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Ausgabe:

1879 Nr. 4

Spalte:

84-85

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wolff, C. W.

Titel/Untertitel:

John Knox und Maria Stuart. Vortrag 1879

Rezensent:

Plitt, Gustav Leopold

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Theologifche Literaturzeitung. 1879. Nr. 4.

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gelehrten Hülfsmittel giebt er in loyaler Weife Rechen-
fchaft im Vorwort. Obgleich er auch einige neuere
Werke (Capponi's Gefchichte der Republ. Florenz und
v. Reumont's Lorenzo de' Medici) herangezogen hat,
darf doch behauptet werden, dafs im Wefentlichen
Villari zeitlich die Grenze bildet, über welche herab
neues, fpeciell auf Savonarola Bezügliches nicht ver-
werthet ift. Während die früheren Veröffentlichungen
im Archivio Storno Ital. von ihm herangezogen find, habe
ich nicht gefunden, dafs er die fpäteren Mittheilungen im
Archiv, stor. Ital., dem Anh. stor. Lomhardo und dorn.
Storico degli Archwi Toscani u. a. m. benutzt hätte; und
doch enthalten fie neben manchem Unbedeutenden auch
Wichtiges, wie die Nuovi documenti intorno a Fra Gtro-
lamo Sav. von Lupi veröffentlicht im Anh. stor. Ital.
S. III T. III (1866) S. 3—77, welche die in Florenz im
März 1498 ftattfindenden Berathungen über Savonarola
und die päpftlichen Forderungen vollftändiger beleuchten,
als es bei Villari gefchieht. Auch A. Capelli, Fra
Girol. Savonarola e notizie intorno al suo tempo, Modena
1869 hat der Verf. nicht benutzt. Leider ift ihm auch
Hafe's geiftvolle Skizze unbekannt geblieben, die ihm
nicht nur in der Auffaffung, fondern auch in der Quellen-
befprechung im literarifchen Nachtrag manchen nützlichen
Wink hätte geben können. Wahrfcheinlich hat Villari
ihn irre geführt, der in der Vorrede Hafe eben nur nennt
als Verf. eines ,kurzen populären Lebensbildes'. (So
wenigftens in der mir augenblicklich allein zugänglichen
deutschen Ueberfetzung, welche auffallender Weife nicht
einmal die 2. Aufl. von Hafe's Neuen Propheten angiebt.)
Das Neuefte von felbftändigem Werth, was von deut-
fcher Seite zur Beleuchtung des wunderbaren Dominicaners
gefchrieben ift, die hiftorifch-biographifche Skizze
von L. Ranke's Meifterhand (S. W. Bd. 40 u. 41 S. 183
— 357) konnte der Verf. noch nicht kennen. In feiner
Weife fetzt Ranke hier Vieles voraus, lenkt die Auf-
merkfamkeit auf beherrfchende Gefichtspunkte, verknüpft
mit der Sicherheit des eingeweihten Kenners das Individuelle
mit dem Allgemeinen, das Leben des Mönchs
mit dem Pulsfchlag des Lebens der Republik, die Gefchichte
von Florenz mit der der italienifchen und europäischen
Politik, und fchöpft zugleich aus neueröffneten
Quellen, welche wie für Einzelnes fo für die Gefammt-
auffaffung nicht ohne Bedeutung find, nämlich aus der
ungedruckten Chronik von Bart. Cerretani und in noch
gröfserem Umfange aus dem ebenfalls noch ungedruckten
Tagebuche Pietro Parenti's. Aus beiden fügt er in
den Analecten einige Auszüge bei; endlich aber geht
er in eine fehr verdienftliche kritifche Unterfuchung ein
über die unter Burlamachi's Namen gehende Vita del
Fr. Gir. Sav. und ihr Verhältnifs zu Pico's vita Hier.
Savonarolae. Jene Quellen und diefe Quellenkritik wirken
zufammen dahin, einfeitige Auffaffungen der Fra-
teschi, wie fie fleh bei Pico und noch viel mehr bei Bur-
lamachi geltend machen und auch noch Villari und feine
Nachfolger, auch unfern Verf. beftimmen, zu berichtigen,
ohne dafs die wahre Gröfse des Mönchs unter diefer
nüchterneren Betrachtung zufammenfehrumpft. — Clark's
Darftellung ift im Uebrigen befonnen und klar, wenn
auch ein wenig breit und umftändlich. Am Wenigften
befriedigt inhaltlich der einleitende Abfchnitt: Italien
im 15. Jahrhundert, der fleh zu concreter Anfchaulich-
keit nicht erhebt. Das theologifche Urtheil über Sav. ift
ein befonnenes. Vor der fehlerhaften Neigung früherer
proteftantifcher Biographen , namentlich Rudelbach's,
Savonarola die dogmatifche Stellung der Reformatoren
zu vindiciren, war Clark durch den Vorgang Villari's
hinreichend gefchützt. Man kann aber dies vollkommen
anerkennen, ohne ganz aufser Acht zu laffen, dafs er
denn doch, obwohl durchaus wurzelnd in der Theologie
des Mittelalters, nach Hafe's Ausdruck in das Morgenroth
der Gedanken gefchaut hat, aus denen nachmals
die Reformation wirklich hervorgegangen.

