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Ausgabe:

1987

Spalte:

155-156

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Uy, Antolin V.

Titel/Untertitel:

The state of the church in the Philippines 1850 - 1875 1987

Rezensent:

Gabriel, Hans-Jürgen

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155

Theologische Literaturzeitung I 12. Jahrgang 1987 Nr. 2

156

Courth. Franz: Maria im aktuellen ökumenischen Gespräch (TThZ 95. 1986.
38-53).

Fries. Heinrich: Das Zweite Vaticanum und die katholische Ekklesiologie.
Versuch einer Bilanz (MThZ 36, 1985,67-98).

Gonzalez, Carlos Ignacio: La teologia de la liheraciön a la luz dcl magisterio
de Juan Pablo II en America LatinafGr. 67. 1986. 5-46).

Miguez Bonino. Jose: La reeepeion del ..Vaticano II" cn Emcrica Latina
(Cuadernos de Teologia 7. 1985.71-81).

Stockmeier, Peter: Das Konzil in der Geschichte. Erwartungen und Wider-
stände(MThZ 36,1985.168-185).

Wenz. Gunther: Faktoren kirchlicher Einheit. Notizen zum zweiten Artikel
des Dekrets ..Unitatis redintegratio" aus der Perspektive evangelischer Theologie
(MThZ 36, 1985, 127-137).

Wetter, Friedrich: In der Einheit des Geistes. Eindrücke von der Bischofssynode
in Rom (GuL 59, 1986, 1-3).

[Zweites Vatikanisches Konzil:] Dogmatische Konstitution: Üher die göttliche
Offenbarung „Dci verbum". Vollständiger Text. Einführung und Kurzkommentar
von W. Kirchschläger. Klosterneuburg: Österr. Kath. Bibelwerk
1985.60 S.gr. 8". Kart. öS 108.-.

Ökumenik: Missionswissenschaft

Uy, Fr. Antolin V.: The State of the Church in the Philippines,
1850-1875. The Correspondence between the Bishops in the Philippines
and the Nuncio in Madrid. St. Augustin: Steyler Verlag
1984. VII. 269 S. gr. 8* = Studia. Instituti Missiologici Societatis
Verbi Divini, 35. Kart. DM 29,50.

Die Arbeit versteht sich als ein Beitrag zur Erforschung der Kir-
chengcschichtc der Philippinen und greift dabei eine Schwerpunktphase
heraus. Die Jahre 1850-1875 gehören bereits der letzten
Periode der spanischen Kolonialherrschalt an. Gekennzeichnet sind
sie durch das Bestreben des einheimischen Klerus, gegenüber der von
Spaniern gebildeten Hierarchie mehr Gewicht zu erlangen und durch
Versuche der Kurie, den von der spanischen Krone praktizierten
Regalismus zu durchbrechen. Aus dem reichen und bei weitem noch
nicht ausgewerteten Archivmaterial wählte der Vf. zweckmäßiger-
weise als wichtigste Quellengrundlage die Korrespondenz zwischen
dem päpstlichen Nuntius in Madrid und den Bischöfen auf den Philippinen
sowie die von dort eingegangenen Ad-Limina-Berichte
aus.

Einleitend wird überblicksweise die Situation der Kirche in Spanien
unter der Herrschaft Isabellas II. (1833-1868) geschildert. Die Zeichnung
der auf den Philippinen bestehenden spanischen Kolonialherrschaft
und der mit ihr verbundenen Kirche setzt mit dem Jahr
1849 ein. Konturiert wird das Bild durch Einfluß und Wirksamkeit
liberaler Vorstellungen aus Europa, Bemühungen zur Überwindung
des Analphabetentums. Erörterungen über die Zweckmäßigkeit der
Verbreitung des Spanischen auf den Philippinen und Ansätze philippinischen
Aufbegehrens. Auch die vorangegangene Entwicklung der
Kolonialkirche kommt dabei in Blick.

Kapitel I vertieft einleitend diese Darstellung durch Detaillierung
des kirchlichen Aufbaus auf den Philippinen in seinem historischen
Werdegang. Dabei geht Für den thematisch behandelten Zeitraum aus
den Ad-Limina-Berichten hervor, daß die Anzahl von Priestern und
Missionaren in keiner Weise der Bevölkerungszahl sowohl der schon
missionierten wie auch der noch zu missionierenden Philippinos entsprach
, obwohl sieb der Zugang von Klerikern aus Spanien steigerte.
Als unnormale Situation wird der geringe Anteil von eingeborenen
Priestern benannt, von denen ein beträchtlicher Teil ohnehin nur als
Koadjutoren unter der Leitung von spanischen Ordenspriestern zu
arbeiten hatte. Wiedergegeben werden die kritischen, ja abfälligen
Berichte der Bischöfe über die Christlichkeit der Bevölkerung und die
damit verbundene für Kolonialverhältnisse typische Einschätzung der
Eingeborenen als im geistigen Vermögen begrenzt. Ausgeführt wird
das zustimmende Echo, das das Vorgehen von Papst Pius IX. unter
der spanischen Hierarchie auf den Philippinen fand.

