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Ausgabe:

1879 Nr. 25

Spalte:

602

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Brömel, A.

Titel/Untertitel:

Wie kann Gott Gebete erhören? 1879

Rezensent:

Köhler, Karl

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Theologifche Literaturzeitung. 1879. Nr. 25.

602

arbeitern, welche namentlich die Anmerkungen durch
werthvolle Beiträge bereichert haben.

So enthält denn der erfte Band aufser zwei felb-
ftändig erfchienenen kleinen Schriften Herder's (Haben
wir noch jetzt das Publikum und Vaterland der Alten?
Riga 1765 und: Nachricht von einem neuen Erläuterer
der H. Dreieinigkeit. 1766) die Artikel, welche er in
den Jahren 1764 bis 1766 für die ,Gelehrten Beiträge zu
den Rigifchen Anzeigen' und für die ,Königsbergfchen
Gelehrten und Politifchen Zeitungen' geliefert hat, foweit

Herder-Ausgabe das geeignete, ebenfo vortreffliche als
bisher fchmerzlich vermifstc Mittel dar. Zugleich bewein
: ihre tadellofe Ausflattung, dafs auch der Verleger
von dem Bcwufstfein durchdrungen ift, mit diefem Unternehmen
eine patriotifche That zu thun. Mügen denn
auch die theologifchen Fachgcnoffen das Ihrige dazu
beitragen, dafs diefe nicht als ein allzu kühnes Wag-
nifs fleh herausftelle.

Wir befchränken uns für jetzt auf diefe Anzeige des
Gefammtuntcrnehmens und der drei erften Bände, indem

hier Herder's Autorfchaft unzweifelhaft feflgeftellt werden wir uns vorbehalten, auf da's weiter Erfchienene und Erkonnte
. Den Schlufs des Bandes bilden die Fragmente fcheinende, fowie auf Haym's, durch eine günftige Füg-
über die neuere deutfehe Literatur nach ihrer erften, ung gleichzeitig in der Veröffentlichung begriffene Herdrei
Sammlungen umfaffenden Ausgabe von 1766 und , der-Biographie demnächft zurückzukommen.
1767. Der zweite Band beginnt mit der erften Frag- i t einzig r u

mentenfammlung nach der 1768 erfchienenen zweiten völ- j _" °'______ Baur.

lig umgearbeiteten Ausgabe, deren Veröffentlichung Her- j ßrömel, Confift.-R. Superint. Dr. A., Wie kann Gott Gebete
der, entruftet über die hamilchc Beurtheilung, mit wel- „ „o tv-ur j 1 -m ir ,1 , ■

eher Klotz in Halle ein aus der Druckerei geftohlenes " ertl0ren? L^eitfragen des chnftl. Volkslebens. 24. Hft.]
Exemplar bedacht hatte, felbft verhindert hat. Infolge | Heilbronn 1879, Henninger. (38 S. gr. 8.) M. 1. —

davon fcheint der gröfste Theil diefer Ausgabe ,in Ma-
culatur gegangen' zu fein, und find Exemplare von ihr
fehr feiten geworden. Heyne hat in feine Ausgabe der

Der Verf. hat fleh die Aufgabe geftellt nachzuweifen,
,wie der Allgegenwart Gottes gegenüber das Gebet als
wirkliche Einwirkung auf Gott zu denken ift'. Nur fo

