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Ausgabe:

1879 Nr. 11

Spalte:

257-259

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hamberger, Jul.

Titel/Untertitel:

Die biblische Wahrheit in ihrer Harmonie mit Natur und Geschichte. Ein Lehr- und Lesebuch zur Orientirung in den religiösen Wirren unserer Zeit 1879

Rezensent:

Herrmann, Wilhelm

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Theologifche Literaturzeitung. 1879. Nr. II.

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ftige kirchliche Auslegung der 4 Danielifchen Reiche
Front zu machen. Die löbliche Art, wie Pol. zu Ez.
28, 2 (ich gegen diejenigen erklärt, welche zwar die
richtige exegetifche Erklärung vom König zu Tyrus billigen
, aber doch dabei behaupten, die Stelle könne auch
vom Teufel verftanden werden, findet unfer Verf. (S. 39)
doch einfeitig. In dem Anhang ,Zum Lehrbegriff des Poly-
chronius' hätte unumwundener, als der für den orthodoxen
Ruf des Polychr. beforgte Verf. es über fich gewinnt,
anerkannt werden müffen, dafs das Fragment aus dem
Danielcommentar bei- Nicephor. Const. {Pitra spicil. Solesm.
I, 352) durch und durch dem Standpunkt Theodors von
Mopsveflia entfpricht.
Kiel. Möller.

Hamberger. Dr. Jul., Die biblische Wahrheit in ihrer Harmonie
mit Natur und Geschichte. Ein Lehr- und Lefe-
buch zur Orientirung in den religiöfen Wirren unferer

v vi.- i,0 ,s,, M^K^ff /vn tot S r/r 8 1 Llcht treten laffen'. Ferner erfahren wir, dafs der Stoff
Zeit. München 1877, Merhoff. (VII, 191 b>. gr. 8.) . „ WrüW HiP 17 ' ,,„m s^n.

druck, dafs ,fein Wefen nur auf das Gute abzielt'. Trotzdem
foll für Gott jedes einzelne Wefen als Zweck gelten
, dem alle anderen als Mittel dienen müffen. Dann
befänden fich aber die Sperlinge und Lilien in demfelben
Verhältnifs zu dem göttlichen Gefammtzweck, wie die
Menfchen, — und dann wäre es doch wohl nicht richtig
, dafs ,Gottes Wefen auf das Gute abzielt'. Wo
bleibt da aber die biblifche Wahrheit? Auf dem Standpunkte
der letzteren ift die Harmonie des Univerfums,
für welche fich der finnige Verf. erwärmt, nicht der
höchfte Gedanke. — Den Beweis für die göttliche Drei-
perfönlichkeit führt der Verf. nicht fchlechter, als andere
vor ihm, aus dem Begriff der vollkommenen Liebe.
— Auch die Lehre von der Schöpfung enthält manche
Einfichten, welche über die einfache biblifche Wahrheit
weit hinausgehen. Mit Berufung auf Hebr. 4, 17 erläutert
der Verf. den Begriff des Schaffens fo: ,So hat
denn auch Gott, in Kraft feines allmächtigen Wortes
die Welt aus der Tiefe feines Wefens, in welcher fie
urfprünglich noch als ein Nichts verborgen lag, ans

der Welt vom Vater herrühre , die Form vom Sohne,
M. 2. 25. während der heilige Geift Stoff und Form mit einander

Der Verfaffer beklagt, dafs der Religionsunterricht vereinige. Trotz diefer, wie man meinen follte, gleich
auf den höheren Lehranftalten lediglich die biblifche nothwendigen Betheiligung der drei Perfonen an der
Wahrheit als folche und nicht zugleich ihre Harmonie Schöpfung heifst es fpäter: ,Die Erhaltung in diefem
mit Natur und Gefchichte vorzuführen pflege. Die Folge Sinne ift offenbar als eine fortgefetzte Schöpfung
davon fei die gewaltige Herrfchaft des Unglaubens in ' und demgemäfs vorzugsweife als das Werk des Vaters
unferen Tagen. Denn die fo mangelhaft unterwiefene anzufehen'. Das ift nicht zu verftehen, falls der Verf.
Jugend fei bisher rathlos gewefen, wenn fie folchen Con- ' nicht etwa meinen follte, dafs der Begriff des Fortfetzens
nieten gegenüberftehe, wie dem der Copernikanifchen befonders auf den Vater feine Anwendung finde. — Auf
Entdeckung mit dem Glauben an die Gottheit Chrifti. 12 Seiten handelt der Verf. die Lehren vom Univerfum
Dagegen foll nun das vorliegende Buch eine Hülfe bieten, j und vom Abfall in der Geifterwelt ab , während der

Vergebung der Sünden und der Rechtfertigung auf nicht
ganz 3 Seiten einige flüchtige Bemerkungen gewidmet
find. Liebhaber moderner Theofophie werden zu würdigen
wiffen, was der Verf. über die guten und böfen
Engel mittheilt. Aber der Jugend mufs es doch auf-

