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Ausgabe:

1987

Spalte:

698-699

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Jaeschke, Ernst

Titel/Untertitel:

Bruno Gutmann 1987

Rezensent:

Krügel, Siegfried

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697

Theologische Literaturzeitung 112. Jahrgang 1987 Nr. 9

698

Front macht - oder Front zu machen vermeidet -, also Inhalte zur
Geltung und Personen ins Spiel bringt, für den Vf. unentrinnbar durch
Psychosozial bedingte Stereotypen mitbestimmt ist, die dazu nötigen,
n'cht-theologische Spczialforschungen verschiedenster Art in die
homiletische Klärung einzubeziehen. Dennoch, die TitelbegrifFe
drücken die Komplexität der darunter verhandelten Probleme nur
ungenügend aus. Darüber hinaus ist die Besprechung der Feind-,
Selbst- und Idealbilder je für sich - auch im Sinne des Vf. (vgl. 143) -
nur ein Notbehelf. Andererseits kann so das Maß überschaubarer Ein-
zclbciträge eingehalten werden. Das Verfahren der Problementfaltung
und Problemlichtung ist dem aus Josuttis Pastoraltheologie „Der
Pfarrer ist anders" (1982) verwandt: Aspekt tritt zu Aspekt, und
daraus ergibt sich ein immer deutlicherer Durchblick, das aber nicht
ohne die vom Vf. gewagte und zugleich psychologisch einleuchtend
Sernachte theologische These. Beispielsweise kommt es am Ende des
Aufsatzes über Idealbilder (nämlich Gottesbilder) in der Predigt zu
folgender Aufstellung: Wenn um der Bezeugung der Liebe Gottes
willen dieser Gott in der Predigt „fast immer gut und sehr häufig
'''ein" ist (160), werde eine emotionale Beziehung zu ihm verhindert
und das biblische Zeugnis von ihm verfehlt. Der „angeblich nahe und
SUte Gott" bleibe „den Gefühlen sehr fern". „Am Ende der Ausbildung
sind ... die meisten Theologen . .. kognitive Artisten und ,emo-
honale Analphabeten'" (162). Demgegenüber gelte theologisch und
sei auch psychologisch verständlich: „Nur einen Gott, der zu fürchten
lsl. kann man lieben . .. Nur der fremde, unheimliche, bedrohliche
^°tt kann, wenn der Glaube den Weg vom Gesetz zum Evangelium
*u gehen vermag, zum eigenen, gefürchteten und geliebten Gott werden
, zum Bräutigam und zum Herren aller Herren." (165)

Josuttis Studien zur Homiletik dokumentieren den Trend zur
numanwissenschaftiiehen Aufklärung und kritisieren den Trend zur
'neologischen Verflachung der Predigt. Mit dieser Doppelleistung
Markiert das Buch - ein halbes Jahrhundert nach den ersten Homilet
-Entwürfen unter dem Einfluß der dialektischen Theologie -
zw>schen Anknüpfung und Widerspruch einen vermittelnden Stand-
Punkt, der für den Leser gleichwohl zum Ort scharfer Hcrausforde-
rungen wird.

Peterahagen Jürgen Henkys

Albrecht, Horst: Korn und Kanzel. Alkoholismus als Herausforderung an die
Prc<%(ZGP5,1987,2,21-24).

Beintker, Michael: Das (unvermeidliche) prophetische Risiko beim Verkündigen
(ZdZ 40,1986,64-71).

Bieritz, Karl-Heinrich: Kritik der Kritik. Beispiele. Strukturen, Funktionen
yon Predigtkritik (ZGP 3,1985,6,25-33).

Denecke. Axel: Die Predigt als Ort theologischer Vergewisserung. Über die
Einheit von „Predigt und Prediger" bei Karl Barth (geb. am 10. 5. 1886)(ZGP 5.
I986,3.15-21).

Engemann, Wilfried: Predigt - transaktionalytisch gesehen (ZOP 4, 1986, 4,
■5-21).

Gottesdienstpraxis. Serie A. hg. von E. Domay u. H. Nitschke. 3. Perikopen-
"^ne. 1:1. Sonntag im Advent bis Invokavit. 160 S. 2: Reminiszcrc bis 2. Sonnig
nach Trinitatis. I55S. m. I Abb. 3: 3. Sonntag nach Trinitatis bis Ewigkcits-
^nntag. 165 S. 4: Ergänzungsband Exegesen 156 S. Gütersloh: Gütersloher
Verlagshaus Gerd Mohn 1986/1987 8". Kart. DM je 22.80.

Graesser. Carl: Using the Biblc in worship(CThMi 13,1986,266-271).

Josuttis, Manfred: Die Bibel als Basis der Predigt (ZGP 4, 1986. 2, 22-26;
v8l. H.-G. Lubkoll und P. Beier im selben Heft).

Kamphaus. Franz: Der Stein kam ins Rollen. Worte, die zum Glauben reizen
H8 von P. Deselaers. Freiburg-Basel-Wien: Herder 1986. 191 S. 8°. Kart.
°M 19,80.

Lenzen. Wilfried: Predigen auf dem Dorf (ZGP 5,1987,2,17-20).

