Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1879 Nr. 23

Spalte:

551-552

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Gunning, J. H.

Titel/Untertitel:

Die objective Wahrheit des Gemeindebekenntnisses. Vortrag 1879

Rezensent:

Hartung, Bruno

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

55i

Theologifche Literaturzeitung. 1879. Nr. 23.

552

Kurz er wird nicht Apologet und .Retter', fondern bleibt
Hiftoriker.

Eine intereffante Notiz ift S. 4, dafs im 16. Jahrh.
die nürnberger Mundart für die feinfte und wohlklingendfte
in Deutfchland gegolten habe. Wenn das nicht recht
,poetifch' geredet ift, fo hat fich an den Nürnbergern
nach diefer Seite hin das tempora mutanter etc. in fehr
ftarker Weife erfüllt; denn heutzutage würde kein Sterblicher
obiges Lob ausfprechen. — S. 91 wiederholt in
etwas dasS. 34—35Gefagte. — S. 166 fteht irrthümlich,
dafs die Notiz aus Eoban über des Crotus Lebensdauer
bisher überfehen fei. Kampfchulte hat fie in feiner

Gute kommt. Der Vortrag, der bereits nach dem
Halten mancherlei Correctur im Einzelnen erfahren hat,
ift auch, wo man ihm nicht durchaus zuftimmt, höchft
lefenswerth.

Leipzig. Härtung.

Schütze, Sem.-Dir. Dr. Fr. W.j Praktische Katechetik

für evangelifche Seminare und Lehrer. Leipzig 1879,
Teubner. (XV, 348 S. gr. 8.) M. 5. —

Der trefflichen ,Katechetik' von Kübel, über welche
wir (1877. Nr. 12) referirten, ift bald diefes neue Lehr-
Commcntatio de Joanne Croto Rubiano p. 27 not. 4 fchon j buch gefolgt. Seinem inneren (theologifchen) Charakter

benützt. Der Verf. fcheint dies Bonner Programm von
1862 nicht gekannt zu haben. — Unrichtig ift auch die
Bemerkung über Eoban's ,Philippismus' S. 196, d. h. die
Hinweifung auf Melanthon; damals gab es noch keinen

nach von der erftgenannten Arbeit nicht wefentlich ver-
fchieden, hat es fein Material in eigenthümlicher Weife
abgegrenzt. Der Verf. unterfcheidet zwifchen Katechetik
im weiteren und im engeren Sinne. Jene ift ihm

melanthonifchen Philippismus. — Ueber die Bemühungen mit der Methode des gefammten Religionsunterrichts in
des heffifchen Landgrafen um den Bergbau S. 209 ift in der Volksfchule identifch, fofern fie auch die Grundfätze

den letzten Jahren eine Abhandlung erfchienen; doch
ift es mir leider jetzt nicht möglich, den Standort der-
felben anzugeben.

Erlangen. G. Pütt.

Gunning, Paft. Dr. J. IE, Die objective Wahrheit des Gemeindebekenntnisses
. Vortrag, in der Paftoral-Con-
ferenz in der Wupperthaler Eeftwoche am 16. Aug.
1878 gehalten. Gotha 1879, F. A. Perthes. (VI,
55 S. 8.) M. — 80.

Ein erweiterter Vortrag von der Wupperthaler Eeftwoche
, will vorliegendes Schriftchen die Objectivität und
Wiffenfchaftlichkeit des chriftlichen Gemeindebekennt-
nifses , diefer ,inneren Seite des Apoftolicums', gegenüber
denen erweifen, welche demfelben, auch wenn fie
es hochachten, doch nur im Reiche der Poefie und der
Ideale feine Stelle gönnen wollen. Zur Wiffcnfchaft gehört
nämlich nicht nur dasjenige, was dem Verftande
aller denkfähigen Menfchen einleuchtet, fondern fie ift
Befchreibung des Beftehenden. Darum mufs wohl eine
Theologie, die nur von der religiöfcn Anlage des Menfchen
, nicht aber von Gott etwas zu wiffen vorgiebt,
auf den Namen der Wiffenfchaft verzichten, da ihr ein
eigenthümliches Lebensgebiet, deffen Befchreibung den
Begriff einer befonderen Wiffenfchaft conftituirt, nicht
zukommt. Ift aber die im innern Leben der Gemeinde
und des Einzelnen fich bezeugende Grundwahrheit des
Chriftenthums, dafs Jefus der Chrift ift, ein Bcftehendes,
eine Thatfache, fo hat das Glaubensbekenntnifs diefer
Gemeinde Recht und Pflicht, feine objective Wahrheit
als wohl begründet und der Wiffenfchaft gemäfs zu