,In ebendemfelben wird aber die biblifche Lehre nicht
nur als durchaus vernunftgemäfs nachgewiefen, fondern
auch dargethan, dafs fie einzig und allein der Vernunft
wirkliche Befriedigung zu geben vermag'. Das Bedenken,
dafs das etwas viel für eine fo kleine Schrift fei, ift dem

Verf. felbft nicht entgangen. Durch grofse Deutlichkeit, fallen, wenn fie in diefem ihr gewidmeten Buche lieft,
durch paffende Verwendung von Gleichnifsen und durch j es fei aus der Gegenwirkung der Geifter des Abgrunds
fleifsiges Verweifen auf früher bereits Bemerktes glaubt i zu erklären, dafs Gott nicht wie mit einem Schlage die
er die bezeichnete Aufgabe trotzdem gelöft zu haben. Erde zur Ordnung und Schönheit zurückgeführt habe,
Dabei hat er feinen kräftigften Schutz gegen jenes Be- . fondern in einem Sechstagewerk. Soll durch diefe Bedenken
noch gar nicht einmal erwähnt. Kein Menfch i merkung auch der göttlichen Allmacht nichts abgezogen
wird ihm vorwerfen können, dafs er hinter feinem Ziele werden, fo wird doch der Eindruck, den der Schöpfungszurückgeblieben
fei; denn wer kann fagen, an was für bericht der Genefis zunächft auf ein unbefangenes Ge-
eine Vernunft die Ausführungen diefes Buches gerichtet müth hervorbringt, unangenehm geflört werden. — Die
find? — Indeffen ift die Kritik diefer Leiftung gegenüber dem Menfchen urfprünglich befchiedene Herrfchaft über
doch nicht ganz waffenlos. Man kann nämlich fragen, die Natur beruhte auf einer wunderbaren Macht, mit
ob denn der Stoff, den der Verf. als vernunftgemäfs welcher er in das innerfte Wefen der Dinge eingreifen und
vorführt, die ,biblifche Wahrheit' fei, welche der Jugend j fie alfo von innen bewegen und bewältigen konnte. —
überliefert werden foll. Das aber wird fogleich bei der j Ein confeffioneller Charakter ift an dem Buche nicht zu
Gotteslehre verneint werden müffen. Wenn der Verf. j bemerken, obgleich fich der Verfaffer äufserlich an die
aus dem Begriffe der Allvollkommenheit entwickelt, was | lutherifche Kirche anfchliefst. Den Wortlaut der lutheri-
er über Gott zu fagen weifs, fo giebt ihm dazu nicht fchen Lehre von der Verderbnifs des Menfchenge-
die heilige Schrift die An weifung, fondern Chr. Wolf. ! fchlechts findet er der Wirklichkeit nicht entfprechend.
Wenn nun diefe Autorität im Intereffe der Vernunft- j Nach feiner wohlwollenden Erklärung haben aber auch
mäfsigkeit gewählt fein follte, fo mufs man fich wun- : ,die Verfaffer unferer Bekenntnifsfchriften das auch gewifs
dem, dafs nicht vielmehr der Satz vom zureichenden nicht verkannt. Sie wollten aber eben den Menfchen
Grunde benutzt ift, mit deffen Hülfe in der Theologia zunächft nicht in demjenigen Zuftande darfteilen, in
naturalis der Inhalt der Gottesidee ebenfalls entwickelt welchem er fich wirklich befindet, fondern nur in dem-
wird; dabei fieht doch Alles noch viel rationaler aus. jenigen, zu welchem er an und für fich d. h. ohne die
Vor Allem aber überfieht der Verf., dafs fich auf folche gnadenvolle Gegenwirkung Gottes hätte herab-
Weife der biblifche Gottesgedanke fchlechterdings nicht finken müffen'. Das munus regium Christi hat nach dem
darftellen läfst. Wenn diefer bleiben foll, was er ift, i Verf. den Zweck, die in Folge der Entartung unferes
der Ausdruck des Glaubensobjects, fo mufs dasjenige ; leiblichen Wefens verlorene Herrfchaft über die Natur
als die Grundbeftimmung an ihm hervortreten, deffen wiederherzuftellen. Die Verföhnungslehre des Verf.'s ift
fubjective Aneignung eben rcligiöfer Glaube ift. Der nicht die lutherifche. Ob feine Rcchtfertigungslehre dem
Verf. würde, wenn er dies beachtet hätte, erfahren haben, evangel. Intereffe gerecht werde, läfst fich bei der vagen
dafs man fich alsdann weniger an Chr. Wolf als an die h. Haltung derfelben nicht beurtheilen. Da er aber wenig-
Schrift gebunden fühlt. — Als das Wefen Gottes wird ftens die neulutherifche Kernlehre von der Begründung
die Geiftigkeit im Gegenfatze zur Körperlichkeit beftimmt. und Ernährung des Auferftehungsleibes durch das Sacra-
Beiläufig hören wir auch den etwas befremdlichen Aus- j ment vorträgt, fo wird er fich mit demfelben Rechte wie