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Ausgabe:

1986

Spalte:

777-778

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Collet, Giancarlo

Titel/Untertitel:

Das Missionsverständnis der Kirche in der gegenwärtigen Diskussion 1986

Rezensent:

Moritzen, Niels-Peter

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Seite 1

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777

Theologische Literaturzeitung III. Jahrgang 1986 Nr. 10

778

Ausgewählte „theologische Hauptprobleme" der Dialoge bietet
Teil 4 (141-177). Zur Darstellung kommen die Themen Amt und
Herrenmahl sowie die Fragen zum Grundentscheid und zu Zielvor-
stcllungen der Einheit. Dabei wird aus einer positiven Sicht der Konfessionen
heraus geurteilt. „Jede Kirche ist in sich zu vielfältig und
reich, als daß sie auf eine punktuelle Grundentscheidung reduziert
werden dürfte" (169). Während Für die jungen Kirchen dem Opfer der
Konfessionen in einer „organischen Union" ein Vorzug zukommen
könnte, wird für die Kirchen Europas und Nordamerikas „dem Modell
der versöhnten Verschiedenheit eindeutig der Vorzug" gegeben
(173). „Konkrete Schritte" sind dazu „schon heute möglich" (177).

Rückfragen stellen sich zu manchen Einzelaussagen ein. Die Bewegung
Für Prakt. Christentum sollte nicht auf das Motto „Die Lehre
trennt, der Dienst eint" festgelegt und reduziert werden (89). Lima
wird gewiß kein abgeschlossenes Projekt und wohl auch kein „Siegder
klassischen ökumenischen Theologie" - worüber? - sein (1091").
Ordnen die WOG „die weltweite Einigung von Kirchen desselben Bekenntnisses
der Einheit am Ort" vor (I 15) - oder bestehen hier nicht
viel engere Zusammenhänge, die gerade aus kath. Sicht zu würdigen
wären? Daß über die Leuenberger Konkordic „der reformierte Protestantismus
auch in den Gesprächen des Lutherischen Weltbundes
unsichtbar zugegen" ist (127), dürfte sich bei genauerer Analyse leider
als Idealisierung erweisen.

Insgesamt ist hier aber eine handhabbare. Für die Arbeit der
Gemeinden sehr gut geeignete ökumenische Bestandsaufnahme angeboten
.

Kamenz Hans-Jochen Kühne

Bonmot, Vilali: Taufe. Eucharistie und Amt. Bewertung der Lima-
Dokumente in der Russischen Orthodoxen Kirche (Orig. in Poln.] (Studia i
Dokumente Ekumeniezne 4. 19X6.24-34).

»an Eijk. A. H. C: Noitic. Ecn oeeunienisehe ekklesiologie (Bijdr. 47. 19X6.
58-66).

Careia-Mateo. Rogelio: Die Methode der Theologie der Befreiung (StZ III.
1986.3X6-396).

Kern. Udo: Die lateinamerikanische Theologie der Befreiung in ihrem theologischen
SelbstvcrständnistCV 29.19X6.41-66).

Koschorke. Klaus: Auf dem Weg zu einer asiatischen Kirehengesehiehte.
Bericht überdrei Konsultalionen (/.IM 12. 1986.6-15).

Scharhau. Friedrich-Otto [Hg.]: Einheit der Kirche. Klausurtagung der
Biseholskonferenz der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deulseh-
lands (VELKD) 19X4. Referate und Kundgebung. Hannover: Lutherisches Vcr-
lagshaus 1985. 127 S. kl. 8" = Zur Sache. 25. Karl. DM 16.80.

Sehmid. Johannes: Zur katholischen Rezeption der „Lima-Dokumente"
(WuA(M)27. 1986. 14-18).

Sullivan. Francis A.: Pfingstbcwcgung und charismatische (iemeindeerneue-
rung. Geschichte-Spiritualität-Stellungnahme KiuL 59. 1986. 165-184).

Urban. Detlef: Zwischen Tradition und Aufbruch. Brasiliens Lutheraner -
eine sieh öffnende Kirche ILM 25. 1986. 112-1 15).

Ökumenik: Missionswissenschaft

Collet, Giancarlo: Das Missionsverständnis der Kirche in der gegenwärtigen
Diskussion. Mainz: Grünewald 1984. 308 S. 8" = Tübinger
theologise he Studien. 24.

In der naehkonziliaren römisch-katholischen Missionstheologie
Finden sich bereits eine ganze Reihe sehr gründlicher und hochkarätiger
Dissertationen zur systematisch-theologischen Neuorientierung
des Missionsauftrages.

Es seien genannt: L. Rütti: Zur Theologie der Mission. Mainz
1972: H. Dappcr: Mission - Glaubensinterpretation - Glaubensrealisation
(Regensburger Studien). Frankfurt, Bern 1979; Th, Kramm:
Analyse und Bewährung theologischer Modelle zur Begründung der
Mission. Aachen 1979.

