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Ausgabe:

1990

Spalte:

358-360

Kategorie:

Kirchengeschichte: Neuzeit

Autor/Hrsg.:

Plummer, Alfred

Titel/Untertitel:

Conversations with Dr.[Doctor] Döllinger 1990

Rezensent:

Barton, Peter F.

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Theologische Literaturzeitung 115. Jahrgang 1990 Nr. 5

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Gemeinschaft") der Realität nicht gewachsen. Daran läßt Blockmans decken, wenn das Recht auf guten Unterricht ohne Rucksicht auf

keinen Zweifel aufkommen. Anders liegen die Dinge im Blick auf Standesprivilegien vertreten wird. Die Frage „Sind Kinder aus dem

»Die Denkbilder des Erasmus über Erziehung und Unterricht". So Volk denn weniger wert als Königskinder?" verle.tet Weiland gar zu

lautet der Untertitel des Beitrages von Jan Sperna Weiland: „Das der Folgerung: „Es ist die Stimme der Joachmuten undderTabonten,

lerne Land Utopia"(73-9l). Guter Unterricht ist nach Erasmus die die ganz kurz den eleganten Diskurs unterbncht"(90). Erasmus wurde

Voraussetzung, daß der Mensch seine Bestimmung erreicht. Wenn sich angesichts solcher Assoziationen verwundert die Augen reiben

seine Pädagogik mit ihrem Ideal der Bildung, der Humanität und des Hier führt die Suche nach Aktualitätsbezügen den Leseraut jeden Fall

ewigen Friedens auch utopische Züge trägt, aktuell bleibt sie in mehr- auf Abwege. Dasselbe trifft auf die kurzschlüssige Formulierung zu:

facher Hinsicht: Hochschätzung von Unterricht und Bildung, höchste „Luther betätigt sich selbst als Musiker und w.rd vom Meistersinger

Anforderungen an Lehrer. Vermittlung von Kenntnissen als ungenü- Hans Sachs als .Wittenbergisch Nachtigall- bezeichnet" (118). Doch

gendes Unterrichtsziel. Bedeutung von Sprache und Sprachen usw. - solche Lesefrüchte betreffen Einzelheiten. Sie ändern nichts am posi-

-Erasmus, ein Gclehrtenlebcn" ist der Essay von Sem Dresden über- tiven Gesamteindruck, den die Lektüre dieser instruktiven Jubi-

schrieben (93-111). Konsequenterweise ist ihm allein kein Anmer- läumspubhkation hinterlaßt.

kungsapparat beigegeben. Sein Anliegen besteht darin, das Schaffen Berljn Siegfried Bräuer

des Erasmus als geistliches Leben in einer Gelehrtenzelle bzw. das Ge- _

lehrtendasein als sublimiertes Mönchtum herauszuarbeiten und

somit die Einheit im Denken und Wirken des Rotterdamers aufeu- Beyer. Michael: 450 Jahre sächsische Landeskirche-Wirkungen de.•Refor-

ze;D„„ c • ii • j tu .11 a „ a~h-r K^nnHpr-; mation in der Gegenwart. Uber die 41. Tagung der Arbeitsgemeinschaft lur

«igen. - Speziel er in der Themenstellung und von daher besonders 6 t,n lomi« rai

ertra„ ■ u • , ,. • ■ , , „ .. .. . o . , „ m,„.h„l Sächsische Kirchengcschichtc(Standpunkt 17. 1989.236-238).

ertragreich sind die beiden letzten Beitrage des Bandes, Jan Nüchel- Sjegfried. Dfe Kirche der Auserwähltcn. Thomas Müntzers Beitrag

»W« ..Erasmus und die Musik" (I 13-136) und Jos Koldeweij ..Eras- zur Reformation (EK 22. 1989,7,340).

mus in der bildenden Kunst" (1 37-1 80). Nuchelmans konnte nur auf Dclius. Hans-Ulrich: Luther und Berlin-Brandenburg. Vierhunderttunfzig

wenige Spezialarbeiten zurückgreifen und war Für manche seiner Fra- Jahr(, Rcformatjon 1539-1989 (Luther 60,1989,13-28).

gen (z. B. Musikerziehung des Erasmus) mangels Quellen auf die all- Dellsperger. Rudolf: DasZwinglijahr 1984 unddieZwingliforsehung(VF34.

gemeine zeitgenössische Überlieferung angewiesen. Des Erasmus Stel- 1989.24-38).

Iung zur Kirchenmusik kann er aus den Quellen um so klarer auf- Dembowski, Hermann: Martin Luther(NZSTh 31.1989.125-140).

*igen. Diese Stellung wird nicht von ästhetischen Kriterien be- Freudenberge, Theobald: Die > ™ WJrt-j,

«immt. sondern von denen seine« Glaubens. Deshalb trat er um des von Trient. Müns«er/W.^tach«M .989. XV, 227 S. g, 8 - Reformation*

Ai, ur u.„ geschichtliche Studien und Texte. 128. Kart UM 58,-.