LeseprcdiRtcn. 3. Perikopcnreihc. Lfg. 1:1. Sonntag im Advent bis Ostcr-
m°ntag. 125 S. Lfg. 2: Quasimodogeniti bis Ewigkeitssonntag. 148 S. Hg. von
* Domay in Zusammenarb. mit M. Schibilsky u. B. Sticrle. Gütersloh: Gütcrs-
'°her Verlagshaus Gerd Mohn 1986/1987. Loseblattausgabe 8°. je DM 22,80.
^'ngordner sep. DM 6,50.

I-indemann. Andreas, u. Luise SchottrofT: Was heißt ..schriftgemaß predi-
gen"?(ZGP4,1986. 1,23-29).

Nitschke, Horst [Hg.]: Advent. Gottesdienste, Andachten, Meditationen,
Predigten. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn 1986. 142 S. 8° =
Gottesdienstpraxis. Serie B. Kart. DM 22,80.

-: Ostern. Predigten, Gottesdienste, Osternachtfeiern. Gütersloh: Gütersloher
Verlagshaus Gerd Mohn 1986. 128 S. 8" = Gottesdienstpraxis. Serie B.
Kart. DM 22,80.

-: Predigten zum Glaubensbekenntnis. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus
Gerd Mohn 1986. 126 S. 8°. Kart. DM 22,80.

Wagner, Heinz: Gottes Wort gesendet in unserer Zeit (Standpunkt 14, 1986,
255-256).

Windhorst, Christof [Hg.]: Im Tod das Leben. Predigten am Grabe, zu Ostern
und Ewigkeitssonntag. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1987. 288 S. 8° =
Dienst am Wort, 3. Kart. DM 29,80.

Schmidt. Ludwig [Hg.]: Passionsandachten. Göttingen: Vandenhoeck &
Ruprecht 1987.239 S. 8° = Dienst am Wort, 26. Kart. DM 28,-.

Ökumenik: Missionswissenschaft

Jaeschke, Ernst: Bruno Gutmann. His Life - his Thoughts - and his
Work. An Early Attempt at a Thcology in an African Context.
Erlangen: Verlag der Evang. luth. Mission 1985. XVIII, 466 S., 1
Porträt 8

Es ist sehr zu begrüßen, daß Vf. der deutschen Ausgabe dieses Werkes
(Gemeindeaufbau in Afrika. Die Bedeutung Bruno Gutmanns für
das afrikanische Christentum. Stuttgart: Calwer Verlag 1981) nunmehr
eine englische hat folgen lassen; denn die Afrikaner selbst sind
zunehmend daran interessiert, sich mit dem auch bei ihnen weithin in
Vergessenheit geratenen Denken und Tun Bruno Gutmanns neu zu
beschäftigen. Der englischen Sprache sind viele von ihnen mächtig,
der deutschen nur wenige. Zudem weist die englische Ausgabe einige
Erweiterungen auf.

Vf., 35 Jahre jünger als Gutmann (1876-1966), aber auf Grund seiner
Leistungen in Afrika und Neuguinea und seiner religions- und
missionswissenschaftlichen Arbeiten heute bereits selbst unter die
"great old men" der protestantischen Mission im 2. Drittel unseres
Jh. zu zählen, war Gutmanns Nachfolger in Ostafrika und wurde von
diesem noch mit aller Gründlichkeit in die große Gemeinde Moshi
eingeführt. Vf. wurde so zum profundesten Kenner des weitgespannten
Lebenswerkes Gutmanns in Theorie und Praxis.

Das Buch, dem ein ausgezeichnetes Vorwort des Münchener Mis-
siologen, Religionswissenschaftlers und Afrikanisten Horst Bürkle
vorangestellt ist, gliedert sich'in 5 Kapitel: "Bruno Gutmann and his
work", "Basic theological coneepts", "Practica! consequences for the
African congregation and church", "Critical evaluation" und
"Today's ecumenical confimations and missiological reflections con-
cerning Bruno Gutmann's pereeptions". Anmerkungen, ein Literaturverzeichnis
, ein Namenindex und ein vornehmlich wohl für den
afrikanischen Benutzer gedachtes, im einzelnen aber auch für den
europäischen Leser nützliches Register "Foreign Words" erhöhen
den Wert des Buches für denjenigen, der es solider Studienarbeit zugrunde
legen möchte.

Vf. läßt sich von einer dreifachen Zielsetzung leiten. Zunächst
unterzieht ersieh mit Noblesse der Aufgabe einer persönlichen Ehrenrettung
Bruno Gutmanns. Nach allem, was in den Jahren 1933-1945
vorgefallen ist. kann es nicht wundernehmen, daß in und seit jener
Zeit Gutmann-Kritiker, vor allem solche in der Schweiz, den Niederlanden
und Skandinavien, Gutmanns gesamte Konzeption als
„braun" eingefärbt meinten verstehen zu müssen. In der Tat hatte es
ja nicht ganz an Versuchen gefehlt, Gutmann von nationalsozialistischer
Seite, wenn natürlich auch nur ganz partiell, zu vereinnahmen
und propagandistisch auszunutzen. Vf. bringt überzeugende
Argumente vor und verbürgt sich aus seiner genauen persönlichen
Kenntnis Gutmanns auch selbst dafür, daß alle Verdächtigungen der
Grundlage entbehren. Gutmann war kein Nazi, kein „Völkischer"
und schon gar nicht der Vertreter eines „Kolonialismus unter der
Kutte". Freilich waren Begriffe wie Vaterland, Volk, Heimat. Sippe.
Boden, Muttersprache für ihn nicht, wie heute weithin in der west-