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Ausgabe:

1879

Spalte:

297-298

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Sasse, C. J. Franc.

Titel/Untertitel:

Prolegomena in Aphraatis Sapientis Persae sermones homileticos. Dissertatio inauguralis 1879

Rezensent:

Nestle, Eberhard

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung,

Herausgegeben von Prof. Dr. E. Schlirei* in Giefsen.
Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. HinrichsTche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 13. 21. Juni 1879. 4. Jahrgang.

Saffe, Prolegomena in Aphraatis Sapientis Per- Preger, Der kirchenpolitifche Kampf

sae sermones homileticos (Neftle).
Korber, Die Ausbreitung des Chriftentluims

im füdlichen liaden (Moller).
Rarach, Excerpta e libro Alfred! Anglici de
motu cordis, item Costa llen-Lucae de dide-
rentia animae et Spiritus Uber translatus a
Johanne Hispalensi (Möller).
Van der navolginge cristi ses bocke, herausg.

von Wolfsgruber (Möller).
Hernheim, Zur Gefchichte des Wormfer Con-
cordates (Weizfäcker).

Ludwig dem Haier (Weizfäcker).

Ilerminjard, Correspondance des KeTorniateurs
dans les pays de langue frangaise, recueillie et
publiee, 2. ed., Tome I (Stähelin).
Reufs, Pierre Brully, ancien Dominicain de
Metz, ministre de l'öglise frangaise de Strasbourg
1539—1545 (Stähelin).

Heilder, Schleiermacher's Theologie mit ihren
philofophifchen (irundlagen dargeftellt, 2.Tbl.
(Nitzfch).

Zeitfchrift für praktifche Theologie, herausg. von
Baffermann und Ehlers, i. |ahrg., I, u.
2. Hft (Kraufs).

Jacoby, Die Geftalt <les evangelifchen Ilaupl-
gottesdienftes (Kraufs).

Gestrin, Wittnesbörd för den lulherska läran j Schaarfchmidt,DieurfprünglicheGottesdienll-

om Rättfärdiggörclsen i motsats tili den
Heck'ska riktningen (PHtt)

Ordnung der evangelifch-lutherifchen Kirche
(Derf.).

Sasse, C. J. Franc, Prolegomena in Aphraatis Sapientis
Persae sermones homileticos. Dissertatio inauguralis.
Lipsiac 187S, Stauffer. (40 S. gr. 8.) M. 1. —

Theologifche Lefer werden für die Anregung und
Ausführung der hier genannten Leipziger Doctordiffer-
tation um fo dankbarer fein, als bisher nur wenig Gelegenheit
für fie war, fielt über das Leben und die Schriften
des Mannes zu orientiren, von dem fie handelt. Es
find jetzt 10 Jahre, dafs W. Wright aus den feiner Obhut
und Bearbeitung unterltellten fyrifchen Handfchriften
des Britifchen Mufeums 23 Homilien des bis dahin felbft
den Fachgelehrten kaum dem Namen nach bekannten
,perfifchen Weifen' Aphraates herausgab , von denen
Bickell 8 ins Deutfche überfetzt hat (Bibliothek der
Kirchenväter 102. 3. Kempten 1874), während die eng-
lifche Ueberfetzung des ganzen Werks leider noch nicht
erfchienen ift. Die 10 erften diefer Homilien oder Un-
terweifungen, welche alle in Briefform an einen in der
armenifchen Ueberfetzung derfelben fälfehlich mit dem
berühmten, 332 geftorbenen Gregorius Illuminator ver-
wechfelten Freund des Verfaffers gerichtet find, flammen
aus dem Jahr 3367, die 12 nächften, mit den vorausgehenden
durch alphabetifche Anordnung zufammenge-
fafst, aus dem Jahr 343 4, die letzte de acino benedkto
,'Jef. 65, 8) aus dem Monat Auguft 345. Ueber ihren
Verfaffer, den perfifchen Weifen, wie er genannt wurde,
erklärte im Jahre 714 der gelehrte Georg, Bifchof der
Araber, auf Anfrage eines Presbyters Jofua nichts
näheres zu wiffen, als dafs er kein Schüler, wofür er
galt, fondern ein älterer Zeitgenoffe Ephrams gewefen
fei. In der ganzen übrigen fyrifchen Literatur finden
fich nur fehr fpärliche Notizen über den Mann, aus
denen jedoch fo viel hervorgeht, dafs er mit kirchlichem
Namen Jakobus geheifsen, wahrfcheinlich Bifchof
und Abt im Klofter des Mar Matthäus auf dem Berge El-
pheph in der Nähe von Moful gewefen ift. Seine theilweife
eigenthümlichen, mit viel Rabbinifchem durchfetzten An-
fchauungen und die alterthümliche von Fremdwörtern
freie Sprache feiner Schriften fcheinen ihrer Verbreitung
bei den Syrern einigermafsen hinderlich gewefen zu fein.
Um fo gröfseres Anfehen genoffen fie bei den Armeniern
, in deren Sprache fie frühzeitig — nach 432, vor
500, f. S. 25 ff. — überfetzt wurden, freilich nicht unter
dem wirklichen Namen ihres Verfaffers, fondern dem
des fchon 338 verftorbenen Bifchofs Jakob von Nifibis,
mit welchem auch fchon Gennadius (c. 496) in der Fort-
fetzung des Hieronymifchen Katalogs der berühmten