Wie diese Studien setzt auch Collet mit Untersuchungen zur „Infragestellung
der Mission" (Kap. I) und „zum Strukturwandel der
Mission". Kap. IL ein. wobei erfreulich ist. daß er sein diagnostisches
Instrumentar reflektiert verwendet: Es geht dabei um gestörte Kommunikation
, und entsprechend geht sein eigener Beitrag in Kapitel
VIII auch vom Begriff der „kommunikativen Freiheit" aus.

Ein Spczifikum ist aber bereits Kapitel III: „Missionstheologie im
Wandel", worin verschiedene Schulen: der aus Tübingen (wo der
Doktorvater W. Kasper lehrt), Münster. Löwen, Paris-und hier wird
dann erstaunlicherweise der missionstheologische Beitrag des Vaticanum
II eingeordnet, als eine Art Abschluß der bisherigen Entwicklung
.

Schwerpunkt des Buches schon vom Titel her sollte das Missionsverständnis
„der Kirche" sein. Dem gelten nun drei Kapitel: Zuerst
(Kap. IV) die (5) Nachkonziliaren Enzykliken und Apostolischen
Schreiben zum Thema; dann (Kap. V) die (3) Römischen Bischofssynoden
(nebst Exkurs zum Begriff: ganzheitliche Befreiung); und
endlich (Kap. VI) Synodale Beschlüsse, und zwar aus Holland. Bundesrepublik
, der Diözese C'hur und aus Österreich. Damit wird ein
Interesse an den Vorgängen repräsentativer Meinungsbildung in den
Teilkirchen deutlich, und zwar im eigenen Bereich. Unerwartet trifft
man dann im Kapitel über missionstheologische Modelle unter fünf
Autoren (Beyerhaus. Gensichcn, Amstutz. Rütti, Bürkle) nur zwei
römische Katholiken: Amstutz und Rütti. Die Reihung hängt mit der
Einordnung als mehr oder weniger geschlossen oder andersherum:
mehr oder weniger kommunikativ offen zusammen, und so gerät der
Entwurf von H. Bürkle zum relativ besten. Mit ihm teilt der Autor
auch, daß sein Interesse sich nicht an der lateinamerikanischen Theologie
der Befreiung festmacht, wie das bei Dappcr und Rütti mehr
oder weniger deutlich der Fall ist.

Sein Abschlußkapitel (VIII). zurückhaltend: „Prolegomena zu
einer Theologie der Mission" genannt, kreist um drei Stichwortpaare:
„Kommunikative Freiheit, christliche Freiheit. Freiheit und Mission
". 30 Seiten Literatur. 3 Seiten Abkürzungen. 5 Seiten Register.
1292 Fußnoten zum laufenden Text und zahlreiche, teils längere Zitate
im Text - es ist eine umfassende Orientierung, die hier so bescheiden
wie vornehm vorgetragen wird; es ist ein breiter Horizont,
vorgetragen mit erkennbarer Sympathie für einen naehkonziliaren
Prozeß freierer Meinungsbildung. Rezensent wünschte sich deutlicheren
Standort. Parteinahme. Konkretion, nicht nur. weil ihn das bei der
Lektüre leichter wachhält, sondern auch, weil darin die Eigenart des
Evangeliums besser durchscheint.

Erlangen Niels-Peter Moritzen

Berichte und Mitteilungen

Zur Kirchenväterausgabe Corpus Christianorum

Von Gert Haendler, Rostock

Über die neue Ausgabe der Kirchenväter „Corpus Christianorum"
war in ThLZ 107. 1982. 486-488 berichtet worden. Inzwischen ist
das Unternehmen weiter vorangekommen. In der Series Latina erschienen
zwei weitere Bände der Werke des Petrus Chrysologus (Bd.
24A und 24B. Ed. A. Olivar). die Schrift des Hieronymus gegen Rufin
(Bd. 79, Ed. P. Lardet) sowie der Bd. „Scripta Arriana Latina I"
(Bd. 87. Ed. R. Gryson) mit den Teilen Collectio Vcronensis, Scholia
in concilium Aquilejense. Fragmcnta in Lucam rescripta sowie Frag-
menta theologica rescripta. 1985 kam Bd. 92 heraus: Primasius. Com-
mentarius in Apocalypsin (Ed. W. Adams). 1983 erschien Bd. 121 mit
Arbeiten von Beda Vencrabilis zur Apostelgeschichte: Expositio
actuum apostolorum. retraetatio in actus apostolorum. nomina regio-
num atque locorum de acribus apostolorum (Ed. M. L. W. laistner)
sowie in cpistolas VII catholicas (Ed. D. Hurst). Bd. 133C brachte
einen Anonymus: Ars Ambrosiana (commentum anonymum in
Donati partes majores), bearb. von Bcngt Löfstedt. Das Briefregister
Papst Gregors I. erschien in zwei Bänden (140 und I40A, Ed. D. Nor-