Kapitel II wendet sich näher dem bereits angedeuteten problematischen
Zustand der Kirche auf den Philippinen zu und benennt als
Ursachen das königliche Patronatssystem, das unausgeglichene Verhältnis
von Spaniern und Eingeborenen im Klerus, geringe Aufmerksamkeit
für nationale Identität und geringe Reformfreudigkeit, wobei
auch rassische Vorurteile mit im Spiel waren. Komplizierend und
stimulierend wirkten auf diese Situation der erfolgreiche Unabhängigkeitskampf
Lateinamerikas, die Verbreitung liberaler Ideen in Spanien
, das Bemühen des Hl. Stuhls um größeren Einfluß auf die koloniale
Kirche und das geistige Erwachen eingeborener Kleriker, die
nach Meinung des Vf. ein weiteres und tieferes Verständnis von
Katholizität als die Spanier entwickelten. Gezeigt wird der Widerspruch
, in dem die Kolonialkirche steckt, indem sie als Herrschaftsinstrument
Für z. T. liberal und d. h. kirchenfeindlich orientierte
Machthaber fungierte. Unterstrichen wird, daß es im thematisch behandelten
Zeitraum auf den Philippinen kaum eine nationale Unabhängigkeitsbewegung
gab, die eingeborenen Kleriker nur eine faire
und gerechte Behandlung anstrebten. Massive Auseinandersetzungen
zwischen Rom und Madrid werden greilbar im Zusammenhang mit
der Verweigerung der päpstlichen Bestätigung Für zwei von der Krone
proponierte Bischöfe.

Kapitel III trägt biographischen Charakter. Grcgorio Melitön Mar-
tinez, Erzbischof von Manila 1861 -1875, sowie drei weitere Bischöle
werden als Protagonisten kirchlicher Selbständigkeit gegenüber der
spanischen Krone bzw. Regierung gewürdigt.

Kapitel IV, das überschrieben ist „Schritte und Versuche zu Reformen
", gibt Einblicke in die Verflechtung von Kirchen- und Kolonialpolitik
. Gezeigt wird, wie ein Plan der Bischöfe auf den Philippinen
zur Hebung der Disziplin in den dort wirkenden Orden, deren (europäische
) Angehörige weithin die Pfarrstellen innehatten und sie damit
dem als unfähig und politisch unzuverlässig denunzierten einheimischen
Säkularklcrus vorenthielten, im Gegeneinander unterschiedlicher
Interessen auf der Strecke blieb. Letztlich setzte sich das Ziel
ungestörter Herrschaftsausübung der Kolonialmacht durch. Im Zusammenhang
mit dem Ringen des einheimischen Klerus um Beseitigung
der gegen ihn praktizierten Beschränkungen bestreitet der Vf
zwar nicht dessen z. T. recht spürbare Unzulänglichkeit und die verbreiteten
unlauteren Motive, die bei der Wahl des Klerikerberufes
wirksam waren, kritisiert aber auch die weitgehend opportunistische
Haltung der Bischöfe gegenüber den Kolon ialpraktikcn.

Das wieder stärker biographisch orientierte V. Kapitel richtet den
Blick auf das taktisch flexible Vorgehen des von Madrid operierenden
Nuntius Bariii, der sich mit Erfolg um die Schaffung und Intensivierung
von Direktbeziehungen zwischen Kurie und Kirche auf den Philippinen
bemühte. Weniger glücklich verliefen seine Bemühungen um
Reformen und um die Heranbildung von philippinischen Klerikern.
Ein bedeutender Partner seitens der philippinischen Kirche hätte für
Bariii der 1863 bei einem Erdbeben umgekommene Pater Peläez sein
können, der 1861/1862 interimistisch die Geschälte des Erzbischofs
von Manila wahrnahm. Peläez, auf den Philippinen geboren und
möglicherweise Mestize, setzte sich energisch für die Belange und die
Förderung des einheimischen Klerus ein und richtete in diesem Sinne
eine Denkschrift an den spanischen Kolonialminister. Nach seinem
Tode wurde er verdächtigt, einer Verschwörung für die Unabhängigkeit
seines Landes angehört zu haben.

Am Schluß der Arbeit steht eine kurze Beschreibung der kirchlichen
Verhältnisse, als die Philippinen 1898 aus spanischem Besitz
unter die Herrschaft der USA übergingen. In der Auswertung der
archivalischen Quellen stellt die Publikation einen gewichtigen ersten
Schritt dar, dem ein hoher Informationswert zuzuerkennen ist. Zuzustimmen
ist dem Vf.. wenn er (S. 257) auch auf die notwendige Begrenztheit
seines Unternehmens aufmerksam macht. Weitere Forschungen
werden das hier gebotene Bild nicht nur ergänzen und im
Detail beleben, sondern dürften möglicherweise auch zu abweichenden
Bewertungen führen.

Schöneichcb. Berlin Hans-Jürgen Gabriel