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Ausgabe:

1879

Spalte:

97-100

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kraus, Franz Xaver

Titel/Untertitel:

Roma sotterranea. Die römischen Katakomben. Eine Darstellung der älteren und neueren Forschungen, besonders derjenigen de Rossi’s. 2., neu durchgesehene u. verm. Aufl 1879

Rezensent:

Harnack, Adolf

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von Prof. Dr. E. Schürer in Giefsen.

Ericheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N9- 5. 1. März 1879. 4. Jahrgang.

takomben. 2. Aufl. (Harnack). neueren Wandlungen gewiffer naturwiffen-

Schulte, Die Gefchichte der Quellen und Lite- 1 fchaftlicher Begriffe (Gottfchick).

ratur des canonifchen Rechts von Gratian bis
auf die Gegenwart, 1. u. 2. Bd. (Zoepffel).
Natorp, Drei Blätter aus der Reformationsge-

fchichte Mährens (Möller).
Baumgarten, Ueber Sleidan's Leben und Brief-

wechfel (Briegerl.
Kym, Das Problem des Böfen. Eine metaphy-
fifche Unterfuchung (Kaftan).

Kraus, Roma sotterranea. Die römifchen Ka- | Flügel, Die Seelenfrage mit Rückficht auf die : Fauth, Die wichtigften Schulfragen auf dem

Boden der Pfychologie erörtert (Gottfchick).
Beffer, Morgen- und Abendfegen aus den Pfal-
Strümpell, Die Geifleskräfte der Menfchen men und Propheten an der Hand der Evan-

verglichen mit denen der Thiere (Gottfchick). I gehen und Epifteln des Kirchenjahres (Wächt-
Harnack, Praktifche Theologie. 2. Bd.: Gefchichte
und Theorie der Predigt. Gefchichte
und Theorie der pafloralen Gemeindeleitung
(Löber).

Zahn, Die chriflliche Heilslehre auf Grund der
Thaten Gottes dargeflellt (Löber).

ler).

Paulus Gerhardt, Gedichte. Herausgegeben

von Karl Goedeke (Bertheaub
Paulus Gerhardt's Geiflliche Lieder. Mit

Einleitung und Lebensabrifs von Karl Gerok

(Derf.).

Kraus. Prof. Dr. Franz Xav., Roma sotterranea. Die römifchen
Katakomben. Eine Darftellung der älteren und
neueren Forfchungen, befonders derjenigen de Roffi's.
Mit Zugrundelegung des Werkes von J. Spencer
Northcote, D. D., u. W. R. Brownlow, M. A. Mit
vielen Holzfchn. u. chromolith. Tafeln. 2., neu durchge-
fehene u. verm. Aufl. Freiburg i/Br. 1879, Herder.
(XXX, 636 S. gr. 8.) M. 12. —; geb. M. 15. —

Die Bereicherungen, welche diefe neue Auflage des
vorftehenden Werkes erhalten hat, hat fie vornehmlich
den neuen Forfchungen de Roffi's zu verdanken, welche
in dem 3. Bande der ,Roma Sotterranea1, und in den
neuen Jahrgängen des Pnllett. di archeol. cristiana niedergelegt
find. Aber auch die Entdeckungen und Unterfuchungen
anderer italicnifcher, fowie franzöfifcher, eng-
lifcher und deutfeher Gelehrten, unter welch' letzteren der
Verf. befonders V. Schultze namhaft macht, find be-
rückfichtigt worden. Vermifst habe ich nur die Abhandlungen
v. Engeftröm's {,0m Judarne i Rom under ä/dre
tider och deras Katakombe)*, Upfala 1876; f. diefe Ztfchr.
1876 Nr. 16) u. J. P. Rieht er's (D. Urfpr. d. abend-
ländifchen Kirchengebäude, Wien 1878). Somit ift das
Werk in diefer neuen Geftalt das z. Z. vollftändigfte Re-
pertorium für die Kenntnifs der römifchen Katakomben.