^iters und der textnähen Darbietungsmöglichkeit für eine schlichte - ^ w Mümzers Wcg in die Apokalyptik (Luther 60,

°rcgorianik in der Volkssprache, aber nicht Tür den Gemeindegesang ^ J

ein. Deshalb plädierte er für eine Reduzierung. Die Erfüllung dieses Roch Ernst. Aktenstuc|<e zur Visitation in Thüringen 1528/29 als Ergänzun-

Wunsches durch das Tridentinum erlebte er nicht mehr. Der Frage, in gen zum Bricfwechsel Melanchthons und Friedrich Myconius- (HerC'hr 16.

sichern Maße die Gottesdienstreform im frühen Protestantismus 1987/88,53-59).

auch Impulse von Erasmus empfangen hat, wird von Nuchelmans Mau, Rudolf: Heiliger Geist und Heilige Schrift bei Thomas Müntzer

nicht aufgeworfen. Sie begegnet auch kaum in der Spezialliteratur zur (ZdZ 43.1989.189-194).

«formatorischen Neugestaltung des Gottesdienstes. Mi« Nuchelmans Mo.. Steinar: Luthers oppgjor 1 De servo arbi.no (, 525, med den human.-

Bjtrag sie als Desiderat erkennbar geworden. - ^Idcwcij konzen- ^^^Z^Z!Zl^L .983 und die Luther^hun,

lnert sich in seinem umfangreichen Aufsatz, der durch den Bildteil |9g9 3 23)

sachgerecht nankiert wird, auf die Erasmusporträts zeitgenössischer gfh^TTMtli Heribert: Das altkirchliche Papsttum in der Sicht Calvins

Künstler (H. Holbein d. Ä., Q. Metsijs, A. Dürer, H. Holbein d. J.) in (Cath43 ,9g9 31_53).

chronologischer Abfolge. Zugleich schlägt er den Bogen von der Iko- st0„ Birgjt: Lieblichkeit und Zier. Ungestüm und Donner. Martin Luther im

"ographie zum Selbstverständnis des Erasmus, das sich im Gott der Spiegel seiner Sprache (ZTh K 86,1989,282-305).

Grenze Terminus symbolisierte. In Terminus sah Erasmus das Ideal stupperieh, Robert. Zur Vorgeschichte der Reformation in der Mark Brander
intellektuellen Unbeugsamkeit genauso wie die einzig zu respek- denburg(JBBKG 57.1989,9-25) . . . . . .

tiPr„„j . ^ . . <•„«, cjpnici Sändor-Wie sol man heiter und geistreich lehren.': Calvins Humor

"erende letzte Grenze, den Tod. als Emblem zusammengefaßt. 5»»imbi. sanüor.^wie so

Eine Zeittafel (181) sowie ein Personen- und Ortsregister (182) be- ^"^.n, 'Gu"nter. Calvins Auseinandersetzung mit Oslanders Rechtfer-

schl.eßen den gehaltvollen Band, derbei Nuancen im einzelnen insge- ' |ehre(KuD 35,1989.236-256).
^mt einen guten Einblick in das Werk und das Denken des Erasmus
^ermittelt. Es wird deutlich, daß es dem Humanisten vor allem auf die

^'nfiihrung zur philosophia Christi, zur evangeliumsgemäßen i/i..t^-a-hU|i*«. MmimH

LebensPraxis nach seinem Verständnis, ankam. Im einzelnen erheben KirChengeSChlChte. Neuzeit

sich Fragen. Wenn „seine (sc. des Erasmus) unerreichte passive und

*0r allem aktive Beherrschung des Latein" hervorgehoben wird (99), p|ummer Alfred: Conversations with Dr. Döllinger 1870-1890. Ed.

dann liegt sicher ein Satz- oder Übersetzungsfehler vor. Mehrfach wjtn Introduc,jon and Notes by R. Boudens with the collaboration

w"d betont, Erasmus sei „kein Systematiker" (z. B. 60), ohne zu be- of L. Kenis. Leuven: University; Leuven: Peeters 1985. LV,

det*en oder zumindest daraufhinzuweisen, daß sein Denkansatz und 360 S. gr. 8" = Bibliotheca Ephemeridum Theolog.carum Lova-

se,ne Absicht herkömmliches Systematikertum geradezu ausschl.e- niensium, LXVII. Kart. BF 1800.-.

JJ-Einem Satz wie „Die Lutheraner betrachteten Flugschriften und instruktive Dokumentation dient dem Verständnis
B"cher a|s Mittel zum Heil" (51) hätten die zeitgenössischen Luthe- D.«übe»u uKtru, ^ (y) ^
aner schwerlich zugestimmt. Den Bauernkrieg als einer, „A*£ ^ ™Z*>« in Bamberg geboren, wird in seiner Laufeahn
°n Handwerkern und selbständigen Bauern" zu bezeichnen (45) ver Ser_ Historiker eewürdigt In einem leichten Understatement
kur" den historischen Tatbestand unzulässig. Problematisch ist es als Theo löge. H tonker Döllinge,Bild gep.arft, gleichen
, wenn Luther als „anfänglich konservativ" bezeichnet und sein wird ^J^^^SW mor/clearly appears to have
Wo^ser Bekenntnis in der bekannten volkstümlichen Formulierung wohl wird von ihm crk'an- j jan f tne 19th cen.

(45)- Es ^ "icht h JUngen HTZ ^StSSSSS^^ evangelischer Kirchen-

VE ^ewi^eten pädagogischen Schrift „De puens instituendis so- U»J>Ä *Jao K vie|leicht doch bedeutendere

,0rt -einen grimmigen und fast Robin-Hood-art.gen Ton zu ent- h.stor.kervergessen