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Ausgabe:

1879

Spalte:

465-470

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schultz, Herm.

Titel/Untertitel:

Alttestamentliche Theologie. Die Offenbarungsreligion auf ihrer vorchristlichen Entwicklungsstufe. 2. durchweg umgearb. Aufl 1879

Rezensent:

Baudissin, Wolf Wilhelm

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Theologische Literaturzeitung.

herausgegeben von Prof. Dr. E. Schür er in Giefsen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 20. 27. September 1879. 4. Jahrgang.

Schultz, Altteftamentliche Theologie, 2. Aufl. keit von der griechifchen Philofophie (Over- < Zabel, In der Welt, nicht von der Welt, Pre-

(Baudiffin).

Giefebrecht, Der Wendepunkt des Buches
Hiob, Cap. 27 und 28 (Kautzfeh).

Kitter, Philo und die Halacha (Herrn. Strack).

Scrivener, Novum Testamentum textus Stepha-
nici A. D. 1550 (Gregory).

Merk, Clemens Alexandrinus in feiner Abhängigbeck
), j digten (Wächtler).

Socrates'Ecclesiastical History aecording to the | Die Von hoher Warte, Predigten (Derf.).
text of Hussey, with an introduetion by Bright
(Overbeck).

Guttmann, Die Keligionsphilofophie des Abraham
ihn Daud aus Toledo (Möller).

Lombard, Pauliciens, Bulgares et Bons-IIommes
en Orient et en Occident (Möller).

Pank, Das geiftliche Leben im Lichte des ewigen
Wortes, Predigten (Derf.).
Allgemeine Chronik des Volksfchulwefens, her-

ausg. v. Seyfiarth, 14. Jahrg. (K. Strack).
Baur, Friedrich Chriftoph Perthes (Lindenberg).

Schultz, Prof. Dr. Herrn., Alttestamentliche Theologie, j Die neue Auflage darf fleh mit Recht als völlig um-

Die Offenbarungsreligion auf ihrer vorchriftlichen
Entwickelungsftufe. 2. durchweg umgearb. Aufl.
Frankfurt a/M. 1878, Heyder & Zimmer. (XII, 838 S.
gr. 8.) M. 15. —

Längere Zeit war Herrn. Schultz's Altteftamentliche
Theologie die einzige neuere diefen Gegenftand in fei

gearbeitet bezeichnen. Was in der erften als Anfang
der Religionsentwickelung dargeftellt war, bildet jetzt
nahezu den Schlufs. Der Verf. hat fleh nämlich inzwi-
fchen von der Richtigkeit der ,Graf'fchen' Pentateuch-
hypothefe überzeugt, während er früher den ,Priefter-
codex' als ältefte der pentateuchifchen Quellenfchriften
vor der prophetifchen Zeit anfetzte. Eine gänzliche Um-

nem ganzen Umfang behandelnde Arbeit. Die Noth- wälzung der Darftellung war die nothwendige Folge
wendigkeit, eine zweite Auflage zu veröffentlichen, zeigt, Zu.m Glück hat er fich dadurch nicht beftimmen lalfen,

dafs der Gebrauch diefes nützlichen Buches durch die
inzwifchen erfchienene Theologie des A. T. von Oehler
nicht beeinträchtigt wurde. Es kann m. E. keinem
Zweifel unterliegen, dafs das Buch von Schultz im Allgemeinen
als Lehrbuch den Vorzug verdient vor dem
von Oehler, welches zu wenig hiftorifch verfährt und

die Anfchauung Kuenen's u. A. fleh anzueignen, wonach
die fpeeififeh altteftamentlichen religiöfen Ideen erft dort
follen entftanden fein, wo fie uns zuerft fchriftlich begegnen
, d. i. etwa bei Arnos und Hofea. Hoffentlich
wird das auf richtigem hiftorifchen Takte beruhende
Urtheil des Verf.'s jener überftürzenden Gefchichtscon-

von dem eigentlichen Gegenftande häufig ablenkt durch j ftruetion gegenüber der Anerkennung fleh erfreuen:
Ueberladung mit archäologifchen Details. Freilich ift Jede neue Prüfung der älteften prophetifchen Literatur
nicht zu verkennen, dafs in den Einzelheiten die be- ! macht es mir zweifellofcr, dafs diefe Männer in ihrem
flehenden Schwierigkeiten der Erklärung und die ver- ! Volke eine der ihrigen wefentlich gleichartige Frömmig-
fchiedenen Möglichkeiten der Auffaffung bei Oehler j keit . . . vorausfetzen' (S. VI).

