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Ausgabe:

1879

Spalte:

90-91

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ohly, Emil

Titel/Untertitel:

‘Dein Kind lebet!’ Sammlung von Reden an Kindergräbern 1879

Rezensent:

Wächtler, August

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80y Theologifche Literaturzeitung. 1879. Nr. 4. 90

matifchen Beweis aber mufs eine andere Grundlage gefucht jeder diefer Arbeit entgegenbringen, der Geh mit ab-
werden Das wäre vielleicht auch hier zur Klarftellung ftracten Unterfuchungen belchaftigt und weif», was für
„ekonimen wenn der Verf. einen andern Fehler des eine Rolle das Wort in denfelben fpielt. Jedoch kann
Kant'fchen Beweifes darin erkannt hätte, dafs Kant das < ich nicht finden, dafs das Buch von Lücken diefes In-
Sittengefetz als Ausflufs der praktifchen .Vernunft' be- | tereffe vollftändig befriedigt. Weniger deshalb, weil es
trachtet was wiederum mit dem Grundfehler feines bei grofsen Umnffen bleibt oder weil, wie der Verfaffer
Syftems'als eines ganzen, mit der unglücklichen Paral- ' felber fagt. die Unterfuchung häufig dann abbricht, wenn
lele zwifchen der reinen und der praktifchen Vernunft, fie gerade intereffant zu werden anfängt. Das liegt als
zufammenhängt. Aber das führt fich auf das oben über i unvermeidlich in der Natur des Unternehmens. Viel-
den Sprachgebrauch Bemerkte zurück. Es durfte nicht 1 mehr deshalb, weil man leitende Grundgedanken ver-
unerwähnt bleiben, wenn das Urtheil über die Schlufs- mifst, welche das Einzelne würdigen lehren und dazu
bemerkungen des Verf.'s begründet werden follte, dafs dienen, das mitgetheilte Wiffen zu einer fruchtbaren Ein-
die in ihnen ausgefprochene Empfehlung des gereinigten ficht zu entwickeln. Wenigftens die Ueberzeugung von
Beweifes für einen fo umfaffenden Gebrauch eine vor- dem Verhältnifs zwifchen Begriff und Terminus, welche
fchnelle ift. fich ihm unter der Forfchung gebildet hat, hätte der

Verf. an die Spitze ftellcn follen, um dann alles Einzelne
darauf zu beziehen. Und ein Verdienft um die

Bafel. J. Kaftan.

Eucken, Prof. Rud., Geschichte der philosophischen Ter

Sache hätte er fich erworben, wenn er weiter dem bis-
."v'"',"v"1^ r"""""!- 1 weüen angedeuteten Gedanken, dafs fich in den Ter-

m.nolog.e. Im Umnfs dargeftellt. Leipzig 1879, Veit ' ^ fo g* ^ ^ Begriffen cntwedcr unfere Auf_

