Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1991

Spalte:

376-378

Kategorie:

Systematische Theologie: Dogmatik

Autor/Hrsg.:

Krolzik, Udo

Titel/Untertitel:

Säkularisierung der Natur 1991

Rezensent:

Petzoldt, Matthias

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

375

Theologische Literaturzeitung 116. Jahrgang 1991 Nr. 5

376

aus Husserls rasch anwachsendem Schülerkreis den Ansatz übernahmen
und sich fast ausschließlich der inhaltlichen Arbeit widmeten
, war Husserl selbst mit der erreichten Grundlegung nicht
zufrieden. Er versuchte, in immer neuen Anläufen die phänomenologische
Methode genauer zu fassen. Eine weitere Stufe, die sogenannte
„transzendentale Reduktion", mit der Husserl sich
dem Kantischen Idealismus anzunähern schien, wurde von der
ersten Generation seiner Schüler nicht beschritten. Die späteren
Schüler und Gefolgsleute anerkannten zwar überwiegend die
Notwendigkeit eines weiteren Schritts, schlugen dabei aber andere
, eigenständige Wege ein.

Im zweiten Teil des Bandes geht P. Janssen vor allem auf je
zwei deutsche und französische Denker ein, die zumindest zeitweise
an das Programm Husserls angeknüpft haben. Seine kritischen
Skizzen machen deutlich, daß keiner von ihnen sich mit
einer bloßen Übernahme und Weiterführung dieses Ansatzes zufrieden
gegeben hat, sie alle vielmehr auch andere Gesichtspunkte
und Methoden ins Spiel gebracht haben. Bei Heidegger
und Sartre treffe das übrigens nicht erst auf ihre späteren Positionen
zu - nach der „Kehre" bzw. in der „Kritik der dialektischen
Vernunft" -, sondern schon auf die von ihnen selbst als „phänomenologisch
" eingestuften Perioden. Bei Heidegger dominierte
schon früh das hermeneutische Interesse über die phänomenologische
Methode, und Sartres „phänomenologische Ontologie"
war von Anfang an auf Ergänzung durch jene tiefenpsychologische
Analyse angelegt, in der sein frühes Hauptwerk dann auch
ausmündete. Der Personalismus von Schelers ethischem Entwurf
wiederum kollidierte offensichtlich mit der Neutralität des phänomenologischen
Ansatzes. Die Wende zur „transzendentalen
Reduktion" hat auch Merleau-Ponty nicht mitgemacht, sondern
im Gegenteil (wie Sartre) den Leib methodisch mit ins Spiel gebracht
. Schließlich hat er, anders als Husserl, schon die Möglichkeit
einer „wissenschaftlichen Philosophie" preisgegeben. - Ein
kurzer Anhang ist E. Levinas gewidmet, der wohl noch phänomenologische
Gesichtspunkte aufgenommen hat; sein Denken kann
nach Janssen aber nur in einem vagen und unspezifischen Sinn
der „Phänomenologischen Schule" zugerechnet werden.

Es ist weder Husserl selbst noch seinen Nachfolgern je gelungen
, das Programm einer „ Phänomenologischen Philosophie" zu
einer konsensfähigen Klärung zu bringen. Die beiden Autoren
betonen zu Recht, daß die Phänomenologen, von denen einige zu
den bedeutendsten Denkern unseres Jahrhunderts gehören,
gleichwohl eine Fülle wichtiger Einsichten gewonnen und das
Philosophieren nachhaltig bestimmt haben. Aber Husserls zentrale
Intention, nämlich die Grundlegung einer wissenschaftlichen
Philosophie, an der die Forschergemeinschaft genauso weiterbauen
könnte, wie das in den Einzelwissenschaften der Fall ist,
muß als gescheitert angesehen werden.

Wien Jörg Salaquarda

[Dondeyne, Albert:] Philosophie de la Religion. Godsdienstfilo-
soFie. Miscellanea A. Dondeyne. Nouvelle Edition completee
presentee par B. Willaert. Leuven: University Press; Leuven:
Peeters 1987. 458 S., 1 Taf. gr. 8°= Bibliotheca Ephemeridum
Theologicarum Lovaniensium, 35, bfr 1600,-.