vielfach deutlicher zu Tage treten. Wenn in dem vor- Die Frage ift fchwer zu beantworten, welches Verliegenden
Buche — gewifs nicht ohne die wohl über- i fahren von dem neuen Standpunkte des Verf.'s aus für
legte Abficht des Verf.'s — manche Schwierigkeiten nur , die Darftellung der altteftamentlichen Theologie zu wäh-
leife geftreift werden, fo ift in dem, was der Verf. zu j len fei. Ich denke, dafs der Verf. im Allgemeinen das
geben für gut befunden, durchweg ein gefundes und von Richtige gefunden hat, indem er zunächft einen kurzen
religiöfem Verftändnifse zeugendes Urtheil zu rühmen, (gegen Aufl. 1 erweiterten) Abrifs der altteftamentlichen
Viele J.inzelheiten find auf diefem noch allzuwenig be- Religionsentwickelung giebt, die ausgeführte Darftellung

ackerten Gebiete zunächft in Specialunterfuchungen zu bereinigen
, ehe eine annähernd vollkommene ,Altteftamentliche
Theologie' gefchrieben werden kann. Keine andere
Bearbeitung derfelben aber dürfte gegenwärtig fo geeignet
fein, wie diefe, die nicht dem engern Fachgebiete angehörenden
Theologen und auch die Nichttheologen über
den Lehrgchalt des A. T. aufzuklären, wenige andere
Hilfsmittel der altteftl. Wiffenfchaft überhaupt in dem-
felben Mafse wie diefes darauf angelegt fein, auf die
ftudirenden Theologen die dem Verf. felbft eigene Bewunderung
für den religiöfen Gehalt des A. T. zu übertragen
. Unmittelbares Verftändnifs für denfelben würde
freilich durch dies Buch noch mehr gefördert werden,
wenn nicht auch noch in der 2. Aufl. vielfach das ur-
fprüngliche Colorit der altteftamentlichen Vorftellungen
verwifcht worden wäre durch Uebertragung derfelben in
die unferer Zeit geläufige philofophifche und theologifche
Ausdrucks- wie auch Anfchauungsweife Dafs die philo-
logifche Erklärung zurücktritt, ift bei der Anlage des
ganzen Buches kein Fehler; nur hätte der Verf. beffer
einfacheAufzählungen hebräilcherWörter in langenReihen,
wie z. B. S. 620 f., geftrichen, da folche Aufzählungen
ohne genugende Erläuterung wenig nützen können.

der religiöfen Anfchauungen aber nicht weiter wie in
Aufl. 1 nach Perioden gruppirt, fondern bei jedem
einzelnen Lehrftücke die Summe zieht für ,das Ende
der prophetifchen Zeit', d. h. die Zeit Esra's (f. die
Begründung S. V f., 59 ff.). Die frühere Eintheilung
in eine Mofaifche , eine prophetifche und eine levi-
tifche Periode ift undurchführbar , auch abgefehen
von der Annahme der Graf fchen Hypothefe. Die Zerlegung
des Buches in 2 Bde. ift mit jener Eintheilung
als jetzt unpraktifch weggefallen. — Ich glaube
nur, dafs innerhalb der einzelnen Lehrftücke wieder mehr
hiftorifche Entwiökclung möglich gewefen wäre. Der
Mangel einer folchen tritt z. B. fehr fühlbar hervor in
dem Abfchnitt über ,den heiligen Ort' S. 374 ff, wo
fie gerade fehr leicht durchzuführen gewefen wäre: hier
wird zunächft weitläufig das Stiftszelt behandelt und mit
wenigen Worten am Schluffe bemerkt, dafs dies erft
ein Idealbild der fpäteren Zeit fei; von den vordeutero-
nomifchen Anfchauungen über die Opferorte, wie fie im
jehoviftifchen Erzählungsbuche, im Bundesbuche u. f. w.
niedergelegt find, von der Anbahnung der deuteronomi-
fchen Forderung eines einzigen Cultusortes bei den
Propheten feit Arnos und Hofea erfahren wir an diefer

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