Kiel. W. Möller.

Luthers, Dr. Martin, Sämmtliche Werke. 18. Bd. Ver-
mifchte Predigten, hrsg. v. Pfr. E. L. Enders. 3. Bd.,
enthaltend die Predigten der Jahre 1531 u. 1532.
2. Aufl. Frankfurt a/M. 1879, Heyder & Zimmer. (VI,
384 S. 8.) M. 4. —

Der Druck der neuen Auflage fchreitet rüftig fort.
Schon gegen Schlufs des vorigen Jahres erfchien ein
weiterer Band, der die vermifchten Predigten aus den
Jahren 1531 und 1532 enthält. Ganz neu aufgenommen
ift hierin nur das erfte der mitgetheilten Stücke, ein
kurzer Sermon über Matth. 5, 10—12 in der ganzen Ur
fprünglichkeit und Derbheit Luther's. Eben hierdurch
ift er für uns von befonderem Werthe; zugleich zeigt er
aber auch, dafs es nöthig war, die Predigten des Reformators
für den Druck etwas zu überarbeiten. Die andern
Predigten hatten alle fchon in früheren Gefammtausgaben
ihre Stelle, doch find auch fie hier meift nach erften
Drucken gegeben. Dabei fällt z. B. in Nr. 78 auf, dafs
in dem erften Druck Luther viermal im Sermon mit ,fagt
Martinas' von dem darnach nicht gerade gefchickten erften
Herausgeber eingeführt wird. Zu den Aeufscrungen S. 23
gegen die neue Befeftigung Wittenbergs vergleicht fleh,
was L. kurz vorher gegen den Wittenberger Hauptmann
Hans Metzfeh an den Kurfürften gefchrieben hatte, Burck-
hardt, Luther's Briefwechfel S. 192. — S. 96 wird noch
eine der Apokryphen (Sirach) als ,dic Schrift' citirt. —
S. 242, alfo v. j. 1532, findet fich, foweit ich mich jetzt
erinnere, zuerft eine jener fcharfen Aeufserungen Luther's
gegen eine Liebe, bei welcher die Reinheit des Glaubens
und der Lehre zu Schaden komme. ,Nein, lieber Mann,
nur nicht des Friedes und der Einigkeit, da man Gottes
Wort über verleuret!' Die betreffenden Hauptftellen
flehen bekanntlich in der 1535 veröffentlichten Erklärung
des Galaterbriefes. Doch ift zu beachten, dafs die Vor-

, lefungen, aus denen diefe Erklärung hervorging, fchon
1531 begannen. Es handelte fich damals um die Gründung
und Erweiterung des fchmalkaldifchen Bundes, wobei
jener Punkt ja eine Rolle fpielte. — S. 254 zeigt in
befonderer Weife, wie Luther von der fiegreichen Kraft
feiner Lehre überzeugt war, und wem er die Schuld davon
beimafs, dafs fie nicht Alle überwand: ,Wenn wir
mit Menfchen allein zu thun hätten (obs gleich eitel
Kaifer, Könige und Fürften wären), fo wollten wir fie
mit unferm Evangelio bald überwinden, und wohl in
einem Jahr die ganze Welt bekehren, weil es fo helle

! und unwiderfprechliche Wahrheit ift, und würde niemand
fo böfe fein, dafs er fich wollt fetzen wider die erkannte
Wahrheit und folche heilfame Lehre, die jedermann alles
Guts und Seligkeit anbeut und bringet, niemand Schaden
noch Leid thut: fondern alle Welt mufste fagen: das
ift doch die echte lauter Wahrheit, und eine feine köft-
liche Lehre u. f. w.' Das weiter von ihm darüber Ausgeführte
ftimmt völlig zu dem, was er fchon einige Jahre

! früher im Streite gegen Zwingli und Oekolampad ge-
äufsert hatte, vgl. WW. 30, 25, 34, 128. — Endlich S. 381
finden fich ftarke Anklänge an den Vers: ,Der Sommer
ift hart vor der Thür, der Winter ift vergangen' in dem
9 Jahre vorher gedichteten Märtyrerliede. Man fieht hier,
wie L. zu dem in jenem Verfe gebrauchten Bilde gekommen
ift. — Für die praktifchen Theologen enthalten
die hier gedruckten Predigten ungemein viel Treffliches,
fo dafs fie ein ernftliches Studium auch von ihrer Seite
verdienen.

Erlangen. G. Pütt.

Wolff, Paft. Dr. C. W„ John Knox und Maria Stuart.

Vortrag. Quedlinburg 1878, Vieweg. (57 S. gr. 16.)
M. - 50.

Diefer Vortrag verdankt feine Veröffentlichung dem
Wunfche einer hochgeftellten Frau. Er mag für einen
I Theeabend eine ganz paffende und angenehme Unter-