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Ausgabe:

1879

Spalte:

125-127

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Fechtrup, Bernh.

Titel/Untertitel:

Der heilige Cyprian. Sein Leben und seine Lehre 1879

Rezensent:

Harnack, Adolf

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1 neologifche Literaturzeitung. 1879. Nr. 6.

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Angeführten (S. 35—65). Den Abfchlufs bildet eine
kurze ,zufammenfaffende Beurtheilung' (S. 65—68).

Zum Schlufs noch einige Einzelheiten. S. 18, der
Abhandlung über das heil. Abendmahl liefs Joh. Buxtorf
Sohn fpäter eine .Vindicatio' folgen, die z. B. in feinen
Disscrtationcs philologico-tlicologicae Baf. 1657, S. 336—396
gedruckt ifl. S. 53, bei Erwähnung des Codex des Hillel
wird aus des Ref. PrOlegomni. crit. in Vet. T. Hebr. (Lpz.
1873) ,S. 15 ff.' citirt, während die wichtigflen Angaben
S. 112 ff. flehen. — Druckfehler: S. 2, Anm. lies i689;
S. 16 Anm. »iTOipirt; S. 24, Anm. 2 L 1660; S. 31, Anm.
5 1. ,Cap. 11' (nicht 2); S. 50 Text, Zeile 7 v. u. lies
beidemal H*ii S. 65, Capitelüberfchrift, 1. IX; S. 66,
Anm. Z. 5 1. 1873. — Die Ausftattung ifl gut; doch ver-
mifst Ref. Inhaltsangabe und Regifler.

Berlin. Hermann L. Strack.

Fechtrup, Lic. Bernh., Der heilige Cyprian. Sein Leben
und feine Lehre. I. Cyprian's Leben. Münder 1878,
Theiffing. (VIII, 264 S. gr. 8.) M. 5. —
Eine pünktliche Unterfuchung und umfaffende Dar-
dellung des Lebens und der Kämpfe Cyprian's id auch
nach der letzten eingehenden, aber tendenziöfen Arbeit
von Peters (1877) nicht überdüffig. Die Aufgabe darf vielleicht
als die befriedigendde bezeichnet werden, die auf j
dem Gebiete der älteden Kirchengefchichte gedellt werden
kann; denn in der Brieffammlung Cyprian's liegt i
ein fo reiches Material befonders für die JJ. 250 und
251 vor, dafs hier wirklich erreichbar id, worauf fond
überall verzichtet werden mufs — Gefchichte zu fchrei-
ben, nicht nur Hauptactionen zu ermitteln. Dazu kommt,
dafs die Werke Cyprian's in der vorzüglichen Hartel-
fchen Ausgabe vorliegen. Diefe id von Fechtrup natürlich
zu Grunde gelegt worden. Aber nach einer folchen
Vorarbeit hätte man eingehendere Unterfuchungen über
die Ueberlieferung der Werke Cyprian's, namentlich der i
Briefe erwarten dürfen. Die Prolegomena von Härtel
(T. III, p. Wsq. p. XXVI sq.) orientiren fo volldändig über
dieHandfchriften, dafs es nun möglich und deshalb geboten
war, jene Aufgabe in Angriff zu nehmen. Der ältede Codex
'für einen Theil der Briefe dämmt aus dem 6. Jahrh.;
andererfeits find in den Briefen Cyprian's felbd eine
Reihe von Angaben über die Sammlung feiner Briefe.
So hatte man in Rom bereits am Ende d. J. 250 die in
unferer Sammlung unter Nr. 5 — 37 dehenden Briefe
fämmtlich mit Ausnahme des 29. und 32. (f. 20, 2. 27, 3.
35. Nach cp. 45, 4, gefchrieben im Frühling 251, hat
Cyprian auch die Briefe 41. 43 nach Rom gefchickt).
Auch in Carthago befafs man fchon i. J. 250 im kirchlichen
Archive Briefe Cyprian's, die nicht an den carthag.
Clerus und die Gemeinde gerichtet waren mach ep. 26
die Briefe 24. 25; nach ep. 29 den 28. Brief und den
verlorenen, deffen Antwort er id; nach ep. 32 die Briefe
27. 30. 31). Eine Unterfuchung über die in der Brieffammlung
erwähnten, aber nicht mit aufgenommenen
Briefe hätte viel Licht gefchafft und wäre nach der
gründlichen Vorarbeit von Ca spar i (Tauffymbole III
§. 437 f.), die doch an manchen Stellen und nicht nur
ihrer zahlreichen Druckfehler wegen zu revidiren gewefen
wäre, keine fchwierige Arbeit mehr gewefen. Es hätte
fich hier beifpielsweife fofort ergeben, dafs fchon Hieronymus
nur 8 Briefe des Cyprian an Cornelius gekannt
hat (de vir. iti. 66), d. h. eben diefelben, welche wir
(Nr. 44. 45. 47- 48. 51. 52. 59. 60) in der Sammlung lefen,
während Cyprian höchft wahrfcheinlich mehr Briefe an
diefen Bifchof gerichtet hat (der 57. Brief id von Cyprian
und dem afrikanifchen Clerus). Mit diefer Unterfuchung
wäre eine Beurtheilung der Sammlung von Actendücken j
in der novatianifchen Angelegenheit zu verbinden ge- I
wefen, welche fich auf der Bibliothek, zu Cäfarea befand ;
und von Eufebius durchblättert worden id (h. e. VI, 43).
In diefem Bande danden neben den griechifchen Schreiben
des Cornelius Briefe ,in lateinifcher Sprache von
Cyprian und feinen Mitbifchöfen in Africa, aus welchen
fich ergiebt, dafs auch de darüber einverdanden feien,
dafs denen Hülfe werden müffe, die in Verfuchung ge-
rathen feien, und dafs der Urheber diefer Ketzerei und
mit ihm alle feine Anhänger mit allem Recht aus der
katholifchenKirche ausgefchloffen werden follen'. Welche
Briefe diefe dnd, kann unfehwer ermittelt werden. Endlich
hätte in diefem Zufammenhang die intereffante Frage
erörtert werden müffen, warum in der Sammlung kein
Brief des carthaginienfifchen Clerus an Cyprian Aufnahme
gefunden hat. Alle folche Fragen fich zu dellen und
zu unterfuchen, hat der Verf. vermieden; in Bezug auf
die intereffanten Probleme, welche durch die Sagen vom
Magier Cyprian bezeichnet find, verweift er uns auf
den folgenden Band (S. 3 n. 1). Dagegen foll nicht in
Abrede geftellt werden, dafs er fich um die Chronologie
fteifsig bemüht hat, allerdings auch nicht fo umfaffend,
wie es nöthig gewefen wäre; denn betreffs der Chronologie
der gleichzeitigen römifchen Bifchöfe hat er fich
wefentlich an Lipfius angefchloffen und die Chronologie
der Imperatoren hat er aufser Acht gelaffen. Aber
feine Anfätze für die Briefe find faft durchweg richtig.
Vorzügliche ältere Arbeiten waren dem Verf. hier zur
Hand und der Gang der Entwickelung felbft ifl an fich
wünfehenswerth durchfichtig. S. 28 f. fucht F. nach-
zuweifen , dafs die chronologifch richtige Stellung der
Briefe 5—19 diefe fei: 5—7. 13. 14. 12. 11. 10. 15—19;
davon feien die Briefe bis ^12 (incl.) vor April 250, der
11. beim erften Beginn des neuen Verfolgungsactes, die
übrigen bis JuliAug. 250 gefchrieben. Ich laffe es
hier dahingeftellt, ob diefe Anordnung zutreffend ift.