& Co. (V, 226 S. gr. 8.) M. 4. — faffung der Dinge oder unfere Werthfehätzung derfelben
Der unlängft veröffentlichten .Gefchichte und Kritik oder aber beides zufammen ausfpricht, einen durch-
der Grundbegriffe der Gegenwart' läfst der Verfaffer in greifenden Einfluß auf die ganze Unterfuchung geftattet
diefer Gefchichte der philofophifchen Terminologie eine hätte. Denn dies Doppelte ift es doch fchliefslich, wo-
verwandte Arbeit folgen, welche aber ein viel gröfseres rauf folche hiftorifche Unterfuchungen abzwecken, dafs
Material in Betracht zieht und deshalb auch nur als eine wir lernen, einmal unfere Gedanken durch die Sache
Darfteilung im Umrifs auftritt. Beide Arbeiten find her- und nicht durch überlieferte Worte beftimmen zu laffen,
vorgegangen aus Forfchungen zur fyftcmatifchen Philo- fodann aber die Auffaffung fo wenig durch Werthurtheile
fophie, welche, wie es fcheint, in einer Gefammtge- beeinfluffen, als diefe durch widerftrebende Thatfachen
fchichte der philofophifchen Begriffe ihr nächftes, wenn erdrücken zu laffen. Nun entgeht dem aufmerkfamen
auch vorläufiges Ziel finden follen. Die grofsen Schwic- Lefer zwar nicht, dafs es gerade die ganz beftimmte
rigkeiten, die es für einen einzelnen Forfcher hat, eine Abficht des Verf.'s ift, das eigene Urtheil zurückzuhalten
Aufgabe wie die hier in Angriff genommene zu löfen, und nur die Sache vorzuführen. Mir fcheint aber, dafs
önd^dem Verfaffer natürlich bekannt. Er rechtfertigt nur dies Doppelte jedes feinen Werth für fich hat, entfein
Unternehmen aber, indem er auf den gegebenen weder den Stoff allein mit der Vollftändigkeit und
Stand der Dinge hinweift, dafs nämlich die von ihm felber Trockenheit eines Wörterbuchs zur Darftellung zu brin-
vor 6 Jahren ausgegangene Anregung zur Herftellung eines gen oder grofse Ueberblicke zugeben unter fcharf aus-
Wörterbuchs der plfilofophifchen Terminologie durch geprägten und dann immerhin — weil fubjectiv gefärbt
eine gelehrte Gefellfchaft zwar mannigfache Billigung cinfeitigen Gefichtspunkten, dafs es aber unbefriedigt
befunden habe, dafs aber noch keine Anfange zur Ver- läfst, wenn wie hier ein Mittelweg eingefchlagen wird,
wirklichung gemacht feien. Sein Buch will einen fol- Denn ein Mittelweg ift es, den der Verfi einfehlägt. Das
chen Anfang machen, um fpäteren Arbeiten Anknüpfung eigene Urtheil tritt eben doch nicht zurück und richtet
und Unterftützung zu bieten. Demgemäfs wird die fich auch nicht auf das blofs Formelle der glücklichen
Entwicklung in grofsen Umriffen gezeichnet und bei oder unglücklichen Wortbildung, fondern es drängt fich
dem Einzelnen nicht lange verweilt. Die Anordnung überall in allgemeinerer Weife vor, allen befprochenen
ift aber die, dafs im erften Abfchnitt eine Gefammt- Erfcheinungen Lob oder Tadel, in der Regel aber beides
gefchichte der philofophifchen Terminologie geboten erthcilend. Aber warum dann nicht beftimmte Grundwird
und zwar fo, dafs nach einander das Griechen- fätze an die Spitze ftellen und alles Einzelne darauf be-
thum, die alte und mittelalterliche lateinifchc Ter- ziehen? Wie es nun lautet, kommt es fo zu ftehen, dafs
minologie, die der Neuzeit und endlich die deutfehe zur die Urtheile des Verf.'s nicht recht überzeugen, weil der
Sprache kommen. Daran fchliefsen fich in einem zweiten Lefer die letzten Anflehten, auf die fie fich ftützen, nicht
kürzeren Abfchnitt Erörterungen zur Gefchichte der ein- erfährt, von deren Richtigkeit aber auch nicht perfönlich
zelnen Termini. Im einzelnen verläuft die Darfteilung überzeugt fein kann, da zwifchen Autor und Lefer kein
im erften Abfchnitt fo, dafs die im gefchichtlichen Fort- Autoritätsverhältnifs befteht. — Diefe Ausftellungen
fchritt auftretenden Erfcheinungen, Philofophen und phi- gehen aus der Ueberzeugung hervor, dafs der Verf. mit
lofophifchen Schulen zuerft nach ihrer Bedeutung für feiner Arbeit nicht blofs Fachgelehrten, fondern wei-
die Terminologie gewürdigt und dann einzelne Termini teren Kreifen dienen will, und follen die Bitte begrüngenannt
werden, die fie neu in Curs gefetzt, oder an den, die in Ausficht geftellte Gefchichte der Begriffe
denen fie umbildend gearbeitet haben. Im zweiten Ab- möchte durch beftimmte an die Spitze geftellte Ge-
fchnitt wird zunächft auf die verfchiedenen Gefichts- fichtspunkte den Ueberblick über das Einzelne erleich-
punkte hingewiefen, welche für eine ins Einzelne gehende tern und — fo weit es die Sache hergiebt auf eine
Gefchichte der Terminologie in Betracht kommen, und allgemeinere Erkenntnifs abzwecken.
fodann an einigen beftimmten Beifpielen gezeigt, wel- nafpi , k-aft.ln

chen Wandlungen die Termini in der gefchichtlichen -___ __ j. is.air.an.

Entwicklung vielfach unterworfen gewefen find. Ohly, Pfr. Emil, ,Dein Kind lebet!' Sammlung von Reden
Ucber das gefchichtliche Material im Einzelnen wird an Kindergräbern. In Verbindung mit Freunden
an dicfcrn Ort fo wenig e,n Urtheil erwartet werden h Wiesbaden l878, Niedner. (VTII, 208 S. 8.)
wie darüber, ob der Z,weck des Verf.'s erreicht ift, der 6 / ' '

weiteren Forfchung neue und fruchtbare Anregung zu M- 2- 5°-

geben. Die folgenden Bemerkungen beanfpruchen daher Reden an Kindergräbern gehören zwar zu den dank-

auch nur, den Eindruck eines an der Sache intereflirten barften Cafualreden, aber bei dem eng begrenzten Ge-

Lefers auszufprechen, dem es um Belehrung zu thun biet für den Inhalt fucht man oft nach einer gröfseren

war. Das höchftc Intereffe wird aber — meine ich — Mannigfaltigkeit der Momente, welche in Betracht ge-