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Ausgabe:

1879 Nr. 2

Spalte:

470-472

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Giesebrecht, Friedrich

Titel/Untertitel:

Der Wendepunkt des Buches Hiob. Cap. 27 und 28 1879

Rezensent:

Kautzsch, Emil

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469 Theologifche Literaturzeitung. 1879. Nr- 20- 470

es zu Grunde legt', diefe Datirung nicht einleuchtet j genügende Gewiffenhaftigkeit. Dafs das Stellenregifter
(S. 90). Das Urtheil S. 126, wo die Erzählung von den ! fortgefallen, ift zu bedauern. Druckfehler in deutfchen
Lcbensfchickfalen des babylonifchen Königs Sargon I und hebräifchen Wörtern find nicht ganz feiten, aber
(c. 2000 v. Chr.) als authentifche Aufzeichnung von ihm ; leicht zu verbeffern, wie S. 126 Ebcrt ft. Ebers, 6. 188

Z. 2: 1876 ft. 1875, S. 374 G. L. Baur ft. Bauer u. f. w.

Diefe Bemerkungen mufsten, weil ich mich mög-
lichft auf Aenderungen der neuen Auflage zu befchrän-
ken hatte, ziemlich zufammenhangslos ausfallen. Bei
meinen Einwendungen bin ich mir einem Werke gegenüber
, an welchem des Verf.'s forgfame Hand ein De-
cennium hindurch fortgearbeitet hat, vollkommen deffen
bewufst, was mit Bezug auf ein geringeres Werk einmal
Leffing fagt: ,Unter zwanzig Einwürfen (die dem
Verf. feine Betrachter machen) wird er fich von neunzehn
erinnern, fie während der Arbeit fich felbft gemacht
und fie auch fchon fich felbft beantwortet zu
haben'.

Strafsburg i. E. Wolf Baudiffin.

felbft behandelt wird, würde wohl durch Kenntnifsnahmc
von den Bemerkungen v. Gutfchmid's über diefe Infchrift
modificirt worden fein. Die Deutung von Jerubbaal
,Baal gründet' S. 143 (auch von mir früher vorgetragen)
ift nicht glücklich, da gegen die vom Richterbuche felbft
an die Hand gegebene: ,Baal ftreitet' nichts einzuwenden
ift. Seltfam finde ich, dafs auch bei der neuen Grup-
pirung in dem Abfchnitte: ,Die Geftalten, welche Ifraels
religiöfe Gefchichte tragen' S. 187 ff. (wie fchon in
Aufl. 1) das ideale Bild des .leidenden Gottesknechtes'
S. 269 ff. in einer Reihe behandelt wird mit den realen
Geftalten der Propheten, Nafiräer, Levitenpriefter und
des theokratifchen Königs; dafs der Verf. hier (S. 274)
genöthigt ift, den idealen Zukunftskönig hereinzuziehen,
welchen er erft fpäter unter der Hoffnung Ifraels behandelt
, zeigt doch wohl, dafs diefer Abfchnitt feinen

rechten Platz nicht gefunden hat; es ift freilich zuzu- Giesebrecht, Dr. Friedr., Der Wendepunkt des Buches
geben, dafs die angemeffene Stelle für jene deuterojefa- | ujob. Cap. 27 und 28. [Inauguraldiffertation.l Berlin
jamfehe Geftalt, in welcher nach der richtigen Ausleg- 1 „ r.f . , „. , , ° . c „ '

j r r> r ■■ j v 1 ■ „ftfr,oc ;«„;__„ 1870. (Greifswald, Bindewaid.) (48 S. gr. 8.) M. I. —

ung des Verf. s Gegenwartiges und Zukunttiges ineinan- | /y- ^ « ' " " '

der überfchwankt, fehr fchwer zu finden ift. — In der Nachdem die Studer'fche Zerfetzung des Buches

Behandlung der Opferlehre fcheint mir die zumeift mit Hiob (Jahrbb. f. proteft. Theol. 1875, S. 688 f.), welcher
Ritfehl übereinftimmende Ausführung über -152 S. 431 ff. auch die Echtheit von 27, 8—28, 28 zum Opfer ge-
in der Hauptfache richtig. Die Abweifung von Riehm's j fallen war, an Budde einen gründlichen Beftreiter ge-
Darftellung des Sündopfcrfleifches als eines mit dem funden hat, hält der Verfaffer eine erneute Befprechung
Zorn Gottes Behafteten, eines Gebannten und deshalb | von Cap. 27—28 mit befonderer Würdigung der neuer-
der Vernichtung Anheimfallenden S. 430 ift zu billigen, dings von Wellhaufen gegen fie geltend gemachten In-
— Die Aenderung der Auffaffung des Afafel S. 438 f. , ftanzen für nothwendig. Wie fich aus gelegentlichen
ilt durch die fpätere Anfetzung der Quellenfchrift A J Andeutungen ergiebt, meint der Verf. einen Zufatz Well-
nicht bedingt; trotz derfelben kann in diefem Dämon haufen's zu § 267 von Bleek's Einleitung ins A. Teft.
eine alte Gottheit flecken, welche eben zur fpäten Zeit j (S. 540 f. der 4. Aufl.), in welchem Wellhaufen bereits

von A ihres göttlichen Charakters entkleidet worden
war. — Zu S. 451 ff. über die Entwickelung des Monotheismus
gebe ich jetzt zu, dafs auf wirklichen (theore-
tifchen) Monotheismus verweifende Ausfagen fich vereinzelt
fchon bei vorjeremianifchen Propheten finden

im Sommer 1872 feine Bedenken gegen Hiob 27, 7—28,
28 niedergelegt hatte. (Eine Verweifung auf diefen Zufatz
hätte fich der Verf. um fo weniger erfparen follen,
als feine eigene Ausführung erft aus den Einwürfen Well-
haufen's ihr volles Licht erhält.) Hinfichtlich des exe-

