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Ausgabe:

Februar/2001

Spalte:

227 f

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Feldtkeller, Andreas, u. Theo Sundermeier [Hrsg.]

Titel/Untertitel:

Mission in pluralistischer Gesellschaft.

Verlag:

Frankfurt/M.: Lembeck 1999. 171 S. 8. Kart. DM 29,80. ISBN 3-87476-353-6.

Rezensent:

Andreas Nehring

Mission Impossible: Bevor der Begriff ganz an die Filmindustrie abgetreten wird, haben sich Deutschlandweit Synoden, kirchliche Konferenzen und auch kirchliche Amtsträger und einzelne Theologen dem Thema "Mission" zugewandt. Ein wichtiges Datum war dabei die Synode der EKD im Herbst 1999. Das vorliegende Buch verstehen die Herausgeber als einen systematischen Beitrag für diese und andere Synoden, der die ekklesiologische und theologische Relevanz von Mission in einer pluralistischen Gesellschaft hervorheben soll (8). Die Aktualität dieses in kirchlichen Gremien an sich unpopulären Themas, dem der "Muff des 19. Jhs." (so die Herausgeber, 7) anhängt, lässt sich mit einer sich zuspitzenden Mitglieder- und Finanzentwicklung der Kirchen in den letzten Jahren erklären. Vor allem die kirchliche Situation in den neuen Bundesländern hat dazu geführt die Frage nach der Mission neu zu stellen. Der von Feldtkeller und Sundermeier herausgegebene Band will aber nicht nur eine Hilfestellung für eine theologische Überlegung zum missionarischen Gemeindeaufbau sein, sondern versteht sich als ein Grundsatzbeitrag, der den gegenwärtigen Stand ökumenischer, missionstheologischer und systematisch-theologischer Diskussion zum Thema reflektiert.

Neben drei wichtigen neueren kirchlichen Dokumenten zur Mission beinhaltet der Band einige, schon 1998 in der Zeitschrift "Evangelische Theologie" erschienene, Artikel zum Thema "missionarische Gemeinde" sowie missionstheologische Überlegungen zu dem Bezug zwischen Mission, Pluralismus und Dialog. Es ist ein Anliegen der Herausgeber, deutlich zu machen, dass Mission nicht eine sekundäre Option der Kirche ist, die diese je nach Bedarf aufgreifen oder vernachlässigen kann, sondern "der missionarische Auftrag ist der Kirche mit ihrem Sein gegeben" (8). Das angestrebte Konzept von Mission ist aber damit, so F. und S., "widerständig" gegen Trends innerhalb der Kirche, das missionarische Engagement vor allem am religiösen Markt zu orientieren.

Die Grundthese, dass die Sendung der Kirche mit ihrem Sein gegeben ist, entfaltet S. in einem Dreischritt. Die ekklesiologische Dimension missionarischer Existenz entwickelt er in Analogie zu anthropologischen Grundeinsichten von der Exzentrizität, Relationalität und Zukunftsorientiertheit des Menschen. Dieser dreifachen Bestimmung von Kirche entspricht eine ebenfalls dreifache missionarische Praxis von Konvivenz, Dialog und Zeugnis.

S.s konzeptioneller Grundsatzartikel wird von F. unter dem Stichwort "Mission als Weitergabe von Leben" entfaltet. Sehr hilfreich für eine weiterführende kirchliche Debatte zum Thema in Deutschland ist, dass F. seine Überlegungen in Beziehung setzt zu zentralen Themen des missionstheologischen und interreligiösen Diskurses. Dadurch wird deutlich zum Ausdruck gebracht, dass die missionarische Aufgabe innerhalb von Deutschland, der sich die Beiträge von Huber und dem Soziologen Krech widmen, nicht Fragestellungen von "Innerer Mission" reduziert werden kann, sondern in einem pluralistischen, das heißt ökumenischen und multireligiösen Kontext entfaltetwerden muß. Dass dieser Kontext aber nicht einfach durch verwirrende Pluralität gekennzeichnet ist, sondern sich als ein komplexes systemisches Netzwerk darstellt, darauf macht der Heidelberger Systematiker Michael Welker aufmerksam. Multireligiosität und kirchliche Vielfalt als systemischen Pluralismus von Ökumene anzuerkennen und in diesem Pluralismus missionarisch gestaltend wirken, darin liegt nach Welker die Aufgabe der Kirche. - Nicht nur für die kirchliche Debatte um Mission, sondern auch für die theologische Reflexion des Pluralismus der Religionen und den interreligiösen Dialog, liefert der Band anregendes und weiterführendes Material.