Der vorliegende Band erschien in erster Auflage als Ehrung des
bekannten römisch-katholischen Religionsphilosophen Albert
Dondeyne, der von 1933 an in Leuven lehrte, anläßlich seiner
Emeritierung 1974. Dondeyne starb 1985. Nun wurde die
Sammlung von Beiträgen, die gewiß auch erneut auf Interesse
stoßen wird, zum zweiten Mal aufgelegt und um einen Gedenkartikel
von A. Vergote, In memoriam Mgr Albert Dondeyne, erweitert
, der seinerzeit bereits in EThL (61, 1985, 445-448) erschienen
ist. In der ThLZ wurde er damals nicht besprochen. Folgende
z. T. bereits vielfach zitierten Beiträge sind enthalten:

J. Grootaers, La reflexion religieuse et l'action pastoraledu professeur A.
Dondeyne, 15-40; A. Wylleman, De eerste wijsgerige geschritten van A.
Dondeyne, 41-49; U. Dhondt, Geloofsveruitwendiging en geloofsmeen-
schap in de godsdienstfilosofie van Kant, 53-65; L. Dupre, Openness and
Closedness of the Religious Community, 67-74; A. Gesche, La meditation
philosophique en theologie, 75-91; C. Troisfontaines, L'etude philosophi-
que du christianisme suivant Maurice Blondel, 93-106; G. Van Riet, Le
Probleme d'un discours Sur Dieu, 101-119; W. de Pater, Het theologisch
verifikatieprobleem en de analytische filosofie, 123-147; J. Ladriere, Le
langage theologique et le discours de la representation, 149-176; J. Plat,
Symbolismeen analogie in onze kennis van God bij Kant, 177-192; J. Van
de Veken, Geloof in God: kennis of overtuiging, 193-218; E. De Keyser,
Art religieux et signification des formes, 221-232; J. Etienne, La morpho-
logie du Sare: remarques sur le traite de Mircea Eliade, 233-240; M.
Nedoncelle, Les equivoques de la secularisation, 241-249; A. De Wael-
hens, Verite et temoignage, 253-261; P. Masterson, Self-involvement and
the Affirmation of God, 263-277; G. Philips, God en de mens in het re-
cente protestantisme, 279-295; A. Vergote, De la finalite religieuse en
l'homme. 297-327; H. Dumery, L' Etreet l'Un, 331-350; O. Laffoucriere,
Le predicat possible ou l'evidence de l'etre, 351-363; J. Van de Wiele, La
metaphysique et la Probleme de Dieu. Un dialogue avec Martin Heidegger,
365-391; J. Walgrave, Spreken over God en analogie bij Thomas van
Aquino, 393-414; A. Dondeyne, Un discours philosophique sur Dieu est-il
encore possible? 417-448.

M. P.

Systematische Theologie: Dogmatik

Krolzik, Udo: Säkularisierung der Natur. Providentia-Dei-Lehre
und Naturverständnis der Frühaufklärung. Neukirchen-
Vluyn: Neukirchener Verlag 1988. X, 220 S. X. Pb. DM 54,-.

Diese Druckfassung der Dissertation des Vf.s (Hamburg 1984)
will historisch den Nachweis führen, daß durch die Behauptung
der Herrschaft Gottes die Naturwissenschaften (Nwn.) „nicht
nur entstanden sind, sondern auch gefördert wurden, bis sie bei
Newton zu einem vorläufigen Abschluß kamen." Zugleich soll
sie zeigen, daß „die Behauptung der Herrschaft Gottes eine zunehmende
Verselbständigung des Bereiches der Natur gegenüber
Gottes direktem Handeln bewirkte." (10) Verdienstvoll sind die
zahlreichen Detailuntersuchungen zur theol. Vorgeschichte des
frühaufkl. Naturverständnisses (2.1), so zu J. Arndts „Vier Bücher
vom wahren Christentum" und zum geistlichen Lied P. Gerhardts
wie auch zur evang. Dogmatik und zur Entwicklung der
Schulmetaphysik mit ihrer theologia naturalis bis zum 17. Jh.
Stets wird die große Bedeutung des Providentiaglaubens in jener
Zeit sichtbar. Die Theologie gewinnt Interesse an den aufkommenden
Nwn. Ein Konflikt lag besonders der luth. Tradition
fern, „da die Dogmatiker die Concursus-Vorstellung so entfaltet
haben, daß causa prima und causae secundae sich nicht ausschließen
." (81) Ahnlich wächst in der Erbauungsliteratur und
im Vertrauenslied die Aufmerksamkeit auf Gottes Herrschaft in
der Natur.

So begrüßenswert die Entscheidung ist, im Rahmen einer
theol. Untersuchung auch die Herausbildung des Naturbegriffs
der neuzeitlichen Nwn. (2.2) unter Berücksichtigung des sozialgeschichtlichen
Kontextes darzustellen, ist doch die Ausführung
dieses Vorhabens hinter der Zielstellung etwas zurückgeblieben.
Der Vf. konzentriert sich zunächst (81-99) exemplarisch auf die
Nachzeichnung der Einbeziehung der mechanischen Künste im
Naturbegriff des Hugo von St. Victor und auf die experimentellmechanische
und an technischer Umsetzung interessierte Ausrichtung
der Nw. bei Fr. Bacon. Mit dieser Auswahl bleiben not-