Beweis für ihre Urfprünglichkeit gegeben. Die Refultate
des Verf.'s find nun in Kürze folgende: Während 27, 1—6
von gröfserer Ruhe und Sammlung Hiob's noch nicht
viel zu bemerken, kehrt er V. 7—10 zur Anerkennung

(nicht mit Unrecht wird Am. 9, 7 angeführt); allein getifchen Details befchränkt fich der Verf. auf das aller-
fblchen fporadifchen Auslagen wird keine weitere Folge [ nöthigfte, indem er für das übrige Bekanntfchaft des
gegeben; fie find nur wieder verfchwindende Anfätze , Lefers mit den bedeutenderen Commentaren vorausfetzt,
zu einer Erkenntnifs, welche zur allesbeherrfchenden Statt deffen hat er, und zwar mit vollem Recht, fein
erft feit dem Deuteronomiker und Jeremia wird. — Die 1 Hauptaugenmerk auf die Darlegung des Gedankengangs
Alonim valoniutli (vielmehr valonuth) des Plautus (S. 483) . in Hiob 27.28 gerichtet. Denn fobald es gelingt, nicht
haben mit fW>a nichts zu thun; vielmehr = n:?cn rr:'TN. I blofs einen Zufammenhang, fondern auch einen Ge-
Dafs Jacho als Beiname des Adonis (S. 488) fich nicht | dankenfortfehritt in den beiden Capiteln nachzuweifen
nachweifen laffe, glaube ich Studien I, 208 ff. gezeigt zu j und diefelben mit der Fortfetzung in Cap. 29 f., ganz
.aaben. — Durchaus geändert hat der Verf. feine Defini- j befonders aber mit der Löfung des Problems Cap. 38 f.
tion des Begriffes der Heiligkeit S. 514 ff; zugleich mit in Einklang zu fetzen, fo ift damit zugleich der befte
dem Verf. bin ich in der Hauptfache auf die gleiche
Auffaffung gekommen. — Die Ausfage S. 519: ,noch
bei Ezechiel und bei A' komme das Wort Kabod in der
Bedeutung: Lichtgegenwart Gottes, Offenbarungsherrlichkeit
vor, fcheint mir etwas fchief; wenn ich recht fehe, I der fittlichen und religiöfen Grundwahrheiten zurück!
wird gerade in der fpätcren altteftl. Zeit die Auffaffung j Die Belehrung über Gottes Hand, die er V. 11 ver-
der göttlichen Kabod immer concreter; bei Ezechiel, noch fpricht, ift nicht blofs in Cap. 27, 13 f., fondern in der
mehr bei A, erfcheint fie faft wie eine zwifchen dem ganzen Rede bis 28, 28 enthalten. Cap. 28 lehrt, dafs
verborgenen Gott und der Welt vermittelnde Hypoftafe. die wahre Weisheit dem Menfchen überhaupt abfolut

— Dafs S. 744 f. Ewald's Erklärung von Sach. 6, 11 ff. verborgen und unzugänglich ift. Denn nicht von der
jetzt aufgegeben ift, finde ich keine Verbefferung; ich ! Weisheit als einer menfehlichen Fähigkeit oder als einem
kann nicht einfehen, warum eine Krönung des Hohen- fittlichen Gut ift die Rede, wie hervorragende Ausleger
priefters dem perfifchen Grofskönige gegenüber fo viel ! annehmen, fondern von der Weisheit als einem intel-
unbcdcnklicher foll gewefen fein, als die des Davididen. ! lectuellen Gut, deffen fich Gott im Augenblick der

— Zu der Bemerkung über die Chronologie der Danieli- Weltfchöpfung bemächtigte und welches demgemäfs
fchen Jahrwochen S. 824 wäre dem Verf. die Berück- vor allem in der (phyfifchen) Natur- oder Weltordnung
fichtigung einer differirenden Berechnung bei Jofephus 1 Gottes zur Erfcheinung kommt (vgl. bef. 28, 27: ,er
zu Statten gekommen, f. Schürer, Zeitgefchichte S. 84 f. ■ that fie kund und (teilte fie feft' nämlich durch Feft-

Dafs im ganzen Buche der Gottesname wieder Jhvh I fetzung der Naturordnungen, nachdem fie bis dahin nur
gefchrieben wird, ift pedantifch und gefchmacklos. ■ ideell vorhanden gewefen war). In dem Schlufsfatz 28,
Irgendwie mufs man ihn doch ausfprechen; einmalige i 28 kann nach alledem nicht von einem gewiffen Antheil
Bemerkung über die Unfichcrheit der Ausfprache wäre | an der göttlichen Weisheit die Rede fein, den Gott dem