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Ausgabe:

1879

Spalte:

145-147

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ryssel, Carl Vict.

Titel/Untertitel:

De Elohistae Pentateuchici sermone commentatio historico-critica 1879

Rezensent:

Kautzsch, Emil

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von Prof. Dr. E. Schür er in Giefsen.
Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 7. 29. März 1879. 4. Jahrgang.

Ryssel, De Elohistae Pentateuchici sermone j Parkman, Die Jefuiten in Nord-Amerika im

(Kautzsch). fiebzehnten Jahrhundert (Plitt).

Martin, Le Pseudo-Synode connu dans l'his- Sohm, Zur Trauungsfrage (Koehler)

toire sous le nom de Hrigandage d'Ephese
etudif- d'apres ses actes retrouves en Syriaque.
(Weizsäcker).
Loening, Gefchichte des deutfchen Kirchenrechts
, 1. u. 2. lid. (Carl Müller).

Steimneyer, Beiträge zur praktifchen Theologie
. IV: Die fpecielle Seelforge in ihrem Ver-
hältnifs zur generellen (Wächtler).
Windel, Beiträge aus der Seelforge für die Seelforge
, 4. Heft (Derf).

Martens, Keftblüthen aus den Sonntags- und
Fefttags-Evangelien des Kirchenjahres, I. Thl.
(Carftens).

Niemann, Altes und Neues in Vorträgen und

Abhandlungen (Mangold).
Zionsrofen, Poetifche Blüthen aus dem Reiche

Gottes, eingeleitet von Funcke (Lindenberg).

Ryssel, Oberlehr. Lic. Dr. Carl Vier.., De Elohistae Pentateuchici
sermone commentatio historico-critica. Leipzig
1878, Fernau. (IV, 92 S. gr. 8.) M. 2. —
Die vorliegende Inauguraldiffertation ift ein fehr ver-
dienftlicher Beitrag zur Löfung der brennenden Streitfrage
über den Charakter und die Entftehungszeit des
bisher fogen. erften) Elohiften; der Verf. verdient für
feine minutiöfe und mühevolle Unterfuchung auch von
folchen den wärmften Dank, welche die von ihm felbft
gezogenen Folgerungen nicht alle zu theilen vermögen.
tt Wie der Titel befagt, erftreckt fich die Unterfuchung
vor allem auf den fprachlichen Charakter des Elohiften.
Nach einem Ueberblick über den bisherigen Gang der
Pentateuchkritik (p. i —12) wird zuerft die Frage erörtert
, ob und wie weit aus dem fprachlichen Charakter
eines Buches die Entftehungszeit erfchloffen werden
könne (p. 13—18). Refultat: auch nach Abzug aller in
Betracht kommenden Factoren (Benutzung älterer Quellen
, Nachahmung älteren Stils u. f. w.) bleiben gewiffe
untrügliche Merkmale, die ein beftimmtes Urtheil ermöglichen
. So ergeben fich für das Hebräifche in der
Hauptfache drei Zeitalter (p. 19—33): die erftc Periode
von Anfang bis ca. 700 zeigt abgefehen von gewiffen
Producten des nördlichen Reiches faft noch gar keinen
Kinflufs des Aramäifchen. In der zweiten Periode von
700 bis Ende des Exils macht fich diefer Einflufs immer
ftärker geltend; zur erften Hälfte diefer Periode (bis ca.
630) rechnet der Verf. Nahum, Zephanja und das Proö-
mium der Proverbien, zur zweiten das Deuteronom, Jcre-