Aus der Arbeit Fechtrup's vermag man fich über
das gefchichtliche Material wohl zu orientiren. Die Darfteilung
ift ausführlich und gefchmackvoll. Reichliche
Excerpte aus den Schriften C.'s find ihr einverleibt; aber
der Verf. hat hier das richtige Mafs innegehalten. Die
Dispofition des Stoffs in 4 Zeiträume ift fachgemäfs; auch
im Einzelnen herrfcht überall Ordnung. Der Verf. bemüht
fich durchweg, unparteilich die Gefchichte zu be-
urtheilen und hütet fich vor den Ausfchreitungen der
curialiftifchen Gefchichtsbetrachtung. Aber doch fehlt
feiner Arbeit vieles, um als ausreichende Darfteilung
jener kurzen Epoche gelten zu können; ja nicht einmal
einen wefentlichen Fortfehritt über die Unterfuchungen
der Vorgänger vermag Ref. in derfelben zu conftatiren.
Sind die Hauptaufgaben, deren Erledigung gefordert
werden durfte, die gründliche Darfteilung der Verfolg-
ungsedicte und Verfolgungszeit unter Decius, Gallus und
Valerian, der Kampf um die diseiplinäre Behandlung der
Gefallenen und damit im Zufammenhang die Entwicklung
der kirchlichen Verfaffung, endlich der Ketzertauf-
ftreit, fo darf man fagen, dafs in Bezug auf keine diefer
Aufgaben der Verf. berechtigten Anfprüchen ganz genügt
hat. Was die politifche Gefchichte betrifft, fo hat er fich
faft lediglich auf die Angaben bei Cyprian felbft und
einige Notizen des alexandrinifchenDionyfius befchränkt.
Weder tritt das Eigenartige und Neue der kaiferlichen
Politik in diefen Jahren deutlich hervor, noch ermöglicht
er ein pünktliches Urtheil über die Art der Ausführung
der kaiferlichen Edicte. Die carthaginienfifche und römifche
Zucht-und Verfaffungskrife, die durch die decianifche Verfolgung
zum Ausbruch gekommen ift, hat der Verf. augenf
fcheinlich nicht hinreichend gewürdigt. Indem er darau-
verzichtet, ihre Vorgefchichte zu beleuchten und den ganzen
Streit fomit ifolirt, mufste natürlich das Wichtigfte dunkel
oder verdeckt bleiben. Die fchwierige Lage, in der
fich der Epifcopat den lapsi und confessores gegenüber
befand, leuchtet aber fofort ein , wenn man lieh erinnert
, dafs 1) noch zu jener Zeit, als Tertullian feine
letzten Schriften über die Kirchenzucht gegen die Pfy-
chiker fchrieb, die definitive Ausfchliefsung der zum
Götzendienft Abgefallenen nicht controvers gewefen