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Ausgabe:

1879 Nr. 23

Spalte:

550-551

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Krause, Carl

Titel/Untertitel:

Helius Eobanus Hessus, sein Leben und seine Werke. Ein Beitrag zur Culturgeschichte des 16. Jahrhunderts. 2. Bd 1879

Rezensent:

Plitt, Gustav Leopold

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Theologifche Literaturzeitung. 1879. Nr. 23.

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Cornelius 60 Bifchöfe und 18 Presbyter und Priefter aus Tage flieg der Körper des grofsen Heiligen, des Lehrers

den angefehenften von Rom vcrfammelt habe (Eufebius
nennt VI, 43, 2 fechzig Bifchöfe und noch mehr Presbyter
und Diakonen), und dafs über Hebr. 6 geftritten
wurde. Es ift nicht wahrfcheinlich, dafs die Angaben
des Kopten auf den Brief des Cornelius an Fabius ohne
Vermittelung des Eufebius zurückgehen. Auch was über
das Concil von Conftantinopel (z. 1. Amfchir) überliefert
wird, fowie die kurze Darftellung der Lehren des Mace-
donius, Sabellius und Apollinaris und ihre Widerlegung,
ift nicht übel. Vom Symbol wiffen die Kopten folgendes
: ,Danach machten fie auch zu dem Glaubensbekennt-
nifs noch den Zufatz von den Worten: Und wir glauben
an d. h. Geilt, bis zum Schlufs, weil die 318 Väter in
ihrem Bekenntnifs bis zu den Worten gekommen waren:

der bewohnten Erde, Hippolytus, Papft von Rom, aus
dem Meer hervor. Diefer Heilige war ein ausgezeichneter
Mann, der vollkommenfte feines Jahrhunderts, er
wurde defshalb für den Stuhl in der Stadt Rom gewählt
nach dem h. Argius im erften Jahr der Regierung des
Vaters Claudianus über Alexandria' (Claudian ift = Ce-
ladio [f. 5. Amfchir]; mithin wird der Amtsantritt des
Hippolyt auf d. J. 1556 datirt; der römifche Bifchof
Argius ift = Piusj . . . ,Da erfuhr von ihm der ungläubige
Kaifer Claudius' u. f. w. Unter Claudius ift der
Nachfolger des Gallienus zu verliehen, der auch fonft in
der Hippolytus-Fabel eine Rolle fpielt. Es folgt nun
die bekannte Legende vom Erfäufen des Heiligen, dann
heifst es: ,Er hat viele Abhandlungen hinterlaffen, einige

deffen Herrfchaft kein Ende nimmt. Dies war das letzte, [ über den chriftlichen Glauben, andere zum Unterricht

was jene älteren Heiligen beftimmt ausgedrückt hatten,
und diefe Väter fügten das, was fich daran fchliefst, hinzu
bis an's Ende'. Auch bei uns wiffen es die gangbaren
Lehrbücher nicht beffer. Von älteren Bifchöfen endlich
werden Ignatius, Polykarp, die Alexandriner Marcian,

und zur Ermahnung in einem wohlgefälligen Lebenswandel
zu beharren und zur Begründung der Lehre von
der Verkörperung des Sohnes Gottes in der menfeh-
lichen Natur. Aufserdem hat er Canones verfafst, worin
verfchiedene Gegenftände vereinigt find, und die Zahl

Agrippinus, Heraclas, Theonas, die Römer Hippolyt, | diefer Canones beträgt 18; fie finden fich noch in unferer

Silveftcr und Palatianus erwähnt. Wollte Jemand es
beachtenswerth finden, dafs der Kopte das Martyrium
des Ignatius in Rom nicht zu kennen fcheint, vielmehr
ihn in Antiochia den Thieren vorgeworfen fein läfst
(z. 24. Kihak), fo mag er aus dem, was von Polykarp's
Tode berichtet wird (29. Amfchir) lernen, was von diefen
Berichten überhaupt zu halten ift. Die hier erzählten
Umftände haben mit denen, welche das fmyrnenfifche
Schreiben fchildert, überhaupt keine Aehnlichkeit mehr,
fie fagen an den meiften Punkten geradezu das Gegen-
theil aus. Marcian (6. Tubeh) foll Marcus fein (Euseb.,
Ii. e. IV, n,6). ,Er wurde eingefetzt 100 Jahre nach der
Himmelfahrt unferes Herrn J. Chr. und 10 Jahre nach
der zweiten Zcrftörung von Jerufalem und blieb 9 Jahre
und einen Bruchtheil'. Zehn Jahre giebt ihm auch Eufebius
als Bifchofszeit, und auch die Angabe, dafs er zehn
Jahre nach der Zerftörung Jerufalems eingefetzt fei, wird
richtig fein. (Bei Eufebius in der Chronik hat der Amtsantritt
zu Olymp. 231, 2 oder 3= 145 oder 146 p. Chr.
o-eflanden, beim Armenier ift er ausgefallen.) Von Agrippinus
{Euseb. IV, 19. V, 9) wird berichtet (5. Amfchir),
er fei dem Claudian (Celadio) gefolgt und habe 12 Jahre
regiert (diefelbe Zahl hat Eufebius in der KG. und in
der Chronik). Auch das, was über Heraclas (8. Kihak)
bemerkt ift (er fei von ungläubigen Eltern geboren, habe