Der Verf. hat fleh nicht veranlafst gefehen, die in
der erften Auflage ausgefprochenen kritifchen und hifto-
rifchen Urtheile zu modificiren. Die neuen Entdeckungen
haben ihm faft durchweg und in den Hauptfragen überall
die bisherigen Refultate feiner Nachprüfungen be-
flätigt. Er war daher in der Lage, den Text der erften
Auflage beinahe überall unverändert wieder abdrucken
und denfelben lediglich durch gröfsere und kleinere Zu-
fätze bereichern zu können. Was das erftere betrifft, fo
find einige Fehler und Flüchtigkeiten auch in der zweiten
Auflage wiederholt worden. So wenn wir S. 40
lefen. Paulus habe den Hausgenoffen Cäfar's einen eigenen
Grufs gefandt faugenfcheinlich eine Vcrwechfelung; f.
Philipp. 4, 22) oder wenn S. 43 n. 2 gefagt wird, die
Anklage des T. Fl. Clemens auf contemptissima inertia
fei von Dio Caffius überliefert. Sehr mufs man es bedauern
, dafs der Verf. für das 2. Cap. des 1. Buches
(,Die politifche und fociale Lage der erften römifchen
Chriften'; faft keine der neueren Arbeiten benutzt hat. So
druckt er beifpielsweife S. 42 f. wiederum den von de
Roffi entworfenen, höchft problematifchen Stammbaum

im C. I. L. T. VI. zu nr. 948 eine ganz andere Stammtafel
aufgeftellt hat. Die Ausführungen des Verf.'s über
die juridifche Bafis der Chriftenverfolgungen und über
das römifche Begräbnifs- und Corporationswefen find
wenig befriedigend und ermangeln felbft da, wo fie
nicht falfch find, der nöthigen Akribie und Präcifion.
Ueberhaupt überall, wo es darauf ankommt, die chriflliche
und profane Literatur zur Löfung der antiqua-
rifchen Fragen herbeizuziehen, begnügt fleh der Verf.
mit dem Gewöhnlichften. Man kann aber nicht frühzeitig
genug davor warnen, dafs fleh nicht auf dem Gebiete
der älteften Kirchengefchichte die Klage erheben müffe,
die jetzt vielfach bei einflehtigen Philologen laut wird:
fie verfäumen über der reizvollen Unterfuchung der Monumente
das Studium der Literatur und gehen unvorbereitet
an die Erklärung der Denkmäler und Infchriften.
Zur Zeit fteht es, foweit meine Kenntnifse der älteften
chriftlichen Monumente reichen, noch immer fo, dafs der
fichere Ertrag der Katakombenforfchungen für die Gefchichte
der vorconftantinifchen Kirche zwar bereits
fchon ein höchft erfreulicher ift, aber doch nur einen
durchweg fecundären Werth behaupten kann. Es liegt
diefes nicht nur an der Unflcherheit der Kriterien zur
Beftimmung des Alters der Katakombenanlagen, Antiquitäten
und Infchriften, fo gewifs diefe Unflcherheit
immer zuerft geltend zu machen ift. Aus der neuen
Auflage des Kraus'fchcn Werkes ift zu erfehen, dafs fleh
in diefer Beziehung feit 1873 nur wenig geändert hat.
Von den etwa 13,000 chriftlichen römifchen Infchriften,
die bisher bekannt geworden find (bis z. 6. Jahrb..), find
kaum 1400 datirte und von diefen datirten gehören nur
nicht viel über 20 — wenn fo viele — den 3 erften
Jahrhunderten an. Ueberlegt man die Gründe, aus welchen
Kraus nach de Roffi zwei S. 66 abgedruckte, nicht
datirte Infchriften fpäteftens den erften Regierungsjahren
Trajan's zuweift, fo ftaunt man nur über die Oberflächlichkeit
des kurzen Raifonnements. Umgekehrt kann nicht
mehr in Abrede gefleht werden, dafs einige ficher zu
bezeichnende Katakombenanlagen dem 2. Jahrh. angehören
. Aber es ift zu befürchten, dafs diefe Erkenntnifs
zunächft noch nicht allgemeine Zuftimmung erhalten wird,
weil diejenigen, welche fie uns eröffnet haben, der fonft
beftehenden Unflcherheit auf diefem Gebiete noch keinen
deutlichen Ausdruck gegeben haben.

Indeffen — der grofse Katakombenforfcher de Roffi
unterfucht unermüdlich weiter und jedes Jahr bringt er
Neues und Intereffantes. Den Muth zur Arbeit und die

der Domitillen ab, ohne etwas davon zu erwähnen, dafs, J Zuverficht auf abfchlielsende Refultate hat er niemals
von anderen Unterfuchungen zu fchweigen, Mommfen 1 verloren; ja fie hat fich ihm in dem Grade gewiffer ge-
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