Fragmente die erfte Sammlung nach diefer zweiten Aus- — d. h. als Mittel Gott zu bewegen, dafs er des Men-
gabe, aber freilich in feiner ungenauen Redaction, aufge- fchen Willen thue, — hat ihm das Gebet Werth und
nommen; und leider giebt der neue Herausgeber in fei- 1 Sinn (S. 35;. Gegen Pantheismus und Deismus fagt er
nem correcten Texte diejenigen Stellen nicht wieder, ' manches Richtige, auch manches Schiefe. Von Schleierwelche
von Herder aus der erften Ausgabe einfach her- > machcr behauptet er (S. 10), kein Theologe habe das
übergenommen find, was trotz dem am Schluffe der Ein- | Gebet fo verächtlich gemacht wie er durch feine Reden
leitung zum zweiten Bande zur Rechtfertigung feines Ver- : über die Religion ,und feinen offen ausgefprochenen
fahre os Bemerkten mit dem Ref. gewifs auch folche Lefer Wunfeh, dafs das Gebet verfchwinden möge', — letzteres
bedauern werden, welche nicht blofs zu den ,Liebhabern' , ein Qiiidproquo, welches man faft eine Verdrehung nennen
gehören, indem man den urfprünglichen Text der zweiten ■ möchte. Der vom Verf. felbft (S. 1) angeführte AusAusgabe
fleh zwar jetzt zufammenfuchen, nicht aber ihn fpruch Schleiermacher's, welchen er meint, hat einen
bequem überfehen und geniefsen kann: wenn ich recht ganz anderen Sinn. Zu den Vertretern der .glaubensgezählt
habe, fo würde mit etwa drei Druckbogen mehr ; lofen Theologie', welche das Gebet ,nur matt, ja nur des
diele Unbequemlichkeit befeitigt worden fein. Es folgen : Anftandes halber concedirt' (S. 35), gehören fS. 23) von
fodann aus der von Herder hinterlaffenen Handfchrift , Aelteren auch St. Bernhard und Thomas von Aquino,
Stücke der umgearbeiteten zweiten Sammlung und zur j von Neueren Wuttke und Löber. Um feinen Begriff vom
dritten Sammlung Gehöriges, darunter der für den Theo- i Gebete zu retten, fchlägt der Verf. den Gang ein, dafs
logen befonders intereffante Auffatz über die ganz eigen- er zeigt, es liege in der Liebe Gottes, fich der Welt «"jeren-
thümliche Beredfamkeit, welche die Homiletik erfordert, über felbft zu befchränken und zwar nicht blofs in Jfezug
,die theoretifche Grundlage zu den Predigten unferes auf feine Allmacht, fondern auch auf feine Allwiffenheft
Autors'. Mit den beiden Stücken über Thomas Abbt's j (S. 28). Letzteres ift des Verf.'s eigener Fund, womit er
Schriften, dem fogenannten ,Torfo', fchliefst diefer Band, die verwandten Sätze von Hofmann, Luthardt, Thomafius
Der dritte enthält die in Heyne's Ausgabe fo grob- weiterzubilden gedenkt. Gott hätte danach vermittelft
lieh verftummelten .Kritifchen Wälder' in der Urfprüng- I einer That feiner Freiheit aufgehört in manchen Sachen
lichkeit und Vollftändigkeit der Ausgabe von 1769. [ allwiffend zu fein, und man müfste daher, ähnlich wie der
Allerdings ift des fpeeififeh Theologifchen in diefen j Verf. nach dem Vorgang Aelterer von einem doppelten
drei erften Bänden noch nicht viel enthalten. Wer in- j Willen in Gott redet, auch ein doppeltes Wiffen in Gott
deffen erwägt, wie Herder auch die Aufgabe feines geift- , annehmen, ein zeitlofes, alldurchdringcndes und ein von
liehen Berufs als eine Culturaufgabe im höchften Sinne [ ihm felbft beschränktes. So entgeht der Verf. der Schwie-
auffafste, der wird feinem fo aufgefchloffenen und be- rigkeit, welche für die Annahme zeitlich folgender Willens-
weglichen Genie gern in verfchiedenen Richtungen fol- acte Gottes in deffen ewigem Vorauswiffen liegt. Ob
gen, um auf feinen Spuren das apoftolifche .Alles ift diefe modernfte Form moderner Kenotik zur Belebung
euer' lebendiger verftehen und fleh einprägen zu lernen. des Gebetsgeiftes wefentlich beitragen werde, ift ernft-
Ueberhaupt aber hat es etwas eigenthümlich Erfrifchen- lieh zu bezweifeln. Der Anfchauungsweife, welche das
des, von einer fchon alt werdenden Periode der wiffen- i Gebet überhaupt nicht als ein Mittel zur Erreichung
fchaftlichen Entwickelung aus, wenn man im Einzelnen menfehlicher Einzelzwccke fchätzt, fondern als die fpon-
gründlicherer Kenntnifse, fichererer Methode und zuver- i tane, ihren Werth in fich felbft tragende Aeufserung des
läffigerer Refultate fich rühmen mag, zu den Männern Kindfchaftsverhältnifses zu Gott, hätte der Verf. weni -
zurückzukehren, welche durch ihre neuen epochemachen- ftens gerecht werden follen, wenn er fie bekämpfen
den Gedanken zu der bis heute fortwirkenden Bewegung wollte. Von Mt. 26, 39 und dem Vater-Unfer ift in

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den Anftofs gegeben haben. Und wie man auf die
Flage, wodurch der Strafsburger Goethe ein fo ganz
Anderer, als der Leipziger, geworden ift, die Antwort

dem ganzen Schriftchen nicht die Rede.

Friedberg. K. Koehler.

grofsentheils in den Namen Herder zufammenfaffen kann, Werner, Herrn., Gibt es eine Seele? Eine pfycholoTMfEhe

fo wird man auf diefelbe Antwort bei der Frage nach 7^ ,,»a c*. iu u P'yeuoiognciie

dem Urfprunge fo mancher Gedanken geführt Verden, SSL v SSS^1 beantwortet. [Zeitfragen des

welche der wiffenfehaftlichen Theologie der Gegenwart • chriül Volkslebens. 25. Hft] Heilbronn 1879, Hen-

als felbftverftändlich gelten, vor vier Menfchenaltern aber ninger. (6b S. gr. 8.) M. 1. 20.

noch geradezu unerhört waren. Und um diefe Bedeut- Der Verf. conftatirt mit Unbefangenheit die That

ung des Mannes zu erkennen, bietet die vorliegende | fachen und erkennt fie an, welche ge|en die Annah

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