Kirche und den übrigen Kirchen der Chriften'. Bei Sil-
vefter (7. Tubeh) wird erwähnt, er habe den Kaifer Con-
ftantin getauft. Der zum lt. Amfchir verzeichnete römifche
Bifchof Palatianus, der in Ruhe und Frieden
regiert habe unter dep Kaifer Philippus, bis er unter
Claudius (!) in Ephefus !) den Märtyrertod erlitt, foll
jedenfalls Fabian fein. Dafs die Verfolgung unter Decius
gemeint ift, zeigt die Erwähnung der Siebenfchläfer. Die
Angabe, er habe 12 Jahre das Amt in PVieden geführt,
ift zutreffend; denn im 13. Jahr feiner Regierung beftieg
Decius den Thron. —

Am Schluffe des Codex, den Wüftenfeld benutzt
hat, wird Jeder verflucht, der diefes Buch aus dem Kloftcr
des Amba Bifchoi ausführe. ,Er theile das Loos und das
Schickfal mit Dibcletianus dem Gottesleugner, Herodes
dem Abtrünnigen, Simeon dem Zauberer und Judas dem
Verräther'. Die fonft übliche Befchwörung, nichts zu
dem Buche hinzuzuthun, trifft den Herausgeber nicht.
Selbtt ein Regifler fehlt.

Giefsen. Ad. Harnack.

Krause, Oberlehr. Dr. Carl, Helius Eobanus Hessus, fein
Leben und feine Werke. Ein Beitrag zur Cultur- und
Gelehrtengcfchichtc des 16. Jahrhunderts. 2. Bd.
£«• £^fc1t',,nd d^ß^. VG?0f0Ph^ rt^J-Jk?!^ Gotha 1879, F. A. Perthes. (VI, 287 S. gr. 8.)

ift richtig, ihm werden 13 Jahre zugewiefen (Eufebius |
VI, 35 und in der Chronik giebt 16 an). Intereffant und I M"
vielleicht auf guter Ueberliefcrung beruhend ift die Nach- Schnell genug ift der kürzere Schlufsband dem

rieht, Heraclas habe dem h. Dionyfius die Aufficht über ; erften gefolgt, fo dafs nun dem Lefer das Ganze vor-
die Verwaltung und Regierung der Gläubigen übertragen, i liegt. Die Arbeit bleibt fich hier in ihrer Tüchtigkeit
während er fich felbft ihren Unterricht angelegen fein | gleich. In der Ausführung zeigt fich nur darin etwa
liefs, ihnen predigte und die Widerfacher bekehrte. Auch eine Verfchiedenheit, dafs aus den Gedichten weniger
über Theonas (2. Tubeh), dem richtig 19 Jahre Amts- Ueberfetzungsproben mitgetheilt werden. — Die Er-
zeit gegeben werden {Euseb. VII, 32, 31. Hieron. ad an. Zählung führt den Lefer nach Nürnberg, wo Heffus
2299 Ahr.), wird Intereffantes berichtet. Er habe die j 7 Jahre von 1526—33 als Lehrer an der neugegründeten
erfte Kirche zu Alexandrien gebaut, weil bis zu feiner I Gelehrtcnfchule wirkte; von dort zurück nach Erfurt,
Zeit die Gläubigen das Gebet und den Gottesdienft in | das von der Zurückberufung des Poetenkönigs die Erden
Häufern und Höhlen halten mufsten, aus Furcht vor j neuerung des alten Glanzes feiner Univerlität vergeblich
den Ungläubigen; auch habe er den Sabellius (die Säbel- erwartete und endlich 1536 in das Heimatsland des Dich-
lianer) exeommunicirt. ,1m 1. Jahr feines Amtes taufte 1 ters nach Marburg, wo er 1540, gerade als ihm durch

er den h. Petrus, der nach ihm Patriarch wurde, im 5
weihte er ihn zum Vorlefer, im 13. zum Priefter und im
16. zum Presbyter'. Abfchlicfsend darf man fagen, dafs
von allen Angaben des Kalenders nur die über die
alexandrinifchen Bifchöfe und über die Synoden von

die Gunft des Fürften gröfsere Behaglichkeit des Lebens
fchien zu Theil werden zu follen, der Schwindfucht erlag
. Der Verf. fchildert überall die neuen Verhältnifse,
in welche Heffus eintrat, recht gut und zeichnet auf fol-
chem Grunde das Verhalten feines Helden. Er hat diefem

Werth find, weil auf richtiger, z. Th. uns bisher unbe- feine ganze Theilnahme zugewandt, wie fich in wohl

kannter Ueberliefcrung beruhend. Ganz verworren ift

thuender Weife oft genug kundgiebt; aber er läfst fich

bereits das über die römifchen Bifchöfe Gefagte. Aber dadurch nicht zur Ücberfchätzung desfelben verleiten,
die hier erzählte Recenfion der Hippolytus-Fabel (5. und | Seine Charakteriftik ift eine treffende, feine Beurtheilung'
6. Amfchir) ift doch nicht ohne Intereffe. ,An diefem I eine mafsvolle und billige; vgl. z. B. S. 163 f., S. 266.