Männer — das erfte Capitel ift ihm gewidmet — unteren I Tübingen Dr Neftle

Jakob-Aphraates verwechfelt hat. Eben unter dem Namen |

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Jakobs von Nifibis wurde der armenifche Text diefer Homilien
1756 von Nicolaus Antonelli mit einer lateinifchen
Paraphrafe herausgegeben, quac nonnullis locis ne StflSUttt
quidem archelypi anfieniaci reddidit (S. 31): von derfelben
und ihrem Vcrhältnifs zum fyrifchen Original handelt
Saffe S. 23—33, nachdem er S. 9—21 näher auf den
Inhalt der Homilien und einzelne doctrinelle Eigenthüm-
lichkeiten ihres Verfaffers, namentlich feine Pfychologie,
insbefondere feine Lehre vom Seelenfchlaf eingegangen
ift; ich hebe aus diefem Abfchnitt nur hervor, dafs ein
grofser Theil der Homilien gegen die Juden gerichtet
ift und dafs ihr Verfaffer auf die arianifchen Streitigkeiten
der Zeit mit keiner Silbe Rückficht nimmt, um
fo mehr aber gegen Marcioniten, Valentinianer und
Manichäer polemifirt: nach Saffe's guter Bemerkung ein
Beweis, dafs Aphraates nicht im weitlichen, fondern im
öftlichen Syrien zu Haufe gewefen fein mufs. Ein dritter
Abfchnitt der Arbeit handelt von den bei Aphraates
fich findenden alt- und neuteftl. Citaten, insbefondere von
dem Verhältnifs feines Evangelientextes zu dem der
gewöhnlichen fyrifchen Bibel und dem von Cureton
herausgegebenen. Sehr zu bedauern ift hiebei, dafs
dem Verf. die wichtige Bemerkung Zahn's entgangen
ift (G. G. A. 1877(6] S. 183 f.), nach welcher Aphraates
feine Evangeliencitate aus Tatian's Diateffaron ge-
fchöpft hat, und da Saffe, wie feine Differtation ausweift,
das Armenifche wohl verfteht und Ephrams Commcntar
über das Diateffaron vor einiger Zeit in Venedig ar-
menifch gedruckt wurde (f. Theol. Lit.-Zeitg. 78, 607),
wäre eine Verfolgung diefes Punktes in der von Zahn
angedeuteten Richtung um fo erwünfehter gewefen.
S. 35 beweift Saffe aus Aphraates das hohe Alter ge-
wiffer Textverderbnifse in der fyrifchen Bibel, z. B. in
Eigennamen; zwei der angeführten Beifpiele erfcheinen
mir wenigstens nicht zwingend. Wenn Jabin im Syri-
fchen und nns1 dort nnc:, fo ift das wohl nicht
Schreibfehler , fondern abfichtliche Wiedergabe der
hebräifchen Imperfectform durch die fyrifche, wie fich
Aehnliches auch fonft in der fyrifchen und famaritani-
fchen Bibel findet. Die Abhandlung von Schönfelder
,Aus und über Aphraates' (Theologifche Quartalfchrift
1878, 195 256) ift wohl dem Verf. vor Abfchlufs feiner
Arbeit nicht mehr bekannt geworden; im übrigen zeigt er
eine genaue Bckanntfchaft mit der einfchlagenden Literatur
und folcheKenntnifse, dafs wir von fpäteren Arbeiten
desfelben uns manche Förderung verfprechen und ihn
als Mitarbeiter auf einem nur von Wenigen angebauten
Boden freudig willkommen heifsen.