit mit der Erklärung elementarer
Erfcheinungen hinzubringen; der Zuhörer
braucht unverhältnifsmäfsig viel Zeit zur Vorbereitung
oder erlahmt in feinem Intereffe; nur der kleinere Theil
der Studirenden ergänzt durch energifchen Fleifs die von
dem Gymnaflum gelaffenen Lücken: und die Univerfität
mufs wiederum eine grofse Anzahl mangelhaft vorgebildeter
Lehrer zum hebräifchen Unterricht entlaffen.
So vollzieht fleh immer von neuem ein höchft unerfreulicher
Kreislauf. Ift es nun nicht fo leicht, die gerügten
Uebelftände zu befeitigen, fo mufs vor allem darauf
hingearbeitet werden, die knapp zugemeffene Zeit nach
Möglichkeit auszunutzen, durch Befchränkung und Con-
centration des Stoffes, durch zweckmäfsige Darreichung
desfelben. Diefen Anforderungen entfpricht das Hollen-
berg'fche Schulbuch in feiner neuen Auflage in hohem
Malse, gewifs in höherem, als irgend eines der fonft
exiftirenden,. auch der neuerdings erfchienenen, hebräifchen
Elcmentarbüchcr. Der Verf. will darin alles geben,
was für den elementaren Unterricht in der hebräifchen
Sprache, namentlich für das Ziel des Abiturientenexamens
auf dem Gymnaflum, erforderlich ift; von dem fubfi-
diären Gebrauch. einer Grammatik, eines Vocabulari-
ums etc. fleht er völlig ab. Dafs diefes Verfahren, mit
der nöthigen Sprachkenntnifs und pädagogifcher Einfleht
gehandhabt, unter den gegebenen Umftänden das
richtige ift, erfcheint uns kaum zweifelhaft. — Das Buch
zerfällt in vier Theile. S. 1 —15 geben ein Vocabula-
rium, im ganzen alphabetifch, im einzelnen nach Stämmen
geordnet, abgetheilt in 60 Lectionen von je 15 —
20 Wörtern. Der gebotene Vocabelfchatz mufs als be-
fonders umfichtig gewählt bezeichnet werden. Der zweite
Theil (S. 16—83) bietet unter dem befcheidenen Titel

,Grammatifches' eine zufammenhängende Elementargrammatik
, die letzten 22 Seiten bringen die Paradigmen.
Ift es fchon ein nicht geringer Vorzug, dafs der Lehrer
hier mit den zahlreichen falfchen oder fchiefen Angaben
mancher ähnlicher Bücher verfchont bleibt, fo verdient
der Abfchnitt überdies wegen der Kürze, Schärfe, Fafs-
lichkeit und überfichtlichen Anordnung der Regeln
warme Anerkennung. Der Bearbeiter folgt in der neuen
Aufl. im Allgemeinen den Olshaufen'fchen Principien
und hat fleh die grofsen Fortfehritte, welche die he-
bräifche Schulgrammatik in neuefter Zeit den Arbeiten
von Kautzfeh und A. Müller zu verdanken hat, auf
das befte zu Nutze gemacht, fodafs der Lehrer, wo
es ihm nöthig fcheint, leicht nähere Erklärungen ein-
fchalten kann, und der Schüler ohne Mühe nach Bewältigung
des Schulbuches eine eigentliche Grammatik
wird gebrauchen lernen. Der Abfchnitt ,zur Syntax'
hat in der neuen Auflage eine dankenswerthe Bereicherung
erfahren (wefentlich nach A. Müller), die Paradigmen
find aufs neue forgfältig durchgearbeitet worden.
Der dritte Theil enthält die Üebungsftücke. Der Fleifs
und die Sorgfalt, die der Bearbeiter diefem überaus
wichtigen Abfchnitt hat angedeihen laffen, können nicht
genug anerkannt werden. Von Anfang an ift jede
grammatifche Erfcheinung vermieden, welche nicht aus
den vorausgefetzten grammatifchen Abfchnitten erklärt
werden kann; die mäfsige Anzahl von Vocabeln, welche
die grammatifchen Regeln begleitet und über jeder
Gruppe von Uebungsftücken fteht, reicht völlig für die
letzteren aus. So bietet Bearbeiter jedesmal eine doppelte
Serie von deutfehen Stücken zum Ueberfetzen ins
Hebräifche, von denen die mit derfelben Nummer unter
a. und b. bezeichneten mit genau demfelben Vocabelfchatz
haushalten*); ferner von Anfang an leichte un
punktirte Sätze, aus dem geläufigen Material gebildet,
und eine Strecke weit punktirte Stücke zum Ueberfetzen
in das Deutfche. Die Stücke zur Einübung des Nomen
(S. 101—106) fetzen nur Marke Verbalformen voraus,
fodafs es dem Lehrer ermöglicht ift, nach Gutdünken
von dem (Parken Verbum fogleich zum Nomen überzugehen
. Die Aneignung der bei den Uebungsftücken
verwendeten Vocabeln kann durch Memoriren des Vo-
cabulariums controlirt werden, und umgekehrt. Der
vierte Theil endlich (S. 107—141) bietet eine gute und
reichhaltige Auswahl von Lefeftücken aus dem Alten
Teftament von progrefflver Schwierigkeit und, als Zugabe
der neuen Auflage, auf den letzten 5 Seiten un-

*) eventuell für einen doppelten Curfus eingerichtet.

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