brauchs nicht zu leugnen, obfehon fie nur in wenigen
(bef. den auf das Detail der Stiftshütte und des Cultus
bezüglichen) Partien in Betracht kommen. Dagegen behauptet
der Verf. p. 69 ff. in Bezug auf die copia verbo-
rum (alfo die lexikalifche Seite) einen merklichen Unter-
fchied zwifchen dem Elohiften und Esra-Nehemia. Ara-
maismen finden fich zwar auch bei erfterem, feien aber
noch kein Beweis für nachexilifche Abfaffungszeit. Vor
allem weift der Verf. durchaus die Behauptung Well-
haufcn's zurück, dafs fich Aramaismen auch in den hifto-
rifchen Partien des Elohiften fänden; fo fei z. B. K*ia,
wie qm vielmehr erft aus dem Hebräifchen ins Aramä*-
ifche übergegangen; wenn fich fonft elohiftifches Sprachgut
befonders in den fpäteften Büchern findet, fo beruhe
dies auf Entlehnung ausdemlängfthochangefehenenGefetz-
buch (ein Argument, welches allerdings auf eine petitio
prineipii hinauskommt); einzelnes, wie z. B. Tis, das fich
im Pentateuch nur bei dem Elohiften findet, gehöre einem
besonderen Dialekt an. So ergiebt fich auch von dieferSeite
das Refultat, dafs abgefehen von einzelnen Partien befonders
des Buches Numeri nichts dazu nöthigt, bei der
Anfetzung des Elohiften über die zweite Periode der
Sprache herabzugehen. Aber auch diefes Ergebnifs bezieht
fich nur auf die eigentlich legislativen Beftandtheile,
alfo Ex. 12 (zum Theil), 25—31. 35—40. Lev. 5. 7 — 10.
13. 16. 25. 27. Num. 1 —10, 28. 15—19. 26 ff., und felbft
in diefen laffen fich ziemliche Differenzen nachweifen, fo
dafs unmöglich für alle diefelbe Entftehungszeit behauptet
werden kann. Ganz anders verhält es fich dagegen
mit den gefchichtlichen Partien in Genefis und Exodus.

mia, Ezechiel, Haggai und Sacharja. Die dritte Periode Diefe entbehren nach p. 79 gänzlich der Spuren eines

zerfällt gleichfalls in zwei Zeiträume; dem erften gehören
die authentifchen Beftandtheile der Bücher Esra und
Nehemia, dem zweiten die Rcdaction diefer Bücher, die
Chronik, Koheleth, Efther und Daniel an. Das Problem
ift fomit nach p. 33, ZU erforfchen 1) welches find die
unzweifelhaften Kennzeichen des nachexilifchen Sprachgebrauchs
? 2) finden fich fichere Spuren von folchen
Kennzeichen bei dem Elohiften? Als Hülfsmittel zur

fpäteren Zeitalters, vielmehr priscae vetustatis abuitdant
ti/dnds'; daher auch ihre merkwürdige Uebereinftimmung
mit dem fprachlichen Charakter des Jehoviften. Ueber
die Gefammtredaction urtheilt der Verf. (p. 82), dafs
die des Elohiften bereits abgefchloffen war, als er mit
den übrigen Quellen des Pentateuch vereinigt wurde;
finden fich für die Geltung des Prieftercodex fichere
Spuren erft nach dem Exil, fo beweife das nichts gegen

Löfung der erftgenannten Frage ift auch die Mifchna und fein Vorhandenfein, zumal ihn bereits das Deuteronom

fogar der seder btäm herbeizuziehen. Den Kern der Un- benutze und Ezechiel vorausfetze.

terfuchung bringt fodann der folgende Abfchnitt (p. 39 ff-) Zu ganz befonderem Lobe gereicht es den Ausin
einer fprachlichen Statiftik, die durch ihre Gründlichkeit führungen des Verf.'s, dafs fie nicht advocatenhaft auf-
undSachkenntnifs, wie durch ihre methodifche Anordnung treten, fondern den Thatbeftand mit einer fo ruhigen

der Schule Fleifcher's u. Delitzfch's alle Ehre macht. Und
zwar werden der Reihe nach die charakteriftifchen Eigen-
thümlichkeiten der Nominal- und Verbalbildung, der
Pronomina und Partikeln, fodann der Syntax des dritten
Zeitalters erörtert und mit dem Befund der Sprache des
Elohiften verglichen. So gelangt der Verf. p. 68 zu dem
Refultat- der fprachliche Charakter des Elohiften ver

Objectivität darlegen, dafs dem Lefer unter Umftänden
ermöglicht wird, andere Confequcnzen aus dem Thatbeftand
zu ziehen, refp. die des Verfaffers in mehrfacher
Hinficht zu ergänzen. Nach allem Obigen kann doch
wohl die Meinung des Verf.'s nur die fein: der fog.
Elohift beftehe aus einer Anzahl fehr verfchiedener
Stücke. Die älteften derfelben, die hiftorifchen entweift
dcnfelben in den zweiten Zeitraum; doch find in t flammen einer Zeit, die der Abfaffung der jehovift'ifchen
einzelnen Punkten die Spuren nachexilifchen Sprachge- Quelle wohl noch voranging; dagegen gehört die Haupt-

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