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Ausgabe:

1987

Spalte:

72-74

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Drummond, Richard Henry

Titel/Untertitel:

Toward a New Age in Christian theology 1987

Rezensent:

Langer, Jens

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Theologische Literaturzeitung 112. Jahrgang 1987 Nr. I

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Die angestrebte Rezeption der Konvergenz-Texte von Lima durch
die Kirchen des Ökumenischen Rates hat in diesen Jahren die Frage
nach der jeweiligen Lehrautorität neu in den Mittelpunkt gerückt. Die
vorliegende, posthum veröffentlichte Schrift von W. A. Visser't Hooft
gehört in den gleichen Hereich, ist aber auf das konkrete Verhältnis
von Lehrern und Lehramt, von magistri und magisterium bezogen,
wie es sich in der Kirchengeschichte entwickelt hat. Dabei stellt sich
die Frage: „Welches ist die angemessene Beziehung zwischen den
magistri, den theologischen Lehrern, und dem magisterium, der Autorität
, die darüber entscheidet, was die wahre Lehre der Kirche ist. Mit
anderen Worten: Sind die magistri einfach Sprachrohr des magiste-
riums und vollständig seiner Kontrolle unterworfen, oder sind sie Bestandteil
des magisteriums und haben Anteil an seiner Verantwortung
für die Festsetzung der wahren Lehre?" (II). Diese Frage habe in der
Kirchengeschichte nie eine befriedigende Antwort erfahren, ja, man
könne sagen, „daß die Spannung zwischen Theologen und kirchlicher
Autorität, seien es Papsttum, Bischöfe oder Synoden, heute größer ist
als je zuvor*' (ebd.).

Es ist also keineswegs so, wie der summarisch gehaltene Gang durch
die Kirchcngeschichte nahelegen könnte, daß der Vf. nur die katholische
Kirche als Gegenüber im Auge hätte. Er sieht das genannte Problem
in allen Kirchen, widmet aber nur der orthodoxen Kirche ein
eigenes Kapitel (102-108). Die historischen Abläufe wie die ökumenischen
Herausforderungen weisen indes vorrangig an die Kirche
Roms: an den auch durch das II. Vatikanum nicht geänderten Jurisdiktionsprimat
, der für das Selbstverständnis anderer Kirchen unzumutbar
bleibt und sie fragen läßt, „ob ein Dialog, in dem einer der
beiden Partner vom anderen einfach die Unterwerfung unter seine
Position verlangt, überhaupt einen Sinn hat" (III).

Aber auch das Gegenteil, nämlich das Fehlen eines magisteriums.
könne sich als „ernsthaftes Hindernis auf dem Wege zur Einheit der
Kirche" erweisen. Darum gelte es für die anderen Kirchen „eine Konzeption
des magisteriums zu entwickeln, „die es ihnen ermöglicht, in
aller Deutlichkeit auszusagen, was sie heute glauben, ohne ihren traditionellen
Standpunkt von der Verantwortung der Gesamtkirche für
den Glauben ihrer Glieder und von der Freiheit, die den Theologen zu
gewähren ist, aufzugeben" (1120-

Einen Schritt auf dem Weg zur Lösung der anstehenden ökumenischen
Probleme sieht der Vf. darin, „die magistri als ein gesondertes
Amt neben dem des Bischofs, Priesters und Diakons oder dem des
Pastors, Ältesten und Diakons anzuerkennen" (125), denn es ist seine
Überzeugung, „daß die Theologen eine eigene spezifische Aufgabe zu
erfüllen haben" (133).

Hans-Ruedi Weber spricht im Vorwort von „einem Vermächtnis",
das Visser't Hooft mit dieser Schrift hinterlassen habe (50- In der Tat
zeigt sich hier noch einmal - an einem überaus brisanten Thema!-die
Brillanz seiner Darstellung und die konsequente Geradlinigkeit seines
Denkens, durch die er der ökumenischen Bewegung immer wieder
entscheidende Anstöße vermittelt und weiterführende Perspektiven
eröffnet hat.

Frankfurt am Main Hanfried Krüger

Ökumenik: Missionswissenschaft

Castro, Emilio: Seilt Free. Mission and Unity in the Perspective of the
Kingdom. Geneva: World Council ofChurches 1985. XI, 102 S. 8°
= RiskBookSeries,23. Kart.sfr9.50.