entwickelt, nach welchen die biblifche Gefchichte zu
lehren und die Schrift unter erbaulicher Auslegung mit
den Kindern zu lefen ift. Diefe dagegen bezeichnet er
als Methodik der Katechismuslehre, genauer als Theorie
von der kunftmäfsigen Behandlung deffen, was den Inhalt
des fyftematifchen Religionsunterrichtes vor evan-
gelifchen Kindern im Alter vom 12. bis 14. Lebensjahre
ausmacht. Nur diefe Letztere hat in vorliegender Schrift
eine Darfteilung erfahren, und auf fie konnte der Verf.
fich um fo eher befchränken, als über biblifche Gefchichte
wie Bibellefen Eingehendes bereits in feiner .Evangeli-
fchen Schulkunde' (4. Aufl.) zu finden ift. Für die
Gruppirung deffen, was hiernach den Gegenftand feiner
/Katechetik' bildet, liefs er fich von der Erwägung leiten,
dafs bei jedem Unterricht als folchem ein Dreifaches
in Betracht komme: das Lehrziel, der Lehrgang, die
Lehrweifc. Ihm zerfällt fomit nach Art des Zezfchwitz'-
fchen Werkes das Ganze in drei Theile. Der erfte
(S. 7 bis 49) handelt vom Katechumenat, der zweite
(S. 50 bis 84) vom katechetifchen Stoff d. i. dem Katechismus
und der dritte (S. 84 bis 348) von der katechetifchen
Lehrart oder von der Katechefe. Sind diefelben,
äufserlich betrachtet, fehr ungleich geartet, fo dürfte
dies die Rückficht auf den Leferkreis .erklären, den der
Titel nennt. Denn mit befonderer Sorgfalt und Umficht
ift, wie es deren Bedürfnifs erheifcht, das Letzte ausgebaut
. Was ihm vorausgeht, ift überwiegend hiftorifcher,
faft nur vorbereitender Natur. Der erfte Theil verweilt
zunächft bei der Gefchichte des altkirchlichen Profely-
ten-Katechumenats und erinnert fodann an die wichtig-
ften Data aus der Zeit des Kinder-Katechumenats. Ohne
befonders neue Auffchlüffe zu vermitteln, ift das hier
Gebotene doch ausreichend einen klaren Ucberblick zu

behaupten, unbefchadet deffen, dafs das Bewufstfein, J gewähren und bedarf der Ergänzung vielleicht nur (S. 49)

der grofsen Thatfache im Dogma nur einen inadäquaten
Ausdruck gegeben zu haben, Kritik und Toleranz und
damit den vollen proteftantifchen Charakter ihm wahrt.
— Aber felbftverftändlich kann nur, wer jene Erfahrung
gemacht hat, fie auch befchreiben. Nur der
Chrift kann Theolog und Dogmatiker fein; das ift
nicht als erbauliche Phrafe, fondern als ernfte, wiffen-
fchaftlicheWahrheit gemeint. Chrift zu werden ift aber
nur auf dem Wege der Selbftverleugnung, zu dem Wenige
fich entfchliefsen können, möglich. Darum mufs der
übrigen Welt der Glaube als ,Dogma', d. i. Decret,

in feinen Mittheilungen über die Bedeutung und Gefchichte
der Confirmation innerhalb der evangelifchen
Kirche. Ausgefprochen hiftorifcher Art ift aber auch
der zweite Theil, weil eine Erklärung des Katechismus,
welche unter den Neueren Palmer und von Zezfchwitz
geben, in ihm nicht angeftrebt wird. Der Verf. befchränkt
fich vielmehr auf den gefchichtlichen Nachweis, dafs
Luther's Katechismus (Enchiridion) nicht ein gewöhnliches
literarifches Erzeugnifs, fondern ein Buch derKirche
mit den chriftlichen Grundwahrheiten in der Ordnung
fei, wie fie das chriftliche Bewufstfein feit Jahrhunderten

gegenübertreten und als Subjectivismus erfcheinen. Das feftgeftellt und bewährt gefunden habe, um von hier
Bekenntnifs mufs darauf verzichten , feine objective j aus dann den hohen Werth desfelben Pur den fyftema-
Wahrheit allgemein anerkannt zu fehen, bis der Herr er- tifchen Religionsunterricht in der evangelifchen Volks-
fchienen fein wird und mit ihm das Glauben zum Schauen j fchule darzuthun. Wir hätten dabei (S. 55) gern die

wird, d. i. die Wahrheit fich jedem als unwiderfprechliche
beweift. — Schon öfters find Schriften von Gunning in
diefen Blättern befprochen worden. Geiftvoll wie die
andern, ift auch diefe gefchrieben. Die Bilder find fpar

Notiz vermifst, dafs der ältefte Katechismus, den wir
kennen, von Kero, einem Schweizer Mönch des achten
Jahrhunderts (um 720), verfafst fei; denn die Echtheit
diefer Schrift ift doch wohl mehr als zweifelhaft (vgl.

famer gebraucht, was der Klarheit der Entwicklung zu I Bouterwek in Herzog's ,R.-E.' 1. Aufl. Bd. VII. S. 516).