Die Schrift bietet einen Extrakt aus Emilio Castros Promotion, die
er in einem Studiensemester zwischen seiner Tätigkeit als Direktor
der Abteilung für Weltmission und Evangelisation des Weltkirchenrates
und als Generalsekretär geschrieben hat. Er legt darin Rechenschaft
ab über seinen vergangenen Dienst, die gleichzeitig den Kurs
absteckt, den Castro künftig zu gehen gedenkt. C. fordert „Freiheit in

der Mission des Reiches Gottes" (86), und eine andere Mission gibt es
für ihn nicht. Diese Freiheit begründet er und nimmt dabei immer
wieder eine Grundfrage in der Auseinandersetzung um Probleme der
Mission in den vergangenen zwei Jahrzehnten auf,die Frage nach dem
Verhältnis von „Wohl und Heil" (22f. 27. 31. 87t lOlf und oft). Er
versucht, die Frage zu beantworten aus Altem und Neuem Testament,
aus den Ökumenischen Konferenzen vor allem von Bangkok und
Melbourne und anhand von historischen Beispielen. Sein Ergebnis
lautet: Wohl und Heil sind untrennbar verbundene Bestandteile der
Mission des Reiches Gottes, aber es sind verschiedene füren
(„entries"), verschiedene Zugänge - und kein Zugang erschließt das
ganze Reich bzw. umfaßt das gesamte Zeugnis („total witness").
„evangelism" und „social responsibility" verhalten sich dabei wie „a
marriage", sie sind miteinander verheiratet (31) und die ganze Welt,
soweit sie soziale Verantwortung wahrnimmt, ist also „ordinary mis-
sion" (74) in die Mission des Reiches Gottes einbezogen, weil alle
Sorge für die menschliche Gemeinschaft, von wem sie auch wahrgenommen
w ird, Teil der Sorge Gottes für seine Welt ist.

Castro sieht die Mission des Reiches Gottes in Jesus selbst beispielhaft
wahrgenommen. Jesu Zeugnis ist eine „Invasion der Liebe", und
zu dieser Invasion gehören eine Tasse Wasser, ein Wort der Liebe, die
Hand, die das Abendmahl reicht, das Beten füreinander wie auch die
Solidarität mit den Armen zusammen, sie sind „priesterliche Erfüllung
unserer Berufung", und „wir gehorchen unserem Ruf. indem wir
auf Jesus, den König, hinweisen, in dessen Leben jedes Leben einen
neuen Anfang finden kann" (alles 102). Deshalb sind Leid und Tod
Jesu nicht nur Folge seiner („missionarischen!") Auseinandersetzung
mit der Welt, sondern Folge von Gottes Willen (72), und Mission der
Kirche ist in diesem Sinne unmittelbare Folge der Inkarnation (74).
Deshalb muß sich Mission die Freiheit nehmen und bewahren, mit
Wort oder Tat oder mit beidem zu missionieren, dann nimmt sie die
Nachfolge Jesu ernst.

Das Buch macht deutlich, daß dieser Generalsekretär, soweit es an
ihm ist, den Weltrat der Kirchen sowohl beim Wort Gottes wie auch
bei seiner sozialen Verantwortung behaften wird, weil es ihm immer
um das ganze Zeugnis des Reiches Gottes geht.

Zittau Dietrich Mendt

Drummond. Richard Henry: Toward a New Age in Christian Theo-
logy. Maryknoll, N. Y.: Orbis Books 1985. XIV. 258 S. gr. 8* =
American Society of Missology Series, 8.

Nach dem Willen der Herausgeber dieser Reihe, als deren achter
Beitrag das Buch von R. H. Drummond erscheint, sollen in ihren Bänden
über die Grenzen von Disziplinen, Ländern und Denominationen
hinweg in einem umfassenden Sinne missionswissenschaftlich relevante
Themen erörtert werden. Theologie, Anthropologie, Geschichte
, Soziologie, Kunst und Erziehung sollen neben anderem in
diesem Zusammenhang berücksichtigt werden. Es liegt also ein komplexes
Missionsverständnis vor, das interessiert ist am Austausch
zwischen den Disziplinen und Kulturen: "Interaction will be the hallmark
ofthisseries."(W. J. Danker)

Vf. vorliegenden Bandes bringt für das beschriebene Anliegen
reiche Erfahrungen mit: Seit 1947 presbyterianischer Pfarrer, lehrt er
Vergleichende Religionswissenschaft an der Universität des Dubuque
Seminary in Dubuque, Iowa. Fünfzehn Jahre wirkte er in Japan als
Missionar, schrieb währenddessen sowohl für eine japanische wie für
eine amerikanische Zeitschrift regelmäßig Beiträge und lehrte an
mehreren akademischen Ausbildungsstätten in Japan Theologie. Er
hat auch Bücher verfaßt über das Christentum in Japan und den
Buddhismus.

D. will das neue Zeitalter beschreiben, in das die Theologie sich
nach seiner Meinung begibt. Er stellt sich seiner Aufgabe in dem Bewußtsein
, daß die Epoche der „Konterreformation" vorüber ist und
wir im Zeitalter einer „Koreformation" leben. In